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Robert Solow Der Entdecker des Wachstums

Was führt zu Wohlstand und Wachstum? Robert Solow fand eine Antwort und prägte damit den Kern der modernen Ökonomie.

US-Ökonom Robert Solow - 1987 erhielt er den Ökonomie-Nobelpreis. Quelle: Julia Zimmermann für Wirtschaftswoche

Vielleicht ist es das höchste Lob, mit dem man einen Nobelpreisträger rühmen kann: „Er hat einen sehr gesunden Menschenverstand!“ Das sagt Carl Christian von Weizsäcker, angesehener Emeritus an der Universität Köln, über seinen alten Lehrer Robert Merton Solow. Im Klartext heißt das: Solow, der Erfinder der Wachstumstheorie, ist nicht nur blitzgescheit und genial, sondern auch in Alltagsdingen überaus klug. Und dazu noch ein furchtbar netter Kerl.

Generationen von Ökonomen – angefangen bei Adam Smith – hatten nach der Ursache von Wachstum und Reichtum gesucht. Was beschert uns dauerhaftes Wachstum? Solow lieferte die Antwort: Neue Ideen und Erfindungen sind der Motor einer Volkswirtschaft. 1957 zeigte der statistikbegeisterte Ökonom, dass sieben Achtel des amerikanischen Wirtschaftswachstums seit der Wende zum 20. Jahrhundert auf technischen Fortschritt zurückzuführen waren.

Die größten Ökonomen
Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.
Gustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gege die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten. Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SA
Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt. Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen. Quelle: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA
Gary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen. Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität. Quelle: dpa
Jeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien. Quelle: dpa
Der Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System  entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft. Quelle: dpa
Amartya Sen Quelle: dpa

Sein neu entwickeltes Wachstumsmodell ebnete den Weg für eine hochdetaillierte Datenanalyse und damit für eine neue Fachdisziplin, das sogenannte „Growth Accounting“. Solow gilt darum als Begründer der Wachstumstheorie. Drei Jahrzehnte nach seiner bahnbrechenden Publikation erhielt er 1987 den Nobelpreis.

Eine Kombination aus Keynesianismus und Neoklassik

Ins Rampenlicht hat sich der 1924 in New York geborene Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland nie gedrängt. Wer etwas über ihn wissen will, muss seine Weggefährten und Schüler fragen. Solow sei ein „sehr warmherziger Mensch, der auch sehr witzig sein kann“, berichtet von Weizsäcker, der vor Jahrzehnten als Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Solow kennenlernte. Als Wissenschaftler habe Solow keynesianisches und neoklassisches Gedankengut vereint.

Solows berühmtes Wachstumsmodell ist allerdings rein neoklassisch. Die langfristige Wachstumsrate hängt danach allein vom technischen Fortschritt und dem Wachstum des Arbeitsangebots ab. Setzt man das Wachstum des Arbeitsangebots dem Bevölkerungswachstum gleich, dann wächst das Pro-Kopf-Einkommen im selben Maß („Steady State“) wie das technologische Wachstum. Ohne technischen Fortschritt ist demzufolge dauerhaftes Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens nicht möglich. Gerade darum aber haben arme Länder gute Chancen, zu den reichen Nationen aufzuschließen.

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