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USAStellenabbau und Zölle belasten US-Arbeitsmarkt

In den USA gibt es im August deutlich weniger neue Arbeitsstellen als erwartet. Damit steigt die Chance auf eine baldige Zinssenkung. 05.09.2025 - 16:24 Uhr
Der US‑Arbeitsmarkt schwächelt. Foto: Keith Srakocic/AP/dpa

Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich überraschend schwach und lässt die Aussichten auf eine baldige Zinssenkung steigen. Im August kamen nur noch 22.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Bericht der Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen weit höheren Zuwachs von 75.000 Stellen erwartet.

Zugleich wurde die Zahl der im Juli geschaffenen Arbeitsplätze auf 79.000 von ursprünglich 73.000 nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote stieg im August wie erwartet leicht auf 4,3 Prozent. Die Job-Daten bestärkten die Finanzmärkte in der Ansicht, dass die Notenbank die Zinsen am 17. September wohl erstmals im laufenden Jahr senken wird und weitere Lockerungen folgen werden.

Analysten nennen drei Gründe für die Schwäche auf dem Arbeitsmarkt: Zum einen bremsen die US-Zölle den Beschäftigungsaufbau im verarbeitenden Gewerbe. Denn Produzenten müssen jetzt für Importe mehr bezahlen als vorher. Das hemmt diese, neue Stellen zu schaffen.  Als zweiten Punkt wird der Stellenabbau im öffentlichen Dienst genannt. Der US-Präsident Donald Trump will die staatliche Verwaltung personell entschlacken. Im August waren von dem Abbau um die 20.000 Jobs betroffen.

Drittens schlägt sich die strenge Anti-Immigrationspolitik der US-Regierung durch. Immigration war lange der Motor hinter dem Beschäftigungswachstum in den USA. Weil jetzt deutlich weniger Einwanderer ins Land kommen und viele aus den USA deportiert werden, sinkt das Angebot an Arbeitskräften. Entsprechend sind auch weniger neue Stellen notwendig, um die Arbeitslosenquote konstant zu halten.

Eigentlich gilt in den USA die Daumenregel, dass Unternehmen etwa 100.000 neue Jobs im Monat schaffen müssen, um dem stetig wachsenden Angebot an Arbeitskräften gerecht zu werden. Unter der neuen Einwanderungspolitik dürfte diese Zahl deutlich niedriger ausfallen.

„Auf dem Arbeitsmarkt lief es zuletzt schon deutlich schlechter. Nun ist der Beschäftigungsaufbau nahezu zum Erliegen gekommen“, erläuterte Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, sieht die Daten als weiteres Warnzeichen für die Konjunktur: „Die US-Wirtschaft ist auf Sinkflug. Das zeigen die heute erneut sehr schwachen Arbeitsmarktdaten.“

In den USA war zuletzt auch weniger Personal nachgefragt worden. Die Zahl der offenen Stellen ging im Juli auf 7,181 Millionen zurück. Und auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe haben zuletzt stärker zugenommen als erwartet.

Anleger verunsichert, Gold glänzt

Die enttäuschend ausgefallenen Daten vom Jobmarkt verunsicherten die Anleger. Der Preis für das in Krisenzeiten als sicherer Hafen angesehene Gold kletterte um gut ein Prozent auf 3582,71 Dollar je Feinunze und erreichte damit ein frisches Allzeithoch.

Gefragt waren auch US-Staatsanleihen und der Euro. Der Dollar-Index baute indes seine Verluste etwas aus. Die Anleger am Aktienmarkt zeigten sich hingegen gelassen: Der Dax, der EuroStoxx50 und die Futures für die wichtigsten US-Indizes verharrten bei ihren leichten Gewinnen.

Um die Arbeitsmarktdaten hatte es zuletzt viel Wirbel gegeben: Trump entließ die Leiterin der zuständigen Behörde „Bureau of Labor Statistics“ (BLS) nur wenige Stunden, nachdem das BLS ein deutlich schwächer als erwartet ausgefallenes Beschäftigungswachstum für Juli gemeldet und umfangreiche Korrekturen an den Daten für Mai und Juni vorgenommen hatte. Wie sich nun herausstellte, mussten auch die Juni-Daten erneut revidiert werden: Statt eines Stellenzuwachses von 14.000 wurde nun ein Job-Abbau von 13.000 in jenem Sommermonat gemeldet.

Diese Zahlen dürften die Alarmglocken bei der Zentralbank schrillen lassen, die neben Preisstabilität auch Vollbeschäftigung fördern soll. Die Arbeitsmarktdaten zählen für die US-Notenbank Federal Reserve neben den Inflationszahlen zu den wichtigsten Kennziffern zum Abstecken ihres Zinskurses. Fed-Chef Jerome Powell hat jüngst die Tür für eine Zinssenkung geöffnet und auf zunehmende Risiken für den Arbeitsmarkt verwiesen. Die Zentralbank hat den Schlüsselsatz dieses Jahr noch nicht angetastet und in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent belassen.

Zinshoffnungen nach US-Jobdaten beflügeln Wall Street

Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung in den USA sorgen an der Wall Street zum Wochenschluss für Kauflaune. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zur Eröffnung am Freitag 0,2 Prozent höher bei 45.703 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq gewannen jeweils rund ein halbes Prozent auf 6525 und 21.826 Zähler.

rtr, had
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