Verbrennerverbot: E-Fuel-Verbrenner sind im Ernstfall die einzige Chance für deutsche Autobauer

Beim Verbrennungsmotor sind die Deutschen noch führend. Bei der E-Mobilität haben sie kaum noch eine Chance.
Foto: dpaDer E-Fuels-Händler Lühmann will nun also per Gericht Teile des im März verabschiedeten europäischen Verbrennerverbots kippen lassen, als erstes deutsches Unternehmen gegen die EU-Verordnung klagen. Tatsächlich ist die Regelung, die vorschreibt, dass Fahrzeuge selbst keine Emissionen mehr ausstoßen dürfen, eine unverhältnismäßige, ja geradezu absurde Benachteiligung der E-Fuels gegenüber dem E-Auto. Beide Technologien sind am Ende CO2-neutral – egal was aus dem Auspuff raus kommt oder nicht. Solange Kohle und Gas teilweise den Strom für E-Autos liefern, sind echte E-Fuels sogar klimafreundlicher, weil 100 Prozent des emittierten CO2 zuvor aus der Luft gesaugt wurde.
Doch das ist nicht der einzige Grund, warum es allerhöchste Zeit ist für diese Klage. Die Verordnung aus Brüssel ist in ihrer jetzigen Form eine massive Gefahr für das Überleben der kompletten deutschen Autoindustrie. Verbrenner könnten am Ende womöglich die einzige Chance für diese hierzulande so wichtige Branche sein, im globalen Autobusiness eine wichtige Rolle zu spielen.
China ist bei der Batterietechnik technologisch inzwischen so weit voraus, dass ein Einholen immer unwahrscheinlicher wird. Zugleich drängen chinesische Hersteller so stark mit billigen und dennoch guten E-Autos auf den europäischen Markt, dass Brüssel auf Drängen von Frankreich nun sogar Strafzölle erwägt.
Es ist nur ein Vorgeschmack auf die Verwerfungen, die das Verbrennerverbot auch im Premiumsegment anrichten dürfte. Chinesische Hersteller wie Nio stehen jedenfalls in den Startlöchern.
Diesen Fehler darf man nicht wiederholen
Man muss an dieser Stelle an die Schweizer Uhrenindustrie erinnern, die in den 1980er Jahren in einer ähnlichen Situation steckte. Japanische Uhrenhersteller wie Seiko überschütteten den Markt mit Quarzuhren. Die zeigten die Zeit genauer an, mussten nicht aufgezogen werden, waren billiger. Die meisten Schweizer Uhrenhersteller entschieden, die mechanische Uhr aufzugeben, selbst nur noch Quarzuhren zu bauen. Das hat sie fast die Existenz gekostet. Denn gegen die Japaner hatten sie – von Swatch abgesehen – keine Chance.
Um diesen Fehler zu korrigieren, die Entwicklung mechanischer Uhren wieder aufzubauen, brauchten einige der Firmen fast zwei Jahrzehnte. Und aus solchen Fehlentscheidungen nicht zu lernen, keine Vorkehrungen zu treffen, wäre schlicht grob fahrlässig.
Das soll zwar nicht heißen, dass die hiesige Autoindustrie nicht weiterhin mit aller Kraft versuchen müsste, im Markt für Elektromobilität eine gewichtige Rolle zu spielen. Aber es muss auch klar sein, dass dieser Weg mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit genauso enden kann wie jener der Schweizer Uhrenindustrie.
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Viele Kritiker des Verbrenners bringen immer wieder das Beispiel Nokia an, dass vom Smartphone verdrängt wurde. Das sei beim Verbrennungsmotor genauso, der werde vom E-Antrieb einfach ausradiert. Doch es ist ein schiefer Vergleich. Der Zusatznutzen des Smartphones war um ein vielfaches Höher als der des Nokia-Telefons. Das Smartphone ist eine Plattform, auf die sich Hunderttausende Apps mit verschiedensten Funktionen laden lassen.
Das E-Auto hat gegenüber dem Verbrenner zunächst einmal keinen größeren Zusatznutzen. Und solange die E-Fuels für die Autos dort produziert werden, wo Energie deutlich billiger ist als in Europa, spielt auch der geringe physikalische Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors keine Rolle.
Man kann also nun nur hoffen, dass die Richter die Politiker in Brüssel zügig in ihre Schranken weisen. Deren Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen für den Klimaschutz zu setzen, keine Technologieentscheidungen zu treffen. Schon gar nicht, die falschen.
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