1. Startseite
  2. Politik
  3. Europa
  4. Konklave: Wie läuft die Wahl des neuen Papstes ab?

KonklaveWie läuft die Wahl des neuen Papstes ab?

Die Wahl eines Papstes ist geheim, erst weißer Rauch zeigt eine Entscheidung an. Was passiert hinter den Kulissen? 02.05.2025 - 18:08 Uhr aktualisiert
Kardinäle warten auf den Beginn einer Messe am sechsten von neun Trauertagen für den verstorbenen Papst Franziskus im Petersdom. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Das Konklave, die Versammlung der Kardinäle zur Wahl eines neuen Papstes, ist eines der geheimnisvollsten und traditionsreichsten Rituale der katholischen Kirche.

Wenn die Purpurträger sich auf einen neuen Papst einigen konnten und weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, warten die auf dem Petersplatz versammelten Massen und Millionen vor den Bildschirmen sehnsüchtig auf den erlösenden Satz: „Habemus papam“.

Ein Überblick:

Warum heißt es „Konklave“?

Das Wort kommt vom Lateinischen „cum clave“, das heißt „mit Schlüssel“ – sprich eingeschlossen. Die Kardinäle kommen zur Papstwahl noch heute ohne Kontakt zur Außenwelt zusammen. Sie schwören zu Beginn Geheimhaltung. Wer dagegen verstößt, riskiert die Exkommunikation – den Ausschluss aus der Kirche. Auch Ärzte, Sicherheitsleute und Reinigungskräfte, die beim Konklave im Hintergrund dabei sind, müssen einen Eid ablegen.

Das strenge Prozedere hat seine Wurzeln im 13. Jahrhundert. Politische Einmischung ist erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts dezidiert verboten. Medien und Handys inklusive Internet und Kameras sind Kardinälen in dieser Zeit nicht erlaubt, es gibt nur ein Notfall-Telefon. Störsender und die Suche nach Wanzen sollen Abhörversuche vereiteln. Denn eine undichte Stelle verriet 2005 die Wahl Joseph Ratzingers zum Papst Benedikt XVI. vor der offiziellen Bekanntgabe.

Konklave 2025

Das sind die Top-Favoriten für die Papstwahl

Das Konklave hat begonnen. Die Nachfolge von Franziskus gilt als offen. Mehr als ein Dutzend Kardinäle werden als Kandidaten gehandelt. Ein Überblick.

Wo wird gewählt?

Die Sixtinische Kapelle nahe dem Petersdom ist das wohl schönste Wahllokal der Welt. Seit 1870, mit dem Ende des Kirchenstaats, ist der Bau aus dem 15. Jahrhundert der ständige Ort für das Konklave. Die Wände zieren unter anderem die berühmten Renaissance-Fresken Michelangelos, darunter das „Jüngste Gericht“. Sonst drängen sich in der Kapelle – als Teil der Vatikanischen Museen – mehr als sieben Millionen Touristen pro Jahr. Beim Konklave sind die Fenster verhängt. Die Kapelle wird komplett umgebaut. Einfache Holzbänke weichen bequemen Stühlen und Tischen.

Wie leben die Kardinäle?

Früher waren Kardinäle bei der Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle und Nebengebäuden eingeschlossen und nächtigten in spartanischen Kojen. Heute speisen und schlafen sie streng abgeschottet im Gästehaus Santa Marta im Vatikan. Ihr Tag beginnt oft vor sechs Uhr früh. Für die Speisen gibt es Regeln: Sie sollen einfach sein, um die Kardinäle nicht abzulenken, aber nahrhaft, um ihnen die nötige Energie zu liefern.

Der deutsche Kardinal Rainer Maria Woelki sagt über die Papstwahl: „Da müssen alle elektronischen Geräte, alle Handys abgegeben werden. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich beim letzten Mal mein eigenes Zimmer bezogen habe: Die Fenster waren versiegelt, die Fensterläden verschlossen. Ich hatte keine Möglichkeit, das Tageslicht zu sehen.“

Wie läuft die Wahl ab?

Theoretisch kann in geheimer Wahl jeder katholisch getaufte Mann gewählt werden. In der Praxis haben seit dem Mittelalter nur Kardinäle realistische Chancen. Papst Franziskus ernannte viele Kardinäle aus nicht europäischen Ländern, zum Beispiel aus Afrika und Asien. Das erhöht nun die Vielfalt des Kollegiums aus mehr als 60 Ländern.

Aber es gibt es eine Altersgrenze: Wahlberechtigt sind nur Kardinäle, die beim Tod des Papstes unter 80 Jahre alt waren. Das sind im Moment mehr als 130. Jeder schreibt den Namen seines bevorzugten Kandidaten auf einen Stimmzettel und faltet ihn zweimal. Es ist erlaubt, die eigene Handschrift zu verstellen. Dann treten die Kardinäle an die Wahlurne. Nötig für die Wahl zum Papst ist eine Zweidrittelmehrheit.

Schnell oder langsam?

Im Mittelalter dauerte es bis zur Wahl Papst Gregors X. einmal fast drei Jahre. 1503 war bereits nach wenigen Stunden Papst Julius II. gewählt. Allerdings soll dabei Bestechung die Abstimmung beschleunigt haben. Zuletzt brauchte das Konklave bis zu fünf Tagen für seine Entscheidung. Am ersten Tag gibt es nur einen Wahlgang, danach in der Regel vier pro Tag. Pausen sind möglich. Sollte nach dem 33. Wahlgang noch kein Papst feststehen, kann es zur Stichwahl der Kandidaten mit den meisten Stimmen kommen.

Wann kommt Rauch aus dem Schornstein?

Seit dem 19. Jahrhundert werden Stimmzettel und Notizen bei einem Konklave stets in gusseisernen Öfen verbrannt. Der Rauch aus einem Schornstein, mit Chemikalien gefärbt, ist ein Signal. Schwarz bedeutet: kein Ergebnis. Bei weißem Rauch ist ein neuer Papst gewählt.

Nimmt er die Wahl an und nennt seinen Papstnamen, läuten die Glocken des Petersdoms. Später treten die Kardinäle und der neue Papst auf seinen mittleren Balkon. Dann heißt es „Habemus papam“ (Wir haben einen Papst) und die Welt erfährt den Namen.

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick