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Personalprobleme der Bundeswehr Lieber Spaziergänge statt Gewaltmärsche

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Bedenkliche Bewerberquoten

„Die Bewerberlage nähert sich dem Stadium, in dem sie das Label "Bestenauslese" kaum noch verdient“, heißt es dazu beim Deutschen Bundeswehrverband. „Das Verhältnis von Bewerbern zu Einstellungen ist bei den Offizieren - immerhin die höchste militärische Laufbahn - fünf zu eins. Bei den Mannschaften ist es schon zwei zu eins. Darunter sind viele sehr gute Leute, aber jedes Unternehmen würde eine solche Bewerberquote für bedenklich halten.“

Bescheidener, was die körperlichen Leistungen ihrer Soldaten angeht, wurde die Bundeswehr schon kurz vor dem Aussetzen der Wehrpflicht. Statt des alljährlichen Physical Fitness Tests (PFT) müssen Soldaten nun nur noch den Basic Fitness Test absolvieren.

Der PFT verlangte den Soldatinnen und Soldaten einiges ab: Ein Pendellauf (vier mal eine Strecke von Metern), 40 Sekunden Situps, 40 Sekunden Liegestützen, Weitsprung aus dem Stand, einen Zwölf-Minuten-Lauf („Cooper-Test“) und Fahrradfahren auf dem Ergometer. All das mit anspruchsvollen Vorgaben. Der Soldat hatte den Test nur bestanden und galt als “körperlich leistungsfähig”, wenn er zum Beispiel in vierzig Sekunden mindestens 16 Liegestütze schaffte.

Bei diesen Rüstungsprojekten lief es gar nicht rund
Airbus A400M Quelle: REUTERS
Ein Radpanzer vom Typ Boxer Quelle: dapd
Eurofighter Quelle: REUTERS
Euro Hawk Quelle: dpa
Fregatte 125 Quelle: dpa/dpaweb
Korvette 130 (ThyssenKrupp, Tognum/Rolls-Royce) Quelle: Creative Commons - Torsten Bätge
METEOR Quelle: public domain, IFCAR

Seit 2010 gibt es nur noch den Basis Fitness Test. Aus sechs Sport-Aufgaben sind drei geworden: Ein 11 mal 10 Meter-Sprinttest, Klimmhang für mindestens 5 Sekunden und entweder 3000-Meter mit dem Fahrradergometer in maximal 6 Minuten und 30 Sekunden oder 1000 Meter Dauerlauf  in maximal 6 Minuten und 30 Sekunden.

Auch im laufenden Ausbildungs- und Übungsbetrieb ist man bescheiden geworden. Von 1996 bis 2009 gehörte das AMILA, das „Allgemeine Militärische Ausdauertraining“ zum Alltag jedes Heeressoldaten.

Zwei Mal pro Jahr musste jeder mit zehn Kilogramm Marschgepäck auf dem Buckel je nach Truppengattung 20, 25 oder 30 Kilometer marschieren. Doch die fitte Truppe, die sich der damalige Heeresinspekteur Generalleutnant Helmut Willmann gewünscht hatte, machte allzu vielen Soldaten schwere Probleme.

2010 schaffte Deutschlands damals höchster Soldat, General Wolfgang Schneiderhan, das AMILA per Weisung ab und ersetzte es durch einen einzigen Sechs-Kilometer-Marsch im Jahr mit 15 Kilogramm Gerödel. Den darf nun jeder Heeressoldat in höchstens einer Stunde bewältigen. Solch ein längerer Spaziergang ist selbst für einen rüstigen Rentner keine besondere Herausforderung.

Grüne fordern gründliche Bestandsaufnahme bei der Bundeswehr

Auf die Frage, warum statt Märschen nun Spaziergänge in der Truppe angesagt sind, kommt aus dem Verteidigungsministerium zunächst Widerspruch. „Wir setzen nicht generell das Anforderungsprofil herunter“, sagt Angelika Niggemeier-Groben, Oberfeldarzt und Sprecherin für Sanitätsangelegenheiten der Bundeswehr. Man differenziere eben zwischen Basis-Fitness, Soldaten-Grundfitness, Funktions-Fitness und Einsatz-Fitness.

Aber irgendwie ist ihr aber schon klar, dass das im Schnitt eine Herabsenkung der Ansprüche an die Bewerber und Soldaten bedeutet. Sonst müsste sie nicht so eindringlich darauf hinweisen, dass die „gesamte Wirtschaft zunehmend um Fachkräfte“ ringe und „Einstiegshürden und Karrierewege“ überprüfe.

„Deswegen muss auch die Bundeswehr - nicht nur bei körperlichen Anforderungen - aufpassen, dass sie keine unnötigen Abbruchkanten oder Ausschlusskriterien zulässt.“ Die Bundeswehr müsse vermeiden, „attraktive Laufbahnen für Bewerber mit interessanten anderen Qualifikationen unmöglich“ zu machen.

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