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UN-Sondersitzung Killerroboter – Die UN wollen das neue Wettrüsten stoppen

Im Kampf um die militärische Vorherrschaft entwickeln die großen Militärmächte autonome Waffensysteme. Die UN wollen ein Wettrüsten verhindern.

Roboter: Aktuelle News und Entwicklungen zu Robotern & KI Quelle: AFP/Getty Images

BerlinEs klingt wie Science Fiction und ist doch längst bittere Realität: Israel hat Selbstmorddrohnen vom Typ Harop getestet, die sich in Kamikazemanier auf den Gegner stürzen.

In Südkorea hat die Firma Dodaam einen Killerroboter zur Grenzsicherung entwickelt, der auf drei Kilometer Entfernung ohne menschliche Hilfe mögliche Gegner unschädlich machen kann.

Die smarte Selbstschussanlage wurde an der Grenze zu Nordkorea getestet und Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sollen bereits Interesse bekundet haben. Auch Russland, China und die USA basteln unterdessen in ihren digitalen Waffenschmieden – vor allem an autonom operierende Drohnen.

„Wir sprechen nicht über eine Zukunftsvision. Die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz steht unmittelbar bevor“, warnte der ehemalige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar, „und die Nato ist auf diese Art der Kriegsführung überhaupt nicht vorbereitet.“ 

Die Wunderwaffe, die all das möglich macht, heißt künstliche Intelligenz (KI). „Wer immer die Führung bei diesem Thema übernimmt, wird die Welt regieren“, prophezeite jüngst Russlands Präsident Wladimir Putin. Kein Wunder, dass China bis 2025 die Weltspitze in dieser Technologie erobern will.

Seit 2013 versuchen die Vereinten Nationen ein Wettrüsten mit autonom operierenden Waffensystemen zu verhindern. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie der Zusammenschluss „Campaign to Stop Killer Robots“ fordern gar einen weltweiten Bann für die Mordwerkzeuge aus den digitalen Waffenschmieden. Genützt hat das bislang wenig.

In Genf treffen sich in dieser Woche Vertreter aus 80 Ländern unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, um über strengere Regeln für autonom agierende Killerroboter zu beraten. Während die führenden Militärmächte sich nicht in die Karten gucken lassen wollen, pochen die NGOs auf ein Verbot.

So gefährlich, wie die Atombombe

Deutschland und Frankreich sitzen zwischen den Stühlen. In München erklärte Generalleutnant Ludwig Leinhos, der Chef des deutschen Cyber-Kommandos, dass man keine autonomen Waffensysteme kaufen werde. Der Mensch müsse die letzte Entscheidung treffen, heißt es aus Berlin und Paris.

Ein sofortiges Verbot von Killerrobotern steht aber offenbar nicht auf der deutsch-französischen Agenda. „Wir können nicht etwas verbieten, das gar nicht existiert, zitiert das US-Magazin „Time“ Botschafter Michael Biontino, den ständigen deutschen Vertreter bei der Genfer Abrüstungskonferenz. Die NGOs sind enttäuscht und zählen Deutschland nicht zu jenen bislang 22 Staaten, die einen Bann von tödlichen autonomen Waffensystemen propagieren.

Nicht nur in der Politik, auch in der Wissenschaft ist der Streit über Killerroboter voll entbrannt. Mehr als 50 führende Wissenschaftler aus nahezu 30 Ländern riefen vergangene Woche zu einem Boykott des südkoreanischen „Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) auf.

Der Grund: Die Forscher werfen den Südkoreanern und ihrem industriellen Partner Hanwha Industries vor, die Entwicklung autonom operierender Killerroboter voranzutreiben. Bereits vor zwei Jahren warnten 3000 IT-Spezialisten aus aller Welt in einem offenen Brief, dass intelligente Waffen nach der Erfindung des Schießpulvers und der Atombombe die dritte große Revolution in der Waffentechnik seien.

Für die Erfinder-Ikone Elon Musk (Tesla und Space X) aus dem Silicon Valley ist es deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis Militärs sich der künstlichen Intelligenz bemächtigen. Musk fürchtet bereits einen „dritten Weltkrieg“.

Der Atomwaffensperrvertrag und das internationale Verbot von Landminen zeigen einerseits, dass eine gemeinsame Rüstungskontrolle, wie sie jetzt in Genf versucht wird, grundsätzlich möglich ist. Beide Übereinkommen zeigen jedoch auch, dass solche Verträge immer wieder unterlaufen oder von wichtigen Militärmächten gar nicht erst unterzeichnet werden. 

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