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„Europa war noch nie in so großer Gefahr“ Macron schlägt Alarm in Europa und fordert „Neubeginn“

Emmanuel Macron Quelle: REUTERS

Ein paar Seiten Text, die es in sich haben: Mit einem Gastbeitrag in zahlreichen Zeitungen in der ganzen Europäischen Union prescht Frankreichs Präsident Macron kurz vor der Europawahl nach vorn und fordert tiefgreifende Reformen. Nicht jedem gefällt das.

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Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer für einen „Neubeginn“ in Europa hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron großen Wirbel ausgelöst. In einem Gastbeitrag, der am Dienstag zeitgleich in den großen Tageszeitungen der 28 Mitgliedsländer der EU erschien, hat sich Macron an die Bürgerinnen und Bürger der EU gewandt und knapp drei Monate vor der Europawahl tiefgreifende Reformen gefordert. „Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war Europa so wichtig. Und doch war Europa noch nie in so großer Gefahr“, warnte Macron und stemmte sich gegen die populistischen und nationalistischen Kräfte innerhalb der EU.

Nicht allen gefällt der Vorstoß des Reformers. Viel Lob gab es allerdings aus Deutschland - auch, wenn sich die Begeisterung bei einigen in Berlin auffällig in Grenzen hielt. Kritiker in Frankreich werfen dem einstigen politischen Senkrechtstarter nun vor, mit dem Vorstoß von den Problemen im eigenen Land ablenken zu wollen. Dort ist der Präsident immer noch von „Gelbwesten“-Krise geschwächt.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Nationalisten, die keine Lösungen anzubieten haben, die Wut der Völker ausnutzen. Wir dürfen nicht Schlafwandler in einem erschlafften Europa sein“, schreibt Macron in dem Beitrag, der in Deutschland in der Tageszeitung „Die Welt“ erschien. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, zu handeln, denn die Europawahl werde „über die Zukunft unseres Kontinents entscheiden“. Sein größtes Feindbild dürfte der rechtsnationale ungarische Regierungschef Viktor Orban sein.

In seinem Gastbeitrag macht Macron anhand der Säulen „Freiheit, Schutz, Fortschritt“ ganz konkrete Vorschläge für eine Reform der EU. Dazu zählen ein EU-weiter Mindestlohn, ein besserer Grenzschutz, eine europäische Asylbehörde, eine Agentur zum Schutz der Demokratie, ein strengerer Umgang mit Unternehmen, die sich nicht an europäische Regeln halten und eine europäische Klimabank. Viele Ideen des 41-Jährigen sind allerdings nicht neu - an ihnen wird entweder bereits gearbeitet oder sie gibt es in ähnlicher Form bereits.

Ein Sprecher der Bundesregierung äußerte sich zurückhaltend mit Blick auf die neuerlichen Reformvorschläge. „Es ist wichtig, dass die proeuropäischen Kräfte vor der Europawahl ihre Konzeptionen vorstellen. Die Bundesregierung unterstützt die engagierte Diskussion über die Ausrichtung der Europäischen Union“, sagte er.

Die EU-Kommission warf Macron indirekt vor, mit fremden Ideen Wahlkampf zu machen. „Der Präsident und seine Kommission begrüßen den wichtigen Beitrag von Präsident Macron zur europäischen Debatte (...). Wir möchten aber daran erinnern, dass mehrere der vom Präsidenten präsentierten Elemente Strukturen entsprechen, die bereits existieren oder die von dieser Kommission bereits vorgeschlagen wurden (...)“, sagte der Sprecher von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

In Deutschland gab es parteiübergreifende Unterstützung für Macrons Ideen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), der stellvertretende Vorsitzende der FDP im Bundestag, Alexander Graf Lambsdorff, oder auch Ex-SPD-Chef Martin Schulz begrüßten Macrons Appell. Auch der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) für die Europawahl, Manfred Weber (CSU), lobte Macron in der „Welt“. Mitglieder der Grünen äußerten sich ebenfalls positiv, selbst wenn sie nicht jeden Vorschlag teilen.

„Emmanuel Macron hat ein entschlossenes Signal für den Zusammenhalt in Europa gesetzt. Ich finde, er hat Recht: Nicht Skepsis, sondern Zuversicht sollte unser Handeln bestimmen“, erklärte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Er sehe Berlin eng an der Seite von Paris, äußerte sich aber nicht dazu, welche Vorschläge Macrons er konkret unterstützt.

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