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Statistisches Bundesamt Deutsche Exporte schrumpfen unerwartet

Deutsche Exporte gehen unerwartet zurück Quelle: dpa

Die deutschen Exporte sind im September im Vergleich zum August um 0,8 Prozent gesunken. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet.

Exporteuropameister Deutschland bekommt die schwächere globale Konjunktur und zunehmende Handelshürden früher zu spüren als Weltmeister China. Die deutschen Ausfuhren sanken im September zum Vorjahresmonat um 1,2 Prozent auf 109,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Chinas Exporte legten dagegen nach Angaben der Zollbehörde im Oktober um 15,6 Prozent zu, nachdem es schon im September ein deutliches Plus von 14,5 Prozent gegeben hatte.

„China dürfte von Vorzieheffekten profitiert haben, während Deutschland durch Sondereffekte belastet wurde“, erläuterte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Aus Furcht vor höheren Kosten infolge weiterer Strafzölle kauften viele US-Unternehmen verstärkt in der Volksrepublik ein. Chinas US-Exporte legten deshalb im Oktober um mehr als 13 Prozent zu. Die Regierung in Washington droht damit, die Zölle auf zahlreiche Produkte auf 25 Prozent von derzeit zehn Prozent anzuheben. „Noch bis Jahresende dürften die Ausfuhren wegen Vorzieheffekten kräftig zulegen“, erwartet ING-Ökonomin Iris Pang.

Deutschland machen dagegen nicht nur Handelshürden, Risiken wie der geplante EU-Austritt Großbritanniens und schwächelnde Schwellenländer wie die Türkei zu schaffen, sondern auch hausgemachte Probleme: Deutsche Autohersteller haben Schwierigkeiten mit der Umstellung auf den strengeren Abgasmesszyklus WLTP, weshalb sie ihre Produktion drosseln mussten. Die Wirtschaftsweisen rechnen deshalb damit, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal erstmals seit 2015 wieder geschrumpft ist. Das Statistikamt veröffentlicht dazu in der kommenden Woche seine erste Schätzung.

Kein baldiger Frieden erwartet

Deutsche wie chinesische Exporteure hoffen, dass es im Handelsstreit mit den USA zu einer gütlichen Einigung kommt und damit ein großer Unsicherheitsfaktor wegfällt. Das geplante Treffen zwischen Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump sei für beide Seiten besonders wichtig, sagte der chinesische Staatsrat Wang Yi. Ein anderer hochrangiger chinesischer Diplomat äußerte, sein Land sei bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten, um eine Lösung zu finden, die für beide Seiten von Vorteil sei.
Die beiden Staatschefs wollen Ende des Monats am Rande des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Argentinien über den Zollkonflikt beraten. Die zwei größten Wirtschaftsmächte der Welt überziehen sich seit Monaten mit Strafzöllen. Trump stört sich insbesondere am Defizit im Handel mit China, das im September einen Rekordwert von 40,2 Milliarden Dollar erreichte. Er hat mehrfach beklagt, sein Land werde von der Volksrepublik über den Tisch gezogen.

Experten rechnen nach dem Teilerfolg der Demokraten bei den Kongresswahlen nicht mit einem baldigen Frieden im Handelskonflikt zwischen der EU und den USA. Es wird vielmehr befürchtet, dass Trump die Auseinandersetzung sogar noch verschärfen wird, da er zwar innenpolitisch auf Kompromisse mit den Demokraten angewiesen ist, in der Außenwirtschaftspolitik aber weitgehend freie Hand behält. „Es kann sein, dass Trump gegenüber Europa und China noch aggressiver wird, um davon abzulenken, dass er innenpolitisch unter Druck gerät und nicht mehr viel bewegen kann“, sagte etwa der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Trump droht beispielsweise mit Sonderzöllen auf europäische Autos, was besonders Deutschland treffen würde. Nach einem Treffen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker im Sommer sagte er allerdings einen vorläufigen Verzicht zu. Stattdessen gibt es nun Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren. Die USA sind der größte Kunde der deutschen Wirtschaft: 2017 exportierte sie Waren im Wert von fast 112 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten.

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