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Bankenunion "Die EZB steckt in einem Zielkonflikt"

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Zurück zum Maastrich-Vertrag

Die Gewinner und Verlierer des Aufbau Ost
Eine alte Frau verlaesst mit ihrem Hund ein Haus in Duisburg-Bruckhausen, Quelle: dapd
"Marietta-Bar-Areal" im Nordabschnitt des Breiten Weges in Magdeburg wird am Neubau für ein Geschäftshaus gearbeitet. Quelle: ZB
Die quer durch das Ruhrgebiet verlaufende Autobahn A40 ist in Essen kaum befahren. Quelle: dpa
Die Bundesstraße 95 zwischen Chemnitz und Leipzig Quelle: dpa/dpaweb
Ein Bauarbeiter schwingt den Hammer auf der Baustelle für die neue Schwimmhalle des SV Halle Quelle: dpa
Eine Frau geht am 18.02.2012 in Oberhausen an einer Kaufhof Filiale vorbei, die bald geschlossen wird und mit dem Räumungsverkauf wirbt Quelle: dpa
Das Bürogebäude in Mülheim an der Ruhr, in dem die Firma Globudent Quelle: dpa/dpaweb

Also zurück zum alten Maastricht-Vertrag?

Das ist die langfristige Perspektive. Es bringt nichts, sich die Welt schönzuträumen. Mit dem Schuldentilgungspakt erreichen wir, dass Schulden oberhalb der erlaubten 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts langsam zurückgeführt werden. Das geschieht über einen gemeinsamen Fonds, für den alle haften. Verbunden ist das aber mit Auflagen. Solche Auflagen für die Staaten kann die EZB eben nicht aussprechen.

Beim Erfüllen von Auflagen, das zeigt die Erfahrung, sind die meisten Schuldenstaaten aber nie übermäßig ehrgeizig.

Was ist die Alternative? Derzeit regeln wir es über die Geldpolitik, da gibt es gar keine Konditionalität. Und wenn die EZB aussteigt, gibt es gleich eine negative Spekulationsdynamik. Da scheint mir unser Modell besser zu sein.

Ein neues Geschäftsmodell brauchen Sie auch für das Institut, das sie seit knapp drei Monaten leiten. Dessen Forschungsleistung ist bei den jüngsten beiden Qualitätskontrollen gerügt worden. Wie wollen Sie das IWH reanimieren?

Erstens mit Nachwuchsförderung. Wir wollen mit ostdeutschen Universitäten ein bereits über die Grenzen der Bundesländer hinweg bestehendes Doktoranden-Netzwerk ausbauen. Zweitens schaffen wir eine neue Abteilung für Finanzmärkte und Banksysteme – ein Forschungsbereich, der die bestehenden Forschungs-felder des Instituts gut verknüpft. Drittens treiben wir die evidenzbasierte empirische Wirtschaftsberatung voran.

Was heißt das konkret?

Wir müssen besser untersuchen, ob wirtschaftspolitische Maßnahmen ihr Ziel erreichen. Dafür muss erst einmal das Ziel klar definiert werden. Dann muss untersucht werden, ob das Ziel erreicht wurde und ob die betreffende Maßnahme ursächlich dafür war. Man kann sich das wie in der medizinischen Forschung vorstellen: Eine Gruppe von Haushalten oder Unternehmen bekommt eine bestimmte Zuwendung (die „Medizin“), eine Kontrollgruppe hingegen nicht. Man vergleicht die Probanden mit der Kontrollgruppe; daraus lässt sich ablesen, ob eine Maßnahme gewirkt hat. Inzwischen haben wir in Deutschland eine sehr gute Dateninfrastruktur für solche Untersuchungen. Wir wollen beim IWH ein Datenzentrum aufbauen, das auch von anderen Wissenschaftlern genutzt werden kann.

Mit welchen Schwerpunkten?

Zum Beispiel zu den Finanzmärkten, etwa zur Frage, wie Banken über Länder hinweg reguliert sind. Auch wollen wir erfassen, wer in Deutschland welche Fördermittel bekommt. Das ist mühevolle Kleinarbeit, denn es gibt zahlreiche Programme. Ein weiterer Schwerpunkt ist Osteuropa.

Die entscheidende Evaluierung des IWH findet 2014 statt. Ist die Zeit nicht viel zu knapp, um die Reputation zu erhöhen – zumal hochkarätige Ökonomen das Haus verlassen haben?

Sicher, das ist ein kurzer Zeitraum. Aber wir fangen ja nicht bei null an. Das IWH hat eine gute Basis, auf der sich aufbauen lässt. Der Interimsvorstand hat sehr gute Arbeit geleistet. Das Institut, das ich in diesen Tagen erlebe, ist nicht mehr das, welches 2012 die gelbe Karte bekommen hat. Und was die Abgänge betrifft: Fluktuation ist in der Wissenschaft normal. Die Institute führen junge Leute zur Promotion und bieten befristete Jobs für Post-Doktoranden; nach einigen Jahren ziehen die Wissenschaftler weiter. Und es hat beim IWH auch hoch qualifizierte Zugänge gegeben.

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