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Arbeitsmarkt „Pendler verdienen mehr“

Pendeln kostet Zeit – und Nerven. Warum der Arbeitsmarktökonom und Regionalforscher Wolfgang Dauth das Pendeln zum Arbeitsplatz dennoch für ökonomisch sinnvoll hält. Quelle: imago images

Der Arbeitsmarktökonom und Regionalforscher Wolfgang Dauth hält das Pendeln zum Arbeitsplatz für ökonomisch sinnvoll – und hat einen Tipp für Arbeitgeber, die händeringend nach Fachkräften suchen.

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Zur Person: Wolfgang Dauth ist Juniorprofessor für empirische Regional- und Außenhandelsforschung an der Universität Würzburg und „Senior Researcher“ am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Er sitzt zudem im Beirat des Journal of Regional Science.

Herr Dauth, sind Sie ein Pendler?
Ja, ich lebe in Nürnberg und arbeite in Würzburg.

Und wie ist es so unterwegs?
Na, was meinen Sie denn? Pendeln macht keinen Spaß. Es ist Stress, weil man ständig befürchten muss, nicht pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Sie haben als Ökonom die Pendelei in Deutschland wissenschaftlich erforscht. Was können Sie uns über den typischen Pendler hierzulande erzählen?
Zunächst einmal hat sich die Strecke erhöht, die Arbeitnehmer im Mittel zur Arbeit zurücklegen. Es gibt einen klaren Trend zu längeren Pendeldistanzen. Im Jahr 2000 waren es 8,7 Kilometer. Die jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2014 zeigen bereits 10,5 Kilometer an. Innerhalb der Pendlergemeinde gibt es zudem große Unterschiede.

Welche denn?
Männer pendeln im Mittel weiter als Frauen. Die zurückgelegte Distanz hängt aber auch vom Bildungsniveau ab. Menschen ohne Abschluss pendeln im Mittel 8,8 Kilometer, bei Arbeitnehmern mit Ausbildungsabschluss sind es 10,5 Kilometer, bei Hochschulabsolventen 14,5 Kilometer. Die weiteste Strecke zur Arbeit fahren Ingenieure: im Mittel rund 18 Kilometer.

Woher wissen Sie das?
Als Arbeitsmarktforscher stütze ich meine Forschung auf anonymisierte Daten der Bundesagentur für Arbeit. Aus denen lässt sich mit Hilfe einer speziellen Software die exakte Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort eines jeden Arbeitnehmers herausfiltern – ohne, dass wir Forscher die Adressen selbst zu Gesicht bekommen.

Warum pendeln Menschen mit geringer Bildung weniger? Man könnte doch argumentieren, dass jemand ohne Abschluss weniger Chancen hat, einen Job um die Ecke zu finden - und daher seinen Suchradius vergrößern muss.
Aber auch der Super-Job für den promovierten Volkswirt ist nicht überall zu finden. Und wer als Hochqualifizierter seinen maximalen Pendelradius erhöht, hat nachweislich höhere Chancen auf ein höheres Gehalt. Mein Kollege Peter Haller und ich haben in einer Studie festgestellt, dass mit jedem Kilometer, den eine Person weiter pendelt, das Einkommen statistisch um 0,2 Prozent ansteigt. Im Durchschnitt sind es neun Cent pro Kilometer und Tag…

dafür steht man ständig im Stau oder hängt auf irgendeiner Bahnstrecke fest. Das frisst Zeit. Unter dem Strich: Ist Pendeln volkswirtschaftlich gut oder schlecht?
Unter dem Strich ist Pendeln ökonomisch sinnvoll. Es erhöht die Chance, dass genau die richtige Person auf dem für sie selbst und für den Arbeitgeber richtigen Platz landet. Je höher das Qualifikationsprofil einer Stelle, umso wichtiger ist es, dass das „Matching“ funktioniert, wie Ökonomen sagen. Studien aus der Arbeitsmarktökonomie zeigen: Je größer ein Markt ist und je mehr Akteure dort unterwegs sind, umso höher die Wahrscheinlichkeit des optimalen Matchings. Allerdings ist es wichtig, das Pendeln möglichst produktiv zu nutzen.

Zum Beispiel wie?
Es gibt einen neuen Trend bei hippen Firmen in Großstädten, die bestimmten Mitarbeitern den Anfahrtsweg als Arbeitszeit anrechnen. Die müssen dann eben morgens in der Bahn die ersten Mails beantworten oder Präsentationen vorbereiten. Das ist ein kluges Lockmittel der Arbeitgeber, an qualifizierte Fachkräfte zu kommen.

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