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Google-Bann Das sind die Folgen für Huawei-Handybesitzer

Das Android-Logo auf einem Huawei Smartphone. Quelle: REUTERS

Google wird sein Betriebssystem Android nicht mehr an Huawei lizenzieren. Wir beantworten, was das für Käufer und Besitzer von Huawei-Handys bedeutet, wie es künftig um deren Sicherheit steht und ob es noch Updates gibt.

Innerhalb von nur gut einem halben Jahrzehnt hat sich der chinesische Technologiekonzern Huawei – nach Samsung und Apple – zum drittgrößten Smartphone-Produzenten der Welt entwickelt. Annähernd 203 Millionen Smartphones hat das Unternehmen im vergangenen Jahr weltweit verkauft. Gegenüber 2017 stieg der Markanteil am Geräteabsatz weltweit um gut drei Prozent und damit schneller als der aller anderen Anbieter. Die Marktführer, Samsung und Apple, verloren beide Marktanteile.

Diesem ungestümen Wachstum dürften die jüngsten US-Sanktionen und insbesondere Googles Ankündigung, Huawei vorerst keine neuen Versionen seiner um eigene Apps erweiterten Android-Variante zu lizenzieren, einen herben Dämpfer verpassen. Ob die Chinesen in der Lage sind, ähnlich wie sie das in ihrem Heimatmarkt seit Jahren tun (in dem die Google-Dienste ohnehin nicht zugelassen sind), in nennenswertem Umfang Handys auf Basis eines eigenen, alternativen Betriebssystems auf dem internationalen Markt zu verkaufen, ist ungewiss.

Was die Entscheidung für Käufer und Besitzer von Huawei-Handys bedeutet, beantworten wir hier:

Welche Smartphones sind von Googles Liefersperre betroffen?

Google hat inzwischen klargestellt, dass sich der Entzug der Lizenz nicht auf bereits produzierte oder ausgelieferte Geräte von Huawei bezieht; gleiches gilt für die Tochtermarke Honor. Wer also bereits ein Smartphone mit Googles Android besitzt, dem hat Google in einem Tweet über seinen offiziellen Twitter-Kanal mitgeteilt, dass diese Geräte weiter auf die Dienste des Play Stores zugreifen können (und damit wohl auch die Apps nutzen können) sowie durch Googles Spam- und Virenfilter Play Protect geschützt bleiben.
Zwar schreibt Google in dem Zusammenhang nur von den „existierenden“ Geräten, es ist aber unwahrscheinlich, dass damit ausschließlich die Huawei- oder Honor-Smartphones gemeint sind, die bereits an Endkunden verkauft sind. Vielmehr dürfte die Zusage auch für all jene Geräte gelten, die bereits produziert und an die (Zwischen-) Händler und Netzbetreiber verkauft sind.
Künftige Smartphone-Generationen, also etwa ein P40 oder ähnliches, werden vorerst aber sicher nicht mehr von Google für den Einsatz von Android und Googles eigener Android-Dienste lizenziert.

Was ist mit Googles Android-Apps?

Während Android selbst – neben einer von Google angepassten Variante – auch als Open-Source-Version existiert (mehr dazu weiter unten), sind es insbesondere Googles eigene Apps, die vom jüngsten Bann betroffen sind. So wird der Konzern insbesondere Anwendungen wie den Chrome-Browser, den Kartendienst Maps oder den E-Mail-Client Gmail für künftige Huawei-Geräte nicht mehr zur Verfügung stellen.
Allerdings ist auch hier nicht zu erwarten, dass Google den Gebrauch dieser Apps auf bereits verkauften Telefonen rückwirkend sperrt. Abgesehen davon existieren längst eine Vielzahl alternativer, oft ähnlich funktionaler Apps, mit deren Hilfe die Anwender die Google-eigenen Anwendungen ersetzen könnten, sei es der Firefox-Browser, der Here-Kartendienst oder der alternative F-Droid-Store. Bei anderen Anwendungen wie Microsofts Outlook für Android oder dem Amazon-Appstore „Underground“ ist hingegen nicht klar, ob auch deren Hersteller oder Betreiber sich demnächst dem von der Trump-Regierung verhängten Handelsverbot mit Huawei unterwerfen.

Was ist mit künftigen Updates für Huawei-Handys?

Auch hier gilt, dass es wohl weiter Sicherheits-Updates für die ausgelieferten Android-Varianten gibt, dass also zumindest auch die monatlichen Sicherheitsupdates für Android 8 „Oreo“ und Android 9 „Pie“ an die Geräte ausgeliefert werden. Entsprechend hat sich zumindest Huawei inzwischen geäußert.
Unwahrscheinlich ist hingegen, dass Huawei noch in der Lage ist, Software-Updates für die angekündigte nächste Android-Generation, Codename „Q“, für seine bereits ausgelieferten Handys auszuliefern. Wer also heute ein Huawei- oder Honor-Handy neuester Generation kauft, sollte sich darauf einstellen, möglicherweise während der Lebenszeit des Gerätes nicht mehr auf die nächsthöhere Android-Variante upgraden zu können.

Muss Huawei den Verkauf von Android-Telefonen beenden?

Nein, auch wenn Android und Google gemeinhin in einem Atemzug genannt werden: betroffen vom Lizenzentzug ist nicht das Betriebssystem selbst, sondern nur dessen von Google um seine eigenen Dienste erweiterte Version. Tatsächlich ist Android selbst als Plattform, die auf Linux basiert, nämlich seit Jahren Open Source, also lizenzkostenfrei nutzbar. Diese Variante des Betriebssystems, das Android-Open-Source-Projekt (AOSP), ist von Googles Bann nicht betroffen, obwohl Google selbst einer der größten Unterstützer von AOSP ist und die Zusammenarbeit der Projektpartner koordiniert.
Auf der Basis von AOSP könnte Huawei also auch künftig eigene Smartphones entwickeln und verkaufen. Und weil die Entwicklungsstufen der Open-Source-Variante im Wesentlichen jenen der kommerziellen Google-Version entsprechen, wäre früher oder später auch ein Umstieg auf die künftige Version „Q“ denkbar.

In China, wo der Staat den Einsatz von Googles Diensten bisher ohnehin untersagt, arbeitet Huawei auf seinen Smartphones sowieso schon seit Jahren mit einer angepassten eigenen Version von Android, die auf AOSP basiert. Dabei ersetzt das Unternehmen alle uns im Westen vertrauten Google-Apps durch Angebote konkurrierender chinesischer Anbieter – vom E-Mail-Dienst bis zur Karten-App. Für das internationale Geschäft sind diese Anwendungen allerdings nicht geeignet.

Was passiert mit meinen Garantieansprüchen?

Im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung sind Händler beziehungsweise Hersteller – völlig unabhängig von der Lizenzbeziehung zwischen Google und Huawei – ohnehin verpflichtet, bei Störungen am Gerät Ersatz oder Reparatur anzubieten. Das ändert sich durch den jüngsten Entscheid von Google nicht. Wer allerdings ab sofort und im Wissen um den Lizenzbann für neue Huawei-Geräte ein neues Smartphone des Herstellers kauft, darf sich in Zukunft nicht beschweren, wenn das Update zu Android „Q“ womöglich gar nicht oder jedenfalls deutlich später als erhofft verfügbar ist.

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