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FlüchtlingskriseEU-Kommission fordert mehr Unterstützung von der Türkei

Die EU-Kommission zieht in der Flüchtlingskrise ein Zwischenfazit. Sehr positiv fällt das nicht aus, von einigen Ländern fordert die Kommission Verbesserungen. Auch von Deutschland. 10.02.2016 - 15:41 Uhr

EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos

Foto: dpa

Mit Druck und Appellen will die EU-Kommission Fortschritte in der Flüchtlingskrise erreichen. Gegenüber Deutschland und sechs anderen Staaten verschärft die Brüsseler Behörde die Gangart: Sie erwartet binnen zwei Monaten Verbesserungen im Asylsystem.

An die Adresse Ankaras sagte EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos am Mittwoch in Brüssel: „Wenn die Türkei nicht anfängt zu liefern, was wir vereinbart haben, wird es sehr, sehr schwierig, mit der Situation fertig zu werden.“ Der Kampf gegen Menschenschmuggler sei eine Frage des politischen Willens. Er legte am Mittwoch eine Bilanz vor zum Umgang Europas mit der Flüchtlingskrise.

So viel Geld bekommen Flüchtlinge in den europäischen Ländern
800 Euro zahlt das Land im Monat pro Flüchtling. Die Summe muss allerdings versteuert werden. Quelle: EU-Kommission / Frontex, Stand: 18. September 2015
Die Spanne, die der Inselstaat für einen Asylbewerber zahlt, liegt zwischen 85 und 452 Euro pro Monat.
400 Euro pro Flüchtling / Monat.
352 Euro pro Flüchtling / Monat.
330,30 Euro pro Flüchtling / Monat.
zwischen 85 und 290 Euro pro Flüchtling / Monat.
zwischen 176 und 276 Euro pro Flüchtling / Monat.
232 Euro pro Flüchtling / Monat.
225 Euro pro Flüchtling / Monat.
187 Euro pro Flüchtling / Monat.
177 Euro pro Flüchtling / Monat.
66 Euro pro Flüchtling / Monat.
33,23 Euro pro Flüchtling / Monat.
20 Euro pro Flüchtling / Monat.
18 Euro pro Flüchtling / Monat.
12 Euro pro Flüchtling / Monat.
0 Euro pro Flüchtling / Monat.

Im Januar kamen pro Tag durchschnittlich 2186 Migranten aus der Türkei in Griechenland an - weniger als in den Vormonaten aber nach Einschätzung der Behörde viel für die Jahreszeit. Beim Haupteintrittsland vieler Migranten auf dem Weg nach Europa sieht die EU-Kommission Licht und Schatten. Lobend hob die Behörde hervor, dass inzwischen 78 Prozent der Flüchtlinge per Fingerabdruck registriert werden - gegenüber nur 8 Prozent im September. In Italien liegt die Quote inzwischen bei 87 Prozent.

Zugleich drängte Avramopoulos darauf, dass sein Heimatland Griechenland die Versorgung von Flüchtlingen deutlich verbessern müsse. Andere EU-Staaten schicken bereits seit Jahren keine Migranten mehr zurück nach Griechenland seit höchste europäische Gerichte die Bedingungen dort als fragwürdig eingestuft hatten. Nach den sogenannten Dublin-Regeln ist jener Staat für Asylverfahren verantwortlich, in dem Flüchtlinge zuerst den Boden der Europäischen Union betreten haben.

Reform von Dublin

„Dublin ist nicht tot“, beharrte Avramopoulos. Er erkannte indes an, dass das System nicht mehr „der richtige Weg“ sei, die Flüchtlingskrise anzugehen. Im März will er deshalb Vorschläge für eine Reform vorlegen.

Doch Alternativen werden kaum umgesetzt. So ist die im Vorjahr vereinbarte Verteilung einer Gruppe von 160 000 Flüchtlingen innerhalb Europas bisher kaum vorangekommen. Andere EU-Staaten haben Italien und Griechenland bisher nur 497 Menschen abgenommen. „Die Ergebnisse sind sehr dürftig“, räumte Avramopoulos ein. Er habe dazu mahnende Briefe an die Innenminister der EU-Staaten verschickt.

Österreich, das in der Flüchtlingskrise einen zunehmend harten Kurs fährt, will angesichts der „Notlage“ in dem Land in diesem Jahr 30 Prozent weniger Flüchtlinge als geplant aufnehmen. Eigentlich sollte das Land 1953 Menschen dieser Gruppe aufnehmen.

Deutschland und sechs anderen EU-Staaten wirft die EU-Kommission derweil Mängel im Asylsystem vor. Die Bundesregierung habe zwei EU-Richtlinien nicht richtig umgesetzt, in denen es um Mindestnormen für Asylverfahren und bei der Aufnahme von Bewerbern geht, hieß es. Die EU-Kommission treibt deshalb die bereits im September eröffneten Verfahren wegen Verletzung europäischen Rechts weiter voran. Auch bei Estland, Slowenien, Griechenland, Frankreich, Italien und Lettland erwartet die EU-Kommission innerhalb von zwei Monaten Verbesserungen in Bezug auf eine oder beide Richtlinien.

dpa
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