US-Wahl 2024: In diesen Bundesstaaten ist das Rennen noch offen
In den Swing States dürfte es bei der US-Wahl 2024 spannend werden. Denn in diesen Staaten sind im Vorfeld keine klaren Mehrheiten zu erwarten.
Foto: imago imagesRund 250 Millionen wahlberechtigte Amerikaner und Amerikanerinnen sind dazu aufgerufen, bei der US-Wahl am 5. November ihre Stimme abzugeben. In vielen der 50 US-Bundesstaaten wird dabei ein klares Votum erwartet. Sie gelten entweder als fest in der Hand der Demokraten oder in der Hand der Republikaner. Spannend dürfte es aber in Bundesstaaten werden, in denen auch wenige Stunden vor dem Wahltag keine klaren Mehrheiten zu erwarten sind – in den sogenannten Swing States.
Das sind die Bundesstaaten, in denen die Gunst der Wähler von Präsidentschaftswahl zu Präsidentschaftswahl mal den Kandidaten der Republikaner und mal denen der Demokraten zukommt. Sie sind gerade deshalb besonders hart umkämpft. Doch um welche Staaten geht es dabei? Die wichtigsten Informationen zu den Swing States bei der US-Wahl 2024.
Wer ist in den USA wahlberechtigt?
Grundsätzlich haben alle US-Bürger ab einem Alter von 18 Jahren das Recht, an der Wahl am 5. November teilzunehmen. Ab diesem Alter gilt man in den USA als geschäftsfähig. Das betrifft aktuell knapp 250 Millionen Menschen.
Um das Wahlrecht in Anspruch zu nehmen, ist es notwendig, sich vorab zur Wahl registrieren zu lassen und damit im Wählerverzeichnis des Bundesstaates zu erscheinen. Etwa ein Drittel kamen dem zuletzt laut den Angaben des US Census Bureau nach. So gab es bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 knapp 168,3 Millionen registrierte Wähler. Das Registrierungsverfahren unterscheidet sich dabei von Bundesstaat zu Bundesstaat. In einzelnen Bundesstaaten ist es zudem erlaubt, bereits mit 17 Jahren an den Vorwahlen teilzunehmen. Nämlich dann, wenn sie am 5. November 2024, dem Wahltag, 18 Jahre alt sind.
Zu den Wahlberechtigten zählen auch Menschen mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, die im Ausland leben, zum Beispiel Diplomaten, Auslandsstudenten oder Personen in Militäreinsätzen. Ausgeschlossen von der Wahl sind allerdings Einwohner der Außengebiete der USA in der Pazifik- und Karibikregion, darunter Puerto Rico und die Jungferninseln. Zudem gibt es in den USA die Möglichkeit, Straftätern das Wahlrecht abzuerkennen. Ausgenommen sind zudem Geflüchtete und (illegale) Einwanderer ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Bei der Wahl 2020 wurde am Ende eine Wahlbeteiligung von 66,2 Prozent gezählt.
Was kennzeichnet einen Swing State?
Damit ein Swing State als solcher gesehen wird, muss es eine Reihe von Anzeichen dafür geben, dass sich die politischen Mehrheiten innerhalb des Bundesstaates bei der kommenden Wahl in eine andere Richtung als bei vorherigen Wahlen verlagern könnten. Das zeigt sich meist anhand einer wechselhaften Wahlhistorie, aber auch anhand aktueller Umfrage- und Stimmungsbilder. Regionale Einflussfaktoren (zum Beispiel soziale oder wirtschaftliche Umbrüche) kommen hinzu.
Manchmal werden die Swing States auch als sogenannte Battleground States bezeichnet. Das hat damit zu tun, dass der Wahlkampf hier aufgrund der hohen Relevanz für den Verlauf der Wahl besonders intensiv geführt wird. Entsprechend werden im Vorfeld der US-Wahl 2024 überproportional viele Wahlkampfveranstaltungen und finanzielle Mittel in diesen Bundesstaaten investiert. Denn: Fällt das Votum in den anderen republikanisch oder demokratisch geprägten Bundesstaaten wie erwartet aus, hängt der Wahlsieg vom Votum in den Swing States ab. Oft entscheiden sich die politischen Mehrheiten in den Swing States praktisch im letzten Moment und anhand weniger Stimmen. Das ist einer ungewöhnlich hohen Zahl an Wechselwählern geschuldet. Innerhalb der Swing States gibt es zudem immer wieder einzelne Gebiete, in denen die Zustimmung für die Republikaner oder die Demokraten besonders wechselhaft ausfällt.
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Welche Staaten als Swing States deklariert werden, ist allerdings von Wahl zu Wahl unterschiedlich. Maßgeblich ist, ob sich in Umfragen und von Beobachtern vorab keine eindeutige Tendenz in Richtung eines der politischen Lager zeigt. Einige Bundesstaaten, darunter Arizona, tauchen jedoch immer wieder auf der Liste der Swing States auf. Auch entlang des Rust Belts, dem einstigen Zentrum der Stahlindustrie in den USA, liegen Bundesstaaten, die seit einigen Jahren traditionell zu den Swing States gezählt werden. Zu tun hat das mit dem Zusammenbruch prägender und identitätsstiftender Industrien, aber auch mit einer veränderten Altersstruktur der Wählerschaft. Im US-Wahlkampf 2016 etwa punktete Trump in der vormals demokratisch geprägten Region gerade deshalb mit dem Versprechen, den Rust Belt wiederzubeleben.
Welche Swing States gibt es bei der US-Wahl 2024?
Mit Blick auf die US-Wahlen machen Beobachter regelmäßig fünf bis acht Swing States aus. Für den Wahltermin am 5. November 2024 machen die meisten Experten derzeit sieben Swing States aus. Darunter sind folgende Bundesstaaten zu finden:
Arizona
Lange galt Arizona als eine Hochburg der Republikaner. Seit einigen Jahren aber sind die Mehrheitsverhältnisse nicht mehr so eindeutig. Während Donald Trump 2016 knapp die Mehrheit erhielt, hatte er bei der Präsidentschaftswahl 2020 gegenüber Joe Biden das Nachsehen. Als besonders umkämpft gilt die Region Maricopa County innerhalb des Bundesstaates.
Nevada
Unter ähnlichen Vorzeichen steht nach Ansicht einiger US-Medien auch der benachbarte Bundesstaat Nevada, der zudem in der Nähe zu Mexiko liegt. Entsprechend ist das Thema Migration dort stets ein Thema, das für Kontroversen sorgt. Zuletzt ist die Zuwanderung aus Mexiko wieder gestiegen. Das könnte Herausforderer Donald Trump in die Hände spielen.
Georgia
In Georgia kämpfen am 5. November gemeinsam mit ihren Präsidentschaftskandidaten 16 Wahlmänner um die Gunst der Wähler. Bei der Wahl 2020 sicherten sich die Demokraten die Mehrheit. Allerdings fiel die Mehrheit äußerst knapp aus. Auch damals galt der Bundesstaat im Südosten der USA als ein Swing State.
Michigan
Auch Michigan war bereits 2020 einer der umkämpften Bundesstaaten. Im Jahr 2016 hatten Trumps Republikaner hier erstmals überraschend gewonnen. 2020 reichte es nicht mehr zu einer Mehrheit.
North Carolina
In North Carolina hatten die Republikaner in den vergangenen Jahrzehnten die Mehrheiten auf ihrer Seite. Seit der US-Wahl 2008 ist das jedoch nicht mehr so eindeutig. Damals gewannen – erstmals seit 1980 – die Demokraten um Präsidentschaftskandidat Barack Obama. Zwar gelang es den Republikanern auch 2012, 2016 und 2020 in North Carolina zu siegen; allerdings immer sehr knapp. Bei der letzten Wahl im Jahr 2020 erhielten die Demokraten lediglich 1,3 Prozent weniger Stimmen als die Republikaner. Daher wird North Carolina trotz langjähriger republikanischer Prägung von einigen Wahlbeobachtern zu den Swing States gezählt. Letzte Umfragen zeigen, dass es auch 2024 um wenige Prozentpunkte, wenn nicht gar Prozentbruchteile, an Stimmen gehen könnte.
Pennsylvania
Ebenfalls im Rust Belt liegend und damit nicht minder bedeutend, dürfte das Wahlergebnis in Pennsylvania im Herbst sein. Im nordöstlich gelegenen Bundesstaat wird es um immerhin 19 Wahlmänner gehen. Besonders knapp war es 2016 und 2020 in der Region Erie County. 2024 gilt Pennsylvania als der am härtesten umkämpfte Swing State.
Wisconsin
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen dürfte es zudem in Wisconsin geben. Dort holten die Demokraten zwar seit den 1980er-Jahren öfter die Mehrheit. Historisch betrachtet und auch bei der Wahl 2020 war es extrem knapp. Damals schlug das Pendel mit 0,7 Prozent in Richtung der Demokraten.
In einigen anderen Staaten, in denen das Wahlergebnis bei vorherigen Präsidentschaftswahlen sehr knapp zugunsten eines Kandidaten ausfiel, zeichnen sich die Verhältnisse inzwischen klarer ab. So gibt es etwa in Ohio, das seit 2008 wechselhafte Zustimmung für Demokraten und Republikaner erlebte, inzwischen eine Tendenz zu Donald Trump. Laut dem US-Analyseportal Silver Bulletin beträgt sein Vorsprung in letzten Umfragen 6,2 Prozent (Stand 04. November 2024). Ähnliches ist in Florida zu erkennen, wo Donald Trump mit 6,5 Prozentpunkten vorn liegt. In Minnesota wird hingegen ein Vorsprung von 6,5 Prozent für Kamala Harris gemessen. In den sieben Swing States variieren die Zustimmungswerte zwischen wenigen Prozentbruchteilen und 2,6 Prozent nahe an der statistischen Fehlerquote.
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