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+++ Corona-Update +++ Bundesregierung plant Ende von kostenlosen Coronatests

Quelle: dpa

Teststationen sind wie Pilze aus dem Boden geschossen in der Coronakrise. Der schnelle Abstrich gehört inzwischen zum Alltag. Doch das Angebot soll nicht dauerhaft umsonst bleiben. Alle aktuellen Corona-News im Überblick.

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Samstag, 31. Juli 2021

Die Bundesregierung plant ein Ende der kostenlosen Coronatests. „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat schon vor Wochen gesagt, dass er es für denkbar hält, die Tests zu einem späteren Zeitpunkt für Ungeimpfte nicht mehr kostenlos anzubieten. Der genaue Zeitpunkt ist noch festzulegen“, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Samstag auf Anfrage mit. Wie aus Regierungskreisen verlautete, gibt es dazu allerdings noch keine Einigung.

Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, die Bundesregierung habe sich grundsätzlich darauf geeinigt, dass die Tests kostenpflichtig werden, sobald sich alle Deutschen zweimal impfen lassen konnten - also Ende September oder Anfang Oktober.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Corona-Tests sollten kostenpflichtig werden, wenn alle sich hätten impfen lassen können - also in wenigen Wochen.“ Ausnahmen müssten natürlich für die gelten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können sowie für Kinder und Jugendliche.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther forderte den Bund auf, Corona-Tests so schnell wie möglich kostenpflichtig zu machen. „Die Bundesregierung sollte schon in der kommenden Woche ein konkretes Datum für die Umstellung auf die Kostenpflichtigkeit der Corona-Tests festlegen“, sagte der CDU-Politiker der „Welt“. Dieses Datum könnte der 20. September sein. „Bis dahin hätte jeder bisher Ungeimpfte noch die Chance, sich vollständig impfen zu lassen.“

Mobile Teams und große Kampagne: Massives Werben fürs Impfen

Angesichts der gesunkenen Impfbereitschaft und des näher rückenden Schuljahresbeginns werben Politik und Verbände massiv für die Corona-Impfungen. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz forderte ein offensiveres Auftreten auch der Geimpften selbst. „Wir müssen unsere Freundinnen und Freunde davon überzeugen, dass sie sich impfen lassen. Das ist eine Sache, die berührt jeden von uns“, sagte der Bundesfinanzminister den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag). „Wir alle sollten bei der Arbeit oder im Sportverein sagen: Ich habe mich impfen lassen, das war gut.“

SPD-Chefin Saskia Esken und der Deutsche Städtetag sprachen sich für Impfaktionen an Schulen aus, wenn das neue Schuljahr begonnen hat. In der kommenden Woche enden in den ersten Bundesländern die Sommerferien, in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg beginnt der Unterricht dann wieder in Präsenz. „Ich werbe dafür, Impfmobile an die Schulen zu schicken, um in Absprache mit den Eltern den Jugendlichen die Impfung so einfach wie möglich zugänglich zu machen“, sagte Esken dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag).

Städtetag-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Um den Unterricht in Präsenz abzusichern, appellieren wir an die Länder, mehr Impfungen in Schulen möglich zu machen.“ Dies könne ein Beitrag sein zum Schutz junger Menschen und für weniger Infektionen mit dem Coronavirus an Schulen.

Im Norden ist das teils bereits geplant. In Schleswig-Holstein können sich an den Gemeinschaftsschulen und Gymnasien Schülerinnen und Schülern ab zwölf sowie alle Beschäftigten von mobilen Teams impfen lassen. Mecklenburg-Vorpommern will den Bedarf ermitteln und dann in der zweiten Woche mobile Impfteams für 16- und 17-Jährige in die Schulen schicken. Hamburg plant mobile Angebote für Berufsschüler.

Dedy sagte: „Das kann über mobile Impfteams in den Schulen laufen, wie in Schleswig-Holstein. Oder das kann über mehr Angebote für Jugendliche etwa in Fußballstadien oder Einkaufszentren laufen, wo sich viele von ihnen treffen“, so der Kommunalvertreter. „Wir müssen mit den Impfungen zu den jungen Leuten gehen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder in die Arztpraxis kommen.“ Allerdings bedarf es dazu erst des Einverständnisses der Eltern.

Bisher sind gut 51 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft nach Ansicht von Experten viel zu wenig, um angesichts der grassierenden hochansteckenden Delta-Virusvariante die anrollende vierte Welle flach zuhalten. Und das Impftempo lässt nach: Derzeit werden an vielen Tagen noch gut eine halbe Million Impfdosen verabreicht, im Mai/Juni waren es teils an die 1,5 Millionen. Derweil steigen die Infektionszahlen noch auf niedrigem Niveau von etwas mehr als 15 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche, aber stetig werden es mehr.

Die Linksfraktion im Bundestag fordert eine breitere Aufklärungskampagne. In einem dem RND vorliegenden Papier ruft ihr Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte dazu auf, Akteure wie Gewerkschaften, Sportverbände, Glaubensgemeinschaften, aber auch Clubs und Kultureinrichtungen einzubeziehen. „Wir werden fanatische ImpfgegnerInnen nicht überzeugen können. Es muss darum gehen, die Leute für eine Impfung zu gewinnen, die sich nicht ausreichend informiert fühlen und Ängste haben, die man ihnen nehmen kann.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland appellierte an alle islamischen Gläubigen, sich impfen zu lassen. „Es gibt für Muslime keine religiösen Gründe, das Impfen gegen Corona abzulehnen. Im Gegenteil: Der Schutz anderer vor Krankheiten und die eigene gesundheitliche Unversehrtheit sind im Islam ein hohes Gut“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman A. Mazyek, dem RND.

RKI registriert 2400 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 16,9

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit nun dreieinhalb Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Samstagmorgen lag sie bei 16,9 am Vortag betrug der Wert 16,5, am Samstag der Vorwoche 13,6. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 2400 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Samstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.10 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1919 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 21 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 28 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.769.165 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.653.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.658.

Wichtige Hintergründe:

- US-Präsident Joe Biden will mit Geld neue Impfanreize schaffen. Nora Szech hält das für den richtigen Weg. Es werde Zeit, dass auch die deutsche Politik ins Handeln komme, fordert die Ökonomin.

- Als erste große Unternehmen im Silicon Valley machen Google und Facebook die Impfung ihrer Mitarbeiter für eine Rückkehr ins Büro zur Pflicht. Was bedeutet dies für die deutschen Standorte der Konzerne?

Freitag, 30. Juli 2021

Nach der Entscheidung Israels zu Auffrischimpfungen gegen Corona für ältere Menschen sieht die Ständige Impfkommission (Stiko) noch nicht die nötigen Daten für eine solche Empfehlung in Deutschland. Es sei aber eines der Themen, mit denen sich das Gremium weiter intensiv beschäftige, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Den unabhängigen Experten gehe es bei den Daten um zwei Aspekte: ob die messbare Immunantwort im Labor nachlasse und ob trotz Impfung vermehrt Infektionen mit Erkrankung aufträten, erklärte Mertens. Laboruntersuchungen zu Antikörperspiegeln gebe es bereits, diese erlaubten aber nicht die direkte Schlussfolgerung, dass auch die Schutzwirkung beim Menschen nachlässt. Es gehe auch noch um die Frage, welche Gruppen eine Auffrischung bekommen könnten: ob zum Beispiel Immunsupprimierte, Alte oder alle.

Der Impfexperte Leif Sander von der Charité in Berlin erklärte auf dpa-Anfrage, er rechne damit, dass es zu einer Empfehlung zu Auffrischungen kommen werde. Er halte es für sinnvoll, dies Hochbetagten sowie Menschen mit besonderem Risiko „schon bald breitflächig“ zu empfehlen und anzubieten. Er hatte bereits vor mehreren Wochen gesagt, dass die nächste Phase beim Impfen angedacht werden müsse, auch in Anbetracht der zu erwartenden nachlassenden Immunantwort bei älteren Menschen.

Für Deutschland hält Sander Auffrischungsimpfungen zunächst vor allem bei den über 80-Jährigen für nötig: Diese seien besonders vulnerabel und schon zu Jahresbeginn geimpft worden. Das heiße, dass ein nachlassender Immunschutz sowie die Verbreitung der Delta-Variante bei einem Teil der Menschen zu erneuten Infektionen und eventuell zu Erkrankungen führen könnten. „Immunsupprimierte Personen könnten ebenfalls eine Auffrischungsimpfung erhalten“, teilte Sander mit.

Aus Sicht des Charité-Wissenschaftlers ist es nicht nötig, Impfstoffe zu verwenden, die speziell an die neuen, als besorgniserregend eingestuften Varianten angepasst wurden: „Auch die bereits verfügbaren Impfstoffe bieten einen sehr guten Schutz und heben die Immunantwort nach einer Auffrischungsimpfung wahrscheinlich deutlich an.“

Die Impfstoffhersteller Pfizer und Biontech hatten schon anfang Juli mitgeteilt, dass sie von einem Rückgang der Schutzwirkung ihres Corona-Vakzins ein halbes Jahr nach der zweiten Impfung ausgehen. Grundlage seien unter anderem vom israelischen Gesundheitsministerium aus der praktischen Anwendung erhobene Daten. Daher sei es wahrscheinlich, „dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“. Aktuell wirbt Biontech bei der Politik stark für das Vorhaben.

Zusätzlich arbeiten Biontech und Pfizer an einer Version des Impfstoffs, die an die Delta-Variante angepasst ist. Dabei werde das vollständige Spike-Protein dieser Virusvariante verwendet. Die erste Charge des neuen Botenmoleküls mRNA – des eigentlichen Wirkstoffs in dem Vakzin – sei bereits im Mainzer Biontech-Werk produziert worden, erklärten die Unternehmen bereits vor einiger Zeit. Eine Studie mit rund 800 Teilnehmern solle noch im August beginnen, teilte Biontech auf Nachfrage am Freitag mit.

Zum Vorgehen Israels sagte Virologe Mertens, dass nichts dagegen spreche, wenn ein Staat aus Fürsorgepflicht solche Impfangebote mache – auch ohne Evidenz. Aufgabe der Stiko seien jedoch Empfehlungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Insofern warte man eine Datengrundlage ab.

Israel hatte angesichts steigender Infektionszahlen als erstes Land mitgeteilt, 60-Jährigen und älteren Jahrgängen eine dritte Impfung gegen das Coronavirus zu geben. Dies gelte für Patienten, die vor mindestens fünf Monaten ihre zweite Impfdosis erhalten haben, hieß es. Präsident Izchak Herzog (60) hat am Freitag als erster seine Auffrischungsimpfung erhalten.

Ein Expertenteam hatte eine solche Impfung mit dem Biontech-Pfizer-Präparat empfohlen. Die allgemeine Impfkampagne in den Krankenkassen soll laut Ministerpräsident Naftali Bennett binnen weniger Tage beginnen. Nach Angaben des Regierungschefs haben in Israel bereits 2000 Menschen mit Immunschwäche eine solche dritte Dosis erhalten, ohne dass es schwere Nebenwirkungen gegeben hätte.

Hintergrund sind Zahlen des Ministeriums, wonach die Effektivität der in Israel verwendeten Biontech/Pfizer-Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen habe. Demnach verhindere die Impfung eine Infektion nur noch zu 39 Prozent und schwere Erkrankungen zu 91 Prozent. Gleichzeitig verbreite sich die ansteckendere Delta-Variante. Allerdings kritisieren auch Experten der Regierung, dass die Zahlen zur Effektivität nicht wissenschaftlich erhoben seien.

Kabinett beschließt strengere Einreise-Regeln ab Sonntag: Das müssen Urlauber jetzt wissen

Für Rückkehrer aus dem Sommerurlaub soll ab diesem Sonntag eine neue Testpflicht zum Schutz vor einer Corona-Ausbreitung greifen. „Alle nicht geimpften Einreisenden nach Deutschland müssen sich künftig testen lassen – egal ob sie mit dem Flugzeug, Auto oder der Bahn kommen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Damit reduzieren wir das Risiko, dass zusätzliche Infektionen eingetragen werden.“ Das Bundeskabinett beschloss am Freitag eine entsprechende Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Umlaufverfahren, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mitteilte.

Extra-Aufwand bedeuten die neuen Vorgaben vor allem für Menschen, die keine vollständige Impfung haben, was auch die meisten älteren Kinder betrifft. Denn die Testpflicht entsteht daraus, dass eine generelle Nachweispflicht eingeführt wird: Ab Sonntag müssen alle ab 12 Jahren bei der Einreise belegen können, dass bei ihnen das Übertragungsrisiko verringert ist: mit dem Nachweis einer Impfung, einem Nachweis als Genesener oder eben einem negativen Testergebnis. Eine solche Vorgabe gibt es bisher schon für alle Flugpassagiere.

Spahn warb angesichts des inzwischen schwächeren Andrangs auf Impfungen in Deutschland denn auch noch einmal für den praktischen Nutzen. Reisen sei mit Impfung generell leichter. Geimpfte sparten sich Tests und müssten grundsätzlich nicht in Quarantäne. „Das Impfangebot an alle im Sommer steht. Wir haben genügend Impfstoff.“

Allerdings soll künftig eine Testpflicht ohne Ausnahmen für alle gelten, die aus Gebieten mit neuen, besorgniserregenden Virusvarianten kommen. Dann ist immer ein Testnachweis notwendig. „Ein Genesenennachweis oder ein Impfnachweis sind in diesem Fall nicht ausreichend“, heißt es in der Endfassung der Verordnung, die in der Regierung abgestimmt wurde.

Generell muss man den jeweiligen Nachweis bei der Einreise dabei haben und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorlegen. Flugreisende müssen der Airline den Nachweis schon vor dem Start zeigen, in grenzüberschreitenden Zügen soll es auch während der Fahrt möglich sein. Direkte Grenzkontrollen aller einreisenden Autos sind nicht vorgesehen - man soll aber zumindest mit Überprüfungen rechnen müssen. Für Bayern kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verstärkt Stichproben und Kontrollen mittels Schleierfahndung an. Die Gesundheitsämter sollten außerdem 20 Prozent der digitalen Einreiseanmeldungen überprüfen, sagte er dem Magazin „Der Spiegel“.

Ein Überblick über weitere konkrete Regeln bei Einreisen:

Tests und Kosten: Um im Ausland einen Testnachweis zu bekommen, sind Schnelltests durch Fachpersonal oder PCR-Labortests möglich – zu zahlen aus eigener Tasche. Das können durchaus zweistellige Beträge pro Kopf sein. Schnelltests dürfen bei der Einreise in Deutschland höchstens 48 Stunden zurückliegen, genauere PCR-Tests höchstens 72 Stunden. Bei Virusvariantengebieten verkürzt sich die Frist für Schnelltests auf 24 Stunden. Der Nachweis muss auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch sein - digital oder auf Papier. Per Handy abfotografierte Papiernachweise sollen bei Kontrollen wegen der Missbrauchsgefahr nicht akzeptiert werden.

Risikogebiete: Künftig soll es statt drei nur noch zwei Kategorien für weltweite Regionen mit höherem Risiko geben: Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Als Hochrisikogebiete gelten Regionen mit besonders hohen Fallzahlen. Ein Indiz: eine Sieben-Tage-Inzidenz von „deutlich mehr als 100“. Betrachtet werden sollen aber auch andere Faktoren wie Testraten und Klinikfälle. Die Stufe des „einfachen“ Risikogebiets mit mehr als 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen entfällt. Bisher gab es auch die mittlere Stufe der „Hochinzidenzgebiete“ mit Sieben-Tage-Inzidenz über 200.

Quarantäne: Vorgesehen ist für Hochrisikogebiete, dass nicht Geimpfte und nicht Genesene nach der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne müssen, die frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen Test beendet werden kann. Eine zunächst vorgesehene Vorgabe zu PCR-Tests fiel wieder weg. Für Kinder unter zwölf soll die Quarantäne generell nach dem fünften Tag nach Einreise enden. Bei der Rückkehr aus Virusvariantengebieten sind weiterhin grundsätzlich 14 Tage häusliche Quarantäne vorgesehen.

Sonderfälle: Sonderregelungen sieht die Verordnung unter anderem für berufliche Grenzpendler und Kurzreisen im Grenzverkehr mit weniger als 24 Stunden Aufenthalt vor. Für sie soll die Nachweispflicht nur gelten, wenn man aus Risikogebieten wieder einreist. Für nicht Geimpfte und nicht Genesene soll ein Testnachweis nur zweimal pro Woche nötig sein, nicht bei jeder Einreise. Wer nur ohne Zwischenstopp durch ein Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet reist, muss deswegen bei der Einreise in Deutschland nicht in Quarantäne.

Anmeldung: Urlauber aus Risikogebieten müssen sich weiter beim amtlichen digitalen Einreiseportal anmelden. Auch Test-, Impf- oder Genesenennachweise sind dort hochzuladen, sobald man sie hat.

Dass man sich rund ums Verreisen testen lassen muss, ist für viele nicht ganz neu. Auch für Ferienwohnungen in Deutschland ist oft ein negativer Test mitzubringen. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Donnerstagabend in der ARD, viele ließen sich ohnehin im Urlaub testen, etwa weil es für bestimmte Aktivitäten nötig sei. „Wir müssen vermeiden, dass es jetzt im Herbst wieder zu Situationen kommt wie im letzten Jahr – da hilft uns das Impfen, aber eben auch das Testen.“

Corona-Ansteckungen, die wahrscheinlich auf Reisen passiert sind, spielen laut Robert Koch-Institut (RKI) eine zunehmende Rolle beim Infektionsgeschehen in Deutschland. Als wahrscheinliche Infektionsländer in den betrachteten Wochen vom 28. Juni bis 25. Juli wurden Spanien, die Türkei und die Niederlande am häufigsten genannt, vor Kroatien und Griechenland. Der Großteil der Corona-Übertragungen finde aber weiter im Inland statt – die Rede ist von mindestens 81 Prozent.

Großbritannien: Hoffnung nach sinkenden Corona-Zahlen

Nachdem Boris Johnson seine Landsleute am 19. Juli mit der Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen in England in die Freiheit entließ, konnte man mit vielem rechnen. Eins jedoch erwartete eigentlich niemand: dass die Infektionszahlen fallen würden. Selbst Gesundheitsminister Sajid Javid hatte es als „unvermeidlich“ bezeichnet, dass der „Freedom Day“ einen Anstieg nach sich ziehen würde. Doch es kam erst einmal anders.

Rund eine Woche lang ging die Zahl der Neuinfektionen lang stetig zurück. Zuletzt wurden mit rund 30.000 Neuinfektionen zwar wieder etwas mehr Fälle gezählt als in den Tagen zuvor. Allerdings liegt diese Zahl noch immer deutlich unter dem Niveau der Vorwoche und weit unter den Prognosen von Experten wie dem Epidemiologen Neil Ferguson, der schon in naher Zukunft 100.000 bis 200.000 Fälle pro Tag erwartete. Und so starrte das Land recht ungläubig auf den überraschenden Verlauf der Infektionskurve.

Während Fachleute davor warnen, dass der Knick in der Kurve nur eine zeitweise Schwankung sein könnte, wirft der regierungsnahe „Telegraph“ bereits der Wissenschaft vor, mit ihren Warnungen übertrieben zu haben. Woran der Rückgang tatsächlich liegt, vermag bisher niemand sicher zu sagen. Es gibt jedoch mehrere Vermutungen.

Die Bilder von prall gefüllten Tanzflächen in den englischen Nachtclubs gingen um die Welt - doch sie sind nur ein Teil der Wahrheit. In einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Online-Portals Politico gab mehr als die Hälfte von 1500 Befragten an, weiterhin große Menschenansammlungen zu meiden und freiwillig weiterhin Maske zu tragen. 46 Prozent waren der Meinung, das Ende der Maßnahmen sei „zu früh“ gekommen. So könnte die Eigenverantwortung der Menschen, an die auch Johnson immer wieder appelliert, einen entscheidenden Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben.

Auch die Fußball-EM - beziehungsweise viel mehr ihr Ende - könnte eine Rolle spielen. Etliche Public Viewing-Veranstaltungen, Reisen und die Spiele in Wembley mit Zehntausenden Zuschauern lagen zeitlich so, dass sie den massiven Anstieg der Corona-Zahlen, die in der Spitze der aktuellen Welle 60.000 Fälle überstiegen, beschleunigt haben könnten. Eine Auswertung der „Financial Times“ belegt, dass sich vor allem viele jüngere Männer zwischen 20 und 34 ansteckten, was daraufhin deuten könnte, dass dies bei oft männlich dominierten Fußball-Events passiert ist. In Schottland, dessen eigene Mannschaft schnell aus dem Turnier flog, begann der Rückgang zudem früher.

Die große Hoffnung ist jedoch, dass der ersehnte Rückgang auch zu einem großen Teil auf den Schutz durch Impfungen zurückgeht. Diese waren allerdings in die vorherigen Prognosen einbezogen. Rechnet man Kinder und Jugendliche mit ein, sind zudem erst gut 56 Prozent der Briten vollständig geimpft. Das lässt immer noch etliche Millionen von Menschen zurück, bei denen das Virus ein leichteres Spiel hat. Die Behörde Public Health England schätzt immerhin für die englischen Erwachsenen, dass etwa neun von zehn mittlerweile einige Antikörper in sich tragen - entweder durch eine Impfung, oder, weil sie eine Corona-Infektion überstanden haben.

Dennoch bleibt die Sorge, dass dem Knick in der Kurve bald ein weiterer folgen könnte und die Zahlen wieder ansteigen. In der Infektionsstatistik des Office for National Statistics, für die jede Woche eine repräsentative Auswahl an Briten getestet wird, zeichnet sich der Rückgang außer in Schottland noch nicht ab, allerdings reichen die jüngsten Zahlen auch nur bis zum 24. Juli. Die Zahlen könnten mittelfristig Aufschluss darüber geben, ob sich tatsächlich weniger Menschen anstecken oder nur - etwa wegen der Sommerferien - weniger getestet werden.

In der Downing Street im Londoner Regierungsviertel gibt man sich bislang zurückhaltend, obwohl die Hoffnung groß sein dürfte, dass das riskante Experiment namens „Freedom Day“ ohne größere Katastrophe über die Bühne geht. Es sei noch zu früh, sich zu entspannen, sagte Boris Johnson vor einigen Tagen. „Die Menschen müssen vorsichtig bleiben und das bleibt auch der Ansatz der Regierung.“

Zu groß ist noch die Sorge, dass der englische Weg aus dem Lockdown, den Johnson selbst als „vorsichtig, aber unumkehrbare“ anpreist, am Ende doch noch eine Kehrtwende nach sich zieht. Genau das konnte man zuletzt in den Niederlanden beobachten, wo nach einem heftigen Anstieg der Fallzahlen die gerade erst geöffneten Nachtclubs wieder schließen mussten. Aktuell versprechen die Sommerferien in England weitere Entlastung. Doch auch diese werden in ein paar Wochen enden.

Scholz verteidigt breitere Testpflichten

Vizekanzler Olaf Scholz hat den für Freitag angestrebten Beschluss zu erweiterten Corona-Testpflichten für nach Deutschland Einreisende verteidigt. „Es geht darum, die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land zu schützen“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Donnerstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Auf Änderungen müssen sich nach einem Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums in diesem Sommer nun vor allem Ungeimpfte einstellen. Es wird erwartet, dass die breiteren Testpflichten am Freitag vom Kabinett beschlossen werden und dann ab Sonntag (1. August) gelten.

Grundsätzlich sollen laut Entwurf künftig alle Einreisenden ab zwölf Jahren über einen negativen Testnachweis, einen Genesenen-Nachweis oder einen Nachweis einer vollständigen Impfung verfügen müssen - egal von wo und auf welchem Weg sie kommen. Bei Einreise aus einem Gebiet mit besorgniserregenden Virusvarianten soll ein Testnachweis nötig sein, Nachweise als Geimpfter oder Genesener sollen dann nicht reichen. Mögliche Schnell- oder PCR-Tests im Ausland sind selbst zu zahlen.

„Wir alle sind es gewohnt, uns testen zu lassen, das tun wir schon seit sehr, sehr langer Zeit“, argumentierte Scholz. Viele würden sich ohnehin im Urlaub testen lassen, zum Beispiel weil es für bestimmte Aktivitäten notwendig sei. „Wir müssen vermeiden, dass es jetzt im Herbst wieder zu Situationen kommt wie im letzten Jahr - da hilft uns das Impfen, aber eben auch das Testen.“

Generell sollen die Nachweise bei der Einreise mitzuführen und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorzulegen sein, wie es im Entwurf heißt. Kontrollen aller Einreisenden direkt an den Grenzen sind nicht vorgesehen. Reist man mit einem Beförderungsunternehmen wie einer Fluggesellschaft, sollen die Nachweise vor dem Start auf Anforderung vorgelegt werden müssen - so ist es für Flugpassagiere schon bisher. Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr soll dies auch während der Fahrt möglich sein.

Der Vorsitzende des Bezirks Bundespolizei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Roßkopf, warnte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag) vor einem enormen logistischen Aufwand - vor allem personell. „Wir haben über 3 800 Kilometer Landgrenze. Wenn wir sie regelmäßig stichprobenartig kontrollieren sollen, ist das kaum zu meistern.“ Es gebe zudem viele ungeklärte Fragen, zum Beispiel auch bei Zügen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag): „Grundsätzlich begrüßenswert als Maßnahme, aber leider extrem kurzfristig in der Umsetzung.“ Dabei hofft er auch auf einen Nebeneffekt: „Vielleicht könnte so mancher, der sich bisher noch nicht hat impfen lassen, auch dadurch noch zur Impfung gebracht werden.“

Die deutsche Exportwirtschaft warnte indes vor einer Testpflicht für Fernfahrer im innereuropäischen Warenverkehr. „Grundsätzlich ist das Bemühen zur Pandemie-Eindämmung nachvollziehbar. Nationale Alleingänge sind jedoch gerade im Güterverkehr der falsche Weg und würden die ohnehin angespannten Lieferketten zusätzlich stressen“, sagte der Sprecher des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), André Schwarz, der „Rheinischen Post“ (Freitag). „Die kilometer- und tagelangen Staus, die wir bereits erleben mussten, sind noch in lebhafter Erinnerung.“

Corona-Ansteckungen, die wahrscheinlich auf Reisen passiert sind, spielen dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge eine zunehmende Rolle beim Infektionsgeschehen in Deutschland. Das schreibt das RKI in seinem am Donnerstagabend vorgelegten wöchentlichen Lagebericht. Als wahrscheinliche Infektionsländer in den vier betrachteten Wochen vom 28. Juni bis 25. Juli wurden Spanien, die Türkei und die Niederlande am häufigsten genannt, vor Kroatien und Griechenland. Der überwiegende Anteil der Corona-Übertragungen finde allerdings weiterhin innerhalb Deutschlands statt - die Rede ist von mindestens 81 Prozent.

Impfpflicht light: US-Regierung drängt Mitarbeiter zur Corona-Spritze

Angesichts einer neuen Corona-Welle und einer stockenden Impfquote drängt die US-Regierung mehrere Millionen Mitarbeiter mit neuen Regeln zur Impfung. Angestellte, die keinen Impfnachweis vorlegen können, sollen künftig stets eine Maske tragen müssen und ein bis zwei Mal pro Woche auf eine mögliche Infektion getestet werden, wie US-Präsident Joe Biden am Donnerstag (Ortszeit) erklärte. Um die Impfquote in der Bevölkerung anzuheben, fordert er Bundesstaaten und Kommunen zudem auf, jeder neu geimpften Person eine Belohnung von 100 US-Dollar (85 Euro) zu zahlen.

Die Regelung für die mehr als zwei Millionen zivilen Angestellten der Regierung gilt demnach auch für Mitarbeiter von Vertragspartnern, die in Einrichtungen der Regierung arbeiten. Ungeimpfte Mitarbeiter sollen in Bezug auf Dienstreisen zudem starken Beschränkungen unterliegen. Das Weiße Haus will mit den strengen Regeln Impfungen offenbar zur einzig bequemen Lösung machen - allerdings ohne dabei explizit auf eine politisch umstrittene Impfpflicht zu setzen.

Biden betonte aber, die Regierung unterstütze Firmen, die eine Impfpflicht für ihre Mitarbeiter verhängen wollten. „Wir alle wollen, dass unsere Leben wieder normal werden und vollständig geimpfte Arbeitsplätze werden schnell dafür sorgen.“ Am Mittwoch hatten zum Beispiel Google und Facebook eine Impfpflicht angekündigt.

Biden wies nun auch das Verteidigungsministerium an, zu prüfen, ab wann die Streitkräfte eine Corona-Impfpflicht verhängen könnten. Das Pentagon erklärte umgehend, zunächst würden für alle Angestellten und Soldaten die gleichen strengen Regeln gelten wie für die Mitarbeiter des Bundes. Minister Lloyd Austin werde zudem Beratungen veranlassen, ab wann und wie die Impfung zur Pflicht gemacht werden könne, hieß es. Das Ministerium beschäftigt rund drei Millionen Menschen, darunter rund zwei Millionen Soldatinnen und Soldaten.

Biden forderte die Amerikaner mit Nachdruck auf, sich rasch impfen zu lassen. „Impfungen sind die allerbeste Verteidigung, um nicht schwer an Covid-19 zu erkranken.“ Die Impfung sei der einzige Weg, die Pandemie zu besiegen. Die Delta-Variante des Coronavirus sei „hoch ansteckend“ und führe zu vielen Erkrankungen unter Ungeimpften. Es handle sich in den USA nun um eine „Pandemie der Ungeimpften“, betonte Biden. Rund 99 Prozent aller Corona-Toten seien nicht geimpft gewesen. „Das ist eine amerikanische Tragödie. Menschen, die nicht sterben müssten, sterben und werden sterben“, sagte Biden.

Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in den USA werde noch weiter ansteigen, bevor sich eine Besserung einstellen könne, warnte der Präsident unter Berufung auf Experten. Wegen der Delta-Variante stieg die Zahl der Neuinfektionen pro Tag im Schnitt wieder auf rund 65.000 an. Vor einem Monat lag der Schnitt noch bei rund 13 000. Pro Tag sterben derzeit mehr als 300 Menschen nach einer Infektion.

Biden betonte, die Regierung habe mehr als genug Impfstoff für alle Amerikaner. „Es ist eine Schande. Es ist so eine Schande, diesen Segen zu vergeuden.“ Der Demokrat hat sich gegen eine landesweite Impfpflicht ausgesprochen, macht inzwischen aber immer mehr Druck. „Wenn Sie in der Tat ungeimpft sind, dann stellen Sie ein Problem dar - für sich selbst, für ihre Familie und für jene, mit denen sie arbeiten“, warnte Biden.

In den USA sind bislang gut 49 Prozent der Bevölkerung von rund 330 Millionen Menschen vollständig geimpft, rund 57 Prozent haben mindestens die erste Spritze bekommen. Mehr als 50 Millionen von der Regierung an die Bundesstaaten ausgelieferte Dosen wurden bislang noch nicht eingesetzt, wie Daten der Gesundheitsbehörde CDC zeigen. Experten warnen, viele Dosen könnten bald ablaufen, falls die zuständige Behörde FDA das Haltbarkeitsdatum nicht verlängern sollte.

Der Präsident forderte nun Bundesstaaten, Bezirke und Kommunen auf, eine Belohnung von 100 US-Dollar für neu geimpfte Personen auszuloben. Sie sollen dafür übrige Mittel aus dem Konjunkturpaket vom März verwenden. Dies solle „ein extra Anreiz“ sein, um die Impfquote zu erhöhen „und Leben zu retten“, erklärte das Finanzministerium. Biden fügte hinzu: „Wenn uns Anreize helfen, dieses Virus zu besiegen, dann finde ich, sollten wir sie nutzen.“ Wenn mehr Leute geimpft seien, profitiere davon das ganze Land.

In dem Konjunkturpaket waren 350 Milliarden US-Dollar Hilfen für Bundesstaaten, Bezirke und Kommunen vorgesehen, die oftmals noch nicht völlig abgerufen oder verplant sind. Viele Bundesstaaten und Kommunen haben aber bereits zahlreiche Anreize ausgelobt, um die Impfquote zu erhöhen - darunter auch Millionengewinne, Anleihen oder eine Belohnung für alle Geimpften. Die Stadt New York etwa bietet Impfwilligen als Anreiz schon ab Freitag je 100 US-Dollar.

RKI: Zunehmend Corona-Fälle nach Reisen gemeldet

Corona-Ansteckungen, die wahrscheinlich auf Reisen passiert sind, spielen laut dem Robert Koch-Institut (RKI) eine zunehmende Rolle beim derzeitigen Infektionsgeschehen in Deutschland. Das schreibt das RKI in seinem wöchentlichen Lagebericht vom Donnerstagabend. In der Zeit vom 28. Juni bis 25. Juli sind demnach 3662 Fälle gemeldet worden, in denen die Betroffenen dem Virus wahrscheinlich im Ausland ausgesetzt waren.

Als wahrscheinliche Infektionsländer in den vier betrachteten Wochen wurden Spanien, die Türkei und die Niederlande am häufigsten genannt, vor Kroatien und Griechenland. Ein besonders starker Zuwachs seit Mitte Juli ist für die Türkei verzeichnet, hier verdoppelte sich die Zahl der pro Woche erfassten Fälle ungefähr. Mit Frankreich, Italien, Österreich und Dänemark stehen weitere beliebte Reiseziele auf den ersten zehn Plätzen der Liste.

Eine Corona-Ausbreitung durch heimkommende Sommerurlauber soll durch neue Regeln für die Einreise nach Deutschland gebremst werden. Auf breitere Testpflichten müssen sich nach einem Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor allem Nicht-Geimpfte einstellen.

Der überwiegende Anteil der Corona-Übertragungen finde allerdings weiterhin innerhalb Deutschlands statt, betont das RKI - die Rede ist von mindestens 81 Prozent. Angaben zum wahrscheinlichen Infektionsland liegen bei weitem nicht bei jedem Fall vor.

In Deutschland und dem europäischen Ausland sind dem Bericht zufolge als besorgniserregend eingestufte Virusvarianten vorherrschend. Hierzulande wird die deutlich ansteckendere Delta-Variante in einer Stichprobe mittlerweile in rund neun von zehn Fällen gefunden (91 Prozent). Der Anteil war über Wochen teils sehr rasch gewachsen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt laut RKI derzeit vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 10 und 34 Jahren. Die mit Abstand höchsten Werte werden für die Vorwoche bei den Untergruppen der 15- bis 19-Jährigen mit 40 und bei den 20- bis 24-Jährigen mit 45 verzeichnet. Vor allem die Menschen ab 60, bei denen die Impfquote höher ist als bei Jüngeren, sind bislang von dem deutlichen Anstieg verschont.

Da die Zahl der Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen insgesamt noch niedrig sei, könnten Gesundheitsämter viele Infektionsketten nachvollziehen, hält das RKI fest.

Weiter setzt sich laut RKI der Rückgang der Zahl von Krankenhaus- und Intensivstation-Fällen mit Covid-19 nicht fort. Stattdessen sei der Anteil von Patienten mit dieser Diagnose an allen Fällen mit schweren Atemwegsinfektionen vergangene Woche wieder leicht angestiegen. „Insgesamt liegen die Werte zurzeit aber auf einem niedrigen Niveau.“

Wichtige Hintergründe:

- US-Präsident Joe Biden will mit Geld neue Impfanreize schaffen. Nora Szech hält das für den richtigen Weg. Es werde Zeit, dass auch die deutsche Politik ins Handeln komme, fordert die Ökonomin.

- Als erste große Unternehmen im Silicon Valley machen Google und Facebook die Impfung ihrer Mitarbeiter für eine Rückkehr ins Büro zur Pflicht. Was bedeutet dies für die deutschen Standorte der Konzerne?

Donnerstag, 29. Juli

Neue Regeln für die Einreise nach Deutschland sollen eine Corona-Ausbreitung durch heimkommende Sommerurlauber bremsen. Auf breitere Testpflichten müssen sich nach einem Verordnungsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor allem Nicht-Geimpfte einstellen. Es sei nötig, „die Eintragung zusätzlicher Infektionen einzudämmen und die Infektionszahlen gering zu halten, um in dieser Zeit weiter die Impfquoten steigern zu können“, heißt es in dem Entwurf, berichtet die Deutsche Presse-Agentur vorliegt. „Die nach aktuellen Prognosen zu erwartende nächste Welle an hohen Infektionszahlen soll möglichst weit nach hinten verzögert werden.“

Zu dem Referentenentwurf mit Stand von Mittwochabend gab es nach dpa-Informationen am Donnerstag eine weitere Abstimmungsrunde der beteiligten Ministerien. Er sieht ein Inkrafttreten der Neuregelungen an diesem Sonntag (1. August) vor. Angestrebt wird ein Beschluss des Kabinetts im Umlaufverfahren an diesem Freitag.

Test- und Nachweispflicht: Grundsätzlich sollen laut dem Entwurf künftig alle Einreisenden ab sechs Jahren über einen negativen Testnachweis, einen Genesenen-Nachweis oder einen Nachweis einer vollständigen Impfung verfügen müssen – egal von wo und auf welchem Weg sie kommen. Bei Einreise aus einem Gebiet mit besorgniserregenden Virusvarianten soll ein Testnachweis nötig sein, Nachweise als Geimpfter oder Genesener sollen dann nicht reichen. Derzeit gelten etwa Brasilien und Südafrika als Virusvariantengebiete. Kosten für mögliche Schnell- oder PCR-Tests im Ausland sind selbst zu zahlen.

Kontrollen: Generell sollen die Nachweise bei der Einreise mitzuführen und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorzulegen sein, wie es im Entwurf heißt. Kontrollen aller Einreisenden direkt an den Grenzen sind nicht vorgesehen. Reist man mit einem Beförderungsunternehmen wie einer Fluggesellschaft, sollen die Nachweise vor dem Start auf Anforderung vorgelegt werden müssen – so ist es für Flugpassagiere schon bisher. Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr soll dies auch während der Fahrt möglich sein.

Sonderfälle: Sonderregelungen sieht der Entwurf unter anderem für Grenzpendler und kürzere Reisen im Grenzverkehr vor. Für sie soll die Testpflicht nur gelten, wenn sie aus Risikogebieten kommen. Für nicht Geimpfte und nicht Genesene soll ein Testnachweis demnach auch nur zweimal pro Woche nötig sein, nicht bei jeder Einreise.

Risikogebiete: Geplant sind dem Entwurf zufolge auch Änderungen bei der Einstufung internationaler Regionen mit höherem Risiko. Künftig soll es statt drei nur noch zwei Kategorien geben: Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Als Hochrisikogebiete sollen Regionen mit besonders hohen Fallzahlen gelten. Ein Indiz dafür soll eine Sieben-Tage-Inzidenz von „deutlich mehr als 100“ sein, betrachtet werden sollen aber auch andere Faktoren wie niedrige Testraten oder viele Krankenhausfälle. Die Stufe eines „einfachen“ Risikogebiets mit mehr als 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen soll wegfallen. Bisher gibt es auch eine mittlere Stufe der „Hochinzidenzgebiete“ mit Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200.

Quarantäne: Vorgesehen ist laut dem Entwurf für Hochrisikogebiete, dass nicht Geimpfte und nicht Genesene direkt nach der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne müssen, die frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen Testnachweis beendet werden kann. Eine dafür zunächst vorgesehene Vorgabe zu PCR-Tests statt Schnelltests sollte dem Vernehmen nach voraussichtlich entfallen. Für Kinder unter zwölf Jahren soll die Quarantäne nach dem fünften Tag nach Einreise enden. Bei der Rückkehr aus Virusvariantengebieten sind weiterhin 14 Tage häusliche Quarantäne vorgesehen.

Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus nannte die generelle Einreise-Testpflicht erneut unverhältnismäßig. „Es macht einen gravierenden Unterschied, ob man aus einem Hochinzidenzgebiet einreist oder aus einem Land mit einer niedrigen Inzidenz.“ Die Regierung wiederhole zudem die Fehler des vergangenen Jahres: „Erst wenn die Sommerferien voll im Gange sind, wird über Testmaßnahmen für Reiserückkehrer diskutiert.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die im Entwurf genannte Regelung sinnvoll, dass Ungeimpfte aus Hochrisikogebieten in Quarantäne sollten, bis sie per PCR freigetestet seien. „Für Geimpfte und Genesene sollte es freie Fahrt geben. Damit wird die 4. Welle begrenzt“, schrieb er bei Twitter. Hierzu wurden aber auch Bedenken laut. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte der dpa, diese Tests seien erheblich teurer als Schnelltests. „Deshalb fordere ich, dass in diesen Fällen die Kosten für die PCR-Tests vom Staat übernommen werden.“ Der Urlaub dürfe nicht zur Kostenfalle werden.

AstraZeneca prüft Optionen für Corona-Impfstoffsparte

AstraZeneca prüft einem hochrangigen Manager zufolge Optionen für sein Coronavirus-Impfstoffgeschäft. „Diese große strategische Frage wird diskutiert“, sagte der Leiter der biopharmazeutischen Sparte, Ruud Dobber, am Donnerstag, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. „Wir prüfen verschiedene Optionen, aber zu diesem Zeitpunkt ist es viel zu früh, das abzuschließen.“ Vor Jahresende werde hoffentlich klarer sein, wie es in den kommenden Jahren weitergehen werde. Konzernchef Pascal Soriot erklärte dazu bei einem Gespräch mit Analysten, die Frage habe gegenwärtig keine Priorität. „Wir werden natürlich prüfen, wie es weitergeht. Aber wir haben dafür keinen konkreten Zeitplan.“

Dobber weis darauf hin, dass der Impfstoff auf den Gesamtgewinn des Unternehmens laste, im Gegensatz zu der Situation bei Rivalen wie Pfizer, dem Biontech-Partner. „Ohne Gewinne ist das nicht langfristig tragbar, aber es ist noch zu früh, darüber zu spekulieren“, sagte er. AstraZeneca hatte sich 2020 trotz fehlender Erfahrung in dem Bereich bereiterklärt, zusammen mit der University of Oxford den Impfstoff zu entwickeln. Dabei hatte sich der Pharmakonzern verpflichtet, während der Pandemie auf einen Gewinn durch das Mittel zu verzichten. AstraZeneca liegt nun mit der EU im Streit wegen schleppender Lieferungen, die Zulassung in den USA dauert länger als erwartet und wegen sehr seltener Nebenwirkungen ist der Einsatz in gewissen Altersgruppen beschränkt.

Apotheken: Impfzertifikate schrittweise wieder erhältlich

Erste Apotheken in Deutschland stellen nach einer Unterbrechung wieder digitale Corona-Impfzertifikate aus. Schrittweise werde begonnen, den Service für Geimpfte wieder anzubieten, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Wer das Zertifikat haben möchte, solle sich jedoch vorab auf der Internetseite www.mein-apothekenmanager.de informieren, welche Apotheke man zu dem Zweck aufsuchen kann.

Wie viele Apotheken bereits wieder Zertifikate ausstellen, war zunächst nicht bekannt. Man rechne damit, dass in den nächsten Tagen die Allermeisten wieder an das notwendige System angeschlossen seien, sagte ein Abda-Sprecher. Dies hänge von den jeweiligen IT-Dienstleistern ab.

Vor gut einer Woche hatte der Deutsche Apothekerverband (DAV) das Ausstellen der digitalen Zertifikate nach Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium gestoppt. Grund waren Hinweise auf eine Sicherheitslücke. Dem „Handelsblatt“ war es demnach gelungen, „mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten“ auf dem DAV-Server einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber zu erzeugen, mit dem dann zwei Impfzertifikate online ausgestellt worden seien.

„Alle erteilten Zugänge wurden überprüft und verifiziert; dabei wurde die Rechtmäßigkeit aller anderen Zugänge bestätigt“, bekräftigte die Abda nun. Auch technische Schritte für mehr Sicherheit seien umgesetzt worden.

SPD-Fraktion fordert Kostenübernahme für PCR-Tests von Reiserückkehrern

Der Staat muss nach Ansicht der SPD-Fraktion die Kosten für geplante PCR-Tests für Rückkehrer aus Corona-Hochrisikogebieten übernehmen. Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums sollten bei Einreise aus einem solchen Land Schnelltests zur Abkürzung der Quarantäne bald nicht mehr ausreichen, sagte der parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Die dann geforderten PCR-Tests seien aber erheblich teurer. „Für eine Familie kann das schnell mehrere hundert Euro betragen“, sagte Schneider. „Deshalb fordere ich, dass in diesen Fällen die Kosten für die PCR-Tests vom Staat übernommen werden.“ Der Urlaub dürfe nicht zur Kostenfalle werden.

Die Pläne des Gesundheitsministeriums sehen eine generelle Testpflicht bei Einreisen nach Deutschland vor, um die Corona-Ausbreitung zu bremsen. Ein mit anderen Ressorts abgestimmter Entwurf sieht ein Inkrafttreten an diesem Sonntag (1.8.) vor. Er soll aber noch weiter beraten werden.

Grundsätzlich müssten dann alle Einreisenden ab sechs Jahren einen negativen Test, eine zurückliegende Coronaerkrankung oder eine vollständige Impfung nachweisen. Wer aus einem Hochrisikogebiet kommt und nicht geimpft oder genesen ist, müsste für zehn Tage in Quarantäne gehen. Diese könnte frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen PCR-Test beendet werden.

Seehofer: Corona-Tests sollten während Pandemie kostenfrei bleiben

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist dagegen, Corona-Tests für Nicht-Geimpfte bald kostenpflichtig zu machen. „Solange die Pandemie anhält, würde ich nichts an der Kostenfreiheit ändern. Ich möchte, dass denen, die weder geimpft noch genesen sind, die Chance des Tests bleibt“, sagte Seehofer der „Mittelbayerischen Zeitung“. „Was glauben Sie, wie viele Leute den Test nicht mehr machen oder machen können, wenn er nicht kostenfrei ist? Damit könnte ein verstecktes Infektionsgeschehen stattfinden“, warnte er.

Seehofer stellte sich damit gegen jüngste Überlegungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und auch von CSU-Chef und Bayerns Regierungschef Markus Söder. Diese hatten zuletzt dafür plädiert, Corona-Tests auf Dauer nicht mehr öffentlich zu bezahlen - wenn alle, die sich impfen lassen können, ein Impfangebot erhalten haben.

Eine Impfpflicht etwa von Unternehmen für ihre Mitarbeiter lehnte Seehofer strikt ab. „Ganz allergisch reagiere ich, wenn jemand sagt: Wenn du nicht geimpft bist, wirst du bei uns nicht mehr beschäftigt. Oder weil du nicht geimpft bist, bekommst du keine Kranken- oder Lebensversicherung. Davor kann ich nur dringend warnen.“

Er selbst könne „nur dafür werben, dass man sich impfen lässt“, sagte Seehofer und betonte: „Die Impfung hilft. Es ist bis dato der beste Schutz gegen eine potenziell tödliche Krankheit.“ Bei ihm selbst habe schon die Erstimpfung nach Angaben der Ärzte zu einem milden Verlauf geführt. „Ich bin aber strikter Gegner einer Impfpflicht“, sagte der CSU-Politiker. „Der Staat hat noch genügend Möglichkeiten, für die Impfung zu werben. Er sollte die notwendige Gelassenheit aufbringen. Es braucht nicht jeden Tag ein Stimmengewirr, was alles am Horizont droht, wenn sich die Leute nicht impfen lassen.“

Rekordzahl an „Pings“ in England und Wales nach Corona-Kontakten

Wegen hoher Corona-Fallzahlen sind in England und Wales erneut so viele Menschen von der Corona-App als enge Kontakte von Infizierten benachrichtigt worden wie nie zuvor. In der Woche bis zum 21. Juli wurde laut Zahlen, die der Gesundheitsdienst am Donnerstag veröffentlichte, eine Rekordzahl von 689.313 Kontakten „gepingt“, die sich daraufhin in Quarantäne begeben mussten. In der Woche zuvor waren es 618.903 Kontakte. Die App schlägt an, wenn sich Nutzer eine gewisse Zeit in direkter Nähe eines positiv Getesteten aufgehalten haben.

Die „Pingdemic“, wie das Phänomen von britischen Medien genannt wird, hat in Großbritannien in den vergangenen Tagen und Wochen für erhebliche Störungen gesorgt. Weil so viele Arbeitskräfte ausfielen, blieben Supermarktregale leer, Mülltonnen voll, und Züge fielen aus. Mittlerweile sind für eine Reihe von Berufsgruppen Ausnahmeregelungen beschlossen worden. Von Mitte August an sollen für alle Geimpften gelockerte Quarantäne-Regeln eingeführt werden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt im Land derzeit bei 377 (Stand: 23. Juli) mit fallender Tendenz. Gespannt wird darauf gewartet, ob sich der überraschende Trend trotz der weitreichenden Lockerungen in der vergangenen Woche fortsetzen wird.

Umfrage: Weniger Skeptiker der Corona-Impfung für Kinder

Einer Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen stehen laut einer YouGov-Umfrage inzwischen mehr Menschen offen gegenüber. Nach der repräsentativen Befragung hat der Anteil der Skeptiker abgenommen: 37 Prozent gaben an, eine Impfung dieser Gruppen skeptisch zu sehen – nach 44 Prozent Ende Mai. 46 Prozent erklärten, sie seien nicht skeptisch – Ende Mai waren es 43 Prozent, wie das Meinungsforschungsinstituts YouGov am Donnerstag mitteilte. Demnach stehen vor allem AfD-Wähler der Impfung von Kindern und Jugendlichen skeptisch gegenüber.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat vorerst keine generelle Impfempfehlung für Kinder ab 12 Jahren ausgesprochen – sie empfiehlt Impfungen für 12- bis 17-Jährige nur bei bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas. Unabhängig davon sind Impfungen aber als individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärztinnen und Ärzten möglich. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff.

Corona-Immunisierung: Impfquote legt weiter leicht zu

Die Corona-Impfquote steigt in Deutschland weiter leicht an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag sind inzwischen 50,9 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand 9.45 Uhr). Das entspricht 42,36 Millionen Menschen. Am Vortag war ein wichtiger Meilenstein erreicht worden: Erstmals war mehr als die Hälfte der Bevölkerung zwei Mal gegen die Viruskrankheit immunisiert. Mindestens eine Impfdosis haben dem RKI zufolge inzwischen 61,3 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise 51,01 Millionen Menschen verabreicht bekommen. Im Schnitt werden fünf Menschen pro Sekunde geimpft.

Bei den Bundesländern liegt Bremen mit 59,2 Prozent Bevölkerungsanteil der vollständig Geimpften weiterhin an der Spitze, das Schlusslicht bildet Sachsen mit 46,5 Prozent. Die meisten Impfdosen wurden bislang mit 20,50 Millionen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen verabreicht.

Ifo-Schätzung: Nur noch ein Viertel arbeitet im Homeoffice

Nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie ist eine stetig wachsende Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer wieder in der Firma tätig. Im Juli arbeitete nach einer neuen Schätzung des Münchner Ifo-Instituts nur noch ein Viertel der Beschäftigten (25,5 Prozent) zumindest zeitweise zuhause, eine Fortsetzung des rückläufigen Trends der vergangenen Monate. Im Juni waren es noch 28,4 Prozent gewesen.

Die Münchner Ökonomen führten das am Donnerstag nicht nur auf das Ende der Homeoffice-Pflicht für Unternehmen zurück: „Die Menschen suchen wieder häufiger den persönlichen Kontakt im Büro“, sagte Ifo-Wissenschaftler Jean-Victor Alipour am Donnerstag.

Überdurchschnittlich häufig in den eigenen vier Wänden arbeiten nach wie vor Beschäftigte in Dienstleistungsberufen. Besonders deutlich sichtbar war die Entwicklung laut Ifo-Einschätzung in Fernsehen und Rundfunk: Der Anteil der Heimwerker fiel demnach von 60,9 Prozent in Juni auf 36,9 Prozent im Juli.

Laut einer Umfrage des Reisezahlungs-Dienstleisters AirPlus rechnen die Firmen aber künftig mit einem bleibenden Homeoffice-Anteil. Besonders geeignet sei dies für Mitarbeiter der IT, Finanzen und Management sowie bei Marketing, Kommunikation und allgemeiner Verwaltung. Weil sich bei der Fernarbeit aber auch Schwächen wegen fehlender menschlicher Interaktion zeigten, rechneten die meisten Firmen für die Zukunft mit Mischformen zwischen mobilem und stationärem Arbeiten. Mit Homeoffice-Angeboten könne man auch bei Fachkräften punkten.

Google und Facebook führen in den USA Impfpflicht für Mitarbeiter ein

Wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante in den USA verschärfen Google und Facebook die Corona-Regeln für ihre Beschäftigten. Die Mitarbeiter der zwei Internetriesen in den Vereinigten Staaten müssen sich vor einer Rückkehr in die Büros gegen das Coronavirus impfen lassen, wie beide Unternehmen unabhängig voneinander am Mittwoch (Ortszeit) mitteilten.

Google-Chef Sundar Pichai erklärte, die Regelung betreffe zunächst die USA, werde in den kommenden Monaten aber auch für andere Regionen gelten, sobald dort Impfungen weithin verfügbar seien. Der Vorstoß der zwei Tech-Giganten setze andere große Unternehmen unter Druck, dem Beispiel zu folgen, hieß es in Medienberichten.

Google sei sich bewusst, dass viele Beschäftigte sich Sorgen machten, wegen der zunehmenden Infektionen durch die Delta-Variante ins Büro zurückzukehren. „Sich impfen zu lassen, ist eine der wichtigsten Maßnahmen, uns und unsere Gemeinden in den kommenden Monaten gesund zu halten“, betonte Pichai in einer Mitteilung.

Google verschiebe zudem die geplante größere Rückkehr in die Büros bis 18. Oktober. Er hoffe, die Mitarbeiter mit diesen Schritten beruhigen zu können, schrieb er. Apple wiederum hatte die Rückkehr in die Büros bereits vergangene Woche ebenfalls um zunächst einen Monat verschoben, nun bis Oktober. Das Unternehmen kündigte aber bislang keine Impfpflicht an.

Bei Facebook kündigte Personalchefin Lori Goler an, die Umsetzung der Impfpflicht für Mitarbeiter in den US-Büros werde von „örtlichen Bedingungen und Vorschriften“ abhängen. „Wir werden auch eine Vorgehensweise haben für jene, die aus medizinischen oder anderen Gründen nicht geimpft werden können“, ergänzte sie. Das Vorgehen mit Blick auf Standorte außerhalb der USA werde weiter geprüft. Die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe bei den Rückkehrkonzepten Priorität.

Die Impfkampagne in den USA tritt inzwischen auf der Stelle – und das trotz einer Fülle an Impfstoffen und vielen Impfanreizen. Daher haben inzwischen bereits die Bundesstaaten New York und Kalifornie eine Pflicht für Angestellte angekündigt, sich entweder impfen oder regelmäßig testen zu lassen.

Auch die Bundesregierung prüft nach Aussage von Präsident Joe Biden für ihre gut zwei Millionen Angestellten eine Impfpflicht. Der offenbar erwogenen Regelung zufolge werden jene, die sich nicht impfen lassen wollen, sich regelmäßigen Corona-Tests unterziehen müssen. Der Idee einer landesweiten Impfpflicht hat Biden jedoch eine klare Absage erteilt.

In den USA sind bislang gut 49 Prozent der Bevölkerung von rund 330 Millionen Menschen vollständig geimpft. Das ist deutlich weniger, als die Regierung für diesen Zeitpunkt angepeilt hatte. Zuletzt stieg die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante im Schnitt wieder auf rund 60.000 an.

So wurden am Mittwoch fast 69.000 neue Ansteckungen gemeldet, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Donnerstagmorgen (MESZ) hervorging. Das sind knapp 17.000 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der binnen eines Tages gemeldeten Toten mit einer bestätigten Corona-Infektion stieg im Wochenvergleich von 333 auf 513.

Die bisherigen Höchstwerte wurden am 2. Januar mit 300 462 Neuinfektionen sowie am 12. Januar mit 4460 Toten verzeichnet. Mehr als 83 Prozent aller erfassten Infektionen im Land sind nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurückzuführen.

Entwurf: Einreise-Testpflicht soll neue Infektionswelle verzögern

Die vorgesehene generelle Testpflicht bei Einreisen nach Deutschland soll nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums eine neue raschere Corona-Ausbreitung bremsen. Es sei notwendig, „die Eintragung zusätzlicher Infektionen einzudämmen und die Infektionszahlen gering zu halten, um in dieser Zeit weiter die Impfquoten steigern zu können“, heißt es in einem Verordnungsentwurf aus dem Ministerium, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Die nach aktuellen Prognosen zu erwartende nächste Welle an hohen Infektionszahlen soll möglichst weit nach hinten verzögert werden.“

Der Referentenentwurf mit Stand von Mittwochabend wurde nach dpa-Informationen mit anderen Ressorts vorabgestimmt, darüber soll nun noch weiter beraten werden. Der Entwurf sieht ein Inkrafttreten der Verordnung an diesem Sonntag (1. August) vor. Die Bundesregierung hatte den Starttermin der Neuregelung aber zuletzt offen gelassen und auf noch nötige interne Abstimmungen verwiesen.

Grundsätzlich sollen laut dem Entwurf künftig alle Einreisenden ab sechs Jahren über einen negativen Testnachweis, Genesenennachweis oder Nachweis einer vollständigen Impfung verfügen müssen – egal von wo und auf welchem Weg sie nach Deutschland kommen. Bei Einreise aus einem Gebiet mit besorgniserregenden Virusvarianten soll immer ein Testnachweis nötig sein - Nachweise als Geimpfter oder Genesener sollen dann nicht reichen.

Generell sollen die Nachweise bei der Einreise mitzuführen und bei „stichprobenhaften“ Überprüfungen durch die Behörden vorzulegen sein. Reist man mit einem „Beförderer“ wie einer Fluggesellschaft, sollen die Nachweise vor dem Start auf Anforderung vorgelegt werden müssen – so ist es für Flugpassagiere schon bisher. Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr soll dies auch während der Fahrt möglich sein.

Sonderregelungen sieht der Entwurf unter anderem für Grenzpendler und kürzere Reisen im Grenzverkehr vor. Für sie soll die Testpflicht nur bei einer Einreise aus Risikogebieten mit hohen Infektionszahlen gelten. Für nicht Geimpfte und nicht Genesene soll ein Testnachweis nur zweimal pro Woche nötig sein und nicht bei jeder Einreise.

Geplant sind dem Entwurf zufolge auch Änderungen bei der Einstufung von Regionen mit höherem Risiko. Künftig soll es statt drei nur noch zwei Kategorien geben: Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Die bisherige Stufe eines „einfachen“ Risikogebiets soll entfallen. Als Hochrisikogebiete sollen Regionen mit besonders hohen Fallzahlen gelten, ein Indiz dafür sei ein Niveau von deutlich mehr als 100 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Vorgesehen ist für Hochrisikogebiete, dass nicht Geimpfte und nicht Genesene bei der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne gehen müssen, die frühestens ab dem fünften Tag mit einem negativen PCR-Testnachweis beendet werden kann. Für Kinder unter zwölf Jahren soll die Quarantäne nach dem fünften Tag nach Einreise enden. Bei der Rückkehr aus Virusvariantengebieten sollen weiter 14 Tage Quarantäne nötig sein.

Vorgesehen war, dass der Entwurf im Umlaufverfahren zwischen den Ministerien weiter abgestimmt und beschlossen werden sollte. Dies könnte bis zu diesem Freitag geschehen.

RKI ändert seine Angaben in 3142 Neuinfektionen und 21 Tote

Das Robert-Koch-Institut (RKI) ändert seine Angaben vom Donnerstag zu den Infektions- und Totenzahlen. Demnach wurden den Gesundheitsämtern binnen 24 Stunden 3142 Neuinfektionen gemeldet. 21 Menschen starben mit oder an dem Coronavirus. Zunächst hatte das RKI 3520 Neuinfektionen und zehn weitere Todesfälle gemeldet. Insgesamt registriert das RKI damit mehr als 3,76 Millionen nachgewiesene Infektionsfälle und 91.607 Tote. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 16,0, wie sie zuvor ausgewiesen wurde. Das RKI teilte zuvor mit, dass seine Angaben auf der Website auf ihre Richtigkeit hin überprüft würden.

Wichtige Hintergründe:

- Als erste große Unternehmen im Silicon Valley machen Google und Facebook die Impfung ihrer Mitarbeiter für eine Rückkehr ins Büro zur Pflicht. Was bedeutet dies für die deutschen Standorte der Konzerne?

- Während Google und Facebook ihre Mitarbeiter zur Impfung verpflichten, gerät die deutsche Kampagne ins Stocken. Deshalb überlegen Unternehmen derzeit, wie sie ihre Belegschaft vom Segen der Spritze überzeugen können. Doch wirken solche Anreize wirklich?

Mittwoch, 28. Juli

Die Inzidenz sollte nach Ansicht des Robert Koch-Instituts weiterhin der Leitindikator für die Infektionsdynamik bleiben. Das geht aus einem Papier hervor, das RKI-Chef Lothar Wieler am Montag bei einer Schaltkonferenz mit den Chefs der Staatskanzleien der Länder präsentierte.

„Inzidenz ist Leitindikator für Infektionsdynamik (hohe Inzidenzen haben zahlreiche Auswirkungen)“, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über das zuerst die „Bild“ und „The Pioneer“ berichtet hatten. Die 7-Tage-Inzidenz bleibe wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren. Nach Informationen der „Bild“ soll es deshalb in der Schalte zu größeren Diskussionen gekommen sein, weil viele Länder von der Inzidenz als wichtigstem Kriterium abkommen wollen.

Zur aktuellen Lage heißt es in dem Papier, dass die Inzidenzen seit rund drei Wochen wieder stiegen, der Anteil der Hospitalisierungen seit rund zwei Wochen. „Die vierte Welle hat begonnen.“

Hohe Impfquoten alleine seien nicht ausreichend, die vierte Welle flach zu halten, heißt es weiter. Zusätzliche „Basisschutz-Maßnahmen“ seien notwendig, um die vierte Welle so zu senken, dass die Patientenzahlen in Krankenhäusern nicht zu hoch würden. Als Maßnahmen nennt das Papier eine Reduzierung der Kontakte sowie eine Reduktion der Mobilität.

Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA steigt deutlich

In den USA steigt die Zahl der an einem Tag erfassten Corona-Neuinfektionen an. Die Behörden meldeten am Dienstag 70 740 neue Fälle, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Mittwochmorgen (MESZ) hervorging. Das sind etwa 28.000 mehr als vor genau einer Woche. Die Zahl der Toten mit einer bestätigten Corona-Infektion stieg im Wochenvergleich von 286 auf 533.

Die bisherigen Höchstwerte wurden am 2. Januar mit 300.462 Neuinfektionen sowie am 12. Januar mit 4460 Toten verzeichnet. Mehr als 83 Prozent aller erfassten Infektionen im Land sind nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurückzuführen.

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang etwa 34,6 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 611.000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen – aber nicht relativ zur Bevölkerung – sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Bislang haben in den USA nach CDC-Daten mehr als 56,9 Prozent der Menschen mindestens die erste Impfung erhalten, rund 49 Prozent sind vollständig geimpft.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der CDC. In manchen Fällen werden die Zahlen – unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten – nachträglich aktualisiert.

RKI registriert 2768 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 15,0

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit drei Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwochmorgen lag sie bei 15,0 am Vortag betrug der Wert 14,5, beim jüngsten Tiefststand vom 6. Juli waren es 4,9.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 2768 Corona-Neuinfektionen, wie aus den Zahlen weiter hervorgeht, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.28 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 2203 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 21 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 19 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.761.169 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.649.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.586.

Dienstag, 27. Juli

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Politik in Bund und Ländern aufgefordert, mit einer klaren Strategie gegen eine vierte Corona-Welle in den Herbst zu gehen. Mitte August werde es eine Ministerpräsidentenkonferenz geben, sagte Söder am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. „Dafür brauchen wir klare Linien“, sagte er. Es dürfe in der Pandemiebekämpfung kein Zögern geben und die Hoffnung, „in die Bundestagswahl zu stolpern“, sagte Söder.

Söder sprach sich dafür aus, geimpften Menschen ihre Freiheitsrechte zurückzugeben, Ungeimpften dagegen nicht ohne weiteres. Es gehe nicht um die Benachteiligung Ungeimpfter oder um einen Impfdruck durch die Hintertür. Jedoch sei das Vorenthalten von Grundrechten für Geimpfte nicht zu rechtfertigen.

Er sprach sich dafür aus, das Impfen für Minderjährige deutlich voranzubringen. Ziel müsse es sein, bei den Schülerinnen und Schülern im neuen Schuljahr die Quarantänezeiten so weit wie möglich zu reduzieren, sagte Söder. In Großbritannien, wo die Infektionszahlen deutlich in die Höhe gegangen sind, befänden sich derzeit 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Quarantäne.

Das Robert Koch-Institut erarbeite gerade eine neue Berechnungsweise als Messlatte für die Schwere der Pandemie. Sie solle Impffortschritt und Sieben-Tage-Inzidenz unter einen Hut bringen.

Die Grenze von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz müsse wohl nach oben angepasst werden, mit Ausnahme der Schulen. „Ist das alte 50 noch das neue 50? In der Schule ja, weil da gibt es noch zu wenig Impfung“, sagte Söder.

In den Schulen Bayerns werde nach den Ferien zudem zumindest in den ersten Wochen Maskenpflicht gelten. Auch eine Testpflicht soll es geben, möglichst schon vor dem ersten Schultag.

Länderchefs wollen sich am 10. August zu Corona abstimmen

Die Ministerpräsidenten der Länder wollen sich am 10. August zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie abstimmen. Das teilte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) und Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), am Dienstag mit. Müller hatte kurz zuvor angesichts der steigenden Infektionszahlen erklärt, dass der Korridor enger werde, in dem der gegenwärtigen Entwicklung noch wirksam entgegengewirkt werden könne. Er und andere Regierungschefs hatten ein zügiges Handeln und eine schnelle Beratung der Ministerpräsidenten gefordert. Diese werde nun am übernächsten Dienstag in gewohnter Form mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Videoschaltkonferenz stattfinden, hieß es. Ursprünglich war die nächste MPK für Ende August geplant.

Erweiterte Corona-Testpflichten für Urlaubsrückkehrer geplant

Zum Schutz vor einer Corona-Ausbreitung nach den Sommerferien müssen sich Urlauber auf erweiterte Testpflichten bei der Rückkehr nach Deutschland gefasst machen. Die Bundesregierung stimmt sich derzeit über eine vorgesehene Neuregelung ab, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Dienstag sagte. Ressortchef Jens Spahn (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) streben eine schnellstmögliche Ausweitung der Testpflichten bei der Einreise an. Die Reisebranche rief Urlauber auf, sich impfen zu lassen. Mit Blick auf den Herbst wollen mehrere Länder baldige Beratungen mit dem Bund.

Eine generelle Testpflicht bei der Einreise besteht schon für alle Flugpassagiere. Der Nachweis eines negativen Ergebnisses muss noch im Urlaubsland gemacht und vor dem Start vorgezeigt werden – oder aber ein Nachweis als Genesener oder voll Geimpfter. Nach Vorstellungen Spahns und Seehofers sollte künftig grundsätzlich ein Test verlangt werden – egal, von wo und mit welchen Verkehrsmitteln man kommt. Wer weder geimpft ist noch eine Infektion hatte, müsste etwa auch einen Test machen, wenn er oder sie per Auto aus Polen kommt. Stationäre Grenzkontrollen sind aber dem Vernehmen nach nicht Teil des Konzepts.

Spahn hatte bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass eine Ausweitung der Testpflicht sehr schnell kommen solle. Zunächst berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag über das Thema. Kritik kam von der Opposition. Eine so umfassende Ausweitung der Testpflicht sei weder hilfreich bei der Bekämpfung der Pandemie noch verhältnismäßig, sagte die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus. Der Fokus der Testpflicht sollte auf Reisende aus Hochrisiko- und Virusvariantengebieten gelegt und auch kontrolliert werden. Die Bundesregierung müsse sich zudem für eine europäische Regelung einsetzen, statt einseitig eine Verschärfung voranzutreiben.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwoch) dagegen: „Eine generelle Testpflicht bei der Einreise nach Deutschland für alle, die weder vollständig geimpft noch genesen sind, ist aus medizinischer Sicht sehr sinnvoll.“ Bei Urlaubsreisen bestehe wegen der größeren Zahl an Kontakten grundsätzlich ein höheres Risiko, sich zu infizieren – zunächst einmal unabhängig vom Reiseort und dem genutzten Verkehrsmittel.

An diesem Mittwoch tritt bereits eine vom Kabinett beschlossene neue Einreiseverordnung in Kraft. Da es zu der von Spahn und Seehofer geplanten Regelung keine Einigkeit gab, werden im Wesentlichen die bestehenden Regelungen bis vorerst 10. September verlängert. Eine Erleichterung gibt es für Einreisende aus Virusvariantengebieten, in denen neue, besorgniserregende Virusformen kursieren.

Bisher müssen auch Genesene und Geimpfte, die von dort zurückkommen, für 14 Tage in Quarantäne. Künftig kann diese generell vorzeitig beendet werden, wenn die Region noch während der Quarantänezeit nicht mehr als Virusvariantengebiet eingestuft wird.

Welche Regionen die Bundesregierung zu Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiete mit besonderen Vorgaben zu Tests und Quarantäne erklärt, veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite. Seit Dienstag gelten Spanien und die Niederlande als Hochinzidenzgebiete mit besonders vielen Neuinfektionen. Wer aus einem solchen Gebiet zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzen.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) appellierten an die Bürger, Angebote zu Corona-Impfungen auch mit Blick auf den Urlaub anzunehmen. „Für Geimpfte ist die Reiseplanung verlässlicher und das Reisen einfacher.“ Einige Länder behielten bestimmte Aktivitäten vor Ort auch ausschließlich Geimpften vor. „Mit dem Impfschutz beugen Sie solchen Überraschungen im Urlaub vor.“

Über das weitere Corona-Vorgehen nach den Sommerferien soll nach dem Willen mehrerer Länder bald auch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gesprochen werden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz sprach sich für eine Beratung innerhalb der nächsten zwei Wochen aus. Er wünsche sich vom Bund, dass er zügig Regularien für Reiserückkehrer anfasse und es etwa an Flughäfen nicht nur bei Stichproben bleibe. „Der Korridor, um der gegenwärtigen Entwicklung noch wirksam entgegen zu wirken, wird enger“, sagte Müller.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte in München, Mitte August werde es eine Ministerpräsidentenkonferenz geben. „Dafür brauchen wir klare Linien.“ Es dürfe in der Pandemiebekämpfung kein Zögern geben und die Hoffnung, „in die Bundestagswahl zu stolpern“. Söder sprach sich dafür aus, das Impfen für Minderjährige deutlich voranzubringen. Ziel müsse es sein, bei Schülerinnen und Schülern im neuen Schuljahr Quarantänezeiten so weit wie möglich zu reduzieren.

Zugang zu Impfungen führt zu ungleichem Wachstum der Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft erholt sich von der Corona-Krise, aber die Ungleichheit steigt dabei nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter: Für die reichen Industrieländer, darunter Deutschland, haben sich die Wachstumsaussichten einer neuen Prognose zufolge nochmals verbessert, die Aussichten für viele ärmere Entwicklungs- und Schwellenländer haben sich hingegen verschlechtert. Die Konjunkturaussichten vieler Staaten hingen inzwischen direkt von deren Zugang zu Corona-Impfstoffen ab, erklärte der IWF. Zudem können ärmere Länder Arbeitsmarkt und Konjunktur nur sehr begrenzt stützen.

Die Weltwirtschaft soll der am Dienstag vorgestellten Prognose zufolge dieses Jahr um starke 6 Prozent wachsen. Das entspricht dem vorigen Ausblick vom April, aber die Zusammensetzung des Wachstums hat sich geändert: Das Plus für die Industrieländer soll 5,6 Prozent betragen, 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Die Prognose für die Wirtschaft der Entwicklungs- und Schwellenländer für 2021 hingegen wurde um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent gesenkt.

„Schneller als erwartete Impfkampagnen und die Rückkehr zur Normalität haben zu Hochstufungen geführt, während der mangelnde Zugang zu Impfstoffen und wiederholte Covid-19-Wellen in manchen Ländern, insbesondere in Indien, zu Herabstufungen geführt haben“, erklärte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. „Die weltweite Erholung der Wirtschaft setzt sich fort, aber mit einer größeren Lücke zwischen entwickelten Volkswirtschaften und vielen Schwellen- und Entwicklungsländern“, sagte sie.

Das Muster wird sich dem IWF zufolge auch 2022 fortsetzen. Die Weltwirtschaft soll um 4,9 Prozent wachsen, 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Angetrieben werden soll die Entwicklung von einem um 0,8 Prozentpunkte stärkeren Wachstum der Industrieländer (4,4 Prozent), vor allem aufgrund höherer staatlicher Ausgaben in den USA und der EU. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schwellen- und Entwicklungsländer wiederum soll um 5,2 Prozent wachsen, eine Zunahme von 0,2 Prozentpunkten gegenüber der April-Schätzung. Die globale Erholung der Wirtschaft „ist nicht gesichert, bis die die Pandemie weltweit zurückgeschlagen ist“, betonte Gopinath.

Allein die Wachstumsprognose für die USA, die weltgrößte Volkswirtschaft, hob der IWF zum Beispiel für kommendes Jahr um ganze 1,4 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent an. Auch Deutschlands Wirtschaft soll 2022 stärker zulegen: Nach einer Prognose von 3,4 Prozent im April geht der IWF nun von einem Wachstum von 4,1 Prozent aus. Für dieses Jahr wird weiter ein Plus von 3,6 Prozent erwartet.

Die USA werden auch in diesem Jahr die große Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft sein. Dort soll die Wirtschaft dank der erfolgreichen Impfkampagne und eines massiven Konjunkturpakets um 7 Prozent wachsen. Das wäre das stärkste Wachstum seit einer Generation, wie der IWF bereits in seiner Anfang Juli um 0,6 Prozentpunkte angehobenen Prognose für die USA erklärt hatte.

Die vergleichsweise hohe IWF-Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft liegt zum Teil auch daran, dass viele Staaten im Vorjahr wegen der Corona-Krise eine Rezession von historischem Ausmaß erlebt hatten und nun wieder aufholen. Dem IWF zufolge brach die globale Wirtschaft 2020 wegen der Pandemie um historische 3,2 Prozent ein.

Der IWF geht unterdessen davon aus, dass sich die aktuell höheren Inflationsraten in den Industriestaaten im kommenden Jahr wieder auf das Niveau von vor der Pandemie einpendeln dürften. Viele Faktoren, die die Preise antrieben, seien vorübergehend, und die Lage am Arbeitsmarkt sei in den meisten Ländern weniger gut als vor der Pandemie. „Diese Einschätzung ist jedoch wegen der beispiellosen Natur dieser Erholung mit bedeutender Unsicherheit verbunden“, schränkte Gopinath ein. Nachhaltige Störungen globaler Lieferketten und ein starker Anstieg der Immobilienpreise seien Faktoren, die zu nachhaltig höherer Inflation führen könnten, warnte sie.

Für die Eurozone prognostiziert der IWF ein stärkeres Wachstum: In diesem Jahr soll die Wirtschaft des Währungsraums um 4,6 Prozent wachsen, 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im April angenommen. Für 2022 soll das Wachstum 4,3 Prozent betragen (plus 0,5 Prozentpunkte.)

Zu den Verlierern der jüngsten Prognose gehören unter anderem die Staaten Asiens, die zuletzt mit einer neuen Corona-Welle zu ringen hatten. Neben Indien zählt der IWF auch Malaysia, Thailand, Vietnam die Philippinen und Indonesien zu dieser Kategorie. Das Wachstum in Indien etwa soll dieses Jahr infolge der dramatischen Corona-Welle rund 9,5 Prozent betragen - ganze 3 Prozentpunkte weniger als noch in der April-Prognose. Im kommenden Jahr soll das Wachstum mit 8,5 Prozentpunkten wiederum um 1,6 Prozentpunkte höher ausfallen.

Die Wachstumsprognose für China wurde ebenfalls gesenkt, allerdings vor allem wegen abnehmender staatlicher Unterstützung für die Wirtschaft. Die zweitgrößte Volkswirtschaft soll dieses Jahr um 8,1 Prozent wachsen, 0,3 Prozentpunkte weniger als im April angenommen. Nächstes Jahr soll es ein Plus von 5,7 Prozent geben.

Israel erlaubt in Ausnahmefällen Corona-Impfung von Kindern

Israel will in extremen Ausnahmefällen eine Impfung von Fünf- bis Elfjährigen gegen das Coronavirus erlauben. Solche Ausnahmen könnten für Kinder gelten, die besonders gefährdet seien, im Falle einer Corona-Infektion schwer zu erkranken oder zu sterben, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Dies könne zum Beispiel bei extremer Fettleibigkeit, schweren chronischen Lungenkrankheiten oder Herzproblemen der Fall sein.

Grundsätzlich sei eine Impfkampagne für Kinder in dem Alter derzeit kein Thema, hieß es in einer Anweisung an die Krankenkassen. Es gehe darum, die Zahl der Genehmigungen in solchen Fällen niedrig zu halten. Die Gruppe der bis Neunjährigen hat inzwischen im Altersvergleich den höchsten Anteil der registrierten Neuinfektionen. Laut Ministerium stellt sie mehr als zehn Prozent der Infizierten.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt in Israel weiter deutlich an: Das Gesundheitsministerium meldete am Dienstag 2112 Fälle – so viele wie seit Mitte März nicht mehr. Die meisten neuen Fälle stehen nach offiziellen Angaben in Verbindung mit der Delta-Variante des Virus.

Mehr als 57 Prozent der 9,3 Millionen Bewohner Israels sind bereits vollständig geimpft. Bei den 10- bis 19-Jährigen sind es nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 32 Prozent.

Scholz stellt öffentliche Bezahlung von Corona-Tests in Frage

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, Corona-Tests nicht mehr öffentlich zu bezahlen – wenn alle, die sich impfen lassen können, ein Impfangebot erhalten haben. Scholz schrieb am Dienstag auf Twitter, das Wichtigste sei nun, möglichst viele von einer Impfung überzeugen. „Ich bin für mobile Impfteams in Turnhallen, vor Supermärkten und Fußballstadien. Der Impfstoff muss jetzt zu den Leuten kommen.“

Viele Veranstaltungen würden weiterhin nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete möglich sein, so Scholz. „Aber der Zeitpunkt wird kommen, an dem alle, die sich impfen lassen können, ein Impfangebot erhalten haben.“ Dann werde es nicht mehr möglich sein, die Corona-Tests öffentlich zu bezahlen.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte sich gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. Allerdings sollte die Allgemeinheit aus ihrer Sicht nicht mehr auf Dauer für die Kosten von Corona-Tests aufkommen müssen, wenn Menschen ihre Impfangebote nicht wahrnähmen.

Deutsche Industrie: USA schaden sich mit Einreisestopp selbst

Die deutsche Industrie hat Kritik an der Entscheidung der USA geäußert, Einreisebeschränkungen für Reisende aus Europa und anderen Staaten vorerst nicht aufzuheben. „Mit den Einreisestopps schadet sich die US-Regierung selbst und anderen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Joachim Lang, am Dienstag in Berlin. Verzögerungen in der Produktion, Lieferung und Durchführung strategischer Projekte behinderten eine beherzte Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivität.

„Wegen der Delta-Variante werden wir die bestehenden Reisebeschränkungen an dieser Stelle beibehalten“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Montag. US-Präsident Joe Biden hatte beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Mitte Juli eine baldige Entscheidung zum Thema angekündigt. Bei vielen weckte das die Hoffnung auf eine Lockerung.

Lang erklärte: „Unter den Beschränkungen leiden nicht nur die vielen in den USA aktiven deutschen Unternehmen mit ihren Arbeitnehmern, sondern auch alle im Produktionsverbund beteiligten Akteure, wie Lieferanten, Partner und Kunden, vor Ort.“ Deutsche Firmen, insbesondere mit Tochtergesellschaften in den USA, hätten derzeit große Probleme, ihre Mitarbeiter in die USA zu entsenden oder ihre Rückkehr dorthin sicherzustellen, obwohl die EU ihre Beschränkungen für US-Bürger aufgehoben habe.

Regierung berät über weitere Testpflichten für Reiserückkehrer

Die Bundesregierung berät über erweiterte Testpflichten für Reiserückkehrer als Corona-Schutz zum Ende der Sommerferienzeit. Das Gesundheitsministerium ist für „eine schnellstmögliche Ausweitung der Testpflichten bei Einreise“, wie eine Sprecherin auf Anfrage am Dienstag sagte. Die Abstimmungen innerhalb der Regierung dazu liefen. Zunächst berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag) darüber. Minister Jens Spahn (CDU) hatte bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass eine Ausweitung der Testpflicht aus seiner Sicht wie der des Bundesinnenministeriums sehr schnell kommen solle.

Eine generelle Testpflicht besteht bisher für alle Flugpassagiere. Der Nachweis eines negativen Ergebnisses muss bereits im Urlaubsland gemacht und vor dem Start nach Deutschland vorgezeigt werden – oder aber ein Nachweis als Genesener oder vollständig Geimpfter. Die Funke-Zeitungen berichteten, es könnte künftig grundsätzlich ein Test verlangt werden, unabhängig davon, aus welchen Gebieten und mit welchen Verkehrsmitteln Reisende nach Deutschland kommen.

An diesem Mittwoch tritt bereits eine vom Kabinett beschlossene neue Einreiseverordnung in Kraft. Im Wesentlichen werden die bestehenden Regelungen bis vorerst 10. September verlängert. Eine Erleichterung gibt es für Einreisende aus Virusvariantengebieten, in denen neue, besorgniserregende Virusformen kursieren. Bisher müssen auch Genesene und Geimpfte, die von dort zurückkommen, für 14 Tage in Quarantäne. Künftig kann diese vorzeitig beendet werden, wenn die betroffene Region noch während der Quarantänezeit nicht mehr als Virusvariantengebiet eingestuft wird.

Welche ausländischen Regionen die Bundesregierung als Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiete mit besonderen Vorgaben einstuft, veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite.

Wie viele dürfen rein: Zuschauerzahl als Frage für die Gerichte?

Die kontroverse Debatte um die Zuschauerzahl bei Eintracht Frankfurt könnte ein Vorgeschmack darauf sein, was dem deutschen Fußball im Corona-Herbst 2021 droht. Stadt gegen Land, Rechtsmittel beim Verwaltungsgericht und die große Frage, wie bei steigenden Inzidenz-Zahlen die Geimpften und Genesenen bei Großveranstaltungen gezählt werden: Der Fußball und seine immer gewaltigere Sehnsucht nach großen Zuschauerzahlen könnten nach fast 17 Monaten ernüchternder Pandemie-Leere im Herbst zu einem Fall für die Justiz werden.

Worum geht es in dem Beispiel, der bei einem entsprechenden Urteil zum Präzedenzfall werden könnte? Die Hessen treten am Samstag gegen AS Saint-Étienne zum Testspiel an, zunächst waren 10.000 Fans – die Hälfte davon geimpft oder genesen – genehmigt. Angesichts einer gestiegener Sieben-Tage-Inzidenz, die den Schwellenwert von 35 in der Mainmetropole mehrere Tage überschritten hatte, präzisierte Hessens Sozialministerium die Regelung und legte am Sonntag fest: 5000 Zuschauer sind in einem solchen Fall das Maximum, Geimpfte und Genesene dürfen nicht extra gezählt werden.

Was zunächst harmlos klang, rief heftigen Protest hervor – und zwar nicht nur vom Verein, der beim Verwaltungsgericht einen Eilentscheid erwirken und damit doch die 10 000 Fans in seine WM-Arena einlassen will. Auch die Stadt Frankfurt beschwerte sich massiv und monierte, dass es in dieser Phase der Pandemie besonders wichtig sei, Anreize zum Impfen zu schaffen.

„Und für viele ist eben ein Fußballspiel ein solcher Anreiz“, stellte Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer von den Grünen klar. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schickte sogar einen offenen Brief an die Landesregierung um Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), in dem er Kritik übte.

Die Eintracht will nun vor Gericht ziehen, sollte die Reduzierung auf 5000 Fans wirklich Bestand haben. „Es ist unklar und nicht schlüssig begründbar, weshalb man die 35 gewählt hat. Das ist kein haltbarer Weg mehr“, sagte Eintracht-Justiziar Philipp Reschke, der die Politik angesichts der veränderten Lage mit immer mehr Impfungen zu einem sofortigen Umdenken aufforderte. „Das ist, wenn man so will, Pandemie 2020. Aber Pandemie 2021 muss anders funktionieren. Die Vorzeichen haben sich geändert.“

Nach fast eineinhalb Jahren, in denen Fans im Stadion pandemiebedingt Mangelware oder gar nicht vorhanden waren, wächst bei den Vereinen allmählich die Ungeduld. Vor drei Wochen hatten die Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien die Rückkehr beschlossen und dabei eingeschränkt: maximal 50 Prozent der eigentlichen Kapazität, Gesamtzahl zunächst nicht über 25.000 Menschen. Schon das ging nicht allen Verantwortlichen weit genug.

Die zunächst bis 11. September gültige Verordnung hat zudem einen Haken: Sie bezieht sich auf eine Inzidenz von unter 35 (pro 100.000 Menschen in sieben Tagen). Ein Wert, der in Frankfurt tagelang überschritten wurde, bevor er an diesem Dienstag erstmals seit knapp einer Woche wieder unter den wichtigen Wert fiel. An anderen Orten dürfte dies angesichts der Entwicklung nur eine Frage der Zeit sein.

Die Sehnsucht nach Veranstaltungen wie früher spiegelt nicht nur den Willen der Fußballclubs wider, sondern ist auch Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Phänomens. Im Testspiel-Fall der Eintracht bemängelt der Bundesligist zudem, dass die Entscheidung derart kurzfristig geändert werden sollte. Planungssicherheit wird so unmöglich, argumentierte die Eintracht. Auch diesen Zustand würden die Fußballvereine so bald wie möglich gerne hinter sich lassen.

Viele Macher im Profifußball sind nicht mehr mit einer Rückkehr der Zuschauer zufrieden, sie wollen mehr. Besonders deutlich äußerte dies BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der jüngst einen Wunsch äußerte. „Warum soll ein Stadion nicht ausverkauft sein nur mit Geimpften? Wo ist das Problem? Was ist eigentlich, wenn die ersten Geimpften klagen, warum sie nicht ins Stadion dürfen? Darüber macht sich keiner Gedanken“, hatte Watzke betont. Für das offensive Auftreten, das an manch andere Situation des Fußballs inmitten der Pandemie-Wirren erinnerte, gab es auch Kritik.

Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, geht es ähnlich wie der in diesen Tagen schwer beschäftigten Eintracht, ihm fehlt Verlässlichkeit. Der Funktionär setzt darauf, dass die Kopplung der 50-Prozent-Regel an eine Inzidenz von 35 fällt, wenn die Bundesländer „das Überfällige“ tun und die Corona-Warnwerte nicht mehr nur an die Inzidenzen knüpfen. „Ich glaube, dass es danach mehr Planbarkeit gibt“, meinte Zingler. Mehr Klarheit darüber dürfte bereits vor dem Bundesliga-Start am 13. August herrschen, womöglich schon durch ein Urteil zum Testkick der Frankfurter gegen Saint-Étienne.

EU erreicht Etappenziel bei Impfkampagne

Die Europäische Union hat im Kampf gegen das Coronavirus ein weiteres Etappenziel erreicht. Nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vom Dienstag sind mittlerweile 70 Prozent der Erwachsenen mindestens ein Mal geimpft. 57 Prozent der Volljährigen haben demnach bereits den vollen Impfschutz. „Mit diesen Werten gehört Europa zur weltweiten Spitzengruppe“, sagte von der Leyen. Der Aufholprozess sei sehr erfolgreich gewesen.

Die CDU-Politikerin spielte damit darauf an, dass Anfang des Jahres etwa die USA oder Israel deutlich schneller darin gewesen waren, der Bevölkerung Impfangebote zu machen. Dies lag vor allem daran, dass in der EU anfangs nur sehr wenig Impfstoff zur Verfügung stand.

Die EU-Kommission ermunterte am Dienstag auch noch einmal alle Impfskeptiker, sich immunisieren zu lassen. „Die Gefahr von leichter übertragbaren Varianten ist real“, kommentierte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Es gelte nun, „die Immunitätslücke und die Tür für neue Varianten zu schließen“.

Kyriakides verwies dabei auch darauf, dass die 70 Prozent nur ein Durchschnittswert sind und EU-Länder wie Rumänien und Lettland zuletzt noch Impfquoten von deutlich unter 50 Prozent hatten. Einige Mitgliedstaaten lägen besorgniserregend zurück, kommentierte sie.

Das Ziel, bis Ende Juli 70 Prozent der Erwachsenen in der Europäischen Union durch mindestens eine Impfung zu schützen, hatte die EU-Kommission im Frühjahr ausgegeben. Das erste Etappen-Impfziel der EU hatten Deutschland und viele andere Mitgliedsstaaten zu dem Zeitpunkt deutlich verfehlt. Nach ihm sollten bis Ende März mindestens 80 Prozent der Über-80-Jährigen sowie 80 Prozent des Personals in Gesundheits- und Sozialberufen in den EU-Staaten geimpft sein. Doch blieb ein Großteil der Länder deutlich unter diesem Wert.

Über 70 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal gegen Covid geimpft

Mehr als 70 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag auf Twitter mit. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI/Stand 9.30 Uhr) wurden 61 Prozent der gesamten Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Das sind 50,7 Millionen Menschen. Fast die Hälfte der Bevölkerung (49,7 Prozent) ist inzwischen vollständig geimpft. Laut RKI wurden am Montag 313.275 Impfungen verabreicht.

Unter den Bundesländern lag Bremen dem RKI zufolge nach wie vor an erster Stelle mit einem Anteil von 69,9 Prozent mindestens einmal geimpfter Menschen. Auch bei den vollständig Geimpften belegte Bremen mit 57,5 Prozent den Spitzenplatz. Schlusslicht bei den Erstimpfungen blieb Sachsen (51,7 Prozent), genau wie bei den vollständig Geimpften (45,8 Prozent).

Bericht: Italien prüft Corona-Impfpflicht für Lehrer

In Italien erwägt die Regierung nach einem Zeitungsbericht eine Corona-Impfpflicht für Lehrer und anderes Personal an den Schulen. Noch in dieser Woche könnte dazu ein Dekret erlassen werden, hieß es am Dienstag in der Zeitung „Corriere della Sera“. Zuvor solle es noch ein Treffen mit den Gewerkschaften geben. Gesundheitsminister Roberto Speranza sagte im Fernsehen, es werde geprüft, was das wirksamste Mittel sei, um Präsenzunterricht wieder zu ermöglichen.

Nach offiziellen Angaben sind 85 Prozent der Lehrer zumindest einmal gegen Covid-19 geimpft. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Ministerpräsident Mario Draghi betonte in der Vergangenheit immer wieder, wie wichtig normaler Unterricht in den Klassen sei. Derzeit sind in Italien Ferien, noch bis September. Wegen der Pandemie mussten viele Mädchen und Jungen vergangenes Jahr zu Hause via Internet am Unterricht teilnehmen.

Jens Spahn will offenbar strengere Regeln für Reise-Rückkehrer

Die Bundesregierung bereitet einem Medienbericht zufolge eine erhebliche Verschärfung der Corona-Reiseauflagen vor. Das Gesundheitsministerium will „eine schnellstmögliche Ausweitung der Test-Pflichten bei Einreise“, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagausgaben) laut Vorabbericht.

Künftig will Minister Jens Spahn (CDU) einen Test offenbar unabhängig davon verlangen, aus welchen Gebieten und mit welchen Verkehrsmitteln die Reisenden nach Deutschland kommen, heißt es in dem Bericht. „Die Abstimmung in der Regierung dazu läuft“, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums. Wie die Zeitungen weiter berichten, sträubt sich bisher im Kabinett vor allem Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) gegen die Pläne, weil die umfassende Testpflicht unverhältnismäßig sei. Bisher müssen Flugpassagiere und Einreisende aus Hochrisikogebieten einen negativen Corona-Test vorlegen – es sei denn, sie sind vollständig geimpft oder genesen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an, seit knapp drei Wochen nun. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstagmorgen lag sie bei 14,5 - am Vortag betrug der Wert 14,3, beim Tiefststand vom 6. Juli 4,9.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 1545 Corona-Neuinfektionen, wie aus den Zahlen vom Dienstagmorgen weiter hervorgeht, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.37 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1183 Ansteckungen gelegen.

Montag, 26. Juli

Angesichts schnell steigender Corona-Infektionszahlen rücken wieder stärkere Gegenmaßnahmen in den Blick – doch was heißt das für Millionen schon geimpfte Bürger? Die Bundesregierung will mit den Ländern jetzt darüber beraten, um eine neue große Welle nach den Sommerferien zu verhindern. Dabei geht der Streit um möglicherweise strengere Regeln für Menschen weiter, die sich trotz vieler Angebote auch in den nächsten Wochen nicht impfen lassen. Eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ will die Bundesregierung aber nicht, wie die stellvertretende Sprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin sagte.

Die aktuelle Lage biete trotz niedriger Inzidenzen „durchaus Anlass zur Sorge“, sagte Demmer. Stand heute seien die Fallzahlen binnen einer Woche um 75 Prozent gestiegen. „Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, müssen wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen.“ Es gelte alles zu tun, um eine Situation wie im Frühjahr zu vermeiden, sagte sie mit Blick auf die dritte Corona-Welle. Bundesweit stieg die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen laut Robert Koch-Institut (RKI) nun weiter auf 14,3 – am Vortag waren es 13,8 gewesen, der jüngste Tiefststand am 6. Juli lag bei 4,9.

Zwei Monate vor der Bundestagswahl ist das weitere Vorgehen beim Corona-Krisenmanagement eine heikle Angelegenheit: Welche Schritte sind wann für wen sinnvoll und treffen womöglich mitten in der heißen Wahlkampfphase auch auf breitere Akzeptanz? Mit den Ländern solle in den kommenden Tagen und Wochen überlegt werden, was möglich und zu machen sei, sagte Demmer. Angepeilt wird auch eine Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten – Termin noch offen. Im Fokus stünden eine höhere Impfquote, der Umgang mit Reiserückkehrern und mögliche Maßnahmen gegen steigende Zahlen.

Bei den Impfungen gibt es nach langem Bitten um Geduld nun regelmäßig Appelle an Zögernde – denn genug Impfstoff sei inzwischen da. „Das zu Beginn der Impfkampagne ausgegebene Ziel, jeder impfwilligen Person bis Ende des Sommers ein Angebot einer Erstimpfung zu machen, wurde also bereits zu Anfang des Sommers und damit deutlich früher erreicht“, heißt es in einem Bericht, mit dem Ressortchef Jens Spahn (CDU) am Montag den Bundestag und seine Länderkollegen informierte.

Jetzt gelte es, Bürger zu erreichen, die sich noch nicht für eine Impfung entschieden hätten, heißt es darin weiter. Wichtig dafür seien konkrete niedrigschwellige Angebote vor Ort. Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland (49,4 Prozent) ist inzwischen laut RKI vollständig geimpft, mindestens eine erste Spritze haben demnach 60,9 Prozent der Bevölkerung. Es gibt aber regionale Unterschiede: In Bremen sind 69,8 Prozent der Einwohner mindestens einmal geimpft, Schlusslicht ist weiterhin Sachsen mit einem Anteil von 51,6 Prozent.

Als Impf-Anreiz soll dabei durchaus auch wirken, von möglichen neuen Beschränkungen verschont bleiben zu können – wie genau, ist aber offen. Die Bundesregierung betonte allgemein, dass voll Geimpfte und Genesene mit einmaliger Impfung – im Unterschied zu per Schnelltest Getesteten – nicht mehr relevant zum Infektionsgeschehen beitrügen. Tests seien auch nicht zu 100 Prozent sicher und aussagekräftig.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht bei einer möglichen vierten Corona-Welle Geimpfte im Vorteil. „Sie dürfen keine Einschränkungen haben wie diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen“, sagte er, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. „Ich halte es für richtig, dass es keinen Impfzwang gibt. Das heißt aber auch, dass man ohne Impfung Nachteile wie das ständige Testen in Kauf nehmen muss.“

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte im ZDF: „Es wird keine allgemeine Impfpflicht geben.“ Es solle dabei bleiben, dass Geimpfte, Genesene und auch negativ Getestete Zugänge haben. „Wenn alle, die sich impfen lassen können, das dann trotzdem nicht machen, dann muss man auch vielleicht darüber nachdenken, ob die Testmöglichkeiten dann eben auf deren Kosten gehen.“

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Am Montag erläuterte Braun im „Bild“-Talk, nur für den Fall, dass die Gruppe der Ungeimpften so groß bleiben sollte, dass es eine relevante Welle gebe, seien sie bei Beschränkungen auch anders zu behandeln.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sagte, das Wichtigste sei zunächst, jedem ein Impfangebot zu machen. „Und dann im nächsten Schritt, wenn das geleistet worden ist, darüber zu sprechen, dass in manchen Bereichen eben Leute, die geimpft sind, Dinge tun können und andere nicht.“ Linke-Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler warnte davor, nicht Geimpfte unter Druck zu setzen. Nötig seien bessere Informationen und Impfmöglichkeiten. FDP-Generalsekretär Volker Wissing sagte der „Rheinischen Post“, statt mit Impfpflichten oder neuen Kontaktbeschränkungen zu drohen, seien alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit die „eingeschlafene Impfkampagne“ Fahrt aufnehme.

Lambrecht wies zugleich auf die Vertragsfreiheit hin. Sie lasse einem Gastronomen „selbstverständlich offen, ob er die Bewirtung in seinem Restaurant auf Geimpfte beispielsweise beschränkt“. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hält so etwas nur in einem „Worst Case“ für vorstellbar, wenn die Infektionslage sich dramatisch verschlechtert. Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte der dpa: „Es gibt derzeit keine Veranlassung, so etwas auf den Weg zu bringen. Das wäre Stufe X, davon sind wir aber weit entfernt.“ Aktuell bestehe in den meisten Ländern keine Testpflicht für die Innengastronomie.

Steigende Fallzahlen: Diskussion um Einschränkungen für Nicht-Geimpfte

Mit Blick auf steigende Infektionszahlen ist eine Debatte um mehr Einschränkungen für Ungeimpfte in der Corona-Pandemie entfacht. „Das ist keine Diskriminierung der Nicht-Geimpften“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im Interview mit RTL/ntv. Er achte es, wenn jemand sich aus persönlichen Gründen gegen eine Impfung entscheide. „Aber die nicht geimpfte Person muss auch einsehen, dass wir die Gesamtgesellschaft schützen müssen und deshalb nur die Geimpften zu größeren Gemeinschaftsveranstaltungen zulassen können.“

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, befürwortet, Geimpften mehr Freiheiten im Alltag zuzugestehen. Es gebe keinen Grund, Geimpften und Immunen ihre Grundrechte weiter vorzuenthalten, „nur weil ein paar ewige Skeptiker sich der Impfung entziehen“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Es gehe nicht um Privilegien für Geimpfte, sondern um Grundrechtseinschränkungen.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte am Wochenende mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht, falls Deutschland eine hohe vierte Welle drohe. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sprach sich am Sonntag dagegen aus. „Ich halte nichts von Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen“, sagte er im ZDF-Sommerinterview.

Auch die Linken-Chefin Janine Wissler wandte sich gegen den Vorstoß Brauns. Menschen, die sich noch nicht haben impfen lassen, mit Benachteiligungen zu drohen, sei der falsche Weg, sagte sie der „Welt“. Zumal es für viele Menschen auch noch keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission gebe, wie etwa für Kinder unter zwölf Jahren und Schwangere.

Kritik kam unter anderem auch aus der FDP. Kubicki bezeichnete Brauns Vorschlag am Sonntag als „Einführung der Impfpflicht durch die Hintertür“ und „klar verfassungswidrig“. Montgomery kritisierte die Einwände scharf. Wer wie die FDP eine Impflicht durch die Hintertür vermute und mehr Rechte für Geimpfte ablehne, bediene „einen primitiven Populismus“ und verstehe den Begriff der Freiheit nicht richtig. „Nur durch Impfen können wir alle unsere Freiheiten wiedergewinnen. Das sollte auch die FDP die angebliche Freiheitspartei endlich einmal begreifen“, sagte Montgomery.

FDP-Generalsekretär Volker Wissing forderte derweil mehr Tempo beim Impfen. „Anstatt mit Impfpflichten oder erneuten Kontaktbeschränkungen zu drohen, sollten die Verantwortlichen lieber alle Hebel in Bewegung setzen, damit die eingeschlafene Impfkampagne wieder Fahrt aufnimmt“, sagte Wissing der „Rheinischen Post“ (Montag). Es brauche mehr niederschwellige Angebote.

Der SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich schlägt vor, den Einsatz von Impfmobilen auszuweiten. „Wenn die Menschen nicht zur Impfung kommen, dann muss die Impfung zu den Menschen kommen“, sagte Mützenich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). Die bisherigen Erfahrungen damit, Impfmobile in bestimmte Stadtviertel zu schicken, seien gut. „Diese Möglichkeiten müssen wir komplett ausreizen.“ Auch für jüngere Menschen brauche es zielgenauere Angebote.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) forderte die Bundesregierung derweil auf, neue Entscheidungskriterien für die Beurteilung der Infektionslage zu entwickeln. „Massive Einschränkungen für die Gesellschaft wie auch für die Wirtschaft sind allein mit hohen Inzidenzen nicht mehr zu rechtfertigen“, sagte die Hauptgeschäftsführerin, Ingrid Hartges, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Es müssten weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Impfquote, die Entwicklung der Krankheitsverläufe, der Hospitalisierungsgrad sowie die Sterberate berücksichtigt werden. Im Idealfall sollten diese Kriterien bundesweit festgelegt werden.

Mehrere Bundesländer signalisierten am Wochenende ihre Bereitschaft für eine vorgezogene Bund-Länder-Konferenz. Laut Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) müsse ein Bund-Länder-Treffen möglichst bald stattfinden. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht aktuell einen kurzfristigen Abstimmungsbedarf. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder knüpfte seine Bereitschaft an Bedingungen wie den Beschluss eines Schüler-Impfprogramms. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag in Aussicht gestellt, die nächste, eigentlich erst für Ende August vorgesehene Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Pandemie vorzuziehen.

Lindner hält Risiko falsch negativer Corona-Tests für verantwortbar

Nach Auffassung von FDP-Chef Christian Lindner rechtfertigt das Risiko falsch negativer Coronatests nicht die Ungleichbehandlung von geimpften und negativ getesteten Menschen. „Es ist ein verantwortbares Risiko“, sagte Lindner am Montag auf der Insel Usedom. Neben Tests, die nicht anschlagen, gebe es auch Impfdurchbrüche, und auch Genesene könnten sich erneut infizieren. Es gehe um die Frage, welches Risiko verantwortbar sei und welche Folgen es etwa hätte, wenn negativ getestete Menschen „prinzipiell keinen Zugang, auch nach Test, zum Beispiel zum gesellschaftlichen Leben haben“.

Steigende Corona-Infektionszahlen hatten die schon seit längerem geführte Debatte um mehr Einschränkungen für Ungeimpfte neu entfacht. Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dürfte die Gleichstellung negativ Getesteter mit Geimpften und Genesenen wegen zu vieler falsch negativer Tests nicht aufrechtzuerhalten sein, sollten die Fallzahlen wieder deutlich steigen. Damit sei zu rechnen, „wenn die Menschen aus den Ferien zurückkommen und sich im Herbst wieder verstärkt in Innenräumen begegnen“, hatte er der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt.

Lindner hält hingegen an der Gleichbehandlung negativ Getesteter, Geimpfter und Genesener fest. Man wisse, dass sie in gleicher Weise keine Gefahr für ihre Mitmenschen seien, sagte er vor der Ahlbecker Seebrücke bei seiner Wahlkampf-Sommertour. Er warnte vor einer „Untertanenmentalität“ und davor, sich unverhältnismäßige Eingriffe in die eigene Freiheit gefallen zu lassen.

Die meisten Urlauber bleiben im Corona-Hochinzidenzland Spanien

Die meisten deutschen Touristen auf Mallorca lassen sich den Urlaub von der Einstufung Spaniens als Hochinzidenzgebiet offensichtlich ganz und gar nicht vermiesen. Kurz vor Inkrafttreten der Entscheidung der Bundesregierung am Dienstag hätten nur sehr wenige Besucher den Urlaub auf der spanischen Mittelmeerinsel vorzeitig abgebrochen, sagte der Sprecher des Reiseveranstalters Tui, Aage Dünhaupt, am Montag, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Auch der Deutsche Reiseverband sprach von einer „relativ entspannten“ Lage. Es habe zwar „vermehrt Anfragen von Kundinnen und Kunden“ bezüglich der Rückreise gegeben. Aber: „Die meisten Urlaubenden möchten ihren Urlaub zu Ende verbringen und auch bei denen, die den Urlaub geplant haben, gibt es keine Storno-Welle“, teilte DRV-Sprecherin Kerstin Heinen am Montag, berichtet die Deutschen Presse-Agentur mit.

Noch bis Mitternacht zum Dienstag konnten Spanien-Urlauber unter Vorlage eines negativen Corona-Tests in die Heimat zurückfliegen. Ab Dienstag muss ein Nachweis über eine vollständige Impfung oder eine überstandene Erkrankung erbracht werden, um einer zehntägigen Quarantäne zu entgehen. Erst nach fünf Tagen besteht die Möglichkeit, sich mit einem Test aus der Quarantäne zu befreien.

Bei herrlichem Badewetter und knapp 30 Grad im Schatten machte diese Aussicht nur wenige Tui-Kunden auf Mallorca nervös. Am Ballermann, der deutschen Urlauber-Hochburg an der Playa de Palma, waren auch am Montag die Strände voll. „Wir hatten heute sechs Rückflüge mit vielen freien Plätzen, so dass wir die wenigen Gäste, die umbuchen wollten, problemlos mitnehmen konnten“, erklärte Dünhaupt. Die Lage auf der Insel, auf der er sich bis Montagabend aufhielt, bezeichnete der Tui-Sprecher als ruhig. Zahlen konnte er nicht nennen. Es gebe aber keine größeren Rückreisetendenzen. „Im Gegenteil.“

Am Montag gab es für die Balearen mit Mallorca eine gute Nachricht: Die 7-Tage-Inzidenz ging nach Behördenangaben auf rund 340 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner zurück, im Vergleich zu gut 382 am Sonntag. Die landesweite 7-Tage-Inzidenz betrug 338.

Der DRV schätzt, dass rund 200.000 Pauschalreisende aus Deutschland aktuell in Spanien Urlaub machen, davon 60 Prozent auf den Balearen mit Mallorca. Hinzu kommen noch etwa 200.000 Individualtouristen.

Dehoga: Zugang nur für Geimpfte in Restaurants jetzt kein Thema

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hält einen Zugang nur für Geimpfte in Restaurants und Kneipen nur in einem „Worst Case“ für vorstellbar, wenn die Infektionslage sich dramatisch verschlechtert. Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte am Montag: „Es gibt derzeit keine Veranlassung, so etwas auf den Weg zu bringen. Das wäre Stufe X, davon sind wir aber weit entfernt“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Aktuell bestehe in den meisten Bundesländern keine Testpflicht für die Innengastronomie. Diese trete nach den meisten Verordnungen der Länder wieder in Kraft, wenn der Inzidenzwert über 35 oder 50 liege. „Diese 3G-Regel, Zugang nur für Geimpfte, Genesene und Getestete, wäre dann die sachgerechte wie verhältnismäßige Maßnahme.“

Hartges sagte weiter: „Im Interesse der Gesellschaft und der betroffenen Wirtschaft muss jetzt alles unternommen werden, um einen erneuten Lockdown zu verhindern. Das Erreichen einer relevanten Impfquote muss jetzt oberste Priorität haben. Die Aufklärung ist zu intensivieren, ebenso müssen vor Ort unkomplizierte Angebote ohne vorherige Anmeldungen für Impfwillige geschaffen werden.“

Die Ministerpräsidentenkonferenz sollte vorgezogen werden, so Hartges. „Denn jetzt muss geklärt werden, wie künftig die Infektionslage beurteilt wird. Es müssen neben dem Inzidenzwert weitere Parameter definiert werden, dazu gehören insbesondere die Impfquote und die Hospitalisierungsrate.“

Die weiter steigenden Corona-Infektionszahlen hatten die schon seit längerem geführte Debatte um mehr Einschränkungen für Ungeimpfte neu entfacht. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte am Wochenende mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht, falls Deutschland eine hohe vierte Welle drohe. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe hatte Hartges gesagt, die Bundesregierung solle positive Anreize für Doppelgeimpfte schaffen, um die Impfquote zu erhöhen. „Dies bedeutet, dass der Restaurantbesuch wie der Hotelaufenthalt auf jeden Fall für doppelt Geimpfte auch im Herbst und Winter weiterhin erlaubt sein muss.“ Es müsse alles getan werden, um einen weiteren Lockdown zu verhindern.

Linke: Nicht-Geimpfte nicht unter Druck setzen

Die Linke hat davor gewarnt, nicht geimpfte Menschen unter Druck zu setzen. Stattdessen seien bessere Informationen und Impfmöglichkeiten notwendig, sagte Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler am Montag in Berlin. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte am Wochenende mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht, falls Deutschland eine hohe vierte Welle drohe.

Schindler sprach von einer falschen Debatte zur falschen Zeit. Menschen die nicht geimpft seien, bräuchten keine Gängelung. Es gehe um bessere Impfangebote und nicht um einen Impfzwang. Er glaube, ein Großteil wolle sich impfen lassen.

Bundesregierung will über zusätzliche Corona-Maßnahmen beraten

Die Bundesregierung will angesichts rasch steigender Corona-Infektionszahlen über ein stärkeres Gegensteuern beraten. Die aktuelle Lage biete trotz der niedrigen Inzidenzen durchaus Anlass zur Sorge, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin. Stand heute seien die Fallzahlen binnen einer Woche um 75 Prozent gestiegen. „Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, müssen wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen.“ Es gelte alles zu tun, um eine Situation wie im Frühjahr zu vermeiden, sagte sie mit Blick auf die zurückliegende dritte große Corona-Welle.

Gemeinsam mit den Ländern solle daher in den kommenden Tagen und Wochen überlegt werden, was möglich und zu machen sei, sagte Demmer. Dies solle auch Thema einer Runde mit den Ministerpräsidenten sein. Einen Termin dafür nannte sie noch nicht. Im Fokus stünden Bemühungen für eine höhere Impfquote, der Umgang mit Reiserückkehrern und mögliche konkrete Maßnahmen gegen die steigenden Zahlen.

Demmer hob hervor, dass vollständig Geimpfte sowie Genesene mit einer einmaligen Impfung – im Unterschied zu per Schnelltest Getesteten – nicht mehr relevant zum Infektionsgeschehen beitrügen. Tests seien auch nicht zu 100 Prozent sicher und aussagekräftig. Sie betonte, die Bundesregierung wolle „keine Impfpflicht durch die Hintertür“.

Baerbock schließt Einschränkungen für Ungeimpfte nicht aus

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schließt angesichts steigender Corona-Infektionszahlen Einschränkungen für Ungeimpfte nicht aus. Das Wichtigste sei zunächst, jedem Menschen ein Impfangebot zu machen, sagte sie am Montag beim Wahlkampfauftakt der Brandenburger Grünen für die Bundestagswahl in Michendorf. „Und dann im nächsten Schritt, wenn das geleistet worden ist, darüber zu sprechen, dass in manchen Bereichen eben Leute, die geimpft sind, Dinge tun können und andere nicht“, erklärte Baerbock.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte die Diskussion über Einschränkungen für Menschen ohne Corona-Impfung am Sonntag angestoßen. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist“, sagte Braun der „Bild am Sonntag“.

RKI registriert 958 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 14,3

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit knapp drei Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montagmorgen lag sie bei 14,3 am Vortag betrug der Wert 13,8 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 958 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Montagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.50 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 546 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden drei Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche war es ein Todesfall gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.756.856 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.646.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.527.

Sonntag, 25. Juli

Angesichts steigender Corona-Neuinfektionen inmitten der Feriensaison nehmen Forderungen nach schärferen Regeln für Reiserückkehrer zu. „Die neuen Regeln für Reiserückkehrer müssen von 11. September auf 1. August vorgezogen werden“, sagte der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder der „Augsburger Allgemeinen“ (Montagausgabe). „Denn eine Quarantäne-Verordnung erst nach den Ferien ergibt keinen Sinn.“ Die Regelung für Reiserückkehrer solle bundesweit einheitlich auf einer Ministerpräsidentenkonferenz geregelt werden. Das bislang für Ende August geplante Treffen solle vorgezogen werden.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verlangt schärfere Regeln für Reiserückkehrer. „Schon bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet sollten zwei Tests und eine Quarantäne bis zum zweiten Test verpflichtend sein“, sagte sie dem „Handelsblatt“. Ein Test bei der Rückkehr sei nicht aussagekräftig genug.

Der Präsident des Weltärztebundes, Ulrich Montgomery, warnte vor einem Infektionsanstieg durch Reiserückkehrer aus Spanien und Italien. Der Viren-Eintrag durch jüngere Urlauber, die oft noch nicht zwei Mal geimpft seien, werde steigen, sagte er der „Rheinischen Post“. Dem müsse man „mit konsequenter Quarantäne für ungeimpfte Reiserückkehrer“ begegnen.

Die Corona-Inzidenz in Deutschland stieg den 19. Tag in Folge: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 13,8 nach 13,6 am Vortag. Binnen zwölf Tagen hat sich der Wert damit mehr als verdoppelt, was Experten zufolge auch mit Urlaubsreisenden zusammenhängen dürfte.

Laschet gegen Einschränkungen für Ungeimpfte

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich gegen den Vorstoß von Kanzleramtschef Helge Braun ausgesprochen, Corona-Geimpften künftig Sonderrechte gegenüber Getesteten zu geben. Er lehne sowohl eine Impfpflicht als auch indirekten Druck auf Ungeimpfte ab, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Bisher gelte die Regel, dass Geimpfte, Genese und Getestete etwa beim Zugang zu Veranstaltungen gleichgestellt seien. „Dieses Prinzip ist gut“, betonte Laschet. „In einem freiheitlichen Staat gibt es Freiheitsrechte nicht nur für bestimmte Gruppen.“

Derzeit stehe im Vordergrund, dafür zu werben, dass sich möglichst viele impfen lassen. „Ich halte nichts von einer Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollten“, sagte Laschet mit Verweis auf den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), der nun doch eine Impfpflicht ins Spiel gebracht hat. Die Bundesregierung lehnt dies ab. Laschet verwies darauf, dass man mit Anreizen arbeiten könne. In Nordrhein-Westfalen habe im übrigen das Impftempo anders als in einigen anderen Bundesländern kaum nachgelassen. Allerdings schloss Laschet nicht aus, dass man später neu nachdenken müsse: „Wenn wir dann im Herbst sehen, die Impfquote ist immer noch zu niedrig, muss man dann weiter nachdenken. Aber nicht jetzt.“

Laschet zeigte sich offen zu einer vorgezogenen Ministerpräsidentenkonferenz, um über neue Grenzwerte für mögliche Corona-Beschränkungen zu reden. Darüber könne man „zeitnah entscheiden“, damit die Bürger Klarheit hätten. Hauptaugenmerk müsse aber sein, die Zahlen so niedrig wie möglich zu halten, vor allem auch bei Reiserückkehrern.

Habeck: Geimpfte sollten mehr Freiheiten bekommen

Grünen-Chef Robert Habeck zeigt sich offen dafür, Geimpften mehr Freiheiten zu geben. „In dem Moment, wo allen Menschen ein Impfangebot gemacht worden ist, sieht Solidarität so aus: Man muss sich nicht impfen lassen, aber kann nicht damit rechnen, dass alle anderen auf ihre Freiheit verzichten, weil man sich nicht hat impfen lassen“, sagt Habeck den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die Konsequenz ist, dass Geimpfte beziehungsweise Genesene zukünftig unter Umständen mehr Möglichkeiten und Zugänge haben können, als Menschen, die sich gegen eine Impfung entschieden haben.“ Für diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen könnten, müsse es Ausnahmen geben.

Söder will mit Unionsländern über Schüler-Impfprogramm sprechen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will mit den unionsgeführten Ländern rasch über seine Pläne für ein Schüler-Impfprogramm gegen das Coronavirus sprechen. „Deshalb habe ich die Ministerpräsidenten der B-Länder vorsorglich für diesen Dienstag zu einer Schalte eingeladen“, sagte der CSU-Chef der „Augsburger Allgemeine“ (Montag). Ob diese Schalte tatsächlich stattfindet, stand nach Angaben eines Regierungssprechers am Sonntag noch nicht fest.

„Außerdem brauchen wir dringend eine verbindliche Formel aus Inzidenzwert, Impfquote und belegten Krankenhausbetten, um zu wissen, ab wann Maßnahmen ergriffen werden müssen – und welche Rechte sich für Geimpfte daraus ergeben“, sagte Söder weiter.

Am Freitag hatte er bereits nach einer Klausur des Parteivorstands in Gmund am Tegernsee gesagt, dass er seine Bereitschaft für eine vorgezogene Bund-Länder-Konferenz an Bedingungen wie den Beschluss eines Schüler-Impfprogramms knüpft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag in Aussicht gestellt, die nächste, eigentlich erst für Ende August vorgesehene Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Pandemie vorzuziehen.

Zu den Bedingungen gehöre zudem eine Einreiseverordnung ab dem 1. August, sagte Söder. Den Plan des Bundes, eine Einreiseverordnung erst ab dem 11. September einzuführen, bezeichnete Söder als sinnlos, da dann die Sommerferien schon wieder vorbei seien. Gerade der Reiseverkehr in den Sommerferien werde aber vermutlich wieder ein Treiber bei den Corona-Infektionszahlen sein. Zudem müsse die Verordnung eine Testpflicht für alle Rückkehrer vorsehen, unabhängig vom Land, aus dem eingereist werde.

Der CSU-Chef stellte zudem die kostenlosen Tests für Ungeimpfte zur Debatte. „Klar muss sein: Wer ein Impfangebot hatte und dies bewusst ausschlägt, kann auf Dauer nicht mehr kostenlos getestet werden“, bekräftigte Söder.

Schwesig: Bund muss Impfstrategie für Kinder entwickeln

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) fordert eine Strategie für die Impfung von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Diese sollte vom Bund gemeinsam mit medizinischen Experten und der Ständigen Impfkommission (Stiko) entwickelt werden, sagt die frühere Familienministerin dem „Handelsblatt“. Die aktuellen Empfehlungen „verunsichern viele Eltern von Kindern zwischen zwölf und 16. Wir brauchen da klare Empfehlungen“. Zudem müsse erst für Ende August geplante Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin vorgezogen werden. Schwesig fordert auch schärfere Regeln für Reiserückkehrer. „Schon bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet sollten zwei Tests und eine Quarantäne bis zum zweiten Test verpflichtend sein.“ Ein Test bei der Rückkehr sei nicht aussagekräftig genug.

Viele Urlauber nehmen Corona-Hochinzidenz in Spanien gelassen

Die Einstufung Spaniens als Corona-Hochinzidenzgebiet einschließlich beliebter Urlaubsziele wie Mallorca, den Kanaren oder der Costa Brava haben viele deutsche Urlauber gelassen aufgenommen. Noch bis Montag, 23.59 Uhr, können sie unter Vorlage eines negativen Corona-Tests in die Heimat zurückzukehren. Ab Dienstag muss dann ein Nachweis über eine vollständige Impfung oder über eine überstandene Corona-Erkrankung erbracht werden, um einer zehntägigen Quarantäne zu entgehen. Erst nach fünf Tagen besteht die Möglichkeit, sich aus der Quarantäne freizutesten. Dieselben Regeln gelten dann für die Niederlande und Georgien, die Bundesregierung erklärte auch diese beiden Länder zu Hochinzidenzgebieten. In den drei Staaten waren die Infektionszahlen zuletzt in die Höhe geschnellt.

Nach Angaben des Reiseveranstalters Tui gab es bis Sonntag zunächst kaum Anzeichen, dass eine größere Zahl von Menschen ihren Mallorca-Urlaub vorzeitig abbrechen oder bereits gebuchte Aufenthalte stornieren wollte. „Erste Informationen von der Playa de Palma deuten darauf hin, dass die Gäste weiter ihren Urlaub auf Mallorca verbringen möchten. Sie fühlen sich vor Ort gut aufgehoben, meiden größere Menschenansammlungen und sind zum großen Teil schon geimpft“, sagte Tui-Sprecher Aage Dünhaupt am Samstag, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Dieser Trend habe sich auch am Sonntag fortgesetzt.

Pauschalurlauber, die aktuell in Spanien sind, werden nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) von ihrem Veranstalter über die geänderte Situation informiert. Sollten Reisende vorzeitig ihren Urlaub beenden wollen, kümmerten sich die Veranstalter um eine Flugumbuchung. Auch Urlauber, die in den nächsten Tagen eine Reise nach Spanien geplant haben, würden von den Veranstaltern kontaktiert. Deutschlands zweitgrößter Reiseveranstalter DER Touristik hatte bereits angekündigt, dass Gästen kostenfreie Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten angeboten würden.

Der DRV kritisierte die Entscheidung der Bundesregierung. Dies mache mitten in der Ferienzeit „zahlreichen Reisenden und insbesondere vielen Familien mit Kindern die Urlaubspläne zunichte“, sagte Präsident Norbert Fiebig. Der Verband schätzt, dass aktuell etwa 200.000 Pauschalreisende aus Deutschland in Spanien Urlaub machen, davon 60 Prozent auf den Balearen mit Mallorca. Hinzu kommen noch etwa 200.000 Individualtouristen.

Deutsche Urlauber auf Mallorca, gabe sich recht gelassen. „Mein Mann und ich sind geimpft. Wir sind relativ entspannt, aber ein unwohles Gefühl ist auch schon dabei“, sagte Sabrina aus Remagen, die mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern zurzeit Urlaub auf Mallorca macht. Zu Hause hätten sie einen Garten und würden die Quarantäne der Kinder in Kauf nehmen. Nancy Immel, die mit ihrem 17-jährigen Sohn in Cala Ratjada Urlaub macht, meinte, man müsse halt lernen, mit dem Virus zu leben. Ganz verschwinden werde Corona wohl nicht mehr.

Der Tourismus ist für Spanien enorm wichtig. In normalen Zeiten trägt die Branche mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und sichert Hunderttausende Arbeitsplätze.

Kretschmann schließt Impfpflicht nicht aus

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält eine Impfpflicht im weiteren Kampf gegen die Corona-Krise für denkbar. „Wir planen keine Impfpflicht. Für alle Zeiten kann ich eine Impfpflicht nicht ausschließen“, sagte der Grünen-Politiker, berichtet die Deutsche Presse-Agentur in Stuttgart. „Es ist möglich, dass Varianten auftreten, die das erforderlich machen.“ Es könne gut sein, „dass wir irgendwann gewisse Bereiche und Tätigkeiten nur noch für Geimpfte zulassen“. Er nannte die Masern als Beispiel: „Da gibt's auch eine Impfpflicht für die Kitas, weil Masern höchst ansteckend sind.“ Ohne Impfungen werde man die Pandemie nicht in die Knie zwingen können.

Kretschmann warnt seit längerem vor einer vierten Welle und blickt eher pessimistisch auf Herbst und Winter. Das Virus könnte aus seiner Sicht noch einmal genauso gefährlich zurückkommen wie im vergangenen Herbst, als die Infektionszahlen plötzlich drastisch anstiegen. „Wir fahren weiter auf Sicht. Die Virusmutationen haben uns schon zweimal einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagte er. „Treten Varianten auf, gegen die der Impfstoff nicht mehr so wirksam ist – sind wir sofort in einer anderen Situation.“ Es gebe keine Entwarnung.

Kretschmann appellierte deshalb an die Menschen, sich impfen zu lassen. „Im Kern kann man sagen: Impfen ist Bürgerpflicht. Es geht um sehr viel. Das sollte jeder verantwortlich denkende Mensch einfach tun.“ Die Nebenwirkungen von Covid seien viel schlimmer als die der Impfstoffe überhaupt sein könnten. Auch wisse man wenig über die Langzeitfolgen einer Virusinfektion. Die Menschen müssten ihre Bedenken gegen die Impfung radikal zurückstellen.

Die Landesregierung im Südwesten hat schon weitere Lockerungen für vollständig geimpfte Menschen im Laufe des Septembers angekündigt. Da bis zum 15. September 2021 jede Bürgerin und jeder Bürger einen umfassenden Impfschutz haben könne, wolle man dann die Auflagen für vollständig Geimpfte weiter abschwächen.

Kretschmann hat kein Verständnis für Menschen, die in Risikogebieten Urlaub machen oder Zweitimpftermine wegen einer Urlaubsreise sausen lassen. „Solchen Leichtsinn können wir bitter bezahlen, indem man schwer erkrankt, indem man andere ansteckt, indem wir insgesamt, wenn das zu viele machen, die Sache nicht in Griff bekommen.“

Die Politik werde sich künftig im Kampf gegen die Pandemie trotzdem neben dem Inzidenzwert auch auf andere Kriterien stützen. „Die Lage hat sich durch das Impfen verändert“, sagte Kretschmann. Die besonders anfälligen Gruppen wie Alte und Vorerkrankte seien weitgehend geimpft, die Quote der Menschen, die ins Krankenhaus müssen, habe abgenommen. „Es gibt auch die Möglichkeit, andere Kriterien mit reinzubringen – wie die Hospitalisierung, die Impfquote, den R-Faktor. Dann kommt man sozusagen zu einer Art Formel“, sagte er. Die Gesundheitsminister seien beauftragt, da einen Vorschlag zu entwickeln. „Der Nachteil ist: Das ist schwerer zu verstehen, denn bisher wusste jeder: Die Inzidenz ist der entscheidende Faktor. Das konnte jeder nachvollziehen. Nun wird es komplizierter.“

Die zweite Option aus Sicht des Regierungschefs: „Man kann natürlich wie Jens Spahn darüber nachdenken, die Inzidenz als Wert für Maßnahmen grundsätzlich höher anzusetzen als bisher. Ohne weitere einordnende Kennzahlen zur Situation sehe ich das aber skeptisch.“ Kretschmann gab auch zu bedenken, dass eine hohe Inzidenz immer schlecht sei. „Je schneller das Virus zirkuliert, desto häufiger wird es mutieren“, sagte er. „Niedrige Inzidenzen bedeuten langsamere Mutationen.“

Weltweit über 193,1 Millionen Infizierte und 4,3 Millionen Tote

Weltweit haben sich nachweislich mehr als 193,12 Millionen Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt eine Reuters-Zählung auf Basis offizieller Daten. Mehr als 4,3 Millionen Menschen starben in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Mit über 34,4 Millionen Infizierten und über 609.000 Toten weisen die USA die höchsten Zahlen auf. Indien verzeichnet über 31,3 Millionen Infektions- und mehr als 420.000 Todesfälle. In Brasilien wurden mehr als 19,5 Millionen Ansteckungen registriert, rund 547.000 Menschen starben.

Kanzleramtsminister: Geimpfte werden mehr Freiheiten haben

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hat die Menschen zur Corona-Impfung aufgerufen und mögliche Einschränkungen im Herbst für Ungeimpfte angekündigt. Es gebe zwei Argumente für die Impfung, sagte Braun der „Bild am Sonntag“. Die Impfung schütze zu 90 Prozent vor einer schweren Corona-Erkrankung. „Und: Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte.“

Solange die Impfstoffe gegen die Delta-Variante so gut helfen, sei ein klassischer Lockdown nicht mehr nötig, sagte Braun. Aber wenn Deutschland eine hohe vierte Welle bekäme, würde das nicht ohne Auswirkungen bleiben. „Bei hohem Infektionsgeschehen trotz Testkonzepten würden Ungeimpfte ihre Kontakte reduzieren müssen“, erklärte er. „Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist.“

Auf die Frage, ob das rechtlich zulässig wäre, antwortete Braun mit einem „Ja“. „Der Staat hat die Pflicht, die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen“, erklärte er. „Dazu gehört ein Gesundheitswesen, das im Winter nicht erneut Krebs- und Gelenkoperationen zurückstellen muss, um Corona-Patienten zu behandeln. Und dazu gehört auch der Schutz derjenigen, die ungeimpft sind.“

Wenn die Inzidenz wie erwartet steige, werde es auch sehr schwer werden, die Infektionen aus den Schulen herauszuhalten. „Daher ist für mich ganz klar: Eltern, Lehrer, Hausmeister und Schulbus-Fahrer müssen sich impfen lassen. Wenn diese Gruppen alle geimpft sind, ist die Gefahr für die Kinder geringer.“ Zudem müsse die Maskenpflicht in öffentlichen Bussen und Bahnen und im Schulunterricht konsequent gelten, wo Abstand und Lüftung nicht ausreichten.

Unterdessen appellierten die Kommunen an Bund und Länder, einen weiteren Corona-Lockdown im Herbst zu verhindern. Ein Lockdown wäre verheerend für die Menschen, aber auch für die Wirtschaft, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag). Viele Bürgerinnen und Bürger würden eine solche Maßnahme kaum akzeptieren, meinte er. Bund und Länder müssten sich zeitnah darauf verständigen, welche Maßstäbe wann und wo gelten für weitere Einschränkungen im Herbst.

„Es ist absehbar, dass die Inzidenzzahlen weiter steigen werden“, sagte Landsberg. Die Krankheitsverläufe seien aber weniger gravierend, da in erster Linie eher jüngere Menschen betroffen seien. Es müsse ein neuer Maßstab gefunden werden. „Er muss die Inzidenz, aber auch die Belastung der Krankenhäuser in den Blick nehmen. Das sollte bundeseinheitlich zwischen den Ländern vereinbart werden“, forderte Landsberg. „Wir müssen vermeiden, dass in einem Land die Restaurants wieder schließen, weil die Inzidenz über 100 steigt und in einem anderen Land dies schon bei 50 oder erst bei 150 erfolgt.“

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstag sind in Deutschland 49,1 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Mindestens eine Impfdosis haben 60,8 Prozent der Bevölkerung bekommen.

Draußen ist alles erlaubt? Über das Delta-Ansteckungsrisiko im Freien

Wieder auf Restaurantterrassen sitzen, mit der großen Freundesrunde im Park sitzen oder im Grünen zum Sport treffen: Draußen und im Sommer kann man sich kaum mit Corona anstecken, lautet ein vermutlich verbreiteter Glaubenssatz in der Pandemie. Die Maske oder der Abstand geraten da manchmal in Vergessenheit. Doch das kann sich rächen: Mit der mittlerweile auch in Deutschland vorherrschenden Delta-Variante könnte es je nach Situation eher passieren, dass das Virus auch im Freien überspringt. „Delta ist generell ansteckender – das gilt auch, wenn man an der frischen Luft ist“, sagte der Präsident der Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

„Man konnte sich zwar auch mit früheren Varianten schon im Freien anstecken, allerdings steigt mit Delta die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert“, erklärte der Experte der Universität Heidelberg. Delta-Infizierte hätten im Vergleich zur Vorgängervariante Alpha (B.1.1.7) eine vermutlich um den Faktor fünf erhöhte Viruslast. „Je mehr Virus bei einem Infizierten vorhanden ist, desto größer das Übertragungsrisiko, auch im Freien.“ Ob es zu einer Ansteckung komme, hänge aber immer auch von vielen weiteren Faktoren ab – draußen zum Beispiel, wie eng man zusammensteht. „Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie schnell eine Infektion geschehen kann – das kann vielleicht eine Minute dauern oder auch eine Stunde.“

Erst Mitte Juli war zum Beispiel bekannt geworden, dass sich bei einem Musikfestival in Utrecht in den Niederlanden mindestens rund 1000 Besucher mit dem Coronavirus infiziert haben. Etwa 20.000 Menschen hatten das zweitägige Open-Air-Festival Anfang des Monats besucht. Die Organisatoren reagierten geschockt.

Der Aerosol-Experte Gerhard Scheuch geht jedoch weiter davon aus, dass sich Menschen insbesondere in Innenräumen anstecken. Sollte tatsächlich die Infektionsgefahr im Freien ansteigen, hieße das, dass dies für Innenräume noch stärker zutreffe, teilte er auf Anfrage mit. Gerade bei Fußballspielen und auf Festivals teilten sich zudem viele Menschen bestimmte Räume, etwa auf der Anfahrt, bei der Übernachtung oder die Toiletten. So könne man durchaus annehmen, dass viele der Infektionen, die im Zusammenhang mit Open-Air-Veranstaltungen erfasst wurden, eben doch in Räumen stattgefunden haben könnten.

Bei solchen Ausbrüchen ist also immer auch die Frage, ob die Menschen Abstände einhielten, ob sie Masken trugen und ob es zum Beispiel an bestimmten Orten zu engeren Kontakten kam, etwa beim Warten vor den Toiletten oder an anderen Stellen. Auch die Tätigkeit bei einer Veranstaltung dürfte eine wichtige Rolle spielen: Singt man zum Beispiel laut, kommt es verstärkt zum Ausstoß von Aerosolen.

Der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding zeigte sich bei Twitter kürzlich besorgt über die seiner Meinung nach vielen Hinweise auf Übertragungen im Freien. Er verwies auch auf die mutmaßlichen Ansteckungen in Indien bei religiösen Veranstaltungen, die größtenteils im Freien stattgefunden hätten. Er warnt zudem schon länger davor, dass Delta bei flüchtigen Begegnungen übertragen werden könne.

Das Robert Koch-Institut (RKI) teilte auf Anfrage mit, keine geänderte Einschätzung zu haben: Auf der Webseite des Instituts heißt es, Übertragungen kämen im Außenbereich insgesamt selten vor und hätten einen geringen Anteil am gesamten Geschehen. Werde der Mindestabstand gewahrt, sei die Wahrscheinlichkeit der Übertragung im Außenbereich wegen der Luftbewegung „sehr gering“. Das Einhalten von mindestens anderthalb Meter Abstand und das Vermeiden größerer Menschenansammlungen empfiehlt das RKI aber auch im Freien, damit man weniger Tröpfchen und Aerosole direkt abbekommt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte kürzlich auch auf eine Studie aus China hingewiesen, die die Gefährlichkeit von Delta untermauere: Dort wurden Menschen untersucht, die nach Kontakt mit einem Delta-Infizierten in Quarantäne waren. Der PCR-Test sei bei ihnen schon nach durchschnittlich vier statt wie bei frühen Varianten nach sechs Tagen positiv gewesen. Außerdem sei die Viruslast beim ersten Positiv-Test 1200 mal höher gewesen verglichen mit ursprünglichen Varianten. „Das legt nahe, dass diese besorgniserregende Variante sich möglicherweise schneller vermehrt und in den frühen Stadien der Infektion ansteckender ist“, so die WHO.

Forscher um Jamie Lopez Bernal von der Gesundheitsbehörde Public Health England entdeckten eine etwas verminderte Effektivität von Impfstoffen gegen die Delta-Variante. Die Wirksamkeit des Produkts von Biontech/Pfizer gegen eine Corona-Erkrankung durch Delta lag bei 88 Prozent. Bei AstraZeneca waren es 67 Prozent, wie das Team im „New England Journal of Medicine“ (NEJM) schreibt. Zum Vergleich: Die Effektivität gegen die Ursprungsvariante betrug bei Biontech/Pfizer 95 Prozent und bei AstraZeneca rund 80 Prozent. Da die Wirkung gegen Delta nach nur einer Spritze bei beiden Impfstoffen noch erheblich geringer gewesen sei, sollten Menschen unbedingt zweimal damit geimpft werden, schreiben die Forscher. Das RKI rät, trotzt Impfung die Infektionsschutzmaßnahmen einzuhalten.

RKI registriert 1387 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 13,8

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit zweieinhalb Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Sonntagmorgen lag sie bei 13,8 – am Vortag betrug der Wert 13,6 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen eines Tages 1387 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Sonntagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.35 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1292 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 4 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 3 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.755.898 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.644.900 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.524.

Wichtige Hintergründe:

- Die Inzidenzen steigen auch in Deutschland wieder. Doch Karl Lauterbach hält das nicht für ein Problem – noch nicht. Im Interview spricht der SPD-Gesundheitsexperte über die Vorteile von Luftfiltern und seine Sorgen vor einer Durchseuchung der Schulen.

- Seit Monaten fordern Eltern, Lehrerinnen und Experten, zum Infektionsschutz Luftfilter in Klassenräume zu stellen. Nun hält auch der Bund das für eine gute Idee. Doch so schnell wird das nichts.

- Die Apotheken in Deutschland stellen seit Mittwoch keine digitalen Impfnachweise mehr aus. Sicherheitsexperte Martin Tschirsich erklärt, was schiefgelaufen ist und wie er das Problem beheben würde.

Samstag, 24. Juli

Britische Regierung lockert Quarantäne-Regeln für weitere Berufe

Wegen massiver Personalausfälle in vielen Bereichen hat die britische Regierung die Corona-Quarantäne-Regeln für weitere Berufsgruppen gelockert. So dürfen in England auch Zugführer, Grenzbeamte oder Feuerwehrleute, die Kontakt zu Corona-Infizierten hatten, sich nun täglich testen, statt in Quarantäne zu gehen. Dies gab die Regierung am Samstag bekannt. Zunächst hatten diese Sonderregeln nur für Beschäftigte des Gesundheitsdienstes und später auch für Beschäftigte der Lebensmittelversorgung gegolten.

Weil in Großbritannien derzeit so viele mit dem Coronavirus infiziert sind und noch deutlich mehr Menschen mit diesen in Kontakt gekommen sind, hapert es an vielen Stellen des öffentlichen Lebens: Züge fallen aus, Supermarktregale bleiben zeitweise leer und Mülltonnen werden nicht geleert. Millionen Briten müssen sich zu Hause isolieren. Mitte August sollen die Quarantäne-Regeln in England für alle vollständig Geimpften gelockert werden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag im Vereinigten Königreich zuletzt bei 497 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche (Stand: 18. Juli). Trotzdem gelten in England seit dieser Woche kaum noch Corona-Beschränkungen – Abstand und Maske sind an vielen Orten freiwillig, auch Clubs haben wieder geöffnet. Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Maßnahmen und sind vorsichtiger.

Tui: Die meisten Urlauber wollen auf Mallorca bleiben

Nach der angekündigten Hochstufung Spaniens zum Corona-Hochinzidenzgebiet gibt es zunächst keine Hinweise, dass eine größere Zahl von Menschen ihre Mallorca-Urlaub vorzeitig abbrechen oder gebuchte Aufenthalte stornieren wollen. „Erste Informationen von der Playa de Palma deuten darauf hin, dass die Gäste weiter ihren Urlaub auf Mallorca verbringen möchten. Sie fühlen sich vor Ort gut aufgehoben, meiden größere Menschenansammlungen und sind zum großen Teil schon geimpft“, sagte der Sprecher des Reiseveranstalters Tui, Aage Dünhaupt, am Samstag, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Auf den Onlineportalen der Fluggesellschaften waren am Samstag noch Tickets für Verbindungen von Palma nach Deutschland für Sonntag und Montag erhältlich. Die Einstufung Spaniens als Hochinzidenzgebiet tritt am Dienstag in Kraft. Die Preise der angebotenen Flugtickets für Sonntag und Montag sind zum Teil aber bereits deutlich gestiegen. So bot eine Billigfluglinie einen Flug von Palma nach Berlin am Montag für 330 Euro an. Am Dienstag wäre diese Strecke schon für 50 Euro zu haben.

Wer ab Dienstag, 00.00 Uhr, aus Spanien nach Deutschland zurückkehrt und nicht vollständig immunisiert ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Corona-Test nach fünf Tagen verkürzen. Der Deutsche Reiseverband DRV schätzt, dass aktuell etwa 200.000 Pauschalreisende aus Deutschland in Spanien Urlaub machen, davon 60 Prozent auf den Balearen mit Mallorca als liebster Urlaubsinsel der Deutschen. Hinzu kommen demnach noch etwa 200.000 Individualtouristen.

Der Tourismus ist für Spanien enorm wichtig. In normalen Zeiten trägt die Branche mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Polen plant längere Isolierung bei Delta-Variante des Coronavirus

Im Kampf gegen die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus und andere neue Mutanten verschärft Polen seine Quarantäneregeln. Wenn bei einem Infizierten eine Variante mit erhöhter Ansteckungsgefahr festgestellt wird, kann das Gesundheitsamt künftig über eine Verlängerung der häuslichen Isolierung auf bis zu drei Wochen entscheiden. Das geht aus einer neuen Verordnung des Gesundheitsministeriums hervor, wie das Nachrichtenportal „Gazeta.pl“ am Samstag berichtete.

Die Änderung soll demnächst im Amtsblatt veröffentlicht werden und damit in Kraft treten. Bisher galt, dass die Isolierung bereits nach zehn Tagen beendet werden kann, wenn der Betroffene keine Symptome mehr zeigt. Das Gesundheitsministerium in Warschau meldete am Samstag 122 Neuinfektionen und sechs Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung innerhalb von 24 Stunden. Seit Beginn der Pandemie starben in dem EU-Mitgliedstaat 75 241 Infizierte. Polen hat knapp 38 Millionen Einwohner.

Impfquote von 50 Prozent rückt näher

In den nächsten Tagen dürfte Deutschland bei der Corona-Impfquote die Marke von 50 Prozent überschreiten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind inzwischen 49,1 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand 12.40 Uhr). Das entspricht 40,82 Millionen Menschen. Mindestens eine Impfdosis haben dem RKI zufolge 60,8 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise 50,54 Millionen Menschen verabreicht bekommen. Allein am Freitag wurden 517 470 Dosen gespritzt.

Unter den Bundesländern lag Bremen dem RKI zufolge nach wie vor an erster Stelle mit einem Anteil von 69,7 Prozent mindestens einmal geimpfter Menschen. Auch bei den vollständig Geimpften belegte Bremen mit 56,3 Prozent den Spitzenplatz. Schlusslicht bei den Erstimpfungen blieb Sachsen (51,5 Prozent), genau wie bei den vollständig Geimpften (45,3 Prozent).

Weil: „Normalität, wenn sehr große Mehrheit geimpft“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht in der Corona-Pandemie das Impfen gegen das Virus als zentralen Schlüssel für eine Rückkehr zur Normalität. „Ein Leben in Normalität wird sich dann ergeben, wenn eine sehr große Mehrheit in der Gesellschaft vollständig geimpft ist“, sagte Weil, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Die verfügbaren Impfstoffe schlügen auf die bisher bekannten Mutationen gut an. „Ich verstehe nicht, dass gerade jetzt, in dem Moment, wo wir genug Impfstoff haben, die Bereitschaft in der Bevölkerung deutlich an Schwung verliert“, sagte Weil. „Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel für die Kinder derzeit noch kein Impfstoff zugelassen ist, dann müssen sich vom Rest der Gesellschaft weitaus mehr Menschen als die 80 Prozent impfen lassen.“

Auf dieser Grundlage könnte dem Regierungschef zufolge die Gesellschaft mit Corona zu einem ähnlichen Umgang wie mit dem Influenza-Virus gelangen. Auch dieses habe man nicht ausrotten können und man werde im Zweifel auch Corona nicht ausrotten können. „Aber mit einem wirksamen Impfschutz in unserer Gesellschaft können wir damit leben“, sagte Weil.

Neue Hochinzidenzgebiete: Tourismusbeauftragter verteidigt Einstufung

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), hat die Einstufung Spaniens und der Niederlande als Hochinzidenzgebiete verteidigt. „Das macht Reisen sicher und – soweit es in einer Pandemie geht – auch planbar“, sagte Bareiß der „Bild“-Zeitung (Samstag). Zwar sei es „bedauerlich“, dass die Inzidenzen in Spanien und den Niederlanden so stark gestiegen seien. Aber die Einstufung in die verschiedenen Risikogebiete erfolge nach „transparenten Regelungen“. Die Einreisebestimmungen müssten zudem mit den Entwicklungen in der Pandemie immer wieder neu bewertet werden.

Die Einstufungen Spaniens und der Niederlande wegen hoher Infektionszahlen gelten ab Dienstag. Die Entscheidung der Bundesregierung vom Freitag bedeutet zwar kein Reiseverbot. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss aber nach der Rückkehr nach Deutschland mindestens fünf Tage in Quarantäne. Einige Reiseveranstalter berichteten bereits von einer wachsenden Verunsicherung der Kunden und Stornoanfragen.

Bareiß hob hervor, dass Geimpfte keine nennenswerten Einschränkungen beim Reisen hätten. „Das ist auch richtig“, sagte der CDU-Politiker. Impfungen müssten bei Urlaubsreisen, Messen oder Konzertveranstaltungen „den Unterschied ausmachen“. Die neue Einstufung Spaniens sei vor allem ein „Signal für die zukünftige Urlaubsplanung“.

Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert Stiko

In der Debatte um Corona-Impfungen für Kinder kritisiert der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, die Ständige Impfkommission (Stiko) scharf. „Ich ärgere mich über die intransparente Art, wie da im Moment gearbeitet wird. Es wird gesagt, dass man die Datenlage nicht für ausreichend hält, aber nicht warum man das so einschätzt und auch nicht, wann es denn ausreichend wäre“, sagt Fischbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorab. Faktoren wie Herdenimmunität oder soziale Auswirkungen wie eine Zunahme von Kindeswohlgefährdungen, wenn es wieder zu Einschränkungen für Kinder kommen sollte, würden von der Stiko nicht berücksichtigt. Fischbach appelliert auch an Erwachsene, sich impfen zu lassen, um Kinder zu schützen.

Inzidenz steigt auf 13,6 – Appelle an Impf-Unwillige

Die Bedrohung durch eine vierte Corona-Welle im Herbst als Folge von Urlaub, Delta-Variante des Virus und Impf-Unwilligkeit nimmt kontinuierlich zu. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit zweieinhalb Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Samstagmorgen lag sie bei 13,6 – am Vortag betrug der Wert 13,2 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen eines Tages 1919 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Samstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.35 Uhr wiedergeben.

Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1608 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 28 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 22 Tote gewesen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek forderte derweil Erwachsene auf, sich gegen Corona impfen zu lassen – auch aus Solidarität gegenüber Kindern und Jugendlichen. „Gerade jetzt, wo die Infektionszahlen wieder ansteigen, sollten sich möglichst alle Erwachsenen mit den Kindern und Jugendlichen solidarisch zeigen, indem nicht geimpfte Personen die Impfangebote wahrnehmen“, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Solidarität der Erwachsenen wäre ein ganz wichtiger Beitrag, um nach den Sommerferien einen regulären Schulbetrieb zu ermöglichen.“

Karliczek argumentierte: „Für die jüngeren Kinder ist kein Impfstoff zugelassen, für die Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren wird keine Impfung empfohlen. Darum: Je weniger das Virus unter den Erwachsenen zirkuliert, desto weniger kann es auch für die Jüngeren zu einer Gefahr werden. Auch Kinder und Jugendliche können schwer erkranken, und wir wissen auch noch zu wenig über Long Covid bei Kindern und Jugendlichen.“

FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus forderte beim Onlineportal watson weitere Anstrengungen bei der Impfkampagne: „Es darf nicht vergessen werden, dass der ländliche Raum und die teils langen Fahrtwege auch eine entscheidende Rolle spielen. Deswegen müssen den Menschen in Deutschland dort Impfangebote gemacht werden, wo sie sich aufhalten.“

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte unterdessen vor einem Anstieg der Corona-Inzidenz durch Reiserückkehrer. „Spanien und Italien sind beliebte Urlaubsländer vor allem bei jüngeren Menschen, die oft noch nicht zweimal geimpft sind. Der Viren-Eintrag nach Deutschland aus diesen Ländern wird durch die Reiserückkehrer ganz klar steigen“, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“ (Samstag).

Der Ärztefunktionär forderte, mit konsequenter Quarantäne für ungeimpfte Reiserückkehrer und Einhaltung der Corona-Regeln dafür zu sorgen, dass aus der vierten Welle kein „Tsunami“ werde. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach riet zur Vorsicht. „Derzeit haben wir die Herdenimmunität noch nicht erreicht, deshalb rate ich, weiter vorsichtig zu sein“, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das bedeute auch: „Discothekenbesuche nur für Menschen, die geimpft, genesen oder getestet sind und nur mit Maske.“

Mit Blick auf das neue Schuljahr fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Anschaffung von Luftfiltern für alle Klassenräume in Deutschland. „Wenn die Schulen krisenfest werden sollen und es nach den Sommerferien wieder regelmäßigen Präsenzunterricht geben soll, dann sind Luftfilter – neben einem Hygienekonzept inklusive regelmäßiger Tests – in allen Klassenräumen erforderlich“, sagte GEW-Chefin Maike Finnern der „Rheinischen Post“ (Samstag).

Der Bund habe zwar endlich ein Förderprogramm auch für mobile Luftfilter aufgesetzt. „Die Förderung ist aber auf die Schulräume der Kinder und Jugendlichen bis zwölf Jahre beschränkt. Das reicht nicht aus, da die hohen Zahlen besonders Jugendliche und junge Erwachsene betreffen“, sagte Finnern.

Dreyer fordert neuen Warnwert in der Corona-Politik

Angesichts der wachsenden Zahl der gegen das Coronavirus geimpften Menschen hat sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) für angepasste Bewertungskriterien in der Corona-Politik ausgesprochen. „Wir schauen natürlich auch mit Sorge auf die steigenden Infektionszahlen“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Dennoch sagt die Inzidenz heute viel weniger über die Gefahr einer Erkrankung und die mögliche Belastung des Gesundheitssystems aus als noch vor einem halben Jahr, weil immer mehr Menschen geimpft werden.“

Die Inzidenz bleibe wichtig, aber sie sollte mit der Lage in den Krankenhäusern verknüpft werden, sagte Dreyer. Dazu zähle, wer dort eingeliefert werde und wer auf eine Intensivstation müsse. „Die Bundesländer müssen mit der Bundesregierung zu einem neuen Warnwert kommen. Wir sollten uns rasch auf eine bundeseinheitliche Regelung verständigen.“ Dreyer lobte ein von der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), vorgeschlagenes System als „sehr kluges Ampelsystem“. „Genau so eine Orientierung brauchen wir bundesweit.“

USA kaufen weitere 200 Millionen Impfdosen von Biontech und Pfizer

Die USA kaufen weitere 200 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer. Damit treffe die Regierung Vorbereitungen für die Impfung jüngerer Kinder und möglicherweise nötige Auffrischungsimpfungen für Erwachsene, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Freitag in Washington. „Wir bereiten uns auf alle Möglichkeiten vor.“

Gut die Hälfte der Dosen soll bis zum Jahresende geliefert werden, der Rest bis April 2022, wie das US-Pharmaunternehmen Pfizer erklärte. Damit seien von der US-Regierung bislang 500 Millionen Dosen bestellt worden. Washington hatte sich vergangenes Jahr Optionen für die Bestellung von bis zu 600 Millionen Dosen gesichert.

Zusätzlich hat die US-Regierung 500 Millionen Dosen bestellt, die an andere Länder abgegeben werden sollen. Sie hat bereits damit begonnen, Impfdosen der Hersteller Moderna, Johnson & Johnson, Astrazeneca und Pfizer/Biontech zu verschicken. Allein in dieser Woche seien 22 Millionen Dosen verschickt worden, sagte Psaki.

Die USA haben genügend Impfstoff für die eigene Bevölkerung von 330 Millionen Menschen. Bislang können dort alle Menschen ab 12 Jahren geimpft werden. Die Impfkampagne hat zuletzt jedoch an Schwung verloren.

Wichtige Hintergründe:

- Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich immer schneller aus. Trotzdem hat die Regierung in London alle Beschränkungen in England aufgehoben. Der Wirtschaft drohen massive Ausfälle. Forscher schlagen Alarm.

Freitag, 23. Juli

Die Bundesregierung stuft Spanien und die Niederlande von Dienstag an als Corona-Hochinzidenzgebiete ein. Das gab das Robert Koch-Institut am Freitag bekannt. Die Entscheidung folgt auf einen deutlichen Anstieg der Infektionszahlen in beiden Ländern in den vergangenen Wochen. Wer aus einem Hochinzidenzgebiet nach Deutschland zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzen.

Nach Angaben des Reiseverbandes DRV machen aktuell etwa 200 000 Pauschalreisende aus Deutschland in Spanien Urlaub - etwa 60 Prozent von ihnen auf den Balearen, 30 Prozent auf den Kanaren und der Rest auf dem Festland. Hinzu kommen insgesamt geschätzt etwa 200 000 Individualurlauber aus Deutschland in dem Land.

Seit Ende Juni sind die Corona-Zahlen praktisch überall in Spanien rapide in die Höhe geschossen. Das Land hat mit die schlechtesten Werte ganz Europas. Binnen eines Monats wurden rund 475 000 Neuinfektionen gezählt, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 42 im Juni auf jetzt 333.

Auf Mallorca als liebster Ferieninsel der Deutschen lag die Inzidenz zuletzt sogar bei 365. Vor allem junge, noch nicht geimpfte Menschen infizierten sich bei Partys und Musikfestivals, meist mit der ansteckenderen Delta-Variante. Im Corona-Hotspot Katalonien mit Barcelona als Touristenmetropole liegt die 14-Tage-Inzidenz bei den 20- bis 29-Jährigen derzeit bei schwindelerregenden fast 3200.

Die Niederlande waren am vergangenen Sonntag als erstes der neun Nachbarländer Deutschlands wieder ganz als Risikogebiet eingestuft worden. Seit Anfang Juli waren dort die Infektionszahlen um 500 Prozent innerhalb einer Woche gestiegen. Höhepunkt war eine Sieben-Tage-Inzidenz von etwa 415 am Dienstag. Zuvor hatte die Regierung fast alle Corona-Maßnahmen aufgehoben.

Vor allem in Diskotheken, bei Festivals und Partys hatte sich die Delta-Variante des Virus rasant verbreitet. Gerade junge Menschen bis 29 Jahre infizierten sich. Auch die Patientenzahlen in den Krankenhäusern nehmen seither deutlich zu.

Die Regierung der Niederlande zog vor zwei Wochen die Notbremse. So bleiben Diskotheken und Nachtclubs nun geschlossen, Festivals sind untersagt. Seit einigen Tagen sinken die Infektionszahlen wieder. Zuletzt waren am Donnerstag etwa 6300 neue Fälle registriert worden. Die Inzidenz liegt nun bei etwa 361. Mehr als 50 Prozent der etwa 17 Millionen Einwohner sind bereits vollständig geimpft. Rund 70 Prozent haben mindestens eine Dosis erhalten.

EMA empfiehlt Zulassung von Moderna-Vakzin für Zwölf- bis 17-Jährige

Die Europäische Arzneimittelagentur hat eine Zulassung des Corona-Impfstoffs von Moderna für Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren empfohlen. Das wurde am Freitag in London mitgeteilt. Es ist weltweit die erste derartige Empfehlung für den Moderna-Impfstoff.

Studien mit mehr als 3700 Kindern und Jugendlichen dieses Alters hätten gezeigt, dass das Vakzin eine Antikörperreaktion vergleichbar der bei Erwachsenen auslöse, hieß es.

Bislang ist in Europa und Nordamerika lediglich der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer für Kinder zugelassen. Die US-Arzneimittelbehörde prüft derzeit die Nutzung des Moderna-Vakzins für unter 18-Jährige.

Mehr Corona-Fälle in den USA – niedrige Impfquote beunruhigt

In den USA nimmt die Zahl der an einem Tag erfassten Corona-Neuinfektionen weiter zu. Die Behörden meldeten am Donnerstag 56.069 neue Fälle, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Freitagmorgen (MESZ) hervorging. Das sind etwa 27.600 mehr als vor genau einer Woche. Die Zahl der Toten mit einer bestätigten Corona-Infektion stieg im Wochenvergleich von 283 auf 330. Die bisherigen Höchstwerte wurden am 2. Januar mit 300.462 Neuinfektionen sowie am 12. Januar mit 4461 Toten verzeichnet.

Wie der Corona-Koordinator der Regierung, Jeff Zients, am Donnerstag in einer Pressekonferenz mitteilte, steigt die Zahl der Neuinfektionen in Landesteilen mit niedrigerer Impfquote besonders stark an. Derzeit machten die Bundesstaaten Florida, Texas und Missouri, die im landesweiten Vergleich weniger Impfungen verzeichneten, rund 40 Prozent aller neuen Fälle in den USA aus. Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC ist die besonders ansteckende Delta-Variante inzwischen für rund 83 Prozent aller erfassten Infektionen im Land verantwortlich.

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang fast 34,3 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 610.000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen – aber nicht relativ zur Bevölkerung – sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Bislang haben in den USA nach CDC-Daten mehr als 56 Prozent der Menschen mindestens die erste Impfung erhalten, knapp 49 Prozent sind vollständig geimpft.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der CDC. In manchen Fällen werden die Zahlen – unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten – nachträglich aktualisiert.

Inzidenz steigt seit über zwei Wochen – 2089 Neuinfektionen

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Freitagmorgen lag sie bei 13,2 – am Vortag betrug der Wert 12,2 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen eines Tages 2089 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Freitagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.25 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1456 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 34 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 18 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.752.592 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.643.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.492.

Donnerstag, 22. Juli

Vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Tokio hat die Zahl der Corona-Fälle weiter zugenommen und erstmals sind indirekt auch deutsche Sportlerinnen betroffen. In der tschechischen Beachvolleyballerin Marketa Slukova wurde am Donnerstag eine Gegnerin des deutschen Duos Laura Ludwig und Margareta Kozuch positiv auf das Virus getestet.

Slukova und ihre Beach-Partnerin Barbora Hermannova sollten am 28. Juli die letzten Gruppengegnerinnen für Ludwig/Kozuch sein. Der positive Test sei eine „riesige Enttäuschung“, teilte die 33-Jährige mit. Sie habe „geweint, geschimpft und wieder geweint“. Zuvor war bereits ihr Ehemann und Trainer Simon Nausch positiv getestet worden.

Nach Angaben eines Sprechers des tschechischen Nationalen Olympischen Komitees muss Slukova nun für zehn Tage in Quarantäne, ihre Teilnahme an den Spielen in Tokio sei damit praktisch ausgeschlossen. Die Auswirkungen auf den Spielplan von Ludwig/Kozuch in der Gruppe F waren zunächst nicht klar.

Da es nicht der erste Fall im tschechischen Olympia-Team war, leitete das Nationale Olympische Komitee in Prag eine Untersuchung ein. Im Fokus stehe die Frage, ob vor, während und nach dem Charterflug nach Tokio alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten worden seien, hieß es.

Ihre Olympia-Hoffnungen begraben muss auch die niederländische Taekwondo-Kämpferin Reshmie Oogink. Sie wurde am Donnerstag wie auch ein Betreuer aus dem Oranje-Ruderteam positiv getestet und verkündete danach enttäuscht ihr Karriereende. „Ich habe alles getan, was ich konnte, und so hart gearbeitet, um bei den Spielen dabei zu sein. Ich habe sogar schwere Knieverletzungen überwunden und jetzt ist es zu einem plötzlichen Ende gekommen“, sagte Oogink.

Ebenfalls nicht in Tokio dabei sein wird wegen eines positiven Corona-Tests der russische Schwimm-Europameister Ilja Borodin. Der 18-Jährige, der bei der EM in Budapest im Mai Gold über 400 Meter Lagen gewonnen hatte, habe zumindest keine Symptome, berichtete die russische Staatsagentur Tass.

Gar nicht erst nach Japan anreisen wird das komplette Olympia-Team aus Guinea. Das teilte das Sportministerium des westafrikanischen Landes am Mittwochabend mit. Als Grund wurden die steigende Zahl der Corona-Infektionen und die Sorge um die Gesundheit der Athletinnen und Athleten genannt. Guinea ist das zweite Land nach Nordkorea, das seine Olympia-Teilnahme abgesagt hat.

Länder setzen zunehmend auf mobiles Impfen wegen sinkender Impfzahlen

Angesichts sinkender Nachfrage nach Corona-Impfungen setzen die Bundesländer zunehmend auf flexible Lösungen, um mehr Menschen zu erreichen. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervor. Das Interesse an einer Impfung lässt vielerorts nach, teilweise werden Impfzentren geschlossen. Außerdem gibt es immer mehr mobile Impfteams, und Menschen können sich vielerorts auch ohne Termin eine Spritze holen. Trotz der sinkenden Zahlen sind bislang nur wenige Impfdosen verfallen.

Nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) sinkt die Anzahl der täglich verabreichten Impfdosen in Deutschland. Am Dienstag wurden beispielsweise nur 572.482 Dosen gespritzt, verglichen mit dem Höchststand von 1,5 Millionen am 9. Juni. Besonders die Impfzentren verzeichneten einen Rückgang laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung. Aber auch die Arztpraxen sind demnach weit vom Rekord entfernt. Gleichzeitig steigt die Inzidenz wieder. Bislang haben etwas mehr als 60 Prozent der Bevölkerung laut RKI mindestens eine erste Impfung bekommen.

In den hessischen Impfzentren erschienen rund 20 Prozent nicht zu ihren Terminen, wie das Innenministerium mitteilte. Auch in Berlin wurden laut Gesundheitsverwaltung rund 20 Prozent der Termine nicht genutzt. In Thüringen seien die überregionalen Impfzentren laut Gesundheitsministerium nur noch zur Hälfte ausgelastet. In Baden-Württemberg sei die Zahl der Erstimpfungen in den Impfzentren zuletzt um 70 Prozent eingebrochen, so das Gesundheitsministerium.

Die geringe Auslastung führt dazu, dass vermehrt Impfzentren schließen. Bayern machte letzte Woche erste Zentren zu, auch in den verbliebenen Zentren wurde teilweise die Kapazität reduziert und das Herunterfahren weiterer fester Standorte werde vorbereitet. In Berlin schloss das Impfzentrum Tempelhof am Mittwoch, drei weitere sollen bis Ende August folgen. In Thüringen soll von vier überregionalen Impfzentren nur das in Erfurt über den Sommer hinaus fortgeführt werden. Baden-Württembergs regionale Zentren sollen Mitte August schließen. Andere Länder wie Hessen, Schleswig-Holstein oder Sachsen wollen ihre Zentren bis Ende September offen halten.

Der Intensivmediziner Uwe Janssens äußerte sich besorgt über die Entwicklung. „Wir wissen aus verschiedenen Berechnungen, dass, wenn wir es nicht schaffen, 85 Prozent der 59- bis 70-Jährigen zu impfen, dann haben wir im Herbst ähnliche Zustände auf den Intensivstationen wie Anfang des Jahres, bis zu 6000 Intensivpatienten“, sagte Janssens den Sendern RTL/ntv am Mittwoch. Er sprach sich allerdings gegen eine Impfpflicht für Pflegepersonal aus.

Um mehr Menschen zu erreichen, setzen viele Länder auf flexible Impfangebote. „Wenn die Menschen nicht zu den Impfungen kommen, dann müssen die Impfungen eben zu den Menschen kommen“, betonte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). „Ob eine Impfung im Fußballstadion, mobile Impfteams auf Markt- und Supermarktplätzen oder Impfungen ohne Termin in den Zentren alle Initiativen sind willkommen“, erklärte Baden-Württembergs Ressortchef Manne Lucha (Grüne). Auch Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) kündigte am Montag an, bis zum Ende der Impfzentren im September noch einmal den „Impf-Turbo anzuschmeißen“.

In vielen Ländern sind mobile Impfteams unterwegs, oder es gibt Impfungen bis in die Nacht hinein. Bremen impft ausländische Seeleute direkt an ihren Schiffen. In Thüringen kann man sich in Sonneberg mit der Spritze eine Bratwurst abholen. In Berlin gibt es Drive-In- oder Walk-In-Impfungen an einer Ikea-Filiale. Vielerorts kann man auch ohne Termin in Impfzentren eine Spritze bekommen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, dämpfte jedoch die Erwartungen für solche Methoden. „Mobile Impfangebote können helfen, Menschen zu erreichen, aber richtig Strecke machen Sie damit voraussichtlich nicht“, sagte Gassen. „Es gibt eine relevante Zahl von Menschen, die sich schlicht nicht impfen lassen will.“

Nur wenig Impfstoff musste Angaben der Länder zufolge entsorgt werden. In Sachsen beispielsweise seien rund 8700 Dosen entsorgt worden, unter anderem wegen beschädigter oder falsch abgefüllter Ampullen, sagte eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Das bayerische Gesundheitsministerium meldete den Verfall von 1751 Dosen.

Einige Länder haben wenig Probleme mit den Impfungen. In Bremen seien die Termine im Impfzentrum in der Regel ausgebucht, und abgesagte Termine würden schnell neu vergeben, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsressorts. Niedersachsen plant die Kapazität nicht vor Ende September herunterzufahren. Auch in Schleswig-Holstein ist Impfmüdigkeit nach Einschätzung von Regierung und der Kassenärztlichen Vereinigung aktuell kein größeres Problem.

Inzidenz steigt seit über zwei Wochen – 1890 Neuinfektionen

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen lag sie bei 12,2 am Vortag betrug der Wert 11,4 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen eines Tages 1890 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Donnerstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.11 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1642 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 42 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 32 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.750.503 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.642.600 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.458.

Mittwoch, 21. Juli 2021

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Bevölkerung gemahnt, angesichts steigender Corona-Zahlen Schutzmaßnahmen nicht zu vernachlässigen. Wenn sich die Inzidenz weiter alle zwölf Tage verdoppele, hätte man im September einen Wert von über 400, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Alle miteinander müssten sich die Frage stellen, „wollen wir das passieren lassen“. Angesichts der Infektionslage verlängerte die Bundesregierung die bestehenden Corona-Regeln für Einreisende bis zum 10. September.

Spahn wies darauf hin, wie wichtig es sei, Schulen und Kitas in einem Umfeld niedriger Ansteckungen zu öffnen. Er rief dazu auf, die bekannten Maßnahmen einzuhalten. „Es geht darum, Maske im Innenraum tragen. Sich regelmäßig testen lassen. Wenn man noch nicht geimpft ist, sich impfen lassen“, sagte er. „Wir entscheiden jetzt, jetzt in diesen Tagen des Julis darüber, wie September, Oktober, November werden.“

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina befürchtet langfristig eine Verschärfung der Einkommens-Ungleichheit in Deutschland durch die Coronapandemie. Kurzfristig seien die Einkommensverluste vieler Menschen durch die sozialen Sicherungssysteme begrenzt worden. Langfristig könne die Krise aber erhebliche Auswirkungen auf die Höhe und die Verteilung des Einkommens haben, warnen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme „Ökonomische Konsequenzen der Coronavirus-Pandemie - Diagnosen und Handlungsoptionen“.

Den Experten zufolge stellt die Pandemie die Wirtschafts- und Sozialpolitik in Deutschland mittel- und langfristig vor neuartige Herausforderungen, hat zuvor bestehenden Handlungsbedarf verstärkt, bietet aber auch Chancen. „Die Pandemie kann zur Chance für eine gesellschaftlich breit getragene Modernisierungsinitiative werden, gerade im Bereich staatlichen Handelns“, argumentierte Leopoldina-Vizepräsidentin Regina T. Riphahn.

Wie sich die Ungleichheit in den Haushaltsnettoeinkommen in der Krise entwickelt hat, sei zwar noch unklar, schreiben die Experten. Hart getroffen wurden den Angaben zufolge aber unter anderem Mini-Jobber. Da sie nicht in der Arbeitslosenversicherung versichert sind, bekommen sie auch kein Kurzarbeitergeld. Eine Option könnte sein, die Minijob-Beschäftigten in die Kurzarbeitsregelung einzubeziehen. Die Kritik der Forscher an den 450-Euro-Jobs ist aber grundsätzlicher. „Minijobs erfüllen ihr angestrebte „Brückenfunktion“ für den Übergang aus der Arbeitslosigkeit nicht.“ Es habe sich vielmehr gezeigt, dass sie zum Teil sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse verdrängten. Die Experten regen an, Minijobs ganz abzuschaffen oder zumindest deutlich einzuschränken.

Handlungsbedarf sehen die Forscher bei der schulischen Bildung. Die Bildungsverluste während der Krise drohten lange nachzuwirken und das Einkommenspotenzial der jungen Generation zu mindern, insbesondere von leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern und solchen aus bildungsfernen Familien. Die Chancengerechtigkeit sei dadurch noch geringer als vor der Pandemie. Die Arbeitsgruppe regt unter anderem an, bei möglichen künftigen Schulschließungen täglich verpflichtenden Online-Unterricht vorzusehen und Kinder und Jugendliche aus benachteiligten sozialen Verhältnissen umfangreich zu fördern.

Zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie empfehlen die Wissenschaftler unter anderem den Ausbau der Digitalisierung und steuerliche Anreize für Investitionen. „Digitalisierung und ein beschleunigter Strukturwandel sollten nicht als Bedrohung gefürchtet, sondern als Voraussetzung für eine höhere gesamtwirtschaftliche Produktivität angestrebt werden“, erläuterte Christoph M. Schmidt, Sprecher der Arbeitsgruppe und Präsident des RWI Essen und Mitglied der Leopoldina.

Nach Einschätzung der Forscher sollten auch mögliche Defizite beim staatlichen Krisenmanagement aufgearbeitet werden. Sie regen daher an, nach Abklingen der Krise eine unabhängigen regierungsferne Kommission einzusetzen, die Lösungsvorschläge erarbeitet.

Inzidenz steigt seit über zwei Wochen - 2203 Neuinfektionen

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Mittwochmorgen lag sie bei 11,4 - am Vortag betrug der Wert 10,9 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen eines Tages 2203 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Mittwochmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.36 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1548 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 19 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 28 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.748.613 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.642.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.416.

WHO-Chef rügt weltweite Impfstoffverteilung

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, kritisiert die weltweite Impfstoffverteilung. „Anstatt breit eingesetzt zu werden, sind die Impfstoffe in den Händen einiger weniger Glücklicher gebündelt“, sagt er. Die Pandemie werde erst enden, wenn die Welt sich dafür entscheide, sie zu beenden. „Wir haben alle Werkzeuge, die wir brauchen. Wir können dieser Krankheit vorbeugen, wir können auf sie testen und wir können sie behandeln. Es liegt in unseren Händen.“

Dienstag, 20. Juli 2021

Unter dem Einfluss der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland seit zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstagmorgen steckten sich binnen sieben Tagen 10,9 Menschen pro 100.000 Einwohner an. Am Vortag hatte der Wert 10,3 betragen und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Damit hat sich die Inzidenz in rund zwei Wochen mehr als verdoppelt.

Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI zuletzt binnen eines Tages 1183 Neuinfektionen. Das entspricht einer Erhöhung um rund 83 Prozent im Vergleich zum Dienstag vergangener Woche, als 646 Ansteckungen verzeichnet wurden.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte davor, die Corona-Beschränkungen in Deutschland auf einen Schlag aufzuheben. „Jetzt die Einschränkungen unserer Kontakte einfach fallen zu lassen und „alles zu öffnen“ wäre brandgefährlich“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). Wer dies tue, riskiere den Einstieg in die vierte Welle. Es müsse stattdessen schrittweise und kontrolliert vorgegangen werden.

Es seien hoffnungsfrohe Botschaften, dass die Therapien sich verbessert hätten, Intensivstationen mehr Erfahrung hätten und Geimpfte weniger schwere Verläufe erleben würden, sagte Montgomery. Man dürfe nicht vergessen, wie trügerisch die Infektionszahlen im letzten Sommer dahergekommen seien, „und welche destruktive Kraft das Virus danach entwickelte“. Die vierte Welle werde kommen: „ob als leises Plätschern oder als wilde Brandung, das hängt von uns ab.“

„Es wird sich vielleicht noch als Riesenfehler erweisen, wenn wir bei Kindern und jungen Menschen jetzt die Fallzahlen explodieren lassen“, warnte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Dienstag bei Twitter. Dann könnten Virusvarianten entstehen, „die noch viel stärker als Delta bereits Geimpfte schwer erkranken lassen können“.

Nach den jüngsten RKI-Daten von vergangener Woche scheint der Inzidenz-Anstieg in Deutschland bisher vor allem jüngere Menschen zu betreffen. Neue Daten zu Altersgruppen werden für Donnerstag erwartet, von dieser Woche an will das Institut an dem Tag einen ausführlichen Wochenbericht über viele Pandemie-Werte vorlegen. Montags bis freitags erscheinen laut RKI nun verkürzte Situationsberichte.

Die derzeitige Lage halte er für eher unproblematisch, erklärte der Epidemiologe Hajo Zeeb auf dpa-Anfrage. Durch den Rückreiseverkehr in naher Zukunft müsse man aber mit stärker steigenden Zahlen rechnen. Dies betreffe besonders die jüngeren Ungeimpften - „das wird sich nur bedingt ändern, auch wenn die Zahl der Fälle unter vollständig Geimpften vermutlich nach und nach zunimmt“. Diese Gruppe mache zumindest bei Krankenhausbehandlungen in Großbritannien schon jetzt einen substanziellen Anteil aus.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 34 Todesfälle verzeichnet. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.746.410 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.641.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.397.

Die für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus entscheidende Reproduktionszahl, der sogenannte R-Wert, lag nach RKI-Daten vom Dienstag bei 1,16 und befand sich damit seit rund zwei Wochen über dem Wert von 1. Die Zahl bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 116 weitere Menschen anstecken. Liegt der Wert anhaltend über 1, steigen die Fallzahlen.

Gericht bestätigt vorläufig Corona-Impfpflicht an US-Universität

Ein Gericht hat die Impfpflicht gegen Covid-19 an einer US-Universität vorläufig für rechtmäßig befunden. In Anerkennung der bedeutenden Freiheit der Studenten, unerwünschte medizinische Behandlungen zu verweigern, erlaube die Verfassung des Landes der Indiana University jedoch das Vorgehen mit Blick auf das legitime Interesse für die öffentliche Gesundheit, hieß es in dem Urteil. Acht Studierende hatten argumentiert, dass die Impfpflicht ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Autonomie verletze. Ihr Anwalt hat am Montag Berufung angekündigt.

Der Richter betonte in seinem Urteil aber auch, dass es sich nicht um eine endgültige Entscheidung in der Sache handele. Vielmehr ginge es um den Fall um eine einstweilige Verfügung. Dank der Impfpflicht der Universität könnten Studierende, Lehrkräfte und Angestellte auf Masken und Abstandsregeln im Klassenzimmer, Labor oder in der Freizeit und bei außerschulischen Aktivitäten verzichten, hatte die Indiana University in Bloomington ihr Vorgehen gerechtfertigt. Die Universität hatte die Impfpflicht, die ab Herbstsemester gelten soll, bereits im Mai angekündigt. Aufgrund medizinischer oder religiöser Gründe kann eine Ausnahme beantragt werden.

„Die heutige Entscheidung bedeutet nicht das Ende des Kampfes der Studenten – wir planen, sofort gegen die Entscheidung des Richters in Berufung zu gehen“, reagierte der Anwalt der Studenten, James Bopp Jr., in einer Mitteilung. Das Recht, die Universität zu besuchen, dürfte nicht davon abhängig gemacht werden, dass Studierende etwa auf ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit verzichten müssten. Die Universität hingegen begrüßte die Entscheidung auf Anfrage. Das Urteil sorge für eine sichere Rückkehr zum Unterricht, hieß es.

Amazon beendet Corona-Tests von Mitarbeitern im Warenlager

Amazon will einem Medienbericht zufolge trotz steigender Neuinfektionen bald die Corona-Tests von Mitarbeitern im Warenlager beenden. Die Technologie-Nachrichtenplattform „The Information“ berichtet, dass der Online-Händler ab dem 30. Juli die Covid-19-Tests vor Ort einstellen werde. Bei Amazon war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Wichtige Hintergründe:

- Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich immer schneller aus. Trotzdem hat die Regierung in London alle Beschränkungen in England aufgehoben. Der Wirtschaft drohen massive Ausfälle. Forscher schlagen Alarm.

Montag, 19. Juli 2021

Ab dem 16. August endet gleichmäßige Verteilung der Impfstoffe

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich darauf geeinigt, dass die Länder ab dem 16. August nur noch die Menge an Impfstoff erhalten, die sie in der Vorwoche bestellt haben. Das geht aus dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz hervor. Damit endet die bisher gleichmäßige Verteilung nach dem Bevölkerungsschlüssel. Grund ist, dass dann genug Impfstoffe zur Verfügung stehen sollen, um alle Bestellwünsche zu erfüllen. Der Bund soll zudem nicht genutzte Impfstoffe aus den Verteilzentren der Länder abholen, um zu vermeiden, dass sie weggeworfen werden müssen. Die Bundesregierung hatte bekanntgegeben, dass sie neben einer Vorrats-Lagerhaltung auch mindestens 30 Millionen Impfdosen an Drittstaaten spenden will.

England fast ohne Corona-Regeln

Trotz drastisch steigender Corona-Fallzahlen haben die Menschen in England seit Montag wieder deutlich mehr Freiheiten. Tausende Feierwütige begrüßten den sogenannten „Freedom Day“ laut Berichten britischer Medien bereits in der Nacht in den Clubs des Landes, die seit mehr als einem Jahr wieder öffnen durften. Die Regierung hat fast alle verpflichtenden Corona-Maßnahmen aufgehoben und appelliert an die Eigenverantwortung der Menschen. Abstand halten und Maske tragen sind in vielen Bereichen fortan Privatsache.

An den Bahnhöfen des Landes zeigte sich BBC-Reportern zufolge am Montagmorgen ein gemischtes Bild: Während viele von ihrer neuen Freiheit Gebrauch machten und maskenlos unterwegs waren, entschieden sich durchaus auch weiter etliche Reisende freiwillig für die Schutzmaßnahme. Wer in London unterwegs ist, muss dies ohnehin auch weiterhin tun: Bürgermeister Sadiq Khan verkündete für die Bahnen und Busse des Netzwerks Transport for London, zu dem auch die berühmte Londoner „Tube“ gehört, eine Verlängerung der Maskenpflicht.

Premierminister Boris Johnson, der die Regeln für den größten britischen Landesteil macht, setzt hingegen voll auf die Erfolge der weit fortgeschrittenen Impfkampagne und die Eigenverantwortung der Menschen. Inzwischen haben 88 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich eine erste Impfung erhalten. Knapp 68 Prozent sind bereits zweimal geimpft. Doch Experten warnen, dass die Situation trotz der hohen Impfquote außer Kontrolle geraten könnte. Bereits jetzt werden täglich zum Teil mehr als 50.000 Fälle registriert, beinahe so viele wie zum Höhepunkt der zweiten Welle zum Jahreswechsel.

Doch Experten zweifeln daran, ob der Schutz durch die Impfungen ausreichen wird, um einer großen Infektionswelle standzuhalten. Dem Epidemiologen Neil Ferguson vom Imperial College in London zufolge ist es „beinahe unausweichlich“, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen die Marke von 100.000 bald überschreitet. „Die echte Frage ist, ob es sogar doppelt so viel wird, oder sogar noch mehr“, sagte Ferguson der BBC am Sonntag. Im schlimmsten Fall, wenn die Zahl der Krankenhauseinweisungen 2000 oder 3000 täglich erreiche, müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die Pandemie wieder in den Griff zu kriegen, warnte er.

Das will Johnson eigentlich unbedingt verhindern. Er hatte den Weg seines Landes aus dem Lockdown stets als „vorsichtig aber unumkehrbar“ beschrieben. „Bitte, bitte, seien Sie vorsichtig“, flehte er die Briten an. Ob er damit noch überzeugen kann, scheint fraglich. Er selbst verbringt den „Freedom Day“, wie auch Finanzminister Rishi Sunak, in Quarantäne, nachdem beide als enge Kontakte des positiv auf Corona getesteten Gesundheitsminister Sajid Javid identifiziert wurden. Die Politiker sorgten für Empörung, als sie kurzzeitig erwogen, sich um die Selbstisolation zu drücken und stattdessen an einem Pilotprojekt teilzunehmen, das vollständig Geimpften tägliche Tests statt Quarantäne ermöglichen soll.

Die Lockerungen gelten nur für den größten britischen Landesteil England, der keine eigene Regierung hat. Die Regionalregierungen von Wales, Schottland und Nordirland sind für ihre Gesundheitspolitik selbst verantwortlich.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 546 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Montagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 03.13 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 324 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 10,3 an (Vortag: 10).

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden ein Todesfall verzeichnet. Vor einer Woche waren es 2 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.745.227 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.640.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg demnach auf 91.363.

Wichtige Hintergründe:

- Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich immer schneller aus. Trotzdem hat die Regierung in London alle Beschränkungen in England aufgehoben. Der Wirtschaft drohen massive Ausfälle. Forscher schlagen Alarm.

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