Infektionen Wer die Impfstoffe gegen Affenpocken produziert

Wirkt auch gegen Affenpocken: Bavarian Nordics Pocken-Impfstoff Imvanex Quelle: Bloomberg

Die Zahl der Affenpocken-Infektionen steigt, wenn auch auf niedrigem Niveau. Bei der Entwicklung von entsprechenden Impfstoffen spielen auch deutsche Standorte eine wichtige Rolle.

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Am Stadtrand von Dessau (Sachsen-Anhalt) lagert Pocken-Impfstoff. Dort hat das Unternehmen IDT Biologika seinen Sitz – ein mittelständischer Spezialist, der vor allem im Auftrag von Pharmakonzernen Impfstoff herstellt. Im Laufe seiner über 100-jährigen Geschichte hat IDT bereits Vakzine gegen Ebola, Dengue-Fieber, Krebs und Aids entwickelt und getestet – nicht immer mit Erfolg. Auch Pocken-Impfstoffe zählen zur Angebotspalette – obwohl die Krankheit seit den Achtzigerjahren weltweit ausgerottet ist.

Pocken-Impfstoffe könnten nun jedoch ein Comeback erleben, da sie vermutlich auch gegen die derzeit grassierenden, milderen Affenpocken wirken. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wirkt eine gängige Pockenimpfung in 85 Prozent der Fälle auch gegen Affenpocken. Insgesamt lagern in Deutschland nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium rund 100 Millionen Dosen Pocken-Impfstoff in Deutschland.

Großauftrag aus USA

Aktuell zugelassen sind jedoch lediglich zwei Vakzine: Imvanex und ACAM2000. Imvanex stammt vom Hersteller Bavarian Nordic. Das dänisch-deutsche Unternehmen – mit Sitz im dänischen Hellerup und einer großen Forschungsabteilung in Martinsried bei München – steht derzeit besonders im Fokus. Der Aktienkurs hat in den vergangenen Tagen um mehr als dreißig Prozent zugelegt. Der Impfvirus von Bavarian Nordic ist dabei so konzipiert, dass er weder die Krankheit auslösen noch sich im menschlichen Körper vermehren kann. Wie lange der Schutz durch Imvanex, auch gegen Affenpocken, anhält, ist allerdings noch nicht klar.

Die Nachfrage nach Imvanex hat nun deutlich zugenommen. Erst vor wenigen Tagen erhielt Bavarian Nordic einen Auftrag im Volumen von 119 Millionen Dollar aus den USA – von der dortigen biomedizinischen Forschungs- und Entwicklungsbehörde (Barda). Dafür soll das dänisch-deutsche Unternehmen mehrere Millionen Dosen seines Pockenimpfstoffs liefern, der seit 2019 in den USA zugelassen ist. Auch ein nicht genanntes europäisches Land hat bei Bavarian Nordic bestellt, nachdem dort mehrere Fälle aufgetreten sind.   

Erfolg mit Ebola

Das 1994 gegründete Unternehmen mit über 250 Millionen Euro Jahresumsatz ist auf Impfstoffe spezialisiert. Gemeinsam mit dem US-Konzern Johnson & Johnson entwickelte Bavarian Nordic ein Vakzin gegen Ebola; das Unternehmen hält ebenfalls Rechte an zwei Impfstoffen gegen Tollwut und Hirnhautentzündung. Ein Corona-Impfstoff befindet sich noch in der Entwicklung.

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Der zweite Impfstoff ACAM2000 stammt vom US-Unternehmen Emergent Biosolutions. Die relativ kleine US-Firma Siga hat zudem ein Pockenmedikament („Tecovirmat“) entwickelt. Auch ein Wirkstoff des US-Unternehmens Gilead Sciences könnte gegen die Pockenerkrankung wirken, das legen zumindest Tierversuche nahe. Auf einen ähnlichen Schub wie Biontech oder Moderna kann allerdings keines der Unternehmen hoffen. Die Forscher sind sich weitgehend einig, dass die Affenpocken längst nicht so gefährlich wie das aktuell grassierende Coronavirus sind.

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