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US-WahlkampfMit diesen zwei Strategien will Kamala Harris Trump schlagen

Die Vizepräsidentin leitet in Washington vor 75.000 Zuhörern ihren Wahlkampfendspurt ein. Mithilfe der Mittelschicht will sie das Weiße Haus erobern.Julian Heißler 30.10.2024 - 12:41 Uhr

Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris hat in der US-Hauptstadt Washington vor rund 75.000 Menschen gesprochen.

Foto: imago images

Kamala Harris fasste sich kurz. Nur eine gute halbe Stunde nachdem die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten ihre Rede in Washington, DC, begonnen hatte, verließ sie die Bühne zwischen Washington Monument und Weißem Haus schon wieder. Hinter ihr, zwischen einer Wand aus US-Fahnen, schimmerte die beleuchtete Südfront der Regierungszentrale durch die Kulisse, riesige Banner mit dem Wort FREEDOM rahmten die Szenerie ein. Die Ansprache sollte Harris‘ Auftakt für den Endspurt im Wahlkampf sein. In sechs Tagen wird gewählt, Zeit also, die Basis zu mobilisieren und die letzten unentschlossenen Wähler von sich zu überzeugen. Die Erwartungen an Harris waren hoch. Auch deshalb waren ihrem Wahlkampfteam zufolge rund 75.000 Menschen in die Hauptstadt geströmt, um die Kandidatin sprechen zu hören – und um zu erfahren, wie sie Donald Trump schlagen will.

Auf letzteres gab bereits der Ort der Kundgebung einen Hinweis. Denn Harris entschloss sich, ihre Kundgebung nicht etwa in einem Swing State anzuhalten, sondern an der Washingtoner Ellipse – einem Park in kleines Stück südlich des Weißen Hauses. Genau hier hatte Donald Trump am 6. Januar 2021 vor seinen Anhängern gesprochen, sie mit Lügen über eine angeblich gestohlene Wahl aufgepeitscht. Nicht wenige von ihnen waren kurz darauf zum Kapitol weitergezogen und stürmten den Kongress, um die Zertifizierung der Wahlniederlage des Republikaners aufzuhalten.

Genau daran wollte die Vizepräsidentin nun erinnern. Ihre Botschaft: Trump ist eine Gefahr für die amerikanische Demokratie. „Wir alle wissen, wer Donald Trump ist“, so Harris. „Er ist die Person, die vor fast vier Jahren an dieser Stelle stand und einen bewaffneten Mob zum Kapitol der Vereinigten Staaten schickte, um den Willen des Volkes in einer freien und fairen Wahl, von der er wusste, dass er sie verloren hatte, zu bekämpfen.“

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Schon seit einigen Wochen setzt die Kampagne der Kandidatin auf dieses Motiv. Vorbei die Zeit, als Harris hauptsächlich vom Enthusiasmus ihrer Anhänger getragen wurde. Damals, im Sommer, setzte sie auf leichtere Themen, auf die Freude und den Optimismus, die ihre Nominierung unter Demokraten ausgelöst hatte, nachdem sie sich unter Joe Biden schon fast mit einer erneuten Niederlage gegen Trump abgefunden hatten. Die Warnungen über den Fortbestand der amerikanischen Republik, über die „Seele Amerikas“, auf die der Noch-Präsident gesetzt hatte, wischte Team Harris zunächst zur Seite. Stattdessen heftete es den Republikanern das Label „weird“ an – also komisch, merkwürdig.

Über Wochen fuhren die Demokraten damit gut, doch je näher der Wahltag rückte – und je mehr Trump in den Umfragen wieder zulegte –, desto eindringlicher wurden die Warnungen vor einer Rückkehr der MAGA-Bewegung an die Macht. Vorbei die Zeit, in der Harris als „Joyful Warrior“ durchs Land zog. Zwar liegt sie in den landesweiten Umfragen weiterhin knapp vorne, doch in den entscheidenden Swing States sieht das Bild gemischter aus. Deshalb tat die Kandidatin zuletzt alles dafür, die vermeintliche von Trump ausgehende Gefahr in den Mittelpunkt zu rücken.

Dabei hilft, dass der Ex-Präsident keine Anstalten macht, rhetorisch abzurüsten oder inhaltlich in die Mitte zu rücken. Zuletzt bewies er dies bei seiner mehrstündigen Rally im Madison Square Garden in New York. Team Harris, so scheint es, sieht dadurch im Zentrum eine Lücke, die sie für ihren Wahlkampf ausnutzen will. Deshalb trat sie in den vergangenen Wochen mehrfach mit Anti-Trump-Republikanern auf, hält betont Abstand zum progressiven Teil der Basis ihrer Partei. Ob sich das auszahlt, wird sich in weniger als einer Woche entscheiden.

An der Ellipse versuchte Harris nun, die beiden Kommunikationsstränge der vergangenen Wochen zu vereinigen. Es sei an der Zeit, die Trump-Ära hinter sich zu lassen, so die Vizepräsidentin. „Donald Trump hat ein Jahrzehnt damit verbracht, das amerikanische Volk zu spalten und ihm Angst voreinander zu machen. Das ist es, wer er ist“, so Harris. „Aber Amerika, ich bin heute Abend hier, um zu sagen: So sind wir nicht“.

Harris bot sich als Kontrast zu Trumps Politikverständnis an, versprach, im Falle eines Wahlsieges das „Chaos“ und die „Spaltung“ der Trump-Jahre hinter sich zu lassen. „Diejenigen, die anderer Meinung sind als wir, sind nicht ‚der Feind im Inneren‘, wie Trump sagt. Sie sind unsere amerikanischen Mitbürger“, so Harris. „Es ist an der Zeit, nicht mehr mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern die Reihen zu schließen. Es ist Zeit für eine neue Generation von Anführern.“

Die Schlussbotschaft der Kandidatin ist damit eine Weiterentwicklung der bisherigen Motive ihres Wahlkampfs, die Verschmelzung des optimistischen Kampagnenansatzes des Sommers mit den eindringlichen Warnungen der vergangenen Wochen. Harris positioniert sich als die Kandidatin des Wandels, als die Stimme der nächsten Generation. Leicht wird dieser Balanceakt nicht. Als amtierende Vizepräsidentin ist sie eng mit dem Erbe der Biden-Administration verbunden. Trotzdem versuchte sie sich ein Stück weit von dem amtierenden Staatsoberhaupt zu distanzieren. „Ich werde meine eigenen Erfahrungen und Ideen in das Oval Office bringen“, sagte sie. „Meine Präsidentschaft wird anders sein, weil die Herausforderungen, vor denen wir stehen, anders sind.“

Dann zählte sie ihre Ziele auf. Sie werde die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Lebenshaltungskosten wieder unter Kontrolle bringen, so Harris, versprach Steuererleichterungen für die Mittelschicht und Einsparungen etwa bei den Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente. Neu war das nicht. Ihre wirtschaftspolitische Agenda schwingt seit Wochen im Wahlkampf der Vizepräsidentin mit. An der Ellipse kontrastierte sie ihre Pläne gleichwohl stärker als bislang mit den Vorhaben von Trump – und das nicht nur mit Blick auf Zölle und Steuersenkungen für Milliardäre, sondern verknüpfte ihre Agenda mit der Warnung vor Trumps oft erklärten Racheplänen an seinen Gegnern. „In weniger als 90 Tagen werden entweder Donald Trump oder ich im Oval Office sitzen“, so Harris. „Am ersten Tag würde Donald Trump, falls er gewählt wird, das Büro mit einer Liste seiner Feinde betreten. Wenn ich gewählt werde, werde ich eine To-Do-Liste mitbringen.“

Damit setzt die Kandidatin für den Endspurt auf zwei Klassiker der amerikanischen Wahlkampfstrategie, die seit der Kampagne von Bill Clinton im Jahr 1992 alle vier Jahre von Kampagneros abgestaubt werden: „Change vs. More Of The Same“ und „The Economy, Stupid“. Beides hatte Clintons Stratege James Carville auf ein White Board im War Room der Wahlkampfzentrale geschrieben – als Leitgedanken für seine Mitarbeiter. 32 Jahre später versucht Harris, mit dem gleichen Schlachtplan ebenfalls die Wahl zu gewinnen. Ein Selbstläufer ist das nicht. Die Umfragen sind knapp. Und die sechs Tage bis zum 5. November können noch sehr lang sein.

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