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StromausfallWie ich den Blackout in Spanien erlebt habe

Der spanische Energiemarkt gilt als einer der sichersten, billigsten und nachhaltigsten der Welt. In nur fünf Sekunden musste die Iberische Halbinsel sich am Montag jedoch eingestehen, dass nicht alles perfekt läuft.Stefanie Claudia Müller 29.04.2025 - 18:46 Uhr
Spanien und Portugal haben mit den Folgen landesweiter Stromausfälle zu kämpfen. Foto: Armando Franca/AP/dpa

Als am Montag um 12.33 Uhr in ganz Spanien der Strom ausfällt und damit auch das Internet, die Mobilfunknetze, ja eigentlich das gesamte moderne Leben, fällt mir auf, dass ich kein Bargeld im Haus habe. Spanien ist viel weiter bei der Digitalisierung als Deutschland. Alles wird mit dem Handy oder der Karte bezahlt. Hätte ich nichts zum Essen im Haus, hätte ich jetzt ein Problem.

Nicht nur mir wird in diesem Moment bewusst, wie sehr das Land und wir modernen Bürger am Strom hängen. Autos können nicht aus den unterirdischen Garagen geholt werden, weil deren Tore strombetrieben sind. Die vielen Elektrofahrräder, Share-Autos und Tesla-Taxis können nicht mehr geladen werden und auch die elektrischen Bahnstrecken streiken. Züge bleiben mitten auf der Fahrt liegen oder müssen gestoppt werden.

In den Städten leben die meisten Spanier in modernen, mehrstöckigen Wohnkomplexen mit Aufzügen. Hunderte bleiben an diesem Schicksalstag allein in Madrid darin stecken. Es dauert Stunden, bis sie von der Feuerwehr befreit werden können. Selbst die Türklingeln sind außer Betrieb.

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Noch vor ein paar Wochen haben wir darüber gelacht

Als Ursula von der Leyen vor ein paar Wochen ihre Warnung ausgesprochen hat, dass wir Europäer im Haushalt vorsorgen sollten für Krisenzeiten und mögliche Kriege, da haben hier in Spanien noch viele gelacht. Sie dachten an den Krieg in der Ukraine, der weit weg war von Spanien. Selbst der spanische Außenminister José Manuel Albares betonte: „Es gibt keine aktuelle Bedrohung.“ Und dann war am Montag plötzlich der Blackout da, stundenlang und bis heute ohne bekannten Grund – auch wenn von Anfang an klargestellt wurde, dass es sich nicht um eine russische Cyberattacke handle.

Nach Aussagen des spanischen Premiers Pedro Sánchez waren es fünf Sekunden, in denen plötzlich 15 Gigawatt auf noch nicht geklärte Weise verschwanden und so das iberische Stromnetz am Montagmittag zum Erliegen brachten. Der Chef des spanischen Unternehmerverbandes CEOE, Antonio Garamendi, schätzt den Schaden für die spanische Wirtschaft auf 0,1 % des Bruttoinlandsprodukts, was 1,6 Milliarden Euro entspricht.

Noch zwei Stunden vor dem Stromausfall hatte ich einen fröhlichen König vor dem Real Casino in Madrid gesehen, wo er Schulkindern die Hände schüttelte. Er hatte eine wichtige internationale Konferenz eröffnet. Dort saßen Investoren, Unternehmer und Minister zwei Stunden später im Dunkeln und ihre Handys funktionierten nicht mehr. Einige von ihnen dürften gestaunt haben, weil sie gekommen waren, um in den spanischen Energiesektor zu investieren: in Solar- und Windparks, Wasserstoffproduktion und Giga-Factories.

Im europaweiten Vergleich wächst Spanien derzeit überdurchschnittlich und ist eines der Länder mit dem höchsten Anteil an Erneuerbaren im Energie-Mix. Zuletzt lag er bei über 70 Prozent.

Schicksalsgemeinschaft vor dem Radio

Die Spanierin Sonia Alegre erzählt, dass sie Glück hatte, im Madrider Zentrum neben einer Nachbarin mit Gasherd zu wohnen, sodass sie gemeinsam ein warmes Essen kochen konnten. Das Hotel neben ihrer Wohnung hat eine eigene Stromversorgung. Dort konnte sie zudem ihr Handy aufladen, das Internet nutzen und ihre Familie benachrichtigen. Der 26-jährige Ivan Rosero hingegen sagt, er musste stundenlang auf den Bus warten und anschließend für 40 Euro ein Taxi nehmen – nur, um seinen besorgten Eltern mitzuteilen: „Es ist alles gut.“

Fast heroisch war die Leistung der Radio-Journalisten an diesem denkwürdigen Montag. Besonders der staatliche Sender RNE versorgte die Bevölkerung, die vor ihren batteriebetriebenen Geräten saß, mit Informationen zu Ursachen und Folgen des Stromausfalls und gab viele praktische Tipps. Ich gehöre zu den Glücklichen, die ein Radio mit Batterien besitzen, und habe ebenfalls diese besonderen Stunden ohne Zugang zur virtuellen Welt mit der Radiogemeinschaft verbracht.

Um 21.45 Uhr bin ich dann doch sehr erschöpft eingeschlafen. Als ich um sechs Uhr wieder aufwachte, war der Zauber wieder vorbei. Ich setzte mich an den Computer und alles begann zu arbeiten.

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