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E-Perso und Gesundheitskarte Warum der digitale Deutsche noch Zeit braucht

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Wenig Ahnung, kaum Möglichkeiten

„Beim Bürger kann das Interesse einfach nicht da sein, wenn er nicht weiß, wofür er sich interessieren soll“, bringt es Mentzinis den Punkt. „Zugespitzt könnte man sagen, wenn sich der Bürger nicht auf einer Homepage mit angebotenen Diensten per Zufall auf eine Unterseite verirrt, dann weiß er nichts von der Möglichkeit, die eID-Funktion einsetzen zu können“, beschreibt es Waldmüller-Schantz. Dies sei eine Baustelle, an der gearbeitet werden muss. Im Bürgeramt seien schon mit dem Start des E-Persos die Weichen falsch gestellt worden, sagt Mentzinis: „Das Personal dort ist einfach nicht ausreichend geschult worden.“ Denn wer bei der Beantragung seines E-Persos fragt, wie man die eID denn nutzen kann, bekommt zumeist ausweichende Antworten, denn auch die Mitarbeiter im Bürgerbüro wissen zumeist nicht, zu was die eID eigentlich nütze ist.

„Man merkt, dass in Kommunen, die bereits entsprechende Portale betreiben und in denen somit ein gewisses Hintergrundwissen zur eID-Nutzung vorhanden ist, die Einschaltquote der eID weitaus  höher liegt“, so Waldmüller-Schantz. Dort bewegten sie sich bei 70 bis 80 Prozent. Bei anderen sieht es aber eben extrem düster aus.

Zudem sind die Nutzungsmöglichkeiten noch nicht allzu zahlreich. Versicherungen und Banken halten sich bislang extrem zurück und auch Behörden sind in den vergangenen Jahren noch nicht allzu mutig gewesen. Je nach Kommune und Bundesland gibt es zudem sehr unterschiedliche Angebote. In Bremen gibt es das digitale Bürgerbüro, worüber eID-Nutzer sich zum Beispiel ummelden können ohne einen Besuch beim Amt. Das geht in Hessen zwar nicht, dafür können Bürger, die sich mit dem E-Perso digital ausweisen, zum Beispiel Briefwahlunterlagen beantragen. Was wo geht, muss also erst einmal recherchiert werden. Da sich die Zahl der interessierten und engagierten Bürgerbüros aber häuft, sieht Mentzinis als Chance: „Das könnte vielleicht einen Schub gebenund den Personalausweis etwas bekannter machen“.

In den Augen des Bitkom-Experten müssen drei Schritte getan werden, um den E-Perso unter die Deutschen zu bringen. Erstens darf nicht nur die Freischaltung der eID beim Perso-Antrag kostenlos sein, sondern auch die nachträgliche Freischaltung muss es ohne Gebühren geben. Das kostet bislang acht Euro. Eine unsinnige Hürde. Zweitens müsse dann als nächstes die Freischaltung grundsätzlich abgeschafft werden. Der Staat solle das Prinzip umdrehen: Der Bürger wird nicht gefragt, ob er die eID aktivieren will. Er muss sich aktiv entscheiden, dass sie abgeschaltet werden soll. So erhöhe sich automatisch die Zielgruppe derjenigen, die das System theoretisch nutzen können. Und Drittens muss die sogenannte Near-Field-Communication (NFC) möglich gemacht werden, die wir in Deutschland bislang vom kontaktlosen Bezahlen – etwa mit Smartphone oder Kreditkarte kennen. Unser E-Perso im Scheckkartenformat kann das nämlich schon. Jetzt muss es nur die Software geben, die die Verwendung in Kombination mit Smartphones und Tablets möglich macht. Dann wären wir auch die in der Anschaffung viel zu teuren und veralteten Kartenleser los, die jeder eID-Nutzer bislang benötigt. Diesen Schritt hält auch Waldmüller-Schantz für unverzichtbar: „Das ist die Zukunft.“

Bis dahin wird es aber noch etwas dauern. Der digitale Deutsche wird sich also wahrscheinlich auch noch etwas Zeit lassen. Das gilt nicht nur für den elektronischen Personalausweis, sondern auch für unsere elektronische Gesundheitskarte, die zum 1. Januar die alte Krankenversichertenkarte endgültig abgelöst hat.

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