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Bettina Röhl direkt

Gott beschütze die Gesellschaft vor ihren Minderheiten

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Gesellschaft im Würgegriff

Das sind die reichsten Deutschen
Johanna QuandtJohanna Quandt kommt auf ein Vermögen von 6,75 Milliarden Euro. Damit erreicht die BMW-Großaktionärin und Mäzenatin Platz 10 in der Rangliste der reichsten Deutschen 2013. Insgesamt gibt es nach der Rangliste inzwischen 135 Milliardenvermögen in Deutschland. Vor einem Jahr waren es noch 115. Quelle: dpa/dpaweb
Stefan QuandtUnter den zehn reichsten Deutschen sind mit Stefan Quandt (7,2 Milliarden), Mutter Johanna (6,75 Milliarden) und der Schwester Susanne insgesamt drei Quandts vertreten. Quelle: REUTERS
Familie OetkerDie Familie Oetker (im Bild Richard Oetker) hat es mit ihrem Bielefelder Nahrungsmittel-Konzern auf ein Vermögen von 7,5 Milliarden Euro gebracht. Macht Platz acht unter den reichsten Deutschen. Quelle: dpa
Familie WürthDie Familie Würth hat es mit ihrem Schrauben und Werkzeug-Imperium auf rund acht Milliarden Euro gebracht. Quelle: dpa
Familie OttoAuf Platz sechs der reichsten Deutschen kommt die Familie Otto. Mit ihrem Versandhandel machte die Unternehmerfamilie ein Vermögen von gut 8,6 Milliarden Euro. Quelle: dapd
Susanne KlattenDie an BMW und Altana beteiligte Quandt-Erbin Susanne Klatten kommt auf ein Vermögen von zehn Milliarden Euro. Sie gehört unter anderem wegen des Kursanstiegs des Münchener Autobauers zu den großen Gewinnern. Klatten habe ihren Besitz seit dem vergangenen Jahr um eine Milliarde Euro gemehrt. Damit ist sie Deutschlands reichste Frau. Quelle: AP
Familie ReimannFünf Deutsche kommen nach Berechnungen des Magazins auf ein zweistelliges Milliardenvermögen: Die Familie Reimann (Reckitt Benckiser, Coty ) kommt auf zwölf Milliarden Euro. Quelle: REUTERS

Der blaublütige Adel war für den Menschen immer sehr leicht zu erkennen. Wer adlig ist, das sah der dümmste Bürger auf Anhieb, allein schon dann, wenn er seine Baskenmütze mit dem edlen Krönchen des Feudalen verglich. Und auch der ganze Mensch zwischen Fußsohle und Fontanelle unterschied sich so sehr, dass die einen wirkten, als hätten sie feines blaues Blut, während die anderen in runzeliger und vom Wetter und Arbeit gegerbter Haut ihr Leben fristeten.

Heute bieten Aldi und Co. einen Kosmetikstandard, von dem Ludwig XIV. nicht einmal zu träumen wagte. Der immerhin hatte als eine quasi Ein-Mann-Minderheit das schöne Frankreich majorisiert und damals noch faktisch zu recht gesagt: Der Staat bin ich - „L’État c’est moi“.

Auch wenn die Hollywoodstars heute noch immer etwas mehr hermachen als der Durchschnittsbürger, den Adel im eigentlichen Sinn gibt es nur noch pro forma und er spielt mindestens hierzulande keine unterdrückende oder sonst negativ zu bewertende Rolle mehr. Stattdessen nimmt er - ganz Noblesse -  oft genug nützliche oder gemeinnützige Funktionen wahr. Und hier und da wird auch noch ein bisschen Jetsetleben mit dem hauseigenen Tafelsilber verbunden. Wenn es Stil hat, ist das ja auch ok.

Wer denkt, jetzt seien alle Probleme gelöst, der Adel ist entmachtet, wir leben in einer Demokratie, alles ist gut und jetzt bräuchte man sich nur noch genussvoll dem Schutz der unterdrückten Minderheiten zu widmen, hat sich allerdings gewaltig getäuscht. Denn längst gibt es neue, andere, oft versteckte Minderheiten, die diese Gesellschaft ganz unmerklich in den Würgegriff genommen haben. Unterdrückte Minderheiten schießen wie Pilze aus dem Boden und so kommt es, dass sich inzwischen sogar eine Mehrzahl der Bundesbürger wie es im einschlägigen Antidiskriminierungsgesetz heißt im Hinblick auf verschiedene "Merkmale" als Minderheit unterdrückt fühlen darf.

Der Fetisch Minderheitenschutz hat diese Gesellschaft fest im Würgegriff und die allgemeine Konfusion hat ein Ausmaß erreicht, dass die Menschen den Durchblick und damit auch das Koordinatenkreuz verloren haben. Es herrscht eine pervertierte Form des per se legitim klingenden Grundgedankens, dass kleinere Gruppen von Menschen, manchmal sogar einzelne Personen, sich also von der Mehrheit unterscheiden und deshalb nicht benachteiligt werden sollten.

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