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US-WirtschaftWarum Donald Trump gut für das Wachstum der US-Wirtschaft ist

Beobachter fürchten, Donald Trump werde die Staatschulden und die Inflation in die Höhe treiben. Doch es gibt Faktoren, die dem entgegenwirken. Ein Gastbeitrag.Nouriel Roubini 03.01.2025 - 11:15 Uhr

Der designierte US-Präsident Donald Trump (r) und Elon Musk (l).

Foto: Brandon Bell/Pool Getty Images N

Kaum etwas interessiert die Menschen mehr als die Frage, was die Zukunft bringt. Das gilt auch für das Wirtschaftsleben. Zum Jahreswechsel bemühen sich die Ökonomen in Banken und Forschungsinstituten daher immer wieder, die weitere wirtschaftliche Entwicklung möglichst genau zu prognostizieren. Das fällt ihnen dieses Mal besonders schwer.

Denn wie es mit der Wirtschaft weitergeht, hängt in hohem Maße davon, was demnächst im Weißen Haus unter dem neuen Präsidenten Donald Trump beschlossen wird. Während einige der von Trump bereits angekündigten Maßnahmen das Wachstum in Amerika ankurbeln und die Inflation eher senken dürften, sind von anderen Maßnahmen gegenteilige Effekte zu erwarten.

Überschlägig betrachtet, spricht viel dafür, dass Trump einen wirtschafts- und wachstumsfreundlichen Kurs einschlagen wird. Dieser könnte die „animal spirits“ zum Leben erwecken und die Unternehmensinvestitionen, die Innovation und das Wachstum antreiben. So dürfte es der wirtschaftlichen Dynamik zugutekommen, wenn es den Republikanern im Kongress gelingt, die 2025 auslaufenden Steuersenkungen für Unternehmen und Privatpersonen dauerhaft zu verlängern. In die gleiche Richtung wirken der von Trump angestrebte Bürokratieabbau sowie die Deregulierung. Beides regt den Wettbewerb an und drückt die Preise.

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Preisdämpfende Wirkungen gehen auch von Trumps Plan aus, die amerikanische Öl- und Gasproduktion um drei Millionen Fass pro Tag zu steigern. Niedrigere Energiepreise werden die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Sektoren verbessern. Dass Trump die meisten Subventionen der Vorgängerregierung für grüne Energie beibehält, ist hingegen wohl eher ein Hoffnungswert.

Amerika baut seine komparativen Vorteile aus

Ob es dem externen Beratungsgremium zur Steigerung der Regierungseffizienz unter der Leitung von Elon Musk und Vivek Ramaswamy tatsächlich gelingt, wie angestrebt den Bundeshaushalt durch die Entschlackung der Bürokratie um zwei Billionen Dollar zu entlasten, ist fraglich. Doch auch wenn nur ein Zehntel des Avisierten erreicht wird, erhöht dies die Effizienz im öffentlichen Sektor.  

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Positive Effekte könnte zudem haben, dass führende Vertreter der Technologiebranche Trump unterstützen. Das trägt dazu bei, Widerstände in der Gesellschaft gegen neue Technologien zu überwinden. Amerika kann so seine komparativen Vorteile in Zukunftsbranchen wie der künstlichen Intelligenz, der Robotik, der Automatisierung und der biomedizinischen Forschung weiter ausbauen.

Die wachstumssteigernden und inflationsdämpfenden Wirkungen, die sich aus der Steuerpolitik, der Deregulierung und anderen wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen ergeben, werden zeitlich verzögert eintreten. Ob und wie stark sie die wirtschaftliche Entwicklung prägen, hängt davon ab, ob andere Maßnahmen ihnen entgegenstehen. In diesem Zusammenhang sind vor allem die Zölle, mögliche Handelskriege und die Abkopplung von China zu nennen.  

Auch die von Trump angekündigten drakonischen Einwanderungsbeschränkungen und Massenabschiebungen könnten das Wachstum untergraben und die Inflation anheizen. Senkt die Trump-Regierung darüber hinaus die Steuern dauerhaft ohne eine Gegenfinanzierung, könnte die Staatsverschuldung in den nächsten zehn Jahren um fast acht Billionen Dollar steigen. Mehr Inflation, höhere langfristige Zinsen und weniger private Investitionen wären die Folgen. All dies belastete das Wachstum.  

Der Versuch, die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie durch einen schwachen Dollar zu fördern, könnte die Inflation ebenfalls beschleunigen und die Finanzmärkte verunsichern. Gleiches gilt für jeden Versuch der Regierung, der die Unabhängigkeit der US-Notenbank in Frage stellt.  

Disziplinierende Wirkung der Märkte

Wie wahrscheinlich aber ist es, dass Trump die wachstumsschädlichen Teile seiner Agenda ungeschmälert umsetzt? Vier Faktoren sprechen dagegen, dass ihm dies gelingt.

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Erstens dürften die Finanzmärkte mit steigenden nominalen und realen Zinsen reagieren, sollte Trump mit seiner Agenda die Inflation und die Staatsschulden in die Höhe treiben. Die Aktienmärkte dürften dann korrigieren. Weil Trump den Aktienmarkt als Gradmesser für die Leistung seiner Regierung betrachtet, sollten sinkende Kurse ihn veranlassen, innezuhalten.  

Zweitens wird die Fed, die unabhängig ist, die Leitzinsen weniger schnell senken oder den Prozess der Zinssenkungen stoppen, sollte Trumps Agenda die Preise nach oben treiben. Das spricht gegen allzu hohe Inflationsraten.

Drittens hat Trump bisher Personen für die wirtschaftspolitischen Spitzenpositionen in seiner Regierung nominiert, die über Expertise verfügen und verstehen, wie die Märkte funktionieren. Sie dürften mäßigend auf den künftigen Präsidenten einwirken.

Viertens kann Trump aufgrund der nur knappen republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus nicht unbedingt mit der vollen Unterstützung seiner Partei für alle seine Maßnahmen rechnen. Das gilt vor allem für jene Teile seines Programms, die die Staatsschulden erhöhen.  

Insgesamt spricht daher viel dafür, dass Trumps Wirtschaftsagenda per Saldo das Wachstum in den USA fördert, auch wenn es die Rückkehr zum Inflationsziel der Fed von zwei Prozent verlangsamt. Bleiben negative geopolitische Schocks aus, dürfte das Jahr 2025 für die US-Wirtschaft recht günstig verlaufen.

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