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Finanzbildung Den Spaß an Mathe wecken!

Finanzmathematik: Zinsen, Inflation und Kaufkraft

Die Klagen von Abiturienten über zu schwere Matheaufgaben sind umstritten: Waren die Aufgaben zu schwer oder die Schüler zu schwach? Warum es besser wäre, Mathe lebensnäher zu unterrichten, auch mit Basis-Finanzwissen.

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„Donau, Main, Lech.“ Haben Sie schon an der Mathe-Aufgabe mit so benannten Lostöpfen geknobelt, die den bayrischen Abiturienten so schwer fiel? In mehreren Bundesländern fordern Schüler nun mit Petitionen, dass die Bewertungen angepasst werden sollten, weil ihre Matheaufgaben zu schwer gewesen seien. Die Öffentlichkeit diskutiert mit. Viele reagieren empört: Die verweichlichte Jugend solle lieber pauken, als sich zu beklagen.

Fakt ist: So schlecht sind die Schüler in Mathe nicht. Im letzten großen Pisa-Vergleichstest schnitten 15– bis 16-jährige Deutsche in Mathe ordentlich ab, über dem Durchschnitt der teilnehmenden Länder. Deutschland lag zwar hinter Ländern wie Singapur, Japan, der Schweiz und den Niederlanden, aber vor Österreich, Schweden, Frankreich und Luxemburg.

Und doch deuten die Klagen der Schüler auf einen Missstand hin: Viele fühlten sich von Textaufgaben überfordert, von der Anwendung des Erlernten in konkreten Alltagsszenarien. Daran hapert es nicht nur bei Abiturienten, wie Studien zur simpelsten Finanzbildung zeigen. Fragen danach, ob bei ein Prozent Zins und zwei Prozent Inflation die Kaufkraft steigt, sinkt oder gleich bleibt, überfordern schon manche. Nur etwas mehr als 70 Prozent der Deutschen antworteten richtig („sinkt“), ergab eine Befragung der Allianz unter wissenschaftlicher Leitung. Dass der Kauf einer Einzelaktie riskanter ist als der eines Aktienfonds, ist für noch mehr Deutsche nicht selbstverständlich. Hier lagen nur 60 Prozent richtig. Fünf derartige Fragen zu Basisfinanzwissen und Risikoeinstufung wurden nur von 17 Prozent in Deutschland stets richtig beantwortet.

Zwar schnitten nur die Österreicher im Vergleich von zehn Ländern besser ab, dort lagen 18 Prozent stets richtig. Doch das mindert das Problem nicht: Mangelt es an elementarer Zahlenkunde, kommt das die Einzelnen teuer zu stehen. Es würde sich daher auszahlen, schon früh ein Gefühl für Zahlen und die konkrete Anwendung im Alltag zu vermitteln. Damit dürfte auch das Schulfach Mathe den Schrecken verlieren, den es immer noch für viel zu viele hat. Und die Angst vor Mathe ist übrigens stark mit schlechten Matheleistungen verknüpft, zeigte sich bei einer speziellen Auswertung des Pisa-Vergleichstests von 2015.

Eine möglichst lebensnahe Ausbildung hilft. Das haben etwa die Franzosen erfahren, deren Matheunterricht noch bis in die Siebzigerjahre als international vorbildlich und führend galt. Dann jedoch kam eine Kehrtwende: Plötzlich sollten extrem abstrakte Matheinhalte von Anfang an vermittelt werden. Das verschreckte viele Schüler, die sich komplett abgehängt fühlten. Nun versucht Frankreich langsam wieder umzusteuern, um die Freude an der Mathematik wieder zu wecken – und mehr Schülern zu guten Mathekenntnissen zu verhelfen.

Wenn die Abiturienten dafür auch in Deutschland den Anstoß geben würden, hätten sie viel erreicht.

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