Türkei: Über 300 Festnahmen bei nächtlichen Protesten in der Türkei
In der Türkei hat es in der Nacht zu Samstag neue Proteste gegen die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu gegeben. Dabei wurden nach Angaben des türkischen Innenministeriums 343 Menschen in mehreren Städten festgenommen. Ziel der Maßnahmen sei es, eine „Störung der öffentlichen Ordnung“ zu verhindern, erklärte das Ministerium. Die Behörden würden „Chaos und Provokationen“ nicht dulden.
Kundgebungen wurden aus mehr als einem Dutzend Städten gemeldet – darunter aus der Hauptstadt Ankara und der größten Stadt des Landes, Istanbul. Imamoglu ist der wichtigste Rivale von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Dieser hatte die Anhänger Imamoglus am Freitag vor Kundgebungen am Wochenende gewarnt.
Schon seit Mittwoch sind Zehntausende Menschen in Istanbul, Ankara und anderen Städten gegen die Festnahme Imamoglus auf die Straße gegangen. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich. Imamoglu sollte am Wochenende von seiner Partei CHP zum Herausforderer von Erdogan bei der kommenden Präsidentenwahl gekürt werden. In einigen Umfragen liegt Imamoglu vorn. Am Mittwoch war der 54-Jährige wegen Vorwürfen der Korruption und der Unterstützung einer Terrorgruppe verhaftet worden. Europäische Politiker kritisierten die Festnahme als demokratischen Rückschritt.