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Der Weg zurück zur DrachmeWenn Griechenland aus der Eurozone austritt

Kehrt Griechenland zur Drachme zurück? Gewinnt die Linkspartei Syriza die griechische Parlamentswahl, will sie den Reformkurs beenden. Das könnte den Austritt aus dem Euro bedeuten.KOMMENTAR von Malte Fischer, Konrad Handschuch 05.01.2015 - 14:00 Uhr

Der "Grexit" ist umstritten - doch manche Ökonomen sehen darin das kleinere Übel.

Foto: WirtschaftsWoche

Eigentlich sollte es ein geruhsames Wochenende werden. Viele Börsianer hatten sich für den 25. Januar 2015 nichts Besonderes vorgenommen. Doch dann, mitten beim gemütlichen Sonntagsfrühstück, schlägt die Nachricht wie eine Bombe ein.

Im Radio erklärt der Sprecher, Griechenland habe die Währungsunion verlassen, die Drachme werde wieder eingeführt. Regierungschef Alexis Tsipras hat eine Woche nach seinem Wahlsieg den Kontakt mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds abgebrochen und angeordnet, alle Banken für eine Woche zu schließen. Auch der Börsenhandel ist ausgesetzt. Die Konten der Bürger werden zwangsweise auf Drachmen umgestellt.

Am Abend treten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande und EZB-Chef Mario Draghi gemeinsam vor die Fernsehkameras, um Bürger und Finanzmärkte zu beruhigen, bevor am frühen Montagmorgen die Börsen in Asien eröffnen.

Das Ende der Währungsunion

Der Austritt der Griechen bedeute nicht das Ende der Währungsunion, beschwichtigen sie. EZB, EU und Regierungen seien entschlossen, mit allen Mitteln Spekulationen auf den Austritt weiterer Euro-Staaten zu bekämpfen. Der Euro bleibe die gemeinsame Währung Europas.

Sieht so der Sonntag nach der Wahl in Griechenland aus? Ausgeschlossen ist das nicht. Denn der aktuell in den Wahlumfragen führende Chef des Linksbündnisses Syriza, Alexis Tsipras, will dem von der EU verordneten Reform- und Sparkurs nicht weiter folgen. Lehnt er eine Verlängerung des Ende Februar auslaufenden Hilfsprogramms ab, müssten Europäische Union und Internationaler Währungsfonds die Auszahlung weiterer Hilfskredite verweigern. Griechenland wäre dann pleite, der Austritt aus der Währungsunion die logische Konsequenz.

Zukunftsszenarien für Griechenland
Die Eurogruppe billigt einen Schuldenschnitt, die Banken erlassen dem Land daraufhin 100 Milliarden Euro. Somit gibt es auch grünes Licht für weitere Hilfen der Eurozone in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) füllt eine Finanzlücke, damit Griechenlands Schuldenstand bis 2020 wie angepeilt sinken kann. Im Gegenzug unterwirft sich Griechenland einer strikten Überwachung der EU und gibt Kompetenzen in der Haushaltspolitik ab. Das Land leidet noch jahrelang unter Einsparungen, innenpolitischer Unruhe und Rückschlägen. Der Weg zu einer Erholung ist lang und mühsam.
Die Eurozone will zunächst keine weitere Hilfe zusagen. Problem ist der für 2020 trotz Hilfspaket und Gläubigerverzicht erwartete Schuldenstand von 129 Prozent der Wirtschaftskraft, anstatt der angestrebten 120 Prozent. Der Rettungsplan muss also überdacht werden. Zudem wählen die Griechen im April. Die Euro-Länder wollen das Votum abwarten und mit den dann regierenden Parteien Vereinbarungen über Einsparungen und Reformen treffen, bevor sie weiteres Geld überweisen. Mit restlichen Mitteln aus dem ersten Hilfsprogramm wird ein im März drohender Bankrott vorerst verhindert.
Nach zwei Jahren Schuldenkrise nimmt die Eurozone einen Kurswechsel vor: Griechenland soll kontrolliert in die Pleite geführt werden, jedoch in der Eurozone bleiben. Nun kommen Milliardenkosten nicht nur auf die privaten Gläubiger, sondern auch auf die EZB zu: Athen ändert per Gesetzesänderung die Haftungsklauseln für seine Staatsanleihen - und erzwingt einen Verzicht. Die EU arbeitet an einem finanziellen und wirtschaftlichen Neustart des Landes, der ebenfalls viel Geld kostet.
Der Rettungsplan scheitert, die Griechen haben zudem Vorschriften und Kontrolle der Euro-Länder satt. Das Land erklärt seinen Bankrott und die Rückkehr zur Drachme. Wirtschaft und Finanzbranche werden über das Land hinaus erschüttert, Firmen und Banken gehen pleite. Die Kaufkraft der Griechen nimmt massiv ab, soziale Unruhen sind die Folge. Mit der Drachme sind griechische Produkte auf dem Weltmarkt zwar billiger, ein positiver Effekt auf die marode Wirtschaft zeigt sich jedoch nur sehr langsam. Die Europäische Union bemüht sich mit Konjunkturprogrammen, den weiteren Absturz des Landes zu mildern.

Ein solcher Grexit ist bei Bankern und Ökonomen hochgradig umstritten. Eine Mehrheit der Volkswirte graut vor einem solchen Szenario. Die Rückkehr zur Drachme wäre ein Desaster für Griechenland, sagen vor allem Praktiker aus dem Bankgewerbe.

Einige malen ein noch dramatischeres Schreckgespenst an die Wand und erinnern daran, dass der Zusammenbruch von Währungsunionen in der Vergangenheit meist in Bürgerkrieg und Militärdiktatur endete. Der Abschied Griechenlands vom Euro - eine Frage also von Krieg und Frieden auf dem alten Kontinent?

So schlimm dürfte es diesmal doch nicht werden. Im Gegenteil: Eine Minderheit von Ökonomen sieht in einem Grexit sogar das kleinere Übel, wenn auch kurzfristig mit heftigen Verwerfungen zu rechnen ist. Sie setzen darauf, dass Griechenlands neue Drachme nach einer heftigen Abwertung die preisliche Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellt und so die Erholung der Wirtschaft in Gang kommt.

Der Weg zurück zur Drachme

Doch einfach ist das nicht. So gibt es rechtlich keine Handhabe, ein Land, das sich nicht an die Haushaltskriterien des Euro-Clubs hält, aus der Währungsgemeinschaft auszuschließen. Auf diese Weise wollten die Gründerväter keine Spekulationen um den Bestand der Euro-Zone aufkommen lassen.

Allerdings kann sich ein Land auf den Artikel 50 des Lissabonner Vertrags berufen und aus der EU austreten. Da ein Nicht-EU-Mitglied schwerlich Mitglied der Euro-Zone sein kann, wäre mit dem Austritt aus der EU auch der Abschied vom Euro vollzogen. Anschließend könnte sich Griechenland erneut um eine EU-Mitgliedschaft bewerben - allerdings ohne Euro.

Doch wenn es der ökonomische und politische Druck erfordern, dürften sich die Regierungen kaum an die bestehenden Rechtsnormen halten. Dass die Euro-Länder souveräne Staaten sind und sich über Verträge hinwegsetzen, hat sich im Verlauf der Euro-Krise mehrfach gezeigt.

Verstoß gegen rechtliche Grundlagen

Ohnehin haben Regierungen und EZB mit ihren Rettungsaktionen allenthalben gegen rechtliche Grundlagen wie das Haftungsverbot für die Schulden anderer Länder und das Verbot der Finanzierung von Staatsschulden durch Geldschöpfung verstoßen. Der kollektive Rechtsbruch ist längst zum neuen Paradigma staatlichen Handelns in Europa geworden. Wer will da noch mit Verweis auf vertragliche Grundlagen ein Land in der Währungsunion halten, wenn dieses hinausstrebt?

Noch spricht allerdings wenig dafür, dass die Griechen freiwillig gehen. Doch würden EU, EZB und IWF ihr Postulat ernst nehmen und weitere Hilfen nur dann freigeben, wenn die zugesagten Reformversprechen seitens der Griechen auch eingehalten werden, dann müssten sie ihnen den Geldhahn zudrehen, sobald sich eine neue Regierung mit den Geldgebern nicht auf ein neues Reformpaket, das diesen Namen auch verdient, einigen kann.

Denkbar ist auch, dass EU, EZB und IWF so harte Spar- und Reformprogramme einfordern, dass die Griechen dankend ablehnen. Dann käme bald die Stunde der Wahrheit. Spätestens, wenn die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten für ihre Refinanzierungsgeschäfte akzeptiert und die griechischen Banken von ihren Nothilfen abklemmt, müssten die Griechen den Euro verlassen.

Die Regierung in Athen muss dann alles tun, um einen Run auf die Banken zu verhindern. Denn sobald die Bürger vom Euro-Austritt erführen, würden sie die Banken stürmen, um ihre Euro abzuheben, bevor diese zwangsweise in Drachmen umgetauscht werden.

Ernste Folgen

Die Regierung müsste daher den Umtausch hinter den Kulissen vorbereiten, die Bürger in einer Nacht-und-Nebel-Aktion überraschen und die Banken für mehrere Tage schließen sowie den Abfluss von Fluchtgeldern durch Kapitalverkehrskontrollen eindämmen.

Weil das Drucken und Prägen eigener Drachme-Münzen und -Scheine Zeit benötigt, könnte die Notenbank übergangsweise alte Euro-Scheine mit einem Drachme-Symbol stempeln und als Zahlungsmittel in Umlauf bringen.

Wie stark die neue Drachme gegenüber dem Euro abwertet, ist unklar. Die Schätzungen von Ökonomen bewegen sich zwischen 40 und 60 Prozent. Das hätte ernste Folgen.

Foto: dpa

Italien

Auch Italien büßt zwei Plätze ein und fällt von Rang 44 auf Rang 46. Die Studienleiter kritisieren vor allem das Finanz- und Justizsystem. Die Abgaben seien zu hoch und Verfahren viel zu langwierig und intransparent. Lediglich bei der Produktivität und mit seiner Infrastruktur liegt der Stiefelstaat im Mittelfeld. Ein wenig besser macht es ...

Foto: REUTERS

Portugal

... Krisenland Portugal. Die Regierung in Lissabon hat zahlreiche Reformen umgesetzt und hat so seine Wettbewerbsfähigkeit auch steigern können. Im IMD-Ranking geht es hoch von Rang 46 auf Rang 43. Das Land ist relativ gut international vernetzt (Rang 32) und kann seine Produkte recht günstig (Platz 12) auf den Weltmärkten anbieten. Der Arbeitsmarkt muss hingegen weiter flexibilisiert werden. Auch die öffentlichen Finanzen müssen noch in Ordnung gebracht werden.

Foto: AP

Spanien

Portugals Nachbarland kann sich ebenfalls über ein besseres Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr freuen. In der internationalen Vergleichsstudie steigt Spanien von Platz 45 auf Platz 39. Das Land ist wieder attraktiv für ausländische Investoren (Rang 18) und schafft es günstige Preise zu bieten (Platz 17). Größte Probleme bleiben der starre Arbeitsmarkt (Platz 56) und die hohe Arbeitslosigkeit (Platz 59).

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Frankreich

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone kämpft mit der Krise. Im weltweiten Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit stagniert das Land auf Rang 27. Während die Infrastruktur top ist (Rang 5), gibt es doch großen Nachholbedarf bei der Steuerpolitik. Die Abgabenlast ist enorm (Rang 60), die öffentlichen Haushalte trotzdem tief im Minus (Rang 53).

Foto: REUTERS

Österreich

Auch Österreich kann die Wettbewerbsfähigkeit steigern und gelangt dadurch von Rang 23 im vergangenen Jahr auf Rang 22 in diesem Jahr. Das Land ist äußerst produktiv und effizient (Rang 9), ist international gut vernetzt (Rang 10) und auch in Zukunftstechnologien vorne mit dabei (Rang 11). Die Steuerpolitik lähmt laut IMD hingegen die Wettbewerbsfähigkeit (Rang 58).

Foto: dpa

Finnland

Das einstige Euro-Musterland Finnland ist durch die Nokia- und Ukraine-Krise zurückgefallen. Das Land liegt dieses Jahr auf Rang 18 beim Vergleich der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit. Das Bildungssystem im hohen Norden (Rang 3) ist nahezu unschlagbar, auch die Behörden punkten mit nachvollziehbaren und schnelle Entscheidungen (Rang 3). Probleme machen der Binnenmarkt (Rang 47), die Beschäftigung (Rang 44) und die wenig breit aufgestellte Wirtschaft (Rang 35).

Foto: dpa

Irland

Auch Irland gelang es im vergangenen Jahr die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Insel liegt 2014 auf Rang 15, zwei Plätze besser als noch 2013. Internationale Investoren lieben das Land, das 2010 als erstes unter den Euro-Rettungsschirm flüchten musste (Rang 4). Auch die Behörden und die Steuerpolitik wird gelobt. Die Beschäftigung (Rang 50) und der Binnenkonsum (Rang 43) bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Foto: AP

Niederlande

Wie im vergangenen Jahr belegen die Niederland auch dieses 2014 wieder Rang 14. Das ist vor allem der hervorragenden Infrastruktur zu verdanken (Rang 2) und der international aufgestellten Wirtschaft (Rang 7), die in allen wichtigen Märkten vertreten ist. Der Binnenmarkt schwächelt etwas (Rang 30) und auch die Preise für niederländische Produkte könnten günstiger und damit wettbewerbsfähiger sein (Rang 36).

Foto: AP

Deutschland

Deutschland kann sich im Vergleich auf Rang 6 positionieren und gehört damit zu den wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt. 2013 lag Deutschland noch auf Rang 9. Auch wenn die Bundesrepublik nicht mehr den inoffiziellen Titel des Exportweltmeisters trägt, so bleibt das Land international gut aufgestellt: Deutsche Produkte sind weltweit gefragt (Rang 6), auch der Binnenkonsum macht Freude (Rang 6). Hinzu kommt die gute Infrastruktur und die hohe Produktivität der Unternehmen (Rang 4). Einzig bei der Steuerpolitik (Rang 50) liegt Deutschland nicht in den Top 20.

Foto: dpa

Schweiz

Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft Europas ist die Schweiz. Im weltweiten Vergleich positioniert sie sich hinter den USA auf Rang 2. Infrastruktur und Bildungssystem (Rang 4) sind top, auch die öffentlichen Haushalte sind gut in Schuss (Rang 3). Die Behörden machen einen guten Job und der heimische Markt ist zwar klein, aber konsumfreudig (Rang 5). Einzig die hohen Preise (Rang 45) schmälern ein wenig den super Gesamteindruck.

Foto: dpa

Positiv wäre sicherlich, dass sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft auf einen Schlag deutlich verbesserte. Nicht nur Ziegenkäse und Samos-Wein würden für ausländische Abnehmer billiger. Auch der Urlaub auf den griechischen Inseln, der sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert hatte, würde wieder erschwinglich. Statt an die türkische Riviera zu fahren, würden die Urlauber wieder preiswerte Flüge nach Kos, Rhodos und zur Akropolis buchen.

Talfahrt der Drachme

Auf der anderen Seite würde die Talfahrt der Drachme die Importpreise kräftig steigen lassen. Das könnte die Forderungen nach höheren Löhnen befeuern, zumal viele Griechen im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Arbeit verloren haben oder hohe Gehaltseinbußen hinnehmen mussten.

Nach einem Austritt aus der Währungsunion würde aber der Reformdruck nachlassen und die Arbeitnehmer sähen wohl keinen Sinn mehr darin, sich bei den Löhnen zurückzuhalten. Die Unternehmen dürften den Kostenschub in ihre Absatzpreise überwälzen. So könnte Griechenland den abwertungsbedingten Gewinn an preislicher Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Inflation wieder verspielen.

Griechenlands Schwächen
Griechenlands Ruf hat in der Euro-Krise arg gelitten. Nur zwei der 60 getesteten Staaten haben ein schlechteres Image als der Pleitestaat. Die Folge: Investoren meiden das Land, die Kreditwürdigkeit ist mies.
Nur 5,7 Prozent der gefragten Experten bescheinigten Griechenland, eine kompetente Regierung zu haben. In der Tat hat es Athen nicht geschafft, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen (Rang 60), für Wachstum zu sorgen (Rang 60) und die öffentlichen Finanzen auf Vordermann zu bringen.
Auch bei der Bildung und Weiterbildung der Bürger hat Griechenland großen Nachholbedarf. Fortbildung von Angestellten gibt es quasi nicht (Platz 58), auch die Qualität der Universitäten ist schlecht (Rang 51). Demzufolge gibt es auch wenige Forscher und Wissenschaftler (Rang 49). Besser schneidet der Krisenstaat bei der Frühförderung ab: Es gibt eine Vielzahl von Lehrern, die Klassen sind sehr klein (Rang 2).

Das gilt vor allem dann, wenn die Notenbank - was zu erwarten wäre - das hohe Defizit im Staatshaushalt durch das Anwerfen der Notenpresse finanzierte. Die Inflation und das hohe Ausfallrisiko wirkten auf ausländische Kapitalgeber abschreckend.

Ähnlich wie bei anderen Staatsbankrotteuren in der Vergangenheit bestünde auch für Griechenland die Gefahr, dass das Land für längere Zeit vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten wäre. Damit fehlten die Mittel, um das Defizit in der Leistungsbilanz zu finanzieren. Die Hellenen müssten ihren Gürtel abrupt mehrere Löcher enger schnallen. Sogar Versorgungsengpässe bei wichtigen Importgütern wie Nahrungsmitteln und Benzin sind wahrscheinlich.

Banken leiden

Die größten Probleme aber entstünden für die Banken. Denn mit der Abwertung der Drachme würden die in Euro denominierten Schulden des Staates, derzeit insgesamt 321,7 Milliarden Euro, massiv aufwerten, Zins- und Tilgungszahlungen verteuerten sich. Der Staatsbankrott wäre nicht mehr zu vermeiden.

Die Gläubiger des griechischen Staates müssten dann auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten. Größter Gläubiger ist inzwischen mit 142 Milliarden Euro der Europäische Rettungsschirm EFSF, auf Deutschland entfallen davon 65 Milliarden Euro. 53 Milliarden Euro Schulden hat das Land gegenüber den Euro-Ländern.

Aber auch für viele griechische Banken hätte ein Forderungsverzicht dramatische Folgen. Denn auch sie haben für 10,9 Milliarden Euro Staatsanleihen des eigenen Landes in ihren Büchern. Kommt der Schuldenschnitt, wäre das griechische Bankensystem ausgelöscht.

Ohne Banken aber ist keine Volkswirtschaft der Welt überlebensfähig. Die Institute müssten daher gerettet werden. Eigentlich wäre das die Aufgabe der griechischen Regierung. Doch dafür benötigt sie Geld. Geld, das sie nicht besitzt.

Experten erwarten deshalb, dass die Europäer den Griechen den Start in das neue Währungszeitalter mit einer kräftigen Kapitalspritze für ihre Banken erleichtern - als goldener Handschlag gewissermaßen.

Auch die Forderungen anderer Finanzinstitute gegenüber dem griechischen Staat stünden im Feuer. Deren Außenstände belaufen sich auf rund 55 Milliarden Euro. Allerdings sind diese Institute mittlerweile gerüstet und haben die griechischen Anleihen weitgehend abgeschrieben.

Teurer für den Steuerzahler wird es bei der EZB: die Euro-Hüter haben für rund 25 Milliarden Euro Hellas-Staatsanleihen in ihrer Bilanz. Auch wenn die Zentralbank diese vorsorglich mit einem Wertabschlag in ihren Büchern stehen hat, müsste sie womöglich weitere Abschreibungen vornehmen.

Gelänge es, Griechenland zu isolieren, wäre der Austritt des Landes aus der Währungsunion für die Bürger des Landes zwar mit großen wirtschaftlichen Härten verbunden. Doch der Schaden für den Rest der Euro-Zone hielte sich in Grenzen.

Insbesondere wären die Anreize wieder richtig gesetzt. Denn für die übrigen Krisenländer wäre die Botschaft klar: Wer die Regeln der Währungsunion verletzt und nicht rechtzeitig auf den Pfad der Konsolidierung zurückkehrt, muss den Club verlassen. Das beförderte die Sparanstrengungen der Regierungen.

Aber was passiert, wenn die Märkte durchdrehen und den Ausstieg Griechenlands zum Anlass nehmen, auch auf den Austritt Italiens, Portugals oder sogar Spaniens zu spekulieren?

Der Euro-Rettungsschirm ESM wäre auch mit seinem endgültigen Volumen von 500 Milliarden Euro kaum in der Lage, die Märkte zu beruhigen. Dazu kommt, dass der ESM so konstruiert ist, dass er selbst einen Dominoeffekt auslöst.

Jedes Land, das finanzielle Probleme hat und Unterstützung erhält, fällt als Garantiegeber aus. Würden in einem extremen Szenario Italien, Spanien oder vielleicht sogar Frankreich zu Kreditnehmern, würde sich die Last auf wenige Kernländer wie Deutschland, Finnland und die Niederlande konzentrieren. Das wäre für diese untragbar.

Euro-Bonds sind nicht geeignet

Auch das Lieblingskind vieler Politiker, der Euro-Bond, ist kein geeignetes Mittel gegen drohende Ansteckungseffekte. So müssten vor einer Ausgabe der Gemeinschaftsanleihen nicht nur die europäischen Verträge geändert werden. Auch das Bundesverfassungsgericht hat sich gegen die Vergemeinschaftung von Schulden gewandt, zumal dann, wenn die damit verbundenen Belastungen einem Automatismus folgen.

Darüber hinaus haben die Ratingagenturen bereits durchblicken lassen, dass sie die Bewertung von Euro-Bonds an der Bonität des schwächsten Emissionslandes ausrichten werden. Statt von den starken zu den schwachen Ländern fände der Bonitätstransfer dann in umgekehrter Richtung statt.

Draghi als letzter Retter

Als Retter in letzter Instanz käme dann EZB-Präsident Mario Draghi ins Spiel. Seinem Versprechen – „was immer dazu nötig ist“ – entsprechend müsste die EZB massiv in die Märkte eingreifen und die Staatsschuldtitel der Krisenländer kaufen, um deren Kurse zu stützen und die Finanzierungskosten niedrig zu halten.

Für die Deutschen mit ihrer ausgeprägten Stabilitätskultur wäre das eine bittere Pille. Die EZB würde damit nicht nur zum größten Staatsfinanzierer der Euro-Zone. Sie würde durch den Ankauf von Staatsanleihen auch so viel Liquidität in das Bankensystem pumpen, dass sie kaum noch in der Lage wäre, diese später wieder abzusaugen. Inflation und neue Vermögenspreisblasen wären auf lange Sicht eine in Kauf genommene Nebenwirkung.

Lange könnte die EZB diesen Kurs kaum durchhalten. Zumal sich in Deutschland und anderen stabilitätsorientierten Ländern im Norden der Euro-Zone der politische Widerstand gegen eine Weichwährungs- und Schuldenunion immer stärker artikuliert. Stoppte die EZB die Anleihekäufe, müssten die betroffenen Länder die Währungsunion verlassen, die Euro-Zone würde zurückschrumpfen auf einen Raum homogener und stabiler Länder.

Für den Binnenmarkt und den Handel in Europa muss das kein Nachteil sein. Zwar fielen durch die Aufspaltung der Währungsunion wieder Umtauschkosten im Handel mit den Euro-Renegaten an. Auch müssten sich die Unternehmen gegen Wechselkursschwankungen absichern. Doch das gilt auch für den Handel mit anderen Ländern, die derzeit nicht Mitglied der Euro-Zone sind.

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