Wolfgang Grupp: „Die Union hat die Protestwähler ignoriert“
Trigema-Chef Wolfgang Grupp.
Foto: WirtschaftsWocheWirtschaftsWoche Online: Herr Grupp, Sie sind bekennender und langjähriger CDU-Wähler. Wie sehr schmerzt Sie das schlechte Abschneiden der Union?
Wolfgang Grupp: Es schmerzt mich nicht, denn das Ergebnis war zu erwarten. Die Flüchtlingspolitik war nicht stringent genug. Deshalb wurde die AfD auch nicht von überzeugten AfD-Anhängern gewählt, sondern hat sehr viele Protestwähler von der CDU bekommen. Überrascht hat mich die Euphorie, die die Union selbst vor der Wahl verbreitet hat, denn diese habe ich bei den Wählern nicht gesehen.
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hatten Sie aus Enttäuschung über Angela Merkels Flüchtlingspolitik grün gewählt. Hat die Union Sie zurückgewonnen oder sitzt die Enttäuschung immer noch zu tief?
Ich bin ein geborener CDU-Wähler, habe aber mit der Zweitstimme die FDP gewählt. Ich habe gehofft, dass die Union mit der neuen FDP gestärkt wird und es für Schwarz-Gelb reicht. Das war aber nicht der Fall, weil die Union die Protestwähler, deren hohe Anzahl sich früh abgezeichnet hat, ignoriert hat. Wenn gut integrierte Flüchtlinge schnell abgeschoben werden, zugleich aber Fälle wie „Anis Amri“ durch die Medien geistern, bleiben zu viele Ungereimtheiten. Und die wurden nicht annährend ausgeräumt. Ich muss Probleme lösen und nicht ewig diskutieren.
Nach dem Wahl-Beben gibt es nur zwei mögliche Regierungen: die große Koalition oder Jamaika. Doch die SPD hat einem erneuten Bündnis mit der Union schon eine Absage erteilt. Mal sehen, ob SPD-Chef Martin Schulz hart bleibt. Aber sollte es mit CDU, CSU, FDP und Grünen klappen, wer würde dann Deutschland im Kabinett Merkel IV regieren? Eine Übersicht.
Foto: dpaAngela Merkel (CDU/63):
Bleibt Kanzlerin. Auch wenn ihre CDU über acht Prozentpunkte gegenüber 2013 einbüßte. Merkel dürfte pragmatisch sein. Kohle-Ausstieg? Könnten die Grünen bekommen. Ausstieg aus Diesel und Benziner? Eher nicht. Da würden ihr CSU-Chef Horst Seehofer und die Autolobby aufs Dach steigen. Apropos Seehofer. Er stürzte in Bayern unter 40 Prozent mit der CSU ab. Ein Jahr vor der Landtagswahl könnte es ihm besonders schwerfallen, mit den Grünen in Berlin zu regieren. Das schränkt Merkels Beinfreiheit ein. Aus dem CDU-Präsidium verlautet, Merkel wolle auf jeden Fall die neue Regierung in ruhiges Fahrwasser führen. Vielleicht leite sie zur Mitte der Wahlperiode einen Wechsel ein oder gebe den Parteivorsitz 2020 ab und mache den Weg frei für die Nachfolge zur nächsten Wahl.
Wolfgang Schäuble (CDU/75):
Die FDP dürfte in Koalitionsverhandlungen Anspruch auf das Finanzministerium erheben. Die Lammert-Nachfolge als Bundestagspräsident dürfte für Schäuble eine ernsthafte Option sein. Der dienstälteste Abgeordnete gilt als leidenschaftlicher Parlamentarier. Von den vielen Spitzenämtern, die Schäuble in der Vergangenheit ausgeübt hatte, dürfte ihm der Fraktionsvorsitz bei der Union am meisten Spaß gemacht haben. Schäuble ist aber auch jemand, der gern regiert und gestaltet. Und der Umbau der Euro-Zone ist in den nächsten Jahren eine schwierige und reizvolle Aufgabe.
Ursula von der Leyen (CDU/58):
Ihr PR-getriebener Umgang beim Bundeswehr-Skandal um rechte Umtriebe in der Truppe hat ihr Macherin-Image angekratzt. Seitdem begegnen ihr viele in der Bundeswehr mit Misstrauen, sie würde trotzdem gern Verteidigungsministerin bleiben. Eine wichtige Rolle dürfte sie jedenfalls auch in Zukunft spielen.
Peter Altmaier (CDU/59):
Merkels Allzweckwaffe. Auch bei den Verhandlungen über ein Jamaika-Bündnis und darüber hinaus dürfte er eine wichtige Rolle spielen dürfte. Ihm wird jederzeit ein Ministerposten zugetraut.
Joachim Herrmann (CSU/61):
Bayerns Innenminister war der Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl. Ziel von CSU-Chef Horst Seehofer ist es, für Herrmann das Bundesinnenministerium zu „erobern“. Unklar ist, ob das gelingt. Da Herrmann nun trotz seines ersten Listenplatzes kein Bundestagsmandat erhält, dürfte es für ihn noch schwieriger werden.
Thomas de Maizière (CDU/63):
In der Flüchtlingskrise geriet der Innenminister unter Druck, weil es im zuständigen Bundesamt nicht rund lief. Sollte Finanzminister Schäuble doch seinen Posten räumen, könnte de Maizière das Haus der Zahlen reizen. In Sachsen war er von 2001 bis 2002 Finanzminister. Ansonsten vielleicht wieder Manager im Kanzleramt?
Andreas Scheuer (CSU/42):
Sollte die CSU in einer künftigen Koalition drei Ministerien besetzen dürfen, könnte der Generalsekretär von Seehofer mit einem Ministerposten belohnt werden.
Gerd Müller (CSU/62):
Die Arbeit des bisherigen Bundesentwicklungsministers Gerd Müller wird nicht nur CSU-intern sehr geschätzt. Insofern kann der Schwabe durchaus auf eine Verlängerung im Bundeskabinett hoffen.
Christian Lindner (FDP/38):
Der FDP-Chef trat in der „Elefantenrunde“ nach der Wahl selbstbewusst auf. Lindner, der im Muskelshirt die coolste Kampagne aller Spitzenleute organisierte, wird - erst einmal - Fraktionschef der Liberalen im Bundestag.
Wolfgang Kubicki (FDP/65):
Das einstige „enfant terrible“ der FDP verlässt sein heiß geliebtes Schleswig-Holstein, um in den Bundestag zu kommen. Nach Lindner ist er unangefochten die Nummer 2 bei den Liberalen. Der Steuerstrafanwalt traut sich auch das Finanzministerium zu, Wirtschaft oder Innen sind aber auch denkbar.
Alexander Graf Lambsdorff (FDP/55):
Der Liberale mit dem großen Namen ist der Europa-Experte der FDP und einer der Vize-Präsidenten des EU-Parlaments. Wäre für das Außenministerium fachlich prädestiniert, müsste sich aber in Koalitionsverhandlungen erst mal beweisen. Und wer weiß, ob die FDP das Außenamt überhaupt will oder bekommt.
Nicola Beer (FDP/47):
Die ehemalige hessische Kultusministerin könnte für das Bildungsressort infrage kommen. Im Wahlkampf trommelten die Liberalen, Deutschland brauche die weltbeste Bildung. Ihre interne Konkurrentin um den Posten ist die Hamburger FDP-Frontfrau Katja Suding.
Cem Özdemir (GRÜNE/51):
Parteichef will der Spitzenkandidat nicht noch einmal werden. Er gilt schon lange als möglicher Außenminister, aber als Nummer Drei in einer Jamaika-Koalition dürfte das fraglich sein. Sollten nur zwei Ministerien an die Ökopartei gehen, könnte Özdemir kaum mit Co-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt ins Kabinett - der linke Parteiflügel würde einen Posten beanspruchen. In so einem Fall oder wenn Jamaika scheitert, käme der Fraktionsvorsitz für ihn infrage. Die Grünen wollen aber drei Ministerien.
Katrin Göring-Eckardt (GRÜNE/51):
Die Spitzenkandidatin hat im Wahlkampf ein „Superministerium“ für Verbraucher-, Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung gefordert - und das solle grün besetzt werden. Von ihr selbst? In Kombination mit dem Agrar- oder Verkehrsministerium, das zum Beispiel der linksgrüne Fraktionschef ANTON HOFREITER besetzen könnte, könnte die Ökopartei dann etwas bewegen. Abgesehen davon hat Göring-Eckardt ein stark sozialpolitisches Profil, auch das käme infrage. Als mögliche grüne Entwicklungsministerin wird außerdem CLAUDIA ROTH ins Spiel gebracht.
Sie haben Erfahrung mit einer grünen Landesregierung. Können die Grünen auch im Bund mitregieren?
Die Jamaika-Koalition wird kommen. Ich halte eine solche Regierung für machbar und auch nicht schlecht – unter einer Bedingung: Herr Kretschmann, der seinen Job gut macht, muss ein Wort mitreden können und auch auf Bundesebene in der Partei Gehör finden.
Was bedeutet eine Jamaika-Regierung für Unternehmen?
Wir haben keine andere Wahl und müssen mit dem umgehen, was die Politik vorgibt. Wenn ein Problem auf mich zukommt, muss ich das anpacken. Dogmen und Theorien helfen in der Praxis meist wenig. Das hat man auch an Herrn Kretschmann gesehen: Seine Äußerungen aus dem Wahlkampf, zum Beispiel zur Autoindustrie, hat er angepasst, als er in Verantwortung war. Er hat gesehen, dass es nicht so geht, wie er sich das gedacht hat.
Die FDP und die Grünen haben starke Zuwächse verzeichnet und damit auch einen indirekten Auftrag, ihre Themen stark zu vertreten. Deshalb ist es richtig, wenn diese Parteien auch Teil der Regierung sind. Die schwierige Frage wird, wie weit sich die Grünen im Stile eines Herrn Kretschmann anpassen, damit ihre Positionen vertreten sind – wenn auch nicht im Extrem.
Die AfD ist drittstärkste Kraft geworden. Wie müssen Politik und Wirtschaft damit umgehen?
Ich habe damit kein Problem. In dem Moment, in dem die AfD Verantwortung übernehmen muss, wird sie sich anders verhalten. Auch die AfD weiß, dass ihr Grenzen gesetzt sind. Die Protestwähler sind als erste weg, wenn die AfD sich nicht korrekt verhält. Und auch dann, wenn die großen Parteien wieder das tun, was sie tun müssen – die Menschen und ihre Sorgen ernst nehmen.
Wie bewertet ein „geborener CDU-Wähler“ wie Sie das Ergebnis der SPD?
Herr Schulz hat sich korrekt verhalten, denn er hat die Abwahl der großen Koalition akzeptiert. Es wäre fatal, wenn er als zweitstärkste Partei in eine Regierung streben würde. Es ist richtig, in die Opposition zu gehen. Wenn Herr Kubicki ihm das vorhält, verstehe ich das nicht.
Es war keine leichte Frage: Welche Idee würde ich in Deutschland umsetzen, wenn ich die Wahl hätte? Damit zog der Fotograf Stefan-Thomas Kröger durch Deutschland, um 40 Prominente aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach ihren Vorschlägen für ein zukunftsfähiges Deutschland zu fragen. Dann bat er sie, an einem Tisch, wie er hier im Festsaal von Schloss Heiligenberg in Schwaben steht (Foto), Platz zu nehmen für ein Porträt. Herausgekommen sind die Bilder und Wünsche, die Sie auf den folgenden Seiten sehen und nachlesen können.
Das komplette Heft mit Stimmen und Fotos aller Promis können Sie hier herunterladen.
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde vor allem in die Bildung junger Menschen investieren. Durchlässige und damit stabile Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedem – unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund – die Chance auf Bildung geben.“
Ann-Kristin Achleitner, Professorin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TU München
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde unsere kleineren und mittelständischen Unternehmen mit der besten digitalen Infrastruktur ausstatten und ihnen alle nötigen Investitionen ermöglichen, die nötig sind.“
Dorothee Bär, Staatssekretärin, Verkehrsministerium
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die junge Generation wieder für Europa begeistern und ein obligatorisches Schuljahr in einem anderen EU-Land einführen.“
Oliver Bäte, Vorstandschef, Allianz
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich mir mehr Handlungswillen in einigen europäischen Mitgliedstaaten zur Lösung eigener Finanz- und Wirtschaftsprobleme wünschen. Noch so ausgeklügelte Wunschkataloge für ein optimiertes Europa bieten dafür keinen Ersatz. Ob es um mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Beschäftigung, weniger Schulden oder mehr Stabilität der Banken geht – ohne entschlossenes Handeln vor Ort kommen wir nicht zum gemeinsamen Ziel. Es liegt in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, ihre Reformversprechen umzusetzen. Jeder muss seine Aufgaben erledigen – für sich selbst und für Europa.“
Dr. Wolfgang Schäuble, MdB, Bundesminister der Finanzen
Foto: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche„Ich würde den Solidaritätszuschlag in bisheriger Form abschaffen und das Geld für den Ausbau eines bundesweiten 5G-Mobilfunknetzes nutzen. Sobald das erreicht ist, gehört der Soli weg.“
Cornelius Baur, Deutschlandchef, McKinsey
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde zur Unterstützung der lebendigen deutschen Filmkultur und -wirtschaft aufrufen: Das beginnt damit, dass von einem zentralen und attraktiven Film-Haus als Ort der Kreativität und Kommunikation nicht nur geredet wird. Und es hört noch lange nicht auf, wenn man auf europäischer Ebene nicht vergisst, dass es nur etwas zu vermarkten gibt, wenn die einfachsten Rechte der Urheber und Produzenten nicht ignoriert werden.“
Iris Berben, Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Europa wieder einigen, im Geist von Lissabon und Maastricht voll funktionsfähig machen und alle Europäer vom EU-Projekt überzeugen – auch emotional.“
Roland Berger, Gründer der Beratung Roland Berger
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Beleuchtung hierzulande komplett auf LED umstellen. Die Hunderte Millionen Einsparungen dadurch wiederum stünden zur Verfügung für Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur.“
Olaf Berlien, Vorstandschef, Osram
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde eine Datenethikkommission ins Leben rufen. Die klügsten Köpfe Europas sollen sich zusammensetzen und Leitlinien definieren, wie wir ethisch mit der zunehmenden Automatisierung in Arbeit und Leben umgehen.“
Julia Bösch, Chefin von Outfittery
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde #EU27 stabilisieren, für Frieden, Freiheit und Wohlstand in Deutschland und Europa!“
Christine Bortenlänger, Chefin Deutsches Aktieninstitut
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde einen Lebenschancenkredit für jeden Menschen in Deutschland schaffen. Jede(r) würde im Alter von 18 Jahren ein Guthaben von 20.000 Euro bekommen und dieses Geld flexibel und zum selbst gewählten Zeitpunkt einsetzen können; für Bildung, um eine Auszeit zu nehmen oder zur Absicherung sozialer Risiken.“
Marcel Fratzscher, Ökonom und Präsident DIW
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze abschaffen und Haushalte mit niedrigen Einkommen durch Anpassungen bei der Einkommensteuer und bei den Sozialtransfers kompensieren. Das wäre ein großer Schritt in Richtung Vereinfachung des Steuersystems.“
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde den Fokus der deutschen Familien- und Sozialpolitik auf die richten, die selbst viel zu oft keine Stimme haben. 2,5 Millionen Kinder sind im reichen Deutschland von Armut betroffen. Das darf doch nicht sein!“
Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin Die Grünen
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde das Prinzip von Risiko und Haftung wieder zur Geltung bringen, moralisch und rechtlich. Leistung darf honoriert werden, aber Fehlleistung kann nicht auch noch belohnt werden.“
Wolfgang Grupp, Unternehmer, Trigema
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde den Kinderrechten Verfassungsrang geben, um ein Fundament für ein kinderfreundlicheres Deutschland zu legen.“
Jürgen Heraeus, Vorsitzender UNICEF Deutschland
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die steuerliche Forschungsförderung endlich einführen. Wer nicht bereit ist, unbegrenzt in F&E zu investieren, sägt den Ast ab, auf dem wir alle sitzen.“
Sabine Herold, Geschäftsführende Gesellschafterin, Delo
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde unsere Schulen um Digitallabore ergänzen, um Zukunft auszuprobieren und zu gestalten.“
Heinrich Hiesinger, Vorstandschef, Thyssenkrupp
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Deutschland sollte die Chancen des digitalen Wandels nutzen, ohne die Sorgen der Beschäftigten zu ignorieren. Sichere Jobs, selbstbestimmte Arbeitszeiten und Bildung sind die Schlüssel zu guter Arbeit 4.0.“
Jörg Hofmann, IG-Metall-Chef
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde mit Regierung wie Zivilgesellschaft eine demokratische und tragfähige europäische Architektur für den Euro-Raum schaffen. “
Gustav Horn, Direktor Hans-Böckler-Stiftung
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde eine inklusive digitale Gesellschaft gestalten, mit digitaler Bildung ab der Grundschule, papierloser Verwaltung und mit einer mutigen Innovationskultur.“
Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Europa stärken, für Freihandel und Unternehmergeist werben – und gemeinsam mit Gleichgesinnten weltweit Mauern in den Köpfen einreißen.“
Ingo Kramer, Arbeitgeberpräsident
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde den überflüssigen Bürokratismus wegzaubern, um Menschen einfach wieder machen zu lassen!“
Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Informatik zum Pflichtfach machen. Wir müssen Kinder für den Arbeitsmarkt von heute vorbereiten.“
Ijad Madisch, Gründer, Researchgate
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Deutschland gemeinsam mit Frankreich die Europäische Union in eine neue Ära von Verantwortung und Zusammenarbeit führen lassen – und zwar mit mehr Europa, nicht weniger.“
Sylvie Matherat, Vorstandsmitglied, Deutsche Bank
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die längst überfällige Einkommensteuerreform durchführen. Wobei ich eine moderate Anhebung des Spitzensteuersatzes mit der Erwartung verbinde, dass die maximale Progression erst bei 75.000 Euro pro Verdiener einsetzt.“
Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef, Commerzbank
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde gern allen Menschen in Deutschland schon beim Start ins Arbeitsleben mit dem Persönlichen Erwerbstätigenkonto eine staatlich bezahlte Auszeit mit auf den Weg geben, etwa für eine Weiterbildung, Selbstständigkeit oder ehrenamtliches Engagement.“
Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„... würde ich Ängste abbauen. Wir müssen beispielsweise Menschen Angst vor Technologie nehmen, denn sie kann Gutes bewirken. Dafür ist es wichtig, dass man in der Schule Neugierde weckt – etwa fürs Coden. Um meine Lieblingsphysikerin Marie Curie zu zitieren: Es gibt nichts zu fürchten, sondern nur zu verstehen.“
Claudia Nemat, Vorstandsmitglied, Deutsche Telekom
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Künstler, Philosophen, Intellektuelle einerseits und Manager, Firmenbosse und Wirtschaftspolitiker andererseits an einen Tisch bringen wollen. Eine viel stärkere Beteiligung der Geistesmenschen in den Belangen der Ökonomieleute – und umgekehrt – scheint mir höchst reizvoll.“
Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde in Breitbandinternet für alle investieren. Wir brauchen dringend einen massiven Ausbau der digitalen Infrastruktur, um im internationalen Vergleich vom Mittelmaß auf die vorderen Plätze zu gelangen. Ich sehe die Digitalisierung als Chance für unsere Gesellschaft.“
Kasper Rorsted, Vorstandschef, Adidas
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die EZB mit neuen EU-Verträgen an die Kandare nehmen, die EU-Grenzen sichern und dem Euro eine Konkursordnung für Staaten nebst Austrittsregeln geben.“
Hans-Werner Sinn, Ökonom und Ex-ifo-Präsident
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Menschen unmissverständlich darüber ins Bild setzen, um was es wirklich geht. Wir haben kein Energieproblem, sondern ein CO2-Problem. Wir brauchen deshalb schnellstmöglich ein völliges Verbot aller fossilen Brennstoffe.“
Werner Sobek, Bauingenieur, Werner Sobek Group
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Sozialausgaben auf den Prüfstand stellen. Es geht nicht darum, Menschen möglichst umfassend zu alimentieren, sondern darum, das Für-sich-selber- Sorgen und damit Freiheit zu ermöglichen.“
Jens Spahn, Staatssekretär, Bundesfinanzministerium
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde dafür werben, dass Unternehmen scheitern können. Auch große. Nur so hat das Bessere, Lebendige, Zukunftsfähige eine Chance. Gebt uns das Risiko zurück!“
Reinhard Sprenger, Autor und Managementberater
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Deutschland mit einer Agenda 2020 zum innovativsten und mutigsten Land der Welt machen.“
Frank Thelen, Geschäftsführer, Frank Thelen Capital
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde ein klares Bekenntnis für einen fairen und offenen Handel abgeben.“
Clemens Tönnies, Unternehmer, Tönnies Holding
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die betriebliche Altersversorgung für alle Arbeitnehmer in Deutschland obligatorisch einführen. Arbeitnehmer müssen künftig mindestens automatisch an einer Entgeltumwandlung teilnehmen und so einen Teil ihres Gehalts in die Altersvorsorge investieren.“
Friedrich von Metzler, Gesellschafter, Bankhaus Metzler
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde einen Euro-Finanzminister samt Euro-Budget und klaren Regeln installieren.“
Carola von Schmettow, Deutschlandchefin, HSBC
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde die Marktmacht und den politischen Einfluss großer Konzerne eindämmen und Unternehmensgründer durch öffentliches Wagniskapital fördern.“
Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende, Die Linke
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde nicht nur ‚Digitalisierung‘ predigen, sondern auch danach handeln. Die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitssystem sind unterdigitalisiert und benötigen dringend einen Innovationsschub.“
Achim Wambach, Ökonom und ZEW-Präsident
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde Kreativität und Mut im Denken unserer Kinder fördern. Bedingungen hierfür sind ein weniger hierarchisches Bildungssystem, das Ende der Begrenzung durch Fachsilos und ein von Neugier getragener Entdeckergeist hin zu Möglichkeiten, die der digitale Wandel für uns bereit hält.“
Jeannette zu Fürstenberg, Geschäftsführerin, La Famiglia
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche„Ich würde dafür sorgen, dass Frauen tatsächlich mit 50 Prozent in Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft vertreten wären.“
Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWocheFotograf Stefan-Thomas Kröger zog durch Deutschland, um 40 Prominente aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach ihren Vorschlägen für ein zukunftsfähiges Deutschland zu fragen. Einen Streifzug durch ein schillerndes Regierungsprogramm können Sie auch hier nachlesen.
Foto: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche
Was muss die nächste Regierung aus Ihrer Sicht dringend angehen?
Um die Lage wieder zu beruhigen und den Protestparteien Wind aus den Segeln zu nehmen, muss eine strengere Flüchtlingspolitik durchgesetzt werden. Wir müssen echte Flüchtlinge aufnehmen und ihnen eine Chance bieten. Und wenn die Herkunftsländer wieder sicher sind, müssen wir sie auch zurückschicken können. Bei den Schein-Flüchtlingen müssen wir aber durchgreifen.
Zugleich müssen wir aber auch die Chance begreifen: Unsere Wirtschaft braucht Fachkräfte, die wir im Inland nicht finden. Bei uns arbeiten 28 Flüchtlinge, die ich gar nicht mehr abgeben will. Sie sind anständig und fallen keinem zur Last. Wir müssen aber auch klar sagen: Wer sich nicht an die Spielregeln hält, der darf nicht mitspielen. Da war die Politik am Anfang zu großzügig und muss jetzt stringenter sein.