Neues AfD-Spitzenduo „Das ist keine Lucke-Partei mehr“

Jörg Meuthen und Alexander Gauland sind das neue Führungsduo der AfD. Der Weg zur Wahl war holprig. Der Parteitag offenbart wieder ihre Grabenkämpfe. Mit ihren wirtschaftsliberalen Anfängen hat sie nichts mehr zu tun.

Die neuen AfD-Bundesvorsitzenden gewählten Jörg Meuthen (r) und Alexander Gauland Quelle: dpa

Alexander Gauland wählt ausgerechnet fast dieselben Worte wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, um sich für das Amt des Parteivorsitzenden zu bewerben: „Ihr kennt mich.“ Merkel hatte beim TV-Duell vor der Wahl mit dem Satz „Sie kennen mich“ bei den Bürgern um Unterstützung geworben. Und wie die Kanzlerin ihre Raute trägt auch Gauland heute wieder sein berühmtes Erkennungsmerkmal zur Schau: den Schlips mit den Dackeln.

Die Parallele zur verhassten Kanzlerin stört die rund 600 AfD-Delegierten beim Parteitag jedoch nicht weiter. Sie wählen Gauland wenige Minuten später mit 67,8 Prozent zu ihrem Vorsitzenden. Er ist damit Nachfolger von Frauke Petry, die im Oktober aus der Partei ausgetreten war, und führt die AfD künftig gemeinsam mit dem bisherigen Parteivorsitzenden Jörg Meuthen als Doppelspitze. Meuthen war zuvor mit einem ähnlich mageren Ergebnis von 72 Prozent wiedergewählt worden.

Bundestagsfraktionschef Gauland hatte sich erst zur Wahl gestellt, nachdem es zwei Mal zu einem Patt zwischen der stramm-rechten Doris von Sayn-Wittgenstein und dem vergleichsweise gemäßigten Georg Pazderski gekommen war. Pazderski hatte seine Kandidatur bereits Anfang der Woche angekündigt. Der pensionierte Berufssoldat und Berliner AfD-Vorsitzende galt als Befürworter von Frauke Petry und fand deshalb im rechtsnationalen Lager rund um Björn Höcke nur wenige Unterstützer. Der Profiteur: Gauland.

Die Kandidatur von Sayn-Wittgenstein kam hingegen überraschend. Die blonde Fürstin ist Landesvorsitzende der AfD in Schleswig-Holstein. Nach ihrer Rede fragte ein Delegierter, warum sie erst 2016 der AfD beigetreten sei. Ihre Antwort: "Das ist keine Lucke-Partei mehr“, sagte die 63-Jährige. Die AfD unter Führung des Parteigründers und Ökonomie-Professors Bernd Lucke sei ihr damals „nicht vielversprechend“ erschienen. Aber nachdem die Partei eine patriotische Richtung eingeschlagen habe, habe sie beschlossen, sich für die AfD zu engagieren.

Damit trifft die stramm rechte AfD-Politikerin einen Punkt. Die Partei hat sich von ihren Ursprüngen als eurokritische „Professoren-Partei“ längst verabschiedet. Der Volkswirt Lucke hatte die Partei einst aus Protest gegen die Euro-Rettungspakete für Griechenland mitbegründet.

In der heutigen AfD hingegen ist von wirtschaftspolitischen Themen kaum noch die Rede. Stattdessen dominieren innerparteiliche Machtkämpfe sowie die Themen Asyl, Migration und Islam. Diese ziehen nationalistisch-radikale Gruppen an, die die AfD in ihren Reihen nicht nur duldet, sondern umarmt.

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