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Holodeck VRWie Start-ups am Durchbruch von Virtual Reality arbeiten

Das Start-up Holodeck VR verbindet dank einer cleveren Ortungstechnologie aus Deutschland virtuelle und reale Welt. Mit dabei ist einer der Gründer der Computerspiele-Ikone Electronic Arts.Matthias Hohensee 21.07.2017 - 09:34 Uhr
Virtuelle Welten sind nicht nur für US-Konzerne wie Apple und Co. ein heißes Thema. Auf der Digilty in Köln diskutieren auch deutsche Unternehmen, welche Rolle die virtuelle Welt bald hierzulande spielen wird. Das unverzichtbare Gadget: VR-Brille.

In der Halle der Loge der „Söhne Italiens“ an San Franciscos Mission Street finden normalerweise Bankette statt, die italienische Lebenskultur zelebrieren. An einem Montagnachmittag irrt eine Gruppe von Menschen durch sie, torkelt, lacht, fuchtelt mit den Armen durch die Luft und hat sichtlich Spaß. Unter ihnen ein Trendscout von Hewlett Packard und von einem taiwanesischen Computerhersteller.

Ihre gute Laune kommt aus einer Scheinwelt, die ihnen gerade via Virtueller Realität vorgegaukelt wird, in Form eines Spukschlosses voller Geister und Monster. Das Besondere ist, dass sie dessen Zimmer und gewundene Gänge nicht nur via Samsung Datenbrille vor sich sehen wie in traditionellen VR-Welten, sondern dass sie durch die Simulation hindurchlaufen können, sich in ihr bewegen, das Schloss selber zu Fuß erkunden. Um die Illusion zu verstärken, sind ab und an Gegenstände auf dem Parcours ausgelegt, wie beispielsweise weiche Matten, die man über die Datenbrille sieht und dann tatsächlich über sie tritt.

Möglich macht das Fortbewegen eine vom Fraunhofer Institut entwickelte Technologie, die ihren genauen Standort im Raum über eine Kombination aus optischen und Funksignalen ermittelt und anhand dieser Information die jeweilige Szene simuliert, inklusive Avataren der anderen Teilnehmer. Bis zu 100 Personen können derzeit parallel auf einer Fläche von bis zu 40.000 Quadratmetern erfasst werden. „Wir arbeiten daran, das auf bis zu 1000 Personen zu erweitern“, erklärt Jonathan Nowak Delgado, Geschäftsführer und Mitgründer von Holodeck VR.

Virtual-Reality-Brillen
Ob Oculus Rift, Playstation VR oder HTC Vive: Alle Virtual-Reality-Brillen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Sichtfeld zeigt ein Bildschirm die virtuelle Umgebung an, Linsen sollen für einen Rundum-Effekt sorgen. Das Bild wird bei jeder Bewegung des Kopfes angepasst – Sensoren messen jede Veränderung, der Computer errechnet blitzschnell das neue Bild.
Gründer Palmer Luckey baute eine erste Datenbrille aus Smartphone-Komponenten zusammen. Inzwischen hat die Facebook-Tochter die Technik so verfeinert, dass 2016 eine erste Verbraucherversion von Oculus Rift fertig wird. Oculus hat den Preis für die lange erwartete 3D-Brille mit 699 Euro in Europa höher als von Experten erwartet angesetzt.
Samsung bietet die Datenbrille Gear VR bereits jetzt als Zubehör fürs Smartphone an – es wird in die Halterung geschoben und dient als Display, die zwei Linsen in der Brille sorgen für die 3D-Optik. Damit ist das System nicht so leistungsfähig wie Konkurrenzprodukte, aber mobil. Die Technik stammt übrigens von Oculus VR.
Der Elektronikhersteller HTC entwickelt seine Virtual-Reality-Brille Vive gemeinsam mit dem Spielespezialisten Valve. Um die Position des Spielers möglichst genau zu ermitteln, werden im Raum zwei Lasersensoren montiert, die mit den Sensoren am Gerät permanent in Kontakt sind. Eine Besonderheit: Nutzer können sich damit im Raum bewegen. Einführung: Ende 2015.
Die virtuelle Realität muss nicht teuer sein: Mit Cardboard hat Google eine zusammenfaltbare Pappkonstruktion entwickelt, in die Nutzer ihr Smartphone schieben können. Eine App bereitet die Bilder passend auf. Technisch sind die anderen Systeme überlegen, Cardboard lässt aber erahnen, welche Möglichkeiten es gibt.

Am Schaffen von begehbaren Welten arbeiten etliche Start-ups, darunter auch das Berliner Unternehmen Illusion Walk. Die Idee hier: Die Position der Nutzer im Raum soll über das Scannen von VR-Codes bestimmt werden.

Unterstützung von einer wahren Branchengröße

Gemeinsam mit drei Mitgründern will Nowak Delgado die Holodeck-VR-Technologie kommerzialisieren, zunächst über den Einsatz in Freizeitparks. Einer der strategischen Partner ist das Unternehmen VR Coaster, das von Michael Mack geleitet wird, einem Mitglied der Unternehmerdynastie hinter dem Europa-Park Rust. Mack ist ein Pionier beim Verschmelzen von virtuellen und realen Welten, als er vor zwei Jahren in dem von ihm geleiteten Freizeitpark das Achterbahnfahren mit VR-Brille einführte, bei denen die Animationen vor den Augen der Gäste perfekt auf das Fahrerlebnis mit der Bahn abgestimmt sind.

„Die Kombination aus realer Welt und Virtual Reality wird die Spiele- und Freizeitbranche enorm verändern und ihr neuen Schwung geben“, behauptet Jeff Burton, ein freundlicher Endsechziger, der sich über die Präsentation in der Bankett-Halle wie ein Kind freut. Burton kann sich das Urteil erlauben. Er ist ein Veteran der Spielebranche, gründete vor 35 Jahren gemeinsam mit Computerspiellegende Trip Hawkins und anderen im Silicon Valley Electronic Arts (EA). Aus dem Start-up wurde ein Pionier der Branche, der heute mit Klassikern wie den Sport-Simulationen FIFA und Madden NFL rund 3,5 Milliarden Dollar jährlich umsetzt.

Die Gründer von TimeRide VR lassen Besucher in einer alten Straßenbahn Platz nehmen und virtuell durch das Köln der Jahrhundertwende fahren. Wir durften schon einmal Probe fahren.


Burton lernte die Gründer von Holodeck VR bei einem Deutschland-Besuch kennen. Ursprünglich plante er, nur als passiver Investor zu helfen. Doch dann war er so begeistert von dem Produkt, dass er nicht nur den Vorsitz des Verwaltungsrats übernahm, sondern sich auch als Mitgründer gewinnen ließ. „Ich denke, dass ich mit meinen Kontakten aus vier Jahrzehnten Spieleindustrie ein wenig helfen kann“, sagt Burton und lacht.

Noch ist Holodeck VR wie seine Inhalte virtuell. Das Unternehmen befindet sich noch in Gründung. Welche Gesellschaftsform gewählt wird und wo sich der Hauptsitz befindet, soll gemeinsam mit dem ersten Investor entschieden werden. Derzeit sprechen die Gründer mit Wagniskapitalgebern aus dem Silicon Valley und aus Europa.

Die VR-Branche ist ein Wachstumsmarkt, allerdings heiß umkämpft von sowohl Start-ups als auch bekannten Grössen wie Facebook, Sony, HTC, Samsung, Google oder Microsoft. Der Markteintritt von Apple wird erwartet. Die Großen sind nicht auf Gewinne aus dem Geschäft angewiesen, sondern sehen es als Erweiterung ihrer bestehenden Produktpalette. Das hat die Preise für die Hardware sinken lassen, erschwert allerdings auch den Wettbewerb.

Die Kunst ist, die Konsumenten langfristig für virtuelle Realität zu begeistern. Der erste große Hype vor zwei Jahren, als Facebook das VR-Startup Oculus für zwei Milliarden Dollar erwarb, erzeugte zwar viel Aufmerksamkeit. Die Produkte von Oculus aber auch von Sony verkauften sich dann allerdings doch weit weniger als erwartet.

EA-Gründer Burton glaubt an die Holodeck-VR-Idee

Im vergangenen Jahr steckten Investoren laut der Beratungsfirma Digi Capital rund 2,3 Milliarden Dollar weltweit in Start-ups für erweiterte und virtuelle Realität, etwa dreimal so viel wie im Jahr zuvor. Doch knapp 800 Milliarden Dollar davon gingen allein an das von Google unterstützte Unternehmen Magic Leap, dessen große öffentliche Präsentation immer noch aussteht. Im ersten Halbjahr flossen rund eine Milliarde Dollar in die noch junge Branche.

Burton glaubt, dass Holodeck VR einen großen Vorteil hat, da die Technologie unabhängig von der verwendeten Hardware funktioniert und so jedes System aufwerten kann.

„Das gemeinsame Erfahren mit anderen macht den Reiz aus“, behauptet er. Denn um durch die Scheinwelten zu wandern, muss man kein Meister im Computerspiel sein und komplexe Tastenkombinationen beherrschen. Laufen und Tasten kann jeder, vom Kleinkind bis zum Greis.

Burton setzt zunächst auf den Einsatz in Freizeitparks. „So hat die Videospielbranche ja auch mal in den frühen achtziger Jahren begonnen, man ging mit Freunden in die Arkade und spielte dort stundenlang Pac-Man“, sagt er. Später gelangte die Technologie dann in die heimischen Wohnzimmer.

Die Idee ist, Freizeitparks die nötige Hardware bereitzustellen und dann gemeinsam mit VR-Programmierern und Designern je nach Thema des Parks Inhalte zu entwickeln. Später sollen Franchise-Modelle hinzukommen, beispielweise für Laser Tag Studios, die so ihre Parcours virtuell aufrüsten können. Noch sind das alles nur Pläne, derzeit wird mit Interessenten wie Sixflags und Lego gesprochen. Bei einem ist sich Burton schon heute sicher. „Wir werden eine Menge Spaß haben“, sagt er. „Das ist im Leben doch wichtig, oder?“

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