US-Notenbank Fed könnte sich bei Zinserhöhungen mehr Zeit lassen

Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten wird die Fed vorsichtig, vieles deutet auf weniger Zinserhöhungen in diesem Jahr hin. Selbst ein Befürworter der straffen Geldpolitik warnt vor zu schnellen Zinsschritten.

Fed-Chefin Janet Yellen. Quelle: dpa

Die Fed könnte die US-Leitzinsen langsamer erhöhen, als bisher gedacht. Darauf deuten aktuelle Äußerungen und Überlegungen von ranghohen Notenbankern hin. Besonders auffällig ist, dass der Präsident der regionalen Notenbank in St. Louis, James Bullard, angesichts der schwachen Inflation in den USA und den weltweiten Finanzmarktturbulenzen vor weiteren Zinsschritten regelrecht warnte. "Ich erachte es als unvernünftig, in einem Umfeld von rückläufigen Inflationserwartungen die Normalisierungsstrategie fortzusetzen", sagte Bullard am Mittwoch.

Das brisante: Bullard gilt eigentlich als Verfechter einer strafferen Geldpolitik und hatte sich im vergangenen Jahr immer wieder für Zinserhöhungen ausgesprochen. Beobachter werten die Äußerung als Zeichen dafür, dass die Notenbank zunächst von weiteren Zinserhöhungen absieht. Bullard ist in diesem Jahr im Offenmarktausschuss stimmberechtigt.

Stimmen zur Zinswende der Fed

Am Mittwoch wurden zudem die Protokolle der vergangenen Zinssitzung im Januar veröffentlicht. Offenbar sprachen die Währungshüter darüber, ihre Ende 2015 geäußerte Ansicht über die angemessene Straffung der Geldpolitik zu überdenken. Ursprünglich waren vier Zinsschritte für 2016 signalisiert worden.

Angesichts der Konjunkturabkühlung in China und Turbulenzen an den Finanzmärkten könnte die US-Notenbank allerdings bei Zinserhöhungen langsamer vorgehen. Laut den Protokollen äußerten eine Reihe von Führungsmitgliedern die Sorge, dass die heimische Wirtschaft durch Störfeuer von außen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Sorge um Finanzierungskonditionen

Experten erwarten, dass die Notenbank angesichts des widrigen globalen Umfelds zunächst auf weitere Erhöhungen verzichtet. Die Fed hatte im Dezember erstmals seit rund zehn Jahren die Leitzinsen wieder angehoben - auf 0,25 bis 0,5 Prozent.

Wie aus den Protokollen der Januar-Sitzung hervorgeht, hat die Fed die Entwicklung am Ölmarkt genau im Auge. Der rasante Preisverfall dieses weltweit benötigten Rohstoffes hatte sie zu Jahresbeginn mit zur Vorsicht bewogen.

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Auch die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen rund um den Globus ist für die Währungshüter ein Grund zur Sorge. Sollte der Trend anhalten, könne dies ebenfalls die US-Wirtschaft beeinträchtigen. Fed-Führungsmitglied William Dudley hatte jüngst gesagt, auch in den USA hätten sich die Finanzierungskonditionen seit der Zinswende beträchtlich verschärft. In einer Umfrage der Fed hatten US-Banken zuletzt signalisiert, dass sie bei Geschäfts- und Immobilienkrediten 2016 voraussichtlich die Anforderungen etwas straffen werden. Fed-Chefin Janet Yellen hatte vergangene Woche vor einem Kongress-Ausschuss erklärt, die Notenbank wolle aber grundsätzlich an ihrem Kurs moderater Zinserhöhungen festhalten.

An den US-Börsen gab es am Abend keine Reaktion auf die Protokolle. Der Dow Jones-Index lag wie schon zuvor rund eineinhalb Prozent im Plus, die Nasdaq stieg um rund zwei Prozent.

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