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Gewerkschaften Die unheimliche Macht der IG Metall

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Ziele 2012

Spartengewerkschaften mit viel Macht
GdFWelche Auswirkungen die Aktivitäten einer eher kleineren Gewerkschaft haben können, zeigt sich im Februar am Frankfurter Flughafen während des Streiks der Vorfeldbeschäftigten des von der Fraport AG betriebenen Flughafens in einem Abfertigungsterminal. 200 Vorfeldmitarbeiter legten dort ihre Arbeit nieder - das führte dazu, dass über 100 Flüge ausfallen mussten. Unternehmen, die gar nicht bestreikt wurden, wie etwa die Deutsche Lufthansa, haben dadurch bereits einen hohen zweistelligen Millionenbetrag verloren. Die Gewerkschaft GdF, die auf ihrer Homepage mit dem Spruch "Wir lassen Euch nicht in der Luft hängen" wirbt, wurde im Jahr 2004 gegründet. Quelle: dapd
Gewerkschaft der ServicekräfteIm Dezember 2010 bildete sich die GdS, die Gewerkschaft der Servicekräfte im Bereich von Serviceunternehmen unter Beteiligung der öffentlichen Hand, speziell an Krankenhäusern. Nach etwas über einem Jahr des Bestehens blickt die Gewerkschaft auf Ihrer Homepage auf erfolgreiche Verlängerungen von Arbeitsverträgen, Klärungen in Lohnangelegenheiten und die Rücknahme von Kündigungen zurück. Für das laufende Jahr hat sie sich eine Ausweitung ihrer Tätigkeit und Kontakte vorgenommen. Quelle: Screenshot
NAG Quelle: Screenshot
DFeuG Quelle: dpa/dpaweb
TGL Quelle: dpa
Verband Private SicherheitInnerhalb der Polizeigewerkschaft DPolG hat sich der Verband Private Sicherheit gegründet. Er will Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten vertreten, beispielsweise an Flughäfen. Quelle: Handelsblatt Quelle: AP
  • Gemeinsam mit den Metallarbeitgebern betreibt die IG Metall das Versorgungswerk MetallRente, zuständig für die Metall- und Elektroindustrie, die Stahlindustrie sowie die Branchen Textil, Holz und Kunststoff. Das Versorgungswerk hat seit 2001 über 420.000 Verträge abgeschlossen und kann laut Geschäftsführer Heribert Karch 2011 „auf das beste Ergebnis seit Gründung verweisen“.
  • Zu guter Letzt gibt es auch noch eine Servicegesellschaft, die die Mitglieder mit Rabatten bei Laune hält und Unterstützungsleistungen abwickelt. Metallern winken unter anderem ein Gratismitgliedsjahr beim Pannenhilfsdienst ACE, verbilligte Musical-Tickets und 35 Prozent Rabatt im Legoland. Eifrige Mitgliederwerber können Fernseher, Laptops und DVD-Player abgreifen. Hinzu kommen Kooperationen mit Unternehmen, etwa dem Privatversicherer Ergo Direkt und dem Stromanbieter Entega, denen die IG Metall über Sonderkonditionen Kunden zuschanzt.

Attacke aufs Handwerk

Trotz alledem steht die IG Metall strukturell noch immer nicht so stark da, wie es ihre Funktionäre gerne hätten. Die Gewerkschaft ist überaltert und nur jeder zehnte Beitragszahler jünger als 27 Jahre – womit man in der IG Metall offiziell noch zur „Jugend“ zählt. Jedes fünfte Mitglied ist ein Rentner, der Frauenanteil liegt seit Jahren bei trostlosen 18 Prozent. Und noch immer gibt es Branchen, in denen die IG Metall nur schwer einen Fuß in die Tür kriegt. Dazu zählen etwa die Wind- und Solarindustrie oder die Zeitarbeit. Auch im Handwerk liegt der Organisationsgrad nur bei rund zehn Prozent.

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Standort erkennen

    2012 sollen aber auch diese Bastionen genommen werden. Derzeit sammeln IG-Metall-Funktionäre bundesweit Firmendaten aus größeren Handwerksbetrieben ohne Betriebsrat, um dort die Wahl von Mitarbeitervertretungen zu initiieren. Betriebsräte sind traditionell das wichtigste Einfallstor für Gewerkschaften in ein Unternehmen. Auch der aggressive Dauerbeschuss der Zeitarbeitsbranche durch die IG Metall zeigt erste Wirkung: Von den rund 300.000 Zeitarbeitern der Metallindustrie haben mittlerweile gut 36 000 einen Mitgliedsantrag unterschrieben – rund 68 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Akademiker ins Boot holen

    Erklärtes Ziel der IG Metall für 2012 ist es außerdem, an Studenten und Akademiker heranzukommen, die sich vom Kampfgeschrei einer Gewerkschaft eher abgeschreckt fühlen. „Für hoch qualifizierte Angestellte, etwa Ingenieure, waren wir früher weniger attraktiv. Das lag sicher auch an der Art und Weise, wie wir sie angesprochen haben“, gesteht Metaller Burkhard. Allein für eine stärkere Präsenz an den Hochschulen gibt die Gewerkschaft nun in den kommenden vier Jahren 4,3 Millionen Euro aus.

    Seit Anfang des Jahres laufen Vorbereitungen, um in 17 Universitäten eigene IG-Metall-Büros aufzubauen, unter anderem in Hamburg, Hannover, Berlin, Darmstadt, Karlsruhe und Nürnberg. Die Dependancen sollen die IG Metall als eine Art ADAC für die Arbeitswelt verkaufen und diverse Beratungsdienste anbieten.

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