Wahl ist entschieden Klarer Wahlsieg: Emmanuel Macron bleibt französischer Präsident

Emmanuel Macron. Quelle: AP

Auch im dritten Versuch gelingt es der Rechten Le Pen nicht, in den Élysée-Palast einzuziehen. Doch mehr als 40 Prozent der Stimmen für sie sind ein deutliches Warnsignal für Macrons zweite Amtszeit.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

Der Liberale Emmanuel Macron ist als französischer Präsident wiedergewählt worden. Der 44-jährige Amtsinhaber eroberte in der Stichwahl gegen seine rechtspopulistische Rivalin Marine Le Pen am Sonntag 58,55 Prozent der Stimmen, wie das Innenministerium nach Auszählung aller Stimmzettel in der Nacht zum Montag mitteilte. Le Pen kam auf 41,45 Prozent. Sie räumte bereits kurz nach Schließung der Wahllokale ihre Niederlage ein. In weiten Teilen Europas war das Aufatmen groß, zahlreiche Spitzenpolitiker gratulierten Macron zum Wahlsieg.

Die Abstimmung galt als Richtungswahl für Frankreich und Europa. Ein Sieg Le Pens hätte eine Neuausrichtung der französischen Politik gegenüber der EU, der Nato und dem wichtigen Verbündeten Deutschland bedeutet. Die Wiederwahl Macrons garantiert Kontinuität in der EU-Politik, gerade jetzt da der russische Angriffskrieg in der Ukraine die EU vor große Herausforderungen stellt. „Gemeinsam werden wir Frankreich und Europa voranbringen“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter.

Macron gelang es, mit eindringlichen Warnungen vor den Folgen eines Sieges von Le Pen als erstem französischen Präsidenten seit 20 Jahren, sich eine zweite fünfjährige Amtszeit zu sichern. Allerdings fiel sein Sieg deutlich geringer aus als bei der letzten Stichwahl 2017, als er Le Pen noch mit 66 zu 34 Prozent geschlagen hatte. Er räumte ein, dass einige Wähler nur für ihn gestimmt hatten, um Le Pen zu verhindern und versprach, das Land wieder zu vereinen, in dem es so viele Zweifel und Spaltung gebe. „Niemand wird am Straßenrand zurückgelassen“, sagte Macron in seiner Siegesrede auf dem Platz unter dem Eiffelturm.

Dass mehr als 40 Prozent der Franzosen für die Rechte Le Pen gestimmt hatten, machte deutlich, wie stark ausgeprägt diese Spaltung ist. Die Wahlverliererin sprach denn auch von einem „strahlenden Sieg“ für sich und erklärte, in dieser Niederlage stecke auch Hoffnung. Es war das beste Ergebnis für die Rechtspopulistin und das erste Mal, dass sie die Schwelle von 40 Prozent überschritten hat. Vor allem unter Arbeitern, in vernachlässigten ländlichen Gebieten und ehemaligen Industriezentren konnte Le Pen in den vergangenen Jahren stetig neue Wähler für ihre Partei begeistern. Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent.

Entscheidend für die Wahl waren unter anderem die linken Wähler, die in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen noch ihren Kandidaten Jean-Luc Mélenchon auf den dritten Platz hinter Macron und Le Pen gewählt hatten. Viele von ihnen konnten sich mit keinem der beiden verbliebenen Kandidaten identifizieren und etliche gaben ihre Stimme eher freudlos Macron.

Reaktionen auf Frankreichs Präsidentenwahl

Mélenchon selbst nannte die Niederlage Le Pens eine „sehr gute Nachricht für die Einheit unseres Volkes“. Nun aber wolle er den Kampf gegen die Partei von Wahlsieger Macron bei der anstehenden Parlamentswahl anführen, erklärte Mélenchon am Sonntagabend. Er rief Macrons Gegner auf, sich bei der Wahl im Juni für einen „anderen Weg zu entscheiden“ und eine Mehrheit von linken Abgeordneten zu wählen. Er selbst wäre bereit, Macron als Chef einer oppositionellen Regierung die Stirn zu bieten.

Lesen Sie auch: Das Wirtschaftsmodell Macron schwächelt
 

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%