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Europaweiter Vergleich Wo Frauen deutlich weniger Rente bekommen als Männer

Exklusiv
Quelle: dpa

Nicht nur das Einkommen von Männern ist im Schnitt höher als das von Frauen – auch die Rente fällt bei Männern üppiger aus. Wie groß diese Rentenlücke in den Ländern Europas ist, unterscheidet sich mitunter gravierend.

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Frauen verdienen durchschnittlich weniger als Männer. Es erscheint daher einleuchtend, dass sie auch weniger Rente bekommen. Mit der Lohnlücke hat die Rentenlücke jedoch nicht unbedingt zu tun. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die der WirtschaftsWoche vorab vorliegt.

Demnach hat die im Durchschnitt geringere Rente von Frauen – bereinigt um Unterschiede in Bildung und Alter zwischen Männern und Frauen – vor allem damit zu tun, dass Frauen in einigen Ländern Europas Ende der 90er Jahre noch sehr viel häufiger als Männer nicht erwerbstätig waren oder nur in Teilzeit arbeiten, schreiben die Forscherinnen.

So erklären sich auch die geographischen Unterschiede: Vergleichsweise gering ist die Rentenlücke in skandinavischen und osteuropäischen Ländern, wo Männer und Frauen ähnlich häufig oder selten ihre Arbeitszeit reduzieren. Eher hoch ist sie in südeuropäischen Ländern, wo Frauen sich häufiger allein um Familie und Haushalt kümmerten. So liegt die Lücke zwischen dem Renteneinkommen von Männern und Frauen in Dänemark bei gut zwölf, in Spanien dagegen bei fast 73 Prozent.

Und es gibt länderspezifische Besonderheiten: In Estland erhalten Männer und Frauen fast das gleiche Renteneinkommen – obwohl Frauen im Durchschnitt und brutto pro Stunde Arbeitszeit 26 Prozent weniger Geld verdienen als Männer. Dort profitieren Frauen unter anderem davon, dass das estnische Rentensystem zu ihren Gunsten umverteilend wirkt.

In Italien und Griechenland wiederum sind im Vergleich wenige Frauen erwerbstätig, sie bekommen aber tendenziell hohe Löhne. Einer niedrigeren Lohnlücke steht dort daher eine hohe Rentenlücke von fast 47 beziehungsweise knapp 41 Prozent gegenüber.

Auch in Deutschland zeigt sich der Zusammenhang zwischen ungleicher Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt und unterschiedlich hohen Renten. Während Frauen im Osten im Durchschnitt etwa 20 Prozent weniger Rente bekommen als Männer, beläuft sich die Lücke in Westdeutschland auf fast 50 Prozent.

Die DIW-Forscherinnen haben für ihre Auswertung gesetzliche, betriebliche und private Alterssicherung von Menschen von 65 Jahren an untersucht. Betriebliche und private Renten sind in der Regel stärker an stabile Beschäftigungsverhältnisse gebunden, schreiben sie, und decken meist keine Phasen ab, in denen Menschen arbeitslos sind, sich um Kinder kümmern oder Angehörige pflegen – was noch immer häufiger Frauen tun. Entsprechend liegt die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland bei betrieblichen und privaten Renten höher als bei der gesetzlichen Rente.

„Frauen verbringen deutlich mehr Lebenszeit außerhalb der Erwerbstätigkeit als Männer“, schreiben die Wissenschaftlerinnen. Um die Rentenlücke zu verkleinern, halten sie es daher für notwendig, politisch die Erwerbstätigkeit von Frauen – insbesondere in Vollzeit – zu stärken. Dies ließe sich erreichen, glauben sie, wenn beispielsweise Partner, meist Väter, um Elterngeld zu erhalten, mehr als bislang zwei Monate bei ihrem Kind bleiben müssten. Und wenn das Ehegattensplitting abgeschafft würde – und damit der Anreiz für den Partner, der weniger verdient, meist die Frau, in Teilzeit oder gar nicht mehr erwerbstätig zu sein.

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