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Nach Bund-Länder-Gipfel Intensivmediziner rechnen mit mehr Corona-Fällen

Mit zunehmenden Öffnungen könnten wieder mehr Intensivpatienten in die Krankenhäuser kommen. Intensivmediziner haben Sorge vor einer dritten Welle.

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Ein an Covid-19 Erkrankter wird in einer Intensivstation im Uniklinikum in Tübingen behandelt. Quelle: dpa

Intensivmediziner gehen angesichts des Öffnungs-Fahrplans von Bund und Ländern in der Pandemie von einer deutlichen Zunahme der Corona-Fälle aus. „Ich rechne damit, dass wir durch die beschlossenen Öffnungsszenarien deutlich steigende Zahlen von Neuinfektionen erleben werden – und dann auch vermehrt Intensivpatienten mit Covid-19“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Die Sorge ist, dass wir in eine dritte Welle rutschen.“

„Auch wenn der Lockdown grundsätzlich verlängert wurde, sind diese Beschlüsse ein Strategiewechsel in Richtung Öffnung – und das auch schon vor dem 1. April“, betonte Marx, der vergangene Woche eine Lockdown-Verlängerung bis Anfang April gefordert hatte. Hintergrund sind Prognosen der Fachgesellschaft, wonach frühe Lockerungen, je nach Impftempo und Ausbreitung der ansteckenderen Varianten, zu einer erneut hohen Belastung der Intensivstationen führen könnten.

Im schlimmsten Szenario war von einer nicht mehr zu bewältigenden Zahl von 25.000 zu versorgenden Covid-19 Patienten die Rede. Zum Höhepunkt der zweiten Welle lagen rund 6000 Betroffene auf Intensivstationen. „In welchem Umfang die Beschlüsse die Intensivstationen belasten könnten, wird in unsere Modellrechnungen einfließen – dazu können wir aber erst kommende Woche Zahlen vorlegen“, erläuterte Marx von der Uniklinik Aachen.

„Wir hätten uns drei weitere Wochen Zeit für das Umsetzen der Impfstrategie gewünscht“, bilanzierte Marx. So würden die Entscheidungen vom Mittwoch angesichts der steigenden Infektionszahlen mit Sorge betrachtet. „Vor allem, da die Mutante B.1.1.7 bereits 46 Prozent Anteil an den Infektionen hat. Die Reproduktionszahl liegt etwa bei 1 - und sollte aus Sicht von uns Intensivmedizinern auf keinen Fall höher ausfallen. Aber man muss ja bedenken: Das ist alles noch unter den aktuellen Lockdown-Bedingungen.“

Der Divi-Präsident appellierte an die Menschen, nun beim Verhalten nicht nachlässig zu werden: „Bitte halten Sie die Regeln zu Abstandhalten, Hygiene, Maskentragen und Lüften weiter ein. Man sollte auch weiter Kontakte vermeiden, auch wenn jetzt das ein oder andere erlaubt ist. Bitte lassen Sie sich impfen, auch mit Astrazeneca!“

Auf die Frage, in welchem Umfang es überhaupt zu Lockerungen kommen könnte, sagte Marx: „Die beschlossenen Maßnahmen sind relativ komplex. Es ist zu früh zu beurteilen, in welchem Umfang Lockerungen tatsächlich möglich sein werden angesichts des Fallzahlenanstiegs, der bereits eingesetzt hat.“

Als richtig wertete Marx die Beschlüsse zum Impfen und Testen. „Wir erhoffen uns, dass es gelingt, zeitnah schneller zu impfen in Deutschland. Das ist der Weg, die Pandemie gemeinsam zu bewältigen. Die Hausärzte einzubeziehen, wäre ein Durchbruch.“ Optimal wären aus Sicht der Divi 300.000 Impfungen pro Tag, das ist ungefähr gut ein Drittel mehr als in den vergangenen Tagen.

„Eine deutlich umfangreichere Teststrategie könnte ebenfalls dazu beitragen, Infektionsherde schneller zu erkennen, zum Beispiel an Schulen und Arbeitsstätten“, so Marx. Dies werde aber vermutlich noch einige Vorbereitung brauchen.

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am Mittwoch in mehr als neunstündigen Verhandlungen beschlossen. Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.

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