Desaströse Geldpolitik Mit Anlauf in die nächste Finanzkrise

Weltweit zieht die Konjunktur an. Auch der IWF gibt eine positive Prognose ab. Doch unter der Oberfläche des Aufschwungs braut sich eine neue Krise zusammen. Wie ein neuer Boom-Bust-Zyklus verhindert werden kann.

IWF-Chefin Christine Lagarde. Quelle: dpa

Wenn sich die Finanzminister und Notenbankchefs aus aller Welt in dieser Woche zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington treffen, werden vor allem politische Themen auf der Agenda stehen: Der weltweite Vormarsch der Populisten, die Bedrohungen durch den Terrorismus sowie die Gefahr des Protektionismus. Nur gut, dass wenigstens von der Konjunktur erfreuliche Nachrichten kommen, mag sich da mancher Zentralbanker und Politiker denken.

Konjunkturindikatoren

Tatsächlich geht es mit der Weltwirtschaft bergauf. Seit Wochen sind die Stimmungsindikatoren auf Kletterpartie. Jetzt haben auch die Ökonomen des IWF ihre Wachstumsprognosen nach oben revidiert. Demzufolge wird die weltweite Produktion in diesem Jahr um 3,5 Prozent zulegen nach 3,1 Prozent im vergangenen Jahr. Für nächstes Jahr stellen die IWF-Experten 3,6 Prozent in Aussicht. Vor allem in den Industrieländern bessert sich die Konjunktur. Sowohl für die USA als auch für die Euroländer und Großbritannien erwarten die IWF-Ökonomen höhere Wachstumsraten als noch im Herbst vergangenen Jahres. Zudem dürften große Schwellenländer wie Russland und Brasilien die Rezession hinter sich lassen.

Auch der Welthandel belebt sich - allen protektionistischen Strömungen zum Trotz. Das globale Handelsvolumen wird in diesem und im nächsten Jahr um knapp vier Prozent zulegen, erwartet der IWF. Im vergangenen Jahr lag die Rate nur bei 2,2 Prozent.

Dass es mit der Weltwirtschaft bergauf geht, ist vor allem das Werk der extrem expansiven Geldpolitik. Seit Jahren greifen die Zentralbanker den Banken, Unternehmen, Bürgern und den Regierungen mit Niedrigzinsen unter die Arme. Nun scheint die verabreichte Medizin anzuschlagen. IWF-Chefin Christine Lagarde sieht in den Notenbankern denn auch die „Helden der Krise“.

Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass das Werk der Notenbanker nicht heldenhaft, sondern desaströs ist. Denn es ist das von ihnen und den Geschäftsbanken aus dem Nichts geschöpfte Geld, das der Welt immer wieder schwere Finanz- und Bankenkrisen beschert. Das belegen Untersuchungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Die BIZ- Ökonomen haben herausgefunden, dass Kreditvergabe und Immobilienpreise langfristigen Wellenbewegungen folgen. Die typische Dauer eines solchen Finanzzyklus beträgt 15 bis 20 Jahre. Am Anfang verleiht das billige Geld der Konjunktur Flügel. Zieht die Inflation an, erweisen sich viele Investitionsprojekte als unrentabel. Die mit Schulden aufgepumpten Preisblasen platzen und stürzen die Wirtschaft schließlich in die Krise.

Derzeit befindet sich die Weltwirtschaft den Analysen der BIZ zufolge in der Frühphase eines neuen Finanzzyklus. Die Minizinsen treiben die Kredite und die Immobilienpreise in vielen Ländern wieder in die Höhe, die Investitionen ziehen an, mehr Menschen haben Arbeit, die Einkommen steigen, es macht sich Wohlfühlstimmung breit. Doch unter der Oberfläche des Aufschwungs brauen sich neue Gewitter zusammen. Die künstlich nach unten gedrückten Zinsen lassen Investitionen rentabel erscheinen, die es bei genauer Betrachtung gar nicht sind. Die Produktionsstruktur wird verzerrt, die Saat für die neue Krise gelegt.

Um einen neuen Boom-Bust-Zyklus zu verhindern, müssten die Zentralbanker die Zinsen daher rasch anheben. Damit dämpften sie zwar die Partystimmung in der Wirtschaft. Doch ersparten sie ihr zugleich den anschließenden Kater. Es wäre die Aufgabe des IWF, bei den Notenbankern eine Lanze für höhere Zinsen zu brechen – doch dafür fehlt Frau Lagarde wohl der Heldenmut.

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