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Sam AltmanChatGPT-Gründer überrascht, „dass es überhaupt funktioniert hat“

Auf der Kundenkonferenz Dreamforce des US-Softwarekonzerns Salesforce spricht Open-AI-Chef Sam Altman über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz – und was das größte Missverständnis über sie ist.Matthias Hohensee 14.09.2023 - 14:03 Uhr

Salesforce-CEO Marc Benioff (rechts) interviewt OpenAI-CEO Sam Altman zu Beginn der diesjährigen Messe Dreamforce. Die beiden sind auch privat Nachbarn.

Foto: AP

Zwei Stunden nachdem Salesforce-CEO Marc Benioff in seiner Eröffnungsrede auf seiner Kundenmesse Dreamforce Unternehmer davor gewarnt hat, ihre Inhalte in öffentliche Large Language Models (LLMs) zu laden, sitzt er am Dienstagnachmittag mit dem Chef des populärsten LLMs auf der Bühne des Yerba Buena Art Center in Downtown San Francisco. Dort, wo Apple-Gründer Steve Jobs einst das iPad vorstellte.

Sam Altman ist, wie Benioff gerne erwähnt, sein Nachbar. Und derzeit das prominenteste Gesicht von Künstlicher Intelligenz. Ganz offiziell gekürt vom Nachrichtenmagazin Time, das Benioff inzwischen gehört.

Die beiden Milliardäre kennen sich seit vielen Jahren und fachsimpeln gern beim Abendessen. Das macht es Benioff als Interviewer nicht leichter. Altman ist berüchtigt für seine kurzen und knappen Antworten. Man erfährt, dass Altman vor einigen Jahren – so um 2016 – politische Ambitionen hatte und bei Benioff Rat suchte.

Essay

Das Rätsel der Intelligenz ist noch immer nicht gelöst

von Manuela Lenzen

Der Traum von der Politikerkarriere scheint vorbei zu sein. Altman, der gerade von einer Weltreise und Gesprächen mit vielen Politikern zurückgekehrt ist, gesteht, dass er für diesen Beruf nicht geeignet sei und seine Energie lieber weiter darauf konzentrieren wolle, Technologie voranzutreiben.
Für ihn spielen Politiker und der Staat jedoch eine wichtige Rolle, um Künstliche Intelligenz durch Regulierung in die richtigen Bahnen zu lenken. „Sie sollten so schnell wie möglich anfangen, auch wenn es nicht perfekt ist“, sagt Altman und empfiehlt, dafür eine eigene Behörde einzurichten. Das wird er vermutlich am Mittwoch dem US-Senat vorschlagen, wo er in einer Anhörung auftritt.

Altman hat einmal bekannt, ein sogenannter Prepper zu sein, also eine Person, die für Katastrophen durch das Anlegen von Vorräten oder den Aufbau eines Rückzugsort vorbaut. Sollte die Künstliche Intelligenz aus dem Ruder laufen, würde ihn jedoch auch der Rückzug auf einsame Inseln nicht mehr retten, macht sich Altman inzwischen keine Illusionen mehr. „Dafür ist sie zu schnell.“

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Auch dass die „Überwachungsökonomie“ eingedämmt werden kann, hält er für unrealistisch. Von der Vorstellung, sich auf einem Segelboot der Welt entziehen zu können, müsse man sich in Zeiten von Satellitennetzen wie Starlink verabschieden. „Es sei denn, man schottet sich bewusst ab.“

Am Aufstieg der generativen Künstlichen Intelligenz habe ihn am meisten überrascht, „dass es überhaupt funktioniert hat“. Denn am Anfang sei es nur ein wissenschaftliches Projekt gewesen. Bei Chat GPT 2 – also 2019 – sei er aber schon überzeugt gewesen, dass es funktionieren würde. Momentan ist Open AI bei Chat GPT 4.

Die Halluzinationen der künstlichen Intelligenz – Benioff nennt sie schlicht Lügen –, ein Grund, warum laut dem Meinungsforschungsinstitut Harris Poll 52 Prozent der Menschen der Künstlichen Intelligenz nicht vertrauen, sieht Altman aber nicht nur als Schwäche. Man werde sie in den Griff bekommen, verspricht der Open AI-Chef. Wenn man der KI aber gar keine Freiräume lasse, leide ihre Kreativität, warnt er. „Wir hätten die Magie nicht mehr.“ Dann könne man Informationen auch über Datenbanken abrufen, davon habe man schon genügend.

Künstliche Intelligenz – Geschichte einer Idee
In den Fünfzigerjahren prägte ein Forschungspapier den Begriff künstliche Intelligenz (KI) erstmalig. KI sollte „die Art von Problemen lösen, wie sie bislang nur für Menschen vorgesehen sind“. Bis heute ist der Begriff jedoch umstritten. Offen ist, was Intelligenz genau umfasst – und inwiefern es dafür eines eigenen Bewusstseins bedarf.
Bei dieser Spielart der künstlichen Intelligenz erzeugt das System aus großen Datenmengen Wissen – indem es etwa anhand von Fotos selbst erlernt, wie eine Katze aussieht. Einige Experten sehen in dieser Mustererkennung jedoch noch kein intelligentes Verhalten.
Für viele Anwendungen, darunter die Bilderkennung, brachten die Methoden des Deep Learning den Durchbruch. Dabei werden die neuronalen Netze des Gehirns mit ihren vielen Knotenpunkten digital nachempfunden.
Kommerzialisiert haben insbesondere amerikanische IT-Konzerne wie Google, Microsoft, IBM oder Amazon KI-Anwendungen. Sie finden sich etwa in der Spracherkennung in Smartphones, selbstfahrenden Autos oder als Chatbots, die mit Kunden auf Shopping-Seiten kommunizieren.

Er ist auch fest davon überzeugt, dass „Intelligenz aus einem Computerprogramm entstehen wird“, dass dies nicht nur im Menschen, sondern auch in Elektronen und Silizium geschehen könne, wenn diese die Fähigkeit hätten, Muster zu sehen und zu halluzinieren. Altman erwartet, dass diese Muster in den kommenden Jahren immer zuverlässiger, spezialisierter und leistungsfähiger werden. Wie einst das mobile Internet werde KI in Zukunft selbstverständlich sein. „Sie wird in jedem Produkt stecken.“

In Zukunft sei es denkbar, dass KI nicht nur wie heute Teile von Programmen schreiben könne, sondern das ganze Programm, sagt Altman. Das könnte es besonders kreativen und talentierten Menschen ermöglichen, ihre Ideen selbst umzusetzen, bevor sie von anderen zerredet und damit gestoppt werden.

Was ist das größte Missverständnis, das Politiker über Künstliche Intelligenz haben, will Benioff wissen. Altman möchte nicht konkret auf Politiker eingehen, sondern auf etwas, das „viele Menschen nicht wahrhaben wollen“. Sie hätten zwar akzeptiert, dass die KI sich exponentiell entwickle, glaubten aber nicht, dass dieses unbegrenzte Wachstum so weitergehe. „Das ist ein Irrtum.“

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