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SubventionenÖkonom warnt vor Industriestrompreis: „Das heißt, andere müssen mehr sparen“

Ein vergünstigter Strompreis für die Industrie dürfte den Bundeshaushalt teuer zu stehen kommen. Die Subvention könnte aber auch in Europa zu Verwerfungen und Ungerechtigkeiten führen, warnt Energieökonom Zachmann.Cordula Tutt 02.11.2023 - 12:28 Uhr

Viele sehen einen subventionierten Industriestrompreis als problematisch

Foto: imago images

WirtschaftsWoche: Herr Zachmann, die deutschen Ministerpräsidenten wollen den verbilligten Industriestrom, den auch Wirtschaftsminister Habeck anstrebt. Hat die Subvention denn bei der EU-Kommission eine Chance, die ja einheitliche Regeln in Europas Binnenmarkt durchsetzen soll?
Georg Zachmann: Kurz vor der Europawahl im nächsten Jahr rechnen die Mitgliedsstaaten mit großem Entgegenkommen der EU-Kommission. Das könnte große Zugeständnisse für die Pläne zum deutschen Industriestrom bedeuten, dann aber auch gegenüber den Wünschen anderer Länder. Am Ende könnte von einem effektiven Binnenmarkt nicht mehr viel übrig bleiben. Dann beanspruchen Polen und Italien andere Ausnahmen für ihre Industrie und alle anderen auch.

Warum ist ein subventionierter Industriestrompreis problematisch für Sie?
Wir haben in den nächsten Jahren nur eine begrenzte Menge günstiger Energie in Europa, weil das russische Gas weggefallen ist und konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen. So schnell werden das die Erneuerbaren nicht ausgleichen. Das macht Strom teuer und müsste eigentlich den Anreiz zum Sparen erhöhen.

Zur Person
Georg Zachmann (44) ist Energiemarktexperte und Senior Fellow der Denkfabrik Bruegel-Institut  in Brüssel. Der Ökonom arbeitete bereits im Bundesfinanzministerium in Berlin und fürs Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Was sind die Auswirkungen von vergünstigtem Strom für die deutsche Industrie in Europa?
Wenn jetzt die Industrie in Deutschland billigeren Strom bekommt, obwohl er eigentlich teurer sein müsste als vorher, dann hat das Auswirkungen auf viele andere. Die subventionierten Unternehmen haben wenig Anreiz zum Stromsparen oder zu Produktionsverlagerungen. Das heißt, andere müssen mehr sparen – und die Knappheit wird sich auch in höhere Energiepreise niederschlagen. Das trifft andere Industriesparten, das trifft private Haushalte und auch die Verbraucher und Unternehmen in anderen EU-Ländern. Grob gesprochen lassen die Deutschen durch ihren höheren Verbrauch die Strompreise in Italien zusätzlich steigen. Dann steigen aber auch die Energiepreise für den Maschinenbau, weil metallerzeugende Unternehmen subventioniert werden.

Wer verliert dabei?
Das bringt Verwerfungen mit sich. Europäische Industriefirmen nennen als größte Konkurrenz nicht amerikanische Unternehmen, der größte Wettbewerb besteht zwischen Standorten eines Unternehmensverbundes innerhalb der EU. Dann könnte Tarent in Italien dichtgemacht werden, während Eisenhüttenstadt besser ausgelastet wird.

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