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Standort DeutschlandKrisenmüdigkeit vs. Neuanfang: Unternehmen müssen umdenken

Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise. Nicht zum ersten Mal, aber grundlegender als bisher. Woran liegt das?Laura Thalmeyer 19.03.2025 - 11:27 Uhr
Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Podcast Chefgespräch

Roland-Berger-Chef Schaible: „Ich hab einmal in meinem Leben eine Bewerbung geschrieben“

14.03.2025 von Varinia Bernau
Abspielen 46:44

Coronapandemie, russischer Angriffskrieg und nun der Handelskrieg mit den USA. Die Wirtschaft ächzt unter Jahren der Krisen. Um all das Drama in den Griff zu bekommen, hat der Bundestag jetzt Milliardenschulden für Verteidigung und Infrastruktur gebilligt. Eine Entscheidung, die Deutschland auf Jahrzehnte prägen wird. Und nun?

Einer, der viele Krisen von der weltweiten Finanzkrise bis zur aktuellen hautnah miterlebt hat, ist Stefan Schaible. Seit fast 30 Jahren ist er bei Roland Berger, einer Beratungsgesellschaft, die für Sanierungs- und Restrukturierungsthemen steht. Er kann das Gejammere in Unternehmen nicht mehr hören und ist überzeugt, dass wir in Deutschland wieder mehr Zuversicht und Eifer brauchen. Der Unterschied zwischen der aktuellen und den bisherigen Krisen ist nach Schaibles Einschätzung „fundamental“.

Corona, Ukraine, Energiekrise: Erschöpfung in den Belegschaften?

„Bei vorherigen Krisen hat man eine starke konjunkturelle Dimension gehabt“, sagt der Unternehmensberater im aktuellen „Chefgespräch“, einem Podcast der WirtschaftsWoche. Bei der Finanzkrise zum Beispiel seien im Hintergrund Banken zusammengebrochen. „Was wir jetzt in Deutschland und in weiten Teilen Europas haben, ist eine Strukturkrise.“

Nun liege es an der Wirtschaft, für Wachstum zu sorgen, und an der Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Menschen wieder zum Anpacken zu motivieren. „Wir haben das Handwerkszeug, das zu machen, aber es wird jetzt wirklich Zeit“, betont Schaible. „Vor allem im industriellen Bereich sind die Herausforderungen groß. Und das ist ein sehr wichtiges Segment für unseren Wohlstand.“

Das Bewusstsein dafür, so Schaibles Diagnose, sei durchaus vorhanden. Nicht ganz so zuversichtlich hingegen zeigt sich Arno Haselhorst, Chef der Beratungsgesellschaft Haselhorst Associates. Wichtige Schritte der Krisenbewältigung blieben in vielen Unternehmen bislang noch aus, beobachtet er: „Sie müssen den Krisenmodus erstmal vollumfänglich annehmen, sich offensiv stellen und deutlich konsequenter angehen.“

In vielen Unternehmen, so die Erfahrung des Restrukturierers, zeige sich nach den wirtschaftlichen Problemen im Zuge der Coronapandemie und des russischen Angriffskriegs in der Ukraine eine gewisse Erschöpfung. Und manche würden dies auch als Erklärung für ihre wirtschaftlichen Probleme heranziehen – ohne die tieferliegenden Ursachen zu erkennen und erst recht anzugehen. Sie müssten, so Haselhorsts Befund, ihr Geschäftsmodell grundlegend überdenken. Denn im Vergleich zu früheren Krisen sei die aktuelle „sehr viel weitreichender“.

Über die letzten Jahre sei Deutschland viele Probleme nicht konsequent genug angegangen, wie unter anderem die fehlende Digitalisierung, Rohstoffabhängigkeiten und Bürokratieabbau. Nun verschärfen es die globalen Krisen, die nationalen Herausforderungen zusätzlich. 

Raus aus dem Krisenmodus

Stattdessen hofften viele Firmen, mit halbherzigen Maßnahmen, häufig auch aus Angst, nach Jahren des Wirtschaftswachstums einfach weitermachen zu können. „Viele sitzen immer noch da wie das Kaninchen vor der Schlange“, sagt Haselhorst. „Die meisten Unternehmen scheuen sich noch immer vor konsequenten Restrukturierungs- und Transformationsschritten.“ Aber die Substanz sei vielerorts langsam aufgezehrt, um die nächste Krise zu überstehen.

Erschöpfung in den Belegschaften und im Management in Folge der multiplen Krisen sieht Schaible nicht. Er beobachtet allerdings auch Unsicherheit und „manchmal Furcht vor der Frage, was ist eigentlich der richtige Weg, um die Dinge zu tun“. Hinzu kommt seiner Ansicht nach: Der Wettbewerb hat sich stark verändert und ist härter geworden. „Wir haben bürokratische Monster auf EU-Ebene und in Deutschland geschaffen“. Besonders für kleine Unternehmen seien bestimmte Berichtspflichten zum Beispiel im ESG-Bereich nicht zu vertreten.

Als Berater kennt Schaible die Herausforderung, die Belegschaft von notwendigen Umstrukturierungen zu überzeugen. Entscheidend sei dabei die Kommunikation. Nicht von oben herab, sondern mit den Mitarbeitenden zusammen.

Reformen zwingend erforderlich

Die beiden Unternehmensberater sind sich einig: Ohne tiefgreifende Reformen geht es nicht. Steuerliche Anreize, zum Beispiel bei der Einkommenssteuer oder Unternehmenssteuer und bürokratische Entlastungen seien notwendig, um eine „Dynamik“ auszulösen, sagt Schaible. „Wenn die nächste Regierung nicht harte Reformen durchzieht, dann rutschen wir in Verhältnisse wie in Österreich rein und dann wird eine Mehrheitsfindung sehr schwierig.“ Die nächsten vier Jahre, die nun vor einer neuen Bundesregierung liegen, seien entscheidend.

Haselhorst, eigentlich ein Verfechter der Schuldenbremse, findet dennoch, dass die Investitionspläne, die Union und SPD jetzt mithilfe der Grünen noch durchgebracht haben, „zwingend erforderlich“ sind. Damit „Deutschland als wichtigstes Industrieland in Europa auch wieder nach vorne gehen und eine gewisse Zugkraft entwickeln kann“. Dennoch hofft er, dass das Geld im Bundeshaushalt künftig umverteilt wird, damit keine durch Schulden finanzierte Sondervermögen mehr nötig sind.

Lesen Sie auch: Die nächste Regierung kann sich auf 267 Milliarden Euro extra freuen

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