Südkoreaner sollen noch mehr arbeiten: Südkorea will Kinderlosigkeit bekämpfen – mit der 69-Stunden-Woche
Arbeiten die Menschen in Südkorea bald 69 Stunden wöchentlich?
Foto: WirtschaftsWocheWährend die Rufe nach der Vier-Tage-Woche in Deutschland immer lauter werden und Staaten wie Großbritannien in Pilotprojekten mit dem neuen Konzept experimentieren, will Südkorea die wöchentliche Höchstarbeitszeit auf 69 Stunden erhöhen.
Erst 2018 haben die Südkoreaner die Wochenarbeitszeit auf 52 Stunden verkürzt. Darin enthalten sind 40 Stunden reguläre Arbeitszeit und zwölf Überstunden, die die Arbeitnehmenden pro Woche anhäufen können. 2021 schufteten abhängig Beschäftigte in Südkorea durchschnittlich 1915 Stunden. Bevor die Wochenarbeitszeit vor fünf Jahren verkürzt wurde, waren es gar 2052 Stunden jährlich. Zum Vergleich: Für Deutschland nennt die OECD eine Arbeitsleistung von 1349 Stunden im Jahr bei einem Pro-Kopf-Einkommen von 48.950 Dollar. Die Wirtschaftsleistung je Kopf der Südkoreaner lag 2021 mit rund 35.004 US-Dollar deutlich drunter.
Für Aufsehen sorgt vor allem die Begründung der konservativen Regierung von Präsident Yoon Suk Yeol: Mit der hohen Zahl an Arbeitsstunden soll werdenden Müttern geholfen werden. Haben sie die Überstunden erst einmal angehäuft, können sie sich später länger freinehmen – zum Beispiel, um ihr Kind großzuziehen.
Damit soll einer gefährlichen Statistik entgegen gearbeitet werden: Südkorea weist mit durchschnittlich 0,87 Kindern pro Frau die zweitniedrigste Geburtenrate der Welt auf – gleichzeitig ist die Lebenserwartung mit rund 84 Jahren eine der höchsten weltweit. Damit schrumpft nicht zuletzt der Teil der Bevölkerung, der erwerbsfähig ist.
Hohe Arbeitszeiten führen zu gesundheitlichen Schäden
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat lange Arbeitszeiten mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle und Herzkrankheiten in Verbindung gebracht. „Eine Wochenarbeitszeit von 55 Stunden oder mehr ist ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko“, sagte Maria Neira, Direktorin der Abteilung für Umwelt, Klimawandel und Gesundheit. Dabei sind laut einer UN-Studie aus dem Jahr 2021 Ostasien, Südostasien und der indische Subkontinent besonders stark durch arbeitsbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen belastet.
Im Nachbarland Japan gibt es sogar ein eigenes Wort für den Tod durch Überarbeitung: „Karoshi“. Erst 2017 kam es in Japan zu mehreren Todesfällen durch Unmengen von Überstunden.
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