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Europäische Zentralbank Mario Draghi und das billige Geld

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Die Pläne der EZB

EZB-Präsident Mario Draghi will mit noch weiter sinkenden Zinsen und diversen anderen Maßnahmen die Inflationsrate erhöhen und den Wechselkurs des Euro nach unten drücken. Davon sollen dann vor allem die Euro-Krisenstaaten profitieren. Quelle: dpa Picture-Alliance

2. Was plant die Europäische Zentralbank?

Experten erwarten, dass die EZB auf ihrer mit Spannung erwarteten Sitzung am kommenden Donnerstag ein Bündel von Maßnahmen ergreift:

- Senken des Refi-Satzes Wahrscheinlich senkt die EZB den Hauptrefinanzierungssatz (Refi-Satz), zu dem sie den Geschäftsbanken Zentralbankgeld leiht, von derzeit 0,25 in Richtung null Prozent. Das Kalkül: Die Banken sollen die niedrigeren Geldbeschaffungskosten an ihre Kreditkunden weitergeben.

So sollen das Kreditgeschäft und die Konjunktur in den Krisenländern angekurbelt werden. Ob dies gelingt, ist fraglich. Zum einen ist der Zins schon jetzt historisch niedrig. Zum anderen sind Bürger und Unternehmen in den Peripherieländern hoch verschuldet. Ihr Interesse an zusätzlichen Krediten dürfte daher gering sein.

- Negativer Einlagenzins Erstmals in der Geschichte der Euro-Zone könnte am Donnerstag ein Leitzins in den negativen Bereich rutschen. Experten erwarten, dass die EZB den Zins für Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank von derzeit null auf knapp unter null Prozent senkt.

Den Notenbankern ist es ein Dorn im Auge, dass die Institute ihr Geld auf Zentralbankkonten parken, statt damit Kredite zu vergeben. Ein Strafzins fürs Geldparken soll sie dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben. Zudem erhoffen sich die Währungshüter eine Belebung des Interbankenmarktes, auf dem sich die Banken gegenseitig Zentralbankgeld ausleihen.

Solange aber die Kreditnachfrage nicht anspringt, sind alle Mühen der Banken, das Geld unters Volk zu bringen, vergebens. Dass sie es anderen Banken unterjubeln können, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Denn solange sich die Banken bei der EZB so viel frisches Geld leihen können, wie sie wollen, besteht für sie kein Grund, am Interbankenmarkt um Zentralbankgeld zu betteln.

„Die Erwartungen an einen negativen Einlagenzins sollten nicht zu hoch gesetzt werden. Es ist eher als symbolische Geste zu verstehen, dass die EZB sich gegen das zunehmende Deflationsrisiko stemmen wird“, urteilt Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Zudem birgt der negative Einlagenzins auch Risiken. So könnten die Banken versuchen, ihr Geld im Ausland anzulegen, um dem Strafzins zu entgehen. Der Umtausch von Euro in ausländische Währungen schickt dann den Euro-Wechselkurs auf Talfahrt.

Die Regierungen der Südländer dürften das zwar bejubeln. Schon lange drängen sie auf einen schwächeren Euro, um ihre Exporte anzukurbeln. Doch je schwächer der Euro wird, desto teurer werden die Einfuhren. Dies schmälert die reale Kaufkraft der Bürger und bremst den Konsum. So könnte der Negativzins am Ende die Konjunktur sogar schädigen.

Um dem Negativzins zu entgehen, könnten die Banken das Zentralbankgeld auch in den Kauf von Staatsanleihen der Peripherieländer stecken. Dann ginge die monetäre Staatsfinanzierung durch die Hintertür in die nächste Runde. Zudem drückten die Käufe die Renditen nach unten. Die Regierungen könnten sich billiger finanzieren, der Spar- und Reformdruck sänke.

Dass die Banken dem negativen Einlagenzins ganz entkommen, ist jedoch unwahrscheinlich. Die meisten Geldhäuser halten Notgroschen bei der Zentralbank, um unerwartete Reserveverpflichtungen erfüllen zu können. Die anfallenden Strafzinsen werden sie an ihre Kunden weitergeben.

„Den Schaden haben die Sparer, deren Zins nun noch weiter unter die Inflationsrate gedrückt wird, allen voran die deutschen, denn sie exportieren mehr Kapital als die Sparer irgendeines anderen Landes der Welt“, kritisiert Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo Instituts.

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