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Zolldeal mit Donald TrumEuropa verliert die Kontrolle über seine eigene Wertschöpfung

Europas Zolldeal mit Donald Trump zeigt: Wer nicht über eigene Souveränität verfügt, wird dauerhaft zum geopolitischen Juniorpartner. Wie sich das ändern kann. Ein Gastbeitrag.Zoe Fabian, Hanno Renner, Raffael Wohlgensinger 07.08.2025 - 16:57 Uhr
War wirklich nicht mehr drin? 15 Prozent Zölle werden künftig fällig auf EU-Importe in den USA. Doch einige Details des Deals zwischen Ursula von der Leyen und Donald Trump sind weiter offen. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Was ist da nur mit Europa los? Der Trump-Deal offenbart schonungslos unsere Schwäche. Es ist ein Deal aus der Defensive, schöngeredet mit: „Immerhin besser als 30 Prozent“. Aber das kann doch nicht unser Maßstab sein. Wir müssen globalen Führungsanspruch haben! Und hier wurde verhandelt ohne echte Machtbasis – wirtschaftlich, militärisch, technologisch.

Europa ist abhängig: vom US-Schutzschirm in der NATO, von amerikanischen Cloud-Diensten, von fremden KI-Basistechnologien. Selbst als größter Binnenmarkt der Welt verhandelt man nicht auf Augenhöhe, wenn man selbst keine strategischen Assets an den Tisch bringt.

Man muss nicht „gefürchtet“ werden, wie Macron meint. Aber wer nicht über eigene Souveränität verfügt, wird dauerhaft zum geopolitischen Juniorpartner – am Verhandlungstisch und im globalen Wettbewerb.

Zu den Personen
Zoe Fabian ist Vizechefin des Start-up-Verbands und General Partner von Noteus Partners.
Hanno Renner ist Co-Founder und CEO der Personio GmbH.
Raffael Wohlgensinger ist Founder und CEO von Formo.

Zu lange hat Europa von der Substanz gelebt 

Und das geht nur mit Innovation. Zu lange haben wir in Europa von der Substanz gelebt. Die USA zeigen uns, was passiert, wenn man eine starke Digitalwirtschaft mit Wachstum, Kapital und Mut kombiniert: wirtschaftliche Stärke, strategischer Spielraum, globale Einflussmöglichkeiten. Wer in Verhandlungen bestehen will, braucht eigene Stärke.

Also was tun? Europa ist ökonomisch groß, aber strukturell zu schwerfällig. Das hat auch der Draghi-Report schonungslos aufgezeigt: Wir sind nicht wettbewerbsfähig. Uns fehlen Wachstum, Dynamik und Innovationskraft - und das gefährdet langfristig unsere wirtschaftliche Tragfähigkeit.

EU

Der Draghi-Bericht führt Europa in die Sackgasse

Kommentar von Malte Fischer

Die Europäische Kommission hat mit ihrer neuen Start-up- und Scaleup-Strategie erste richtige Impulse gesetzt. Start-ups und schnell wachsende Unternehmen sind kein Nebenschauplatz – sie sind ein zentrales Element europäischer Wettbewerbsfähigkeit. Sie schaffen Innovation, neue Arbeitsplätze und technologische Souveränität. Die Strategie benennt zu Recht die größten Hindernisse: einen fragmentierten Binnenmarkt, mangelnden Zugang zu Kapital und Talenten sowie überbordende Regulierung – insbesondere für Deep-Tech-Unternehmen.

Doch eine Strategie allein reicht nicht. Entscheidend wird sein, ob Europa es schafft, diese Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zu übersetzen: schnellere Gründungen, weniger Bürokratie, mehr Kapitalmobilisierung – und vor allem ein politischer Fokus auf Skalierung statt nur Förderung im Frühstadium. Denn nur wenn Start-ups auch zu Scale-ups werden können, entfalten sie die wirtschaftliche Kraft, die Europa jetzt so dringend braucht.

Kapitalmärkte sind geopolitische Infrastruktur

Ein weiterer Bremsklotz auf dem Weg zur europäischen Souveränität sind unsere zersplitterten Kapitalmärkte. Europa gleicht einem Flickenteppich: 35 Börsen statt drei wie in den USA. Über 200 Handelsplätze statt 50. Unterschiedliche Regeln, unterschiedliche Aufsichten, keine Klarheit für Investoren. Diese Fragmentierung verhindert grenzüberschreitende Skalierung, erschwert Börsengänge und macht Europa als Investmentstandort unattraktiv. Wer Wachstum will, muss Kapital mobilisieren - und dafür braucht es einfache, verlässliche Strukturen. Davon sind wir weit entfernt.

Auch diesen Missstand hat die EU-Kommission erkannt. In ihrer neuen Start-up- und Scaleup-Strategie fordert sie zu Recht eine tiefere Kapitalmarktintegration, harmonisierte Listing-Anforderungen, transparente Exit-Kanäle und den Abbau steuerlicher Hürden für grenzüberschreitende Investments. Denn solange der europäische Kapitalmarkt so schwach ist, bleibt Europa auf ausländische Investoren angewiesen – und verliert damit Kontrolle über seine eigene wirtschaftliche Wertschöpfung.

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Deutschlands Start-ups haben ein Exit-Problem

von Thomas Kuhn

Strukturelle Reformen? Fehlanzeige – bisher. Aber genau diese Reformen sind der Schlüssel. Eine echte Kapitalmarktunion ist keine technokratische Spielwiese – sie ist Voraussetzung dafür, dass europäische Start-up zu globalen Technologieführern heranwachsen. Nur mit funktionierenden, tiefen Kapitalmärkten können wir private und institutionelle Investoren dafür gewinnen, nicht nur in die erste, sondern auch in die dritte und vierte Finanzierungsrunde zu investieren. Und genau dort entscheidet sich, ob Europa skaliert – oder verkauft.

So wird zusätzliche Komplexität geschafft  

Ein weiteres entscheidendes Element für mehr Dynamik im europäischen Start-up-Ökosystem ist das sogenannte „28th Regime“ – eine moderne, europäische Unternehmensform für Start-ups. Der Vorschlag für eine „EU Inc“ ist mittlerweile Teil der EU-Start-up- und Scale-up-Strategie und könnte ein echter Gamechanger werden.

Stellen wir uns vor: Eine digitale Gründung in 24 Stunden, keine nationale Zersplitterung mehr bei Steuern, Gesellschaftsrecht oder Mitarbeiterbeteiligung – sondern einheitliche Regeln für junge Unternehmen in ganz Europa. Mit standardisierten Mitarbeiterbeteiligungen, einer gemeinsamen Plattform zur Unternehmensführung und einem europaweiten Handelsregister. Ein echter Hebel für grenzüberschreitendes Wachstum.

Doch aktuell droht diese Vision an Halbherzigkeit zu scheitern. Der vorliegende Entwurf im Europäischen Parlament – das sogenannte ESSU-Modell – ist in Wahrheit kein echtes 28th-Regime. Er beruht auf einer Richtlinie statt auf einer unmittelbar geltenden EU-Verordnung – damit sind die EU-Länder nicht direkt umsetzungsgebunden und jedes Land würde sein eigenes Ding machen. So wird eben nicht vereinfacht, sondern zusätzliche Komplexität geschaffen. Statt einen europäischen Rechtsrahmen zu schaffen, wie ihn das Start-up-Ökosystem fordert, wird der Flickenteppich sogar erweitert. Und: Die Stimmen der Gründer*innen wurden im Entstehungsprozess weitgehend ignoriert.

Wenn Europa mehr sein will als ein Marktplatz und Regelsetzer, dann muss es sich strategisch neu aufstellen: wirtschaftlich, technologisch, geopolitisch. Das heißt konkret: Investitionen in Zukunftstechnologien. Eine echte Kapitalmarktunion. Und eine Start-up-Politik, die nicht nur fördert, sondern skaliert.

Die Vorschläge liegen auf dem Tisch – vom Draghi-Report über die EU-Start-up-Strategie bis hin zum „28th Regime“. Doch sie werden nur dann Wirkung entfalten, wenn sie konsequent und ambitioniert umgesetzt werden.

Was Europa jetzt braucht, ist ein klarer Fokus auf Innovation als strategisches Rückgrat. Und ein politischer Wille, die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents nicht weiter zu verwalten – sondern aktiv zu gestalten.

Denn klar ist: Wer heute nur halbherzig handelt, riskiert, morgen komplett irrelevant zu sein.

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