WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bewegungsdaten Diese Grafiken lassen erahnen, wie der Lockdown sich auf unser Leben auswirkt

Die Pandemie hat auch die Art und Weise, wie die Deutschen sich fortbewegen, verändert. Einblicke geben Mobilitätsdaten von Google. Quelle: Unsplash/Thought Catalog, Illustration: Patrick Zeh

Google-Mobilitätsdaten lassen erahnen, wie sich die Deutschen während der Pandemie eingeschränkt haben. Sie zeigen Unterschiede zum ersten Lockdown und geben Hinweise, ob die Regierung mit den Verschärfungen richtig lag.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

In der vergangenen Woche verschärften Bund und Länder ein weiteres Mal die Corona-Regeln. Seither reichen Alltags- und Stoffmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften nicht mehr aus. Stattdessen müssen die Menschen OP-, FFP2- oder KN95-Masken tragen. Kitas und Schulen bleiben geschlossen und damit die Menschen noch weiter ihre Kontakte einschränken und vermehrt zu Hause bleiben, sollen Arbeitgeber wo immer möglich das Arbeiten daheim ermöglichen.

Gefühlt diskutiert ganz Deutschland seit Anfang Dezember wöchentlich über neue Maßnahmen, um die Fallzahlen zu senken. Zu groß ist die Angst, dass die in Großbritannien aufgetauchte Virusmutation das Gesundheitssystem hierzulande kollabieren lässt und die Todeszahlen noch gravierender steigen. Anonymisierte Mobilitätsdaten, die von Google öffentlich zur Verfügung gestellt werden, lassen erahnen, wie die Deutschen ihr Leben seither eingeschränkt haben. Sie machen aber auch Unterschiede zum ersten Lockdown deutlich – und geben damit Hinweise, wo möglicherweise noch Nachholbedarf besteht.

Googles Daten zeigen dabei die Veränderung der Besuche und der Aufenthaltsdauer an bestimmten Orten, so wie das Unternehmen auch die Stoßzeiten in Kinos oder Restaurants in seinen Diensten angibt. Diese werden mit Referenzwerten verglichen, die sich als Medianwert für den Zeitraum vom 3. Januar bis zum 6. Februar 2020 ergeben. Die Berechnungen basieren laut Google auf Daten von Nutzern, die den Standortverlauf für ihre Google-Konten aktiviert haben. Der Standortverlauf speichert die Orte, die Nutzer mit ihren Mobilgeräten besuchen.

Das bedeutet allerdings auch, dass die Daten zwar Tendenzen zeigen können, aber keinesfalls repräsentativ sind. Schließlich nutzt nicht jeder die Dienste von Google oder hat den Standortverlauf aktiviert. Eine Ahnung davon, wie sehr sich das Leben der Deutschen über das vergangene Jahr verändert hat, geben sie dennoch.

Einzelhandel und Freizeit



In die Kategorie Einzelhandel und Freizeit fallen bei den Bewegungsdaten von Google Geschäfte wie Saturn oder H&M, aber auch Restaurants, Cafés, Freizeitparks, Museen, Bibliotheken und Kinos. Im Zuge des ersten Lockdowns im Frühjahr des vergangenen Jahres brachen die Besuche im Vergleich zu Referenzzeitraum in diesen Einrichtungen entsprechend ein – und zwar abrupt. Mit den wärmeren Temperaturen und den zunehmenden Lockerungen näherten sich die Zahlen aber immer mehr dem Referenzzeitraum an.

Ab Oktober scheinen sich die Menschen zumindest laut den Google-Daten wieder vermehrt einzuschränken. Nachdem die Regierung dann ab dem 2. November zunächst einen leichten Lockdown verordnete und die Gastronomie, Freizeit-, Sport- und Kulturveranstaltungen schließen mussten, nahmen zumindest in den Google-Daten auch die Besuche im Vergleich zu Referenzzeitraum entsprechend ab – allerdings nicht im gleichen Maße wie beim ersten Lockdown. Schließen waren Einzelhandelsgeschäfte immer noch geöffnet.

Ab dem 16. Dezember mussten dann auch diese schließen. Da der Beschluss dazu ein paar Tage früher bekannt gegeben wurde, zog es offenbar viele Menschen noch am 15. Dezember in die Innenstädte, um die letzten Weihnachtsgeschenke vor Ort kaufen zu können. Das lässt zumindest den Anstieg der Mobilitätsdaten an diesem Tag vermuten. Anschließend fiel die Kurve ab, erreichte ihren Tiefststand an den Feiertagen und rangiert seither auf dem Niveau des ersten Lockdowns.

Parks



Wenn die Menschen sonst schon nicht viel tun können im Lockdown, so bleibt ihnen immerhin die Bewegung an der frischen Luft. Die Kategorie „Parks“ gewährt hier Einblicke, denn sie umfasst Nationalparks, öffentliche Strände, Yachthäfen, Hundeauslaufgebiete, öffentliche Plätze und Gärten. Die Google-Daten lassen vermuten, dass es die Menschen während des ersten Lockdowns tatsächlich vermehrt an die frische Luft getrieben hat, als während des Referenzzeitraums. Im Sommer ist die Veränderung im Vergleich zu Referenzzeitraum noch deutlich größer, was schlicht am besseren Wetter liegen dürfte.

Seit dem zweiten Lockdown verspüren die Menschen aber offenbar keinen größeren Drang nach Besuchen in Parks oder an Stränden als im Vergleich zum Referenzzeitraum – zumindest rangieren die Werte auf dem Niveau der Referenzwerte. Ob das an den verschärften Corona-Maßnahmen oder am schlechteren Wetter liegt, lässt sich allerdings aus den Daten nicht erschließen.

Bahnhöfe und Haltestellen



Der erste Lockdown hatte auf jeden Fall eine deutliche Auswirkung: Wo sich sonst zu Stoßzeiten Pendler dicht an dicht wie in einer Sardinendose aneinanderdrängten, herrschte Mitte März erstaunliche Leere, wie es sie sonst selbst zu Nachtzeiten nicht gibt. Das lassen auch die Mobilitätsdaten von Google erahnen. Wie beim Einzelhandel und den Freizeiteinrichtungen besuchten weniger Menschen als während des Referenzzeitraums Bushaltestellen und Bahnhöfe. Entsprechend kann man schlussfolgern, dass auch weniger Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren. Mit zunehmenden Lockerungen sind die Besuchszahlen noch immer geringer als im Referenzzeitraum.

Es gibt aber auch noch eine zweite Ähnlichkeit zu der ersten Kategorie: Laut den Google-Daten nutzen die Deutschen die öffentlichen Verkehrsmittel nur nach und nach immer weniger. Anders als beim ersten Lockdown ist kein abrupter Fall in den Zahlen zu erkennen. Das könnte auch damit zusammenhängen, das anders als im Frühjahr viele Arbeitgeber ihre Mitarbeiter weiterhin ins Büro beorderten. Erst mit dem harten Lockdown ab dem 16. Dezember erreichen die Zahlen ein ähnliches Niveau wie im Frühjahr.

Arbeitsstätten



Während des ersten Lockdown war es zwar für viele Unternehmen eine Herausforderung, ihren Mitarbeitern das Arbeiten auch zu Hause zu ermöglichen. Doch viele schafften es. Das lassen auch die Google-Daten vermuten. Im Vergleichs zum Referenzzeitraum besuchen deutliche weniger Menschen ihre Arbeitsstätten. Mit den Lockerungen holten aber offenbar zum Teil die Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder zurück oder die Mitarbeiter kamen teilweise wieder freiwillig vermehrt ins Büro. Dass aber immer noch wesentlich mehr Menschen im Homeoffice arbeiteten als zum Referenzzeitraum, scheinen die Daten zu bestätigen.

Während der Sommerzeit besuchen dann wiederum weniger Menschen als während des Referenzzeitraums ihre Arbeitsstätten. Das dürfte aber eher mit den Urlauben der Mitarbeitern zusammenhängen. Nach der Sommerzeit ist die prozentuale Veränderung der Arbeitsstättenbesuche geringer als im Frühjahr. Erst mit dem harten Lockdown scheinen die Menschen vermehrt von zu Hause aus zu arbeiten. Genauso könnten aber auch viele Mitarbeiter ab Mitte Dezember ihre restlichen Urlaubstage in Anspruch genommen haben und so die Unterschiede zum Referenzzeitraum erklären.

Wohnorte



Die Google-Daten zu den Wohnorten bestätigen den Eindruck der vorherigen Grafik. Während des ersten Lockdown verbringen die Menschen deutlich mehr Zeit daheim als während des Referenzzeitraums. Im Sommer zieht es sie dagegen wahrscheinlich aufgrund der Lockerungen und des besseren Wetters hinaus. Mit den kälteren Temperaturen, dem schlechteren Wetter, den steigenden Fallzahlen und strikteren Corona-Maßnahmen verkehrt sich das aber wiederum ins Gegenteil.

Das interessiert WiWo-Leser heute besonders


 Was heute wichtig ist, lesen Sie hier


Anhand der Bewegungsdaten von Google lassen sich also die Einschränkungen des vergangenen Jahres auf das Leben der Deutschen erahnen. Und auch wenn es keine repräsentativen Daten sind, scheinen zumindest die Verschärfungen durch Bund und Ländern nicht unbegründet zu sein. Wenn es darum geht, Kontakte zu verringern, gab es laut den Google-Daten bei den Arbeitsstätten noch Luft nach oben. Zumindest lassen die Daten vermuten, dass im vergangenen Jahr schon mal deutlich mehr Menschen von zu Hause aus gearbeitet haben. Bus und Bahn fahren die Deutschen aber offensichtlich noch immer genauso wenig wie seit Beginn des harten zweiten Lockdowns. Diese wenigen wollen Bund und Länder offenbar durch die verschärfte Maskenpflicht vor einer Infektion schützen.

Mehr zum Thema: Bund und Länder haben beschlossen, eine Homeoffice-Pflicht wo immer möglich durchzusetzen. Dabei schickt gerade der Staat Mitarbeiter bislang selten ins Homeoffice.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%