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USA Das hat Janet Yellen mit unserem Geld vor

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Hohe Zinsen in Amerika würden Europa und den Euro schwächen

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Mit ihrem Niedrigzinsversprechen signalisieren sie den Anlegern, dass es sich nicht lohnt, auf steigende Zinsen für kurzlaufende Papiere zu setzen. Das soll Investoren zum Kauf von langlaufenden Staatsanleihen veranlassen, um deren Kurse und Renditen zu stabilisieren, wenn sich die Fed aus dem Markt zurückzieht. Doch ob die Strategie aufgeht, steht in den Sternen.

Sollte die US-Konjunktur rascher Fahrt aufnehmen als erwartet – was angesichts der geldpolitischen Stimuli der vergangenen Jahre durchaus möglich ist –, muss Yellen schnell handeln. „Legt die US-Wirtschaft in diesem Jahr um mehr als 3,5 Prozent zu, muss Frau Yellen die Leitzinsen erhöhen und schneller aus dem Anleihenkaufprogramm aussteigen“, sagt Harris. Das hätte weitreichende Folgen für die gesamte Weltwirtschaft.

Folgen für Europa

Höhere Zinsen in Amerika zögen nicht nur verstärkt Kapital aus den Schwellenländern ab und beschleunigten so die Talfahrt an den Finanzmärkten dort. Sie böten auch Anlegern aus der Euro-Zone eine rentable Alternative. In den vergangenen Monaten sind die Renditen für Anleihen aus den Peripherieländern im Euro-Raum deutlich gesunken. Irische Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentieren derzeit nur noch mit rund 3,3 Prozent, gerade einmal 30 Basispunkte mehr als US-Staatsanleihen. Italienische und spanische Anleihen bieten Renditen von lediglich rund 3,8 Prozent.

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Klettern die Renditen für US-Anleihen im Zuge einer strafferen Geldpolitik der Fed in Richtung 3,5 Prozent, dürfte ein Exodus von Anlegern aus der Euro-Zone einsetzen und die Renditen hierzulande nach oben treiben. Das gilt vor allem für Bundesanleihen, deren Verzinsung mit knapp 1,8 Prozent nicht gerade üppig ausfällt. Die Erfahrung zeigt, dass sich Bundesanleihen den Vorgaben aus Amerika kaum entziehen können (siehe Grafik Seite 38).

Der EZB und den europäischen Regierungschefs, die die Euro-Krise überwunden wähnen, käme das denkbar ungelegen. Denn anders als in Amerika wäre ein Zinsanstieg auf dem alten Kontinent nicht durch höhere Wachstumsraten der Wirtschaft gedeckt. Beispiel Spanien: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet für das Mittelmeerland in diesem Jahr mit einem nominalen Wirtschaftswachstum von gerade einmal 1,0 Prozent.

Kletterten die Zinsen für spanische Staatsanleihen von derzeit knapp 3,8 Prozent auf die Durchschnittsrendite der Altanleihen von 4,3 Prozent, ergäbe sich ein Zins-Wachstums-Gefälle von 3,3 Prozentpunkten. Angesichts der Schuldenlast des Staates von rund 99 Prozent des BIPs würde die Schuldenquote trotz des erwarteten Überschusses im Primärhaushalt der Regierung (ohne Zinsausgaben) von 0,4 Prozent auf knapp 102 Prozent steigen.

Wächst der Schuldenberg der Krisenländer munter weiter, sind neue Finanzierungsengpässe kaum noch zu vermeiden. Daher dürfte sich die EZB mit allen Mitteln gegen einen aus Amerika importierten Zinsanstieg stemmen. Analysten gehen davon aus, dass die Euro-Hüter die geldpolitischen Zügel ohnehin wegen der rückläufigen Inflation demnächst weiter lockern. „Die EZB wird den Leitzins im März von 0,25 auf 0,1 Prozent senken und den Satz für Einlagen von Banken bei der Notenbank auf minus 0,1 Prozent reduzieren“, prognostiziert Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank.

Der Autorin auf Twitter folgen:

Schwappt der Aufwärtstrend bei den Zinsen aus Amerika nach Europa herüber, werde die EZB nicht davor zurückschrecken, die Notenpresse anzuwerfen. „Die EZB könnte in diesem Fall die Staatsanleihen aller Euro-Länder in großem Stil kaufen, um die Zinsen nach unten zu drücken, zumal die Vertreter der Krisenländer ohnehin dafür sind“, sagt Krämer.

Damit könnte ausgerechnet die Straffung der Geldpolitik in Amerika hierzulande die Notenpresse in Gang setzen. Die beiden Kontinente drifteten geldpolitisch weit auseinander, der Euro ginge gegenüber dem Dollar auf Talfahrt. Bis Ende dieses Jahres werde sich die Gemeinschaftswährung auf 1,28 Dollar verbilligen, erwartet Krämer. 2015 werde sich der Abwärtstrend fortsetzen. Ein Urlaub im Land von Janet Yellen wird dann für Deutsche wieder spürbar teurer werden.

Biografische Daten der Fed-Chefin

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