Mut zur Veränderung: Veränderung beginnt im Kopf: Warum Perspektiven den Unterschied machen

Die Welt verändert sich rasant. Daran zweifelt heute niemand mehr. Dass eine sich verändernde Welt neue Antworten erfordert, ist Common Sense. Dennoch tun wir uns schwer, Veränderungen anzupacken. Woran liegt das?
In Gesprächen mit Menschen, die in der Politik Verantwortung tragen, stelle ich immer wieder fest, dass in der Regel kein Erkenntnisproblem vorliegt. Was fehlt, ist der Mut, Veränderungen tatsächlich beherzt anzupacken und bis zum Ende durchzuführen. Die Gründe dafür sind meist nachvollziehbar: Sachzwänge. Und wenn wir uns lange genug mit den Sachzwängen beschäftigt haben, neigen wir dazu, die Handlungsnotwendigkeit zu relativieren.
Wir alle kennen Sätze wie: „Das wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird“ oder „Das geht schon wieder vorüber“. Manchmal mag das so sein. Falls nicht, gilt der Grundsatz, dass kleine Probleme nur vorübergehend verschwinden, um ihre großen Brüder zu holen. Und spätestens dann wird es richtig unangenehm, sprich: mühselig und teuer!
Beruflich kenne ich diese Herausforderung auch. Gerade wenn Unternehmen groß geworden sind und es um notwendige Veränderungen geht, treten Sachzwänge zunehmend in den Vordergrund. Das ist auch verständlich: In großen Organisationen müssen wesentlich mehr Gesichtspunkte bedacht werden und die Auswirkungen von Veränderungen sind komplexer als in kleinen Organisationen. Die Folge ist oft ein sich verbreitendes Ohnmachtsgefühl: „Man kann ohnehin nichts machen und eigentlich waren die bisherigen Vorgehensweisen doch nicht so schlecht, wie die ewig Unzufriedenen behaupten. Und überhaupt: Warum muss denn immer wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden?“
Folgende Erkenntnis hat mir geholfen, nicht in die Falle von Sachzwängen und Ohnmachtsgefühl zu tappen: Entscheidend für den Entschluss, tatsächlich eine Aufgabe anzupacken, ist erstens die Einsicht in die Sinnhaftigkeit des angestrebten Zielzustandes und zweitens das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, Hürden auf dem Weg zum Ziel zu überwinden. Dieses Zutrauen hängt von der gewählten Perspektive auf die Hürden ab.
Als Führungskraft in einem großen Unternehmen ist einer meiner wichtigen Beiträge, dass ich unterschiedlichen Perspektiven im Unternehmen Raum gebe. Es macht einen Unterschied, ob eine Diskussion aus der Perspektive „Das geht nicht, weil…“ oder aus der Perspektive „Das geht nur, wenn…“ geführt wird.
Bei der ersten Perspektive stehen Gründe im Vordergrund, warum etwas nicht geht, bei der zweiten die Wege zum Ziel. Die zweite Perspektive strukturiert eine große Aufgabe in meist kleinere operative Teilaufgaben, die leichter zu bewältigen sind und Etappenerfolge auf dem langen Weg zum angestrebten Ziel ermöglichen. Aus den Etappenerfolgen erwächst dann die Zuversicht, um bis zum Ende durchzuhalten.
Deshalb wäre es gut, wenn wir auch in der öffentlichen Diskussion mehr über die Ziele, die wir anstreben, und über die Voraussetzungen, die dafür notwendig sind, diskutieren würden.
Wenn es im Bundestagswahlkampf gelungen wäre, diese mehr in den Vordergrund zu rücken, wäre das Wahlergebnis wahrscheinlich anders ausgefallen.
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