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Pläne der Flugsicherung Umstrittene Drittgeschäfte im Ausland

Ein Mitarbeiter im Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung. Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH/dpa Quelle: dpa

Die Deutsche Flugsicherung will ihr Auslandsgeschäft ausweiten. Bei den Grünen trifft das auf heftige Kritik – auch wegen zuletzt niedriger Umsatzrenditen.

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Die Deutsche Flugsicherung, eine hundertprozentige Tochter des Bundes, ist Kritik durchaus gewohnt. Immer wieder mussten sich die Fluglotsen in den vergangenen Jahren gegen den Vorwurf wehren, allein für das Chaos an Deutschlands Flughäfen im hitzigen Sommerreiseverkehr verantwortlich zu sein. Die Coronapandemie sorgt jetzt dafür, dass sich zumindest die zuletzt knappe Personalsituation entspannt. Schließlich erwartet die gesamte Branche für die kommenden Jahre weniger Flugverkehr. Dennoch will die Flugsicherung ihr Geschäft ausweiten – was in der Hauptstadt nicht jeder für eine gute Idee hält.

Umstritten sind bei der Opposition die Drittgeschäfte im Ausland. „Die Deutsche Flugsicherung sollte sich auf ihr Kerngeschäft in Deutschland konzentrieren“, kritisiert Sven-Christian Kindler, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Für die Ausweitung der Geschäftstätigkeiten auf den gesamten Globus liege kein wichtiges Bundesinteresse vor. „Es verstößt daher gegen die Bundeshaushaltsordnung.“ Die Bundesregierung müsse weiteren internationalen Aktivitäten des Managements, die bereits in den Schubladen lägen, einen Riegel vorschieben.

Kindler hat sich die bisherigen Geschäfte der Flugsicherung im Ausland genauer angesehen, die zum Beispiel in Bahrein vergangenes Jahr 11,6 Millionen Euro umsetzte, oder sich derzeit in Spanien an einer Ausschreibung für Flugsicherungsleistungen an Regionalflughäfen beteiligt. Kindler stört, dass es sich dabei um risikoreiche Investitionsfelder handle, „die bislang weit hinter den Renditeerwartungen des Managements zurückbleiben“.

So war etwa die Umsatzrendite im Drittgeschäft in zwei der vergangen vier Jahre negativ. „Die DFS braucht kein internationales Standbein, bei dem sie mit vielen Millionen Euro Steuergeldern ins Risiko geht“, sagt Kindler. Die Flugsicherheit in Deutschland sichere und verbessere man am besten in Deutschland.

Die Flugsicherung selbst erklärt die geringen bis negativen Renditen der vergangenen Jahre mit Investitionen in den Aufbau des neuen Geschäftsfeldes sowie Unterstützungsleistungen für den Betrieb von Drohnen. Die Flugsicherung sammle auch im Drittgeschäft „wertvolle Erfahrungen, die sie im Kerngeschäft nutzen kann“, heißt es in einer Stellungnahme für die WirtschaftsWoche. Zudem sorgten die Aktivitäten im Ausland zu einer Entlastung der Gebühren für Luftraumnutzer in Deutschland.

Aufgrund der starren Vorgaben durch die Regulierung im Kerngeschäft biete nur das Drittgeschäft für die Flugsicherung die Möglichkeit, „zusätzliche Erlöse für Wachstum zu generieren, um das Eigenkapital zu stärken sowie neue Entwicklungen, Technologien und Innovationen voranzutreiben“, so die Flugsicherung weiter. Der Grüne Kindler sieht das anders. Er befürchtet, dass es am Ende so ausgeht wie bei einem anderen Tochterkonzern der Bundesrepublik: Bei der Deutschen Bahn prüfen sie schon länger, ihr Auslandsgeschäft wieder zu verkaufen.

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