Führungsgerangel in der EU: Schluss mit den Eitelkeiten!

Führungsgerangel in Europa: Zwischen Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel gibt es persönliche Animositäten.
Foto: imago imagesVon einer Polykrise sprechen Politologen, wenn zahlreiche Krisen sich überlappen. Genau dies erlebt Europa aktuell. Noch ist nicht klar, ob sich der Konflikt im Nahen Osten entschärfen lässt, da zeigt sich, dass Terror auf europäischem Boden eine furchtbare Begleiterscheinung werden könnte. Der mutmaßliche Attentäter von Brüssel hatte – nach allem, was bisher bekannt ist – keine Verbindung zur Hamas. Das aktuell aufgeheizte Klima lässt allerdings weitere Anschläge auf europäischem Boden befürchten.
In dieser Situation sollte Europa einig stehen. Stattdessen verheddern sich die beiden wichtigsten Führungspersönlichkeiten der EU wieder mal in persönlichen Animositäten. Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel schrauben ihre Feindseligkeiten auf neue Höhen, als stünde die Welt da draußen still. Für Dienstag hat Ratspräsident Michel kurzfristig einen virtuellen EU-Gipfel angesetzt, um die Mitgliedstaaten auf einen gemeinsamen Kurs einzuschwören. Das klingt sinnvoll, ist aber auch eine Ohrfeige für von der Leyen. Er will ihr damit zu verstehen geben: Das Sagen haben in der EU immer noch die Hauptstädte. Michel empfand ihren Besuch in Israel als Selbstinszenierung.
Spätestens in einer Polykrise ist der Moment gekommen, in der von der Leyen und Michel ihre Eitelkeiten hintenanstellen sollten. Davon ist bisher nichts zu sehen. Beide halten sich selbst für den besseren Repräsentanten der EU. Die EU kann aber nur dann gut funktionieren, wenn sich beide einig sind.
Schuld an dem Debakel sind freilich die Regierungen der EU, die dieses Führungspersonal ausgesucht haben. Im kommenden Jahr haben sie die Möglichkeit, die Posten an der Spitze der EU mit Persönlichkeiten zu besetzen, denen es um Inhalte geht – und nicht um Schlagzeilen.
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