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EZB-Direktorium Das steckt hinter Lautenschlägers mysteriösem Abgang

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Die Kandidatinnen für die Nachfolge

In Notenbankkreisen geht man daher davon aus, dass Berlin eine Frau nach Frankfurt schicken wird. Gute Chancen werden Claudia Buch eingeräumt. Die Vize-Chefin der Bundesbank ist promovierte und habilitierte Volkswirtin und gilt als ausgewiesene Expertin in Sachen Bankenregulierung. Allerdings zählt sie eher zu den medialen Leisetretern, ist ausgesprochen wissenschaftsfixiert und zeigt wenig Neigung, sich im geldpolitischen Diskurs zu exponieren. Kritiker bezweifeln daher, dass sie bei den wichtigen Diskussionen im EZB-Rat dem angelsächsisch-lateineuropäischen „Anything goes“-Ansatz einer ultralockeren Geldpolitik, wie er von den Südländern vertreten wird, harten Widerstand entgegensetzt.

Als Nachfolgerin für Lautenschläger in Frage kommt auch Isabel Schnabel, Professorin für Finanzmarktökonomie an der Universität Bonn und Mitglied im Rat der fünf Wirtschaftsweisen. Sie gilt als meinungsstark, ist redegewandt und weniger medien- und öffentlichkeitsscheu als Buch, vertritt aber Positionen, die näher an denen der EZB liegen. Nach den jüngsten, heftig umstrittenen Beschlüssen des EZB-Rats äußerte Schnabel sich besorgt darüber, dass die EZB hierzulande „ständig zum Sündenbock gemacht“ werde. Zudem plädiert sie für eine von den deutschen Banken und Sparkassen vehement abgelehnte europäische Einlagensicherung, bei der im Krisenfall auch deutsche Sparer und Banken für die Spareinlagen bei südeuropäischen Banken gerade stehen müssten. Über die künftige EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte Schnabel, sie halte es für einen „Nachteil, dass sie keine Ökonomin ist“.

Im Gespräch als Nachfolgerin für Lautenschläger ist auch Elga Bartsch, Chefvolkswirtin von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Zuvor war Bartsch Co-Chefvolkswirtin der US-Investmentbank Morgan Stanley. Bartsch würde wohl die Draghi-Linie in der EZB fortsetzen. Jüngst hat sie zusammen mit dem ehemaligen Vizechef der US-Notenbank Stanley Fischer ein vielbeachtetes Papier mit dem Titel „Dealing with the next downturn“ verfasst. Darin vertreten die Autoren die Auffassung, ein wirtschaftlicher Abschwung könne eine bisher nie dagewesene „Koordination“ von Geld- und Fiskalpolitik nötig machen – etwa durch direkte Überweisungen an die Bürger, das sogenannte Helikoptergeld.

Bartschs Ko-Autor Fischer war in den Siebzigerjahren Professor am keynesianisch ausgerichteten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und einer der Betreuer von Mario Draghi, der zu jener Zeit seine Promotion am MIT verfasste. In Notenbankkreisen erachtet man eine Ernennung von Bartsch allerdings als No-go. Zumal ihr jetziger Arbeitgeber Blackrock die EZB berät und deren Ankaufprogramm für Kreditverbriefungen konzipiert hat.

Möglich, dass die Bundesregierung eine unbekannte Person aus dem Dunstkreis der Politik auf den freien Posten bei der EZB hievt. Dass es sich dabei um jemanden handelt, der sich vehement für eine Normalisierung der Geldpolitik einsetzt, ist jedoch nicht zu erwarten. Dies könnte als Affront gegen die künftige EZB-Chefin Lagarde gewertet werden, die für eine Fortführung der lockeren Geldpolitik à la Draghi plädiert.

Wen auch immer die Bundesregierung nach Frankfurt schickt, an dem ultralockeren Kurs der Geldpolitik wird diejenige selbst dann nichts ändern, wenn er oder sie es wollte. Denn die Mehrheit im EZB-Rat besitzen die Vertreter der Südländer. Und am Mehrheitswillen einer laschen Geldpolitik ist nun auch Sabine Lautenschläger gescheitert.

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