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ZollstreitTrumps Brasilien-Zölle haben Folgen für den deutschen Kaffeemarkt

Die US-Zölle auf brasilianischen Kaffee könnten weltweite Folgen haben – auch für deutsche Verbraucher. 11.07.2025 - 14:35 Uhr
Ein undatiertes Bild zeigt Hafenarbeiter, die Kaffeesäcke im Hafen von Santos, São Paulo, Brasilien öffnen. Foto: dpa

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle für Importe aus Brasilien beschäftigen auch die deutschen Kaffeeröster. „Kaffee ist ein globales Produkt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes, Holger Preibisch, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Sollten die angekündigten US-Zölle von 50 Prozent auf brasilianische Einfuhren am 1. August in Kraft treten, seien indirekte Auswirkungen auf den deutschen Markt zu erwarten.

„Durch die Zölle wird das Angebot von Kaffee nicht knapper, vielmehr werden die Warenströme sich verändern“, sagte Preibisch. Die USA seien der größte Einzelmarkt für Kaffee-Importe weltweit. Deutschland folge auf Platz zwei.

Ob deutsche Kaffeetrinker mit höheren Preisen rechnen müssen, ist Experten zufolge offen. „Der Einfluss der US-Zölle auf die börsengehandelten Kaffeepreise ist nicht eindeutig“, sagte Commerzbank-Ökonom Carsten Fritsch. Das von den USA weniger nachgefragte Angebot aus Brasilien könnte auf den Preisen lasten, falls die Nachfrage in den USA wegen der höheren Preise zurückgehe. Zudem könne die wegen der Zölle schwächere Landeswährung Real dazu führen, dass mehr Kaffee aus Brasilien auf den Markt gelange. „Sollten die US-Konsumenten dagegen bereit sein, das höhere Preisniveau ohne Abstriche bei der Nachfrage zu zahlen, könnte die zusätzliche US-Nachfrage nach Kaffee außerhalb Brasiliens die Kaffeepreise an den Börsen steigen lassen“, sagte Fritsch.

Zollkonflikt

Trump verhängt 50 Prozent Zoll für Brasilien

Mit seiner Zollpolitik nimmt US-Präsident Donald Trump nun auch Südamerikas größte Volkswirtschaft ins Visier – und verknüpft die ungewöhnlich hohe Abgabe mit politischen Forderungen.

Am Freitag verteuerte sich Kaffee an den Börsen. Die Sorte Arabica wurde im Futuregeschäft um mehr als zwei Prozent höher gehandelt als am Vortag. Deutsche Verbraucher mussten in den vergangenen Jahren kräftige Preiserhöhungen hinnehmen: So kostete Bohnenkaffee im April 31,2 Prozent mehr als vier Jahre zuvor.

Werden brasilianische Lieferungen durch Extrazölle in den USA unattraktiver, sei davon auszugehen, dass US-Importeure vermehrt auf andere Ursprungsländer auswichen, erwartet der Deutsche Kaffeeverband. Gleichzeitig könnte sich Brasilien als Reaktion auf die US-Zölle verstärkt nach anderen Absatzmärkten umschauen – etwa in Europa. „Diese Umverteilung hat auf den globalen Kaffeemarkt sicherlich Auswirkungen“, sagte Preibisch.

Brasilien ist wichtigster Kaffeelieferant

Brasilien ist den Verbandsangaben zufolge seit Jahrzehnten der bedeutendste Kaffeelieferant Deutschlands. Mehr als 30 Prozent der deutschen Rohkaffee-Importe stammen demnach aus dem südamerikanischen Land – Tendenz steigend. „Entsprechend hat jede Veränderung in den brasilianischen Exportströmen unmittelbare Relevanz für den deutschen Markt“, sagte Preibisch.

Den US-Verbrauchern drohen Preissteigerungen bei täglichen Grundnahrungsmitteln wie Kaffee und Orangensaft, wenn Trump wie angedroht Importe aus Brasilien mit Zöllen von 50 Prozent belegt. Manche Experten und Händler warnen, diese würden die Lieferung von brasilianischem Kaffee in die USA zum Erliegen bringen. Weder US-Röster noch brasilianische Exporteure könnten die durch den Zoll entstehende Preisdifferenz überbrücken.

In keinem Land wird so viel Kaffee getrunken wie in den USA. Etwa ein Drittel des Getränks kommt aus Brasilien in die USA. Das südamerikanische Land lieferte 2024 nach Angaben seiner Exporteursvereinigung Cecafe 8,14 Millionen 60-Kilo-Säcke in die USA. „Wir werden nach anderen Märkten suchen müssen, vielleicht Deutschland“, erklärte der Kaffeeproduzent Paulo Armelin, der direkt an US-Röster verkauft.

rtr
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