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Omikron-Welle „Die Testpflicht für Geboosterte aufzugeben, ist kontraproduktiv“

Kai te Kaat verantwortet als Vice President seit zwei Jahren den Bereich Life Sciences beim Diagnostikunternehmen Qiagen. Quelle: Qiagen

Unter der Ampel-Koalition wird die Coronakrise nicht viel besser gemanagt, kritisiert Kai te Kaat, Vice President beim Diagnostikanbieter Qiagen. Die Politik orientiere sich an der Pandemie-Müdigkeit – trotz der neuen Virusvariante. 

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Kai te Kaat verantwortet als Vice President seit zwei Jahren den Bereich Life Sciences beim Diagnostikunternehmen Qiagen. Zuvor war der promovierte Biologe bei der Unternehmensberatung Boston Consulting tätig.

WirtschaftsWoche: Herr te Kaat, Deutschlands will eigentlich fünf Prozent aller positiven Corona-Tests auf Varianten überprüfen, doch dieses Ziel wird systematisch verfehlt. Ist das typisch für das Pandemie-Management der Bundesrepublik? 
Kai te Kaat: Es passt ins Bild. Wir erleben jetzt die fünfte Welle, und trotzdem läuft das Krisenmanagement nicht viel besser.

Wiederholt die neue Regierung die Fehler ihrer Vorgänger?
Ich setze große Hoffnungen in den neuen Krisenstab und den Expertenrat. Aber seit der Benennung ist es recht still geworden. Was machen die Gremien genau? Man findet wenig Information. Ich würde mir da mehr Transparenz wünschen.

Haben Sie als Industrievertreter keinen direkten Kontakt zu den Gremien?
Nein. Im Expertenrat ist die Industrie leider nicht vertreten. Ich würde mir wünschen, dass dieses Gremium sich stärker mit Unternehmen austauschen würde. Wir könnten sagen, was machbar ist und was nicht. Die Technik in den Krankenhäusern, Tests, Impfungen - das kommt ja alles von Unternehmen.

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    Womöglich fürchten Politiker und Experten, dass die Industrie vor allem nur in eigener Sache lobbyieren würde?
    Die Industrie ist in der Lage zu sagen, was möglich ist. Wir versuchen, vom Bund bis zu den örtlichen Gesundheitsämtern mit den Verantwortlichen zu sprechen und Vorschläge zur Eindämmung der Pandemie zu machen. Aber es ist oft schwierig, da durchzudringen, denn es gibt eine Flut von Information, die die Leute nicht immer einordnen können. In Großbritannien und den USA ist die Industrie stärker in das Pandemiemanagement eingebunden. 

    Was könnte konkret verbessert werden?
    Aus unserer Sicht ist Österreich ein sehr gutes Beispiel für den Umgang mit Tests. Dort sind PCR-Tests für wenig Geld weithin verfügbar und können zu Hause genutzt werden. Das ist ein guter Weg, um einen Überblick über das Infektionsgeschehen zu bekommen, gerade auch mit Blick auf Kindergärten und Schulen, weil dort ja noch viele ungeschützt sind. Die Diskussion dazu mit der Industrie steht in Deutschland noch aus.

    Erfordert die Omikron-Welle eine Anpassung des Pandemiemanagements?
    Das Variantenmanagement ist wichtig. Bisher hat sich in Deutschland nicht viel geändert, wenn eine neue Variante kam. Die Politik orientiert sich nun eher an der Pandemie-Müdigkeit der Bevölkerung. Ein Beispiel: Die Testpflicht für Geboosterte aufzugeben, ist kontraproduktiv, so lange nicht gesichert ist, dass ein Geboosterter das Virus nicht weiter geben kann.

    Was muss passieren, damit Virusvarianten in Deutschland besser nachverfolgt werden können?
    Der Ausbau der Infrastruktur wäre ein wichtiger Schritt. Bisher haben sich beim Robert Koch-Institut 97 Labore für die Variantenverfolgung akkreditiert, das ist eine überschaubare Zahl. Oft sind diese Sequenzier-Labore weit weg von dem Labor, das den PCR-Test analysiert. Nur wenige Labore machen ja beides. Die Logistik ist da ein Problem, da sie einfach schwierig und kompliziert wird.

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    Länder wie Großbritannien und Dänemark haben eine deutlich höhere Sequenzierungsquote, warum bekommen sie das besser hin?
    Die beiden Länder arbeiten mit zentralen Laboren, auch das wäre eine Möglichkeit in Deutschland, etwa ein großes Zentrum in Berlin oder zentrale Labore in den Bundesländern. Vom Krisenstab und dem Expertenrat würde ich erwarten, dass sie die Lücken im Pandemiemanagement ansehen – und dann gezielt schließen.

    Mehr zum Thema: Ja, die Infektionszahlen steigen. Doch vieles läuft besser oder weniger dramatisch als erwartet. Am Ende könnte die Omikron-Variante sogar dafür sorgen, dass die Pandemie zu Ende geht.

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