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  4. Künstliche Intelligenz, grüne Energien & Co.: Europa muss seine Innovationskräfte entfesseln

Technologie-WettlaufHeul' doch, Europa!

Im neuen Rüstungswettlauf bei der Künstlichen Intelligenz spielt Europa keine Rolle. Und in Washington müssen EU-Minister darum betteln, bei grünen Energien nicht abgehängt zu werden. Der Kontinent muss endlich seine Innovationskräfte entfesseln und verteidigen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Florian Güßgen 07.02.2023 - 13:24 Uhr

Analysiere, lieber Chat-Bot: Künstliche Intelligenz made in Europe!

Foto: REUTERS

Am Dienstagabend europäischer Zeit war’s so weit. Da hat Google angekündigt, jetzt zurückzuschlagen in Sachen Künstliche Intelligenz. Das, was die Super-Anwendung ChatGPT von OpenAI der Welt in den vergangenen Wochen geboten hat, das wollten und konnten die bunten, digitalen Fürsten aus dem Silicon Valley nicht auf sich sitzen lassen. Die Wachstumsraten? Irre. Die Investitionen? Wahnsinn. Die globale Aufmerksamkeit? Unerhört! Selbst im fernen Deutschland beschäftigen sich mittlerweile Lehrer und Kultusminister mit der Frage, wie der Chatbot im Unterricht eingesetzt werden kann, um dem Nachwuchs etwa das Interpretieren von Gedichten beizubringen: „Denk' ich an Deutschland in der Nacht, ...“

Ein neidischer Blick auf OpenAI oder auch ByteDance

Mit seinem eigenen Chat-Bot „Bard“ will Google nun im Wettrüsten bei jener Zukunftstechnologie aufholen, die für die globale Wirtschaft der Zukunft mit entscheidend sein könnte. Dass diese Kampfansage aus den USA kommt, nicht aus Europa, überrascht niemanden. Seit Jahren, spätestens seitdem die vorherige Welle der KI über die Welt geschwappt ist, stechen die Europäer vor allem damit hervor, ethische Fragestellungen zu diskutieren, Kodizes zu entwickeln, Risiken zu reduzieren. Mimimi.

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Dumm nur, dass sie es verpasst haben, die Zeit zu nutzen, um technologisch aufzuholen, selbst mitzuspielen. Und so bleibt den Europäern vorerst wieder einmal nur Bewunderung für die Errungenschaften der anderen, nicht nur von OpenAI in den USA, sondern etwa auch von ByteDance in China, jenem Konzern, der mit seinen KI-Innovationen hinter dem globalen Erfolg der Unterhaltungsmaschine TikTok steckt.

Made in Europe – mehr als ein hübsches Wertegesteck?

Heul‘ doch, Europa, muss man da eigentlich wütend sagen. Und: Vergiss‘ es! Offenbar gelingt es dem Kontinent nicht, einen Innovationsgeist zu entfesseln, der wirklich spitze ist. Aber mit Wut ist es nicht getan, denn Europa kann sich seine vielstimmige Bräsigkeit und sein Misstrauen gegenüber dem Neuen geopolitisch schlicht nicht mehr leisten. Die Welt – und auch der Westen – so sehr man das bedauern mag, entwickelt sich rasant von einem multilateralen Verbund hin zu einem Ringen regionaler Mächte, zu einem Ringen zwischen den USA, China, und, tja, eben nur vielleicht Europa. Um hier bestehen zu können, muss Europa mehr Entschlossenheit und auch mehr regionalen Egoismus wagen. Der Kontinent muss seine eigenen Innovationskräfte entschlossen fördern und verteidigen. Made in Europe darf nicht nur für ein hübsches Wertegesteck stehen.

Vive la Innovationspolitik!

Das gilt auch für eine andere Gruppe an Zukunftstechnologien, bei denen Europa früher führend war, die grünen Innovationen. Hier waren die USA nicht vorne dran, sind es zum Teil immer noch nicht. Aber die Wucht der Milliarden, mit denen US-Präsident Joe Biden nun den Inflation Reduction Act umsetzt, verändert das Spiel, droht Kapital und Innovationskraft abzuziehen. America First? Absolut! Und die Europäer? Lasst uns reden! Statt nun klar und entschlossen mit Wucht den amerikanischen Lockungen zu widerstehen, verspricht Brüssel zwar vollmundig Hilfen, verliert sich dann aber schon wieder zügig im Klein-Klein der nationalen Befindlichkeiten.

Und brav, wie es sich gehört, fliegen zwei Minister aus der alten Welt, der Deutsche Robert Habeck und der Franzose Bruno Le Maire, nach Washington D.C., um am Hofe des ergrünten Königs Joe um Nachbesserungen hier und da zu flehen. Reden, klar, ist nie falsch. Aber Europa, vor Jahren noch führend in Sachen Grün, wirkt angesichts des amerikanischen Vorstoßes schon wieder nur noch wie ein Bittsteller. Es ist zu hoffen, dass sich dieses Bild kurzfristig bei dem Gipfel Ende dieser Woche wandelt – und mittelfristig tatsächlich in der Innovations- und Industriepolitik.

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