Wohnungsbaukrise: „Von einem Wohnungsmarkt sind wir meilenweit entfernt“
Wohnungen werden dringend benötigt, doch ihr Bau wird durch Auflagen erschwert.
Foto: imago imagesDie Wut der mittelständischen Vermieter nimmt in Deutschland zu. Bürokratieabbau? Nicht zu spüren. Statt dessen müssen sich Bauwillige, die ein Zinshaus mit vier bis sechs Wohnungen oder ein Eigenheim errichten wollen, weiter „mit aberwitzigen Vorschriften“ herumplagen, sagt der Präsident von Haus & Grund Deutschland, Kai Warnecke. Das treibe wiederum die Kosten mit in aberwitzige Höhen.
Bauen ist für Warnecke inzwischen so teuer, dass er mit einem weiteren Einbruch beim ohnehin schwer angeschlagenen Wohnungsneubau rechnet. „Für 2025 sind nach unseren Beobachtungen an der Mitgliederbasis 175.000 neue Wohnungen realistisch.“ Danach würde sich die Wohnungsnot in Deutschland weiter verschärfen. Um diese zu lindern, hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu Beginn seiner Amtszeit das Ziel von 400.000 Einheiten jährlich ausgerufen. In diesem Jahr dürfte das Ziel auch verfehlt werden; Schätzungen zufolge sind 250.000 neue Wohnungen realistisch.
Wohnungsmarkt – welcher Markt?
Die Prognose von Haus & Grund hat Gewicht. Die Zahl der Mitglieder liegt inzwischen bei mehr als 935.000. Insgesamt verfügen die privaten Eigentümer laut Verband über gut 33 Millionen Wohnungen, also mehr als 80 Prozent des gesamten Bestandes. Die vielen Mittelständler, oft Handwerker und Selbstständige, die ihre Alterssicherung in Betongold anlegen, stellen damit die großen Wohnungskonzerne wie Vonovia vom Gesamtvolumen in den Schatten.
Und Verbandschef Warnecke hat das Ohr nah bei denen, die Deutschland aus der Wohnungsnot herausführen könnten. Umso so ernster muss die Regierung seine Aussagen zum Wohnungsmarkt nehmen.
Wohnungs-Markt? Warnecke muss gallig lachen. „Von einem Markt sind wir meilenweit entfernt.“ Gerade dort, wo ein bisschen Markt dringend nötig sei – in Ballungsgebieten –, da sorgten Mietpreisbremsen für Bloß-nicht-Bauen-Signale.
Habecks Heizgesetz: „Das muss sofort weg“
Statt Überregulierung brauche die Branche dringend weniger Vorschriften. Zuallererst fällt Warnecke das Gebäudeenergiegesetz von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ein. „Das muss ganz weg!“ Statt dessen plädiert er für eine CO2-Bepreisung des Energieverbrauchs in Verbindung mit einem ausgleichenden Klimageld.
Viele Vorschriften beim Wohnungsbau könnten ebenfalls sofort weg. Ohne dass Sicherheitsstandards gefährdet würden. Beispiel? Warnecke liefert: „Warum müssen in einem Kinderzimmer mit 12 Quadratmetern mindestens acht Steckdosen verbaut werden?“ Für seinen Geschmack würden auch vier Dosen reichen – jedem nach seiner Façon. Auf jeden Fall könne diese Vorschrift weg, sagt er.
Und noch viel mehr: „Alle DIN-Normen, die nicht dem Lärmschutz und der Sicherheit dienen, sollten gestrichen werden, da sie die Kosten unnötig in die Höhe treiben.“ Möglichen Kritikern kontert er vorab: „Das hat nichts mit Neoliberalismus zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand.“
Baut ein richtiges Bauministerium!
Dafür bräuchte es auch ein Bundesbauministerium, das diesen Namen auch verdient. Für Warnecke ist das jetzige Ministerium nur ein Torso. Wichtige Kompetenzen zum energetischen Sanieren und Heizen seien beim Wirtschaftsministerium angesiedelt. Dies macht inzwischen aber einen großen Teil der Mietneben- und Baukosten aus.
Auch bei den Fördermitteln, insbesondere KfW-Geldern, habe Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Hand drauf. Da fehle schmerzlich die Kompetenz von Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD). Schließlich sei es nötig, die einzelnen Landesbauordnungen bundesweit zu harmonisieren – im Bauministerium. Aber unter den gegebenen schlechten Bedingungen – „da muss Ministerin Geywitz ja scheitern“, bedauert Warnecke.
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