WhatsApp: Warum Werbung in WhatsApp Metas nächstes Milliardengeschäft wird
Keine Werbung, nur private Nachrichten: Das war lange eines der Kernversprechen von WhatsApp. Der Messengerdienst wollte seine Nutzer nicht mit unerwünschten Meldungen nerven. Das galt auch, nachdem der Konzern Meta WhatsApp im Jahr 2014 übernommen hatte.
Doch nun stößt Meta seine Grundsätze um: Künftig möchte der Konzern auch in seinem Messenger Werbeanzeigen einblenden. Sie sollen demnächst im sogenannten Status-Bereich erscheinen. „Unser Ziel ist es, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das deine persönlichen Chats nicht stört“, kündigte der Dienst in einem Blogbeitrag an.
Damit wird einer der meistgenutzten digitalen Dienste der Welt zur Werbeplattform. Mit monatlich drei Milliarden und täglich 1,5 Milliarden aktiven Nutzern ist WhatsApp der weltweit größte Messengerdienst.
In Deutschland nutzen laut dem Portal Statista 83 Prozent der Menschen WhatsApp, mit weitem Abstand vor Facebook Messenger (44 Prozent), Telegram (28 Prozent) und Skype (10 Prozent). 97 Prozent der Befragten in Deutschland kennen WhatsApp.
19 Milliarden Dollar hatte Meta bezahlt, um WhatsApp zu übernehmen. Da hatte WhatsApp noch 450 Millionen Nutzer – und verlangte eine Abogebühr von einem Dollar pro Jahr. Von dem Nutzungsentgeld verabschiedete sich Meta nach dem Kauf. Nun aber will der Konzern die Plattform offenbar stärker als bisher monetarisieren.
Umsatz wie ein Dax-Konzern
Bisher macht WhatsApp nur einen sehr geringen Anteil am Geschäft des Konzerns aus. Wichtigste Einnahmequelle des Messengers ist die WhatsApp-Business-Plattform, mit deren Hilfe Unternehmen via WhatsApp mit ihren Kunden kommunizieren können. Sie soll im Jahr 2023 erstmals mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz erwirtschaftet haben. Für Meta ist das nur ein Nebengeschäft: Im Jahr 2024 macht der Konzern insgesamt 164,5 Milliarden US-Dollar Umsatz – zum größten Teil mit Anzeigen.
Dieses Erfolgsmodell soll nun auch in der App mit dem grünen Telefon-Logo Einnahmen generieren. Die US-Investmentbank Evercore ISI hat schon eine Rechnung aufgemacht: Meta könne sechs Dollar pro Nutzer und Jahr damit generieren.
Steige die Zahl der täglich aktiven Nutzer zugleich von 1,5 auf 1,7 Milliarden, dann mache das einen Jahresumsatz von 10,2 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Onlinehändler Zalando machte im Jahr 2023 laut Statista 10,1 Milliarden Euro Umsatz. Mit einem kleinen Zusatz in seiner App könnte Meta also zusätzliche Einnahmen eines kleinen Dax-Konzerns erschließen. Doch das setzt voraus, dass die Strategie aufgeht – und Meta seine Nutzer nicht verschreckt.
Die Konkurrenz hofft auf Abwanderer
In seinem Blogbeitrag versprach der Konzern darum schon „bestmöglichen Datenschutz“ auch mit der neuen Werbeplattform. „Deine persönlichen Nachrichten, Anrufe und Statusmeldungen bleiben Ende-zu-Ende-verschlüsselt und niemand kann sie sehen bzw. anhören, auch wir nicht."
Aber die Konkurrenz bringt sich schon in Stellung: „Benutzt Signal“, rief Meredith Whittaker auf, Präsidentin der gemeinnützigen Stiftung, die den Messengerdienst Signal weiter entwickelt. „Wir versprechen: Kein KI-Wirrwarr, keine Überwachungs-Anzeigen, was auch immer der Rest der Industrie tut."
Meta dürfte nun auf die „Stickiness“ seiner App setzen, wie Kenner die Nutzerbindung an Dienste wie WhatsApp nennen. Viele Nutzer dürften so viele Gruppenchats, Freundeslisten und Dialoge mit Unternehmen auf WhatsApp angesammelt haben, dass ein Wechsel zu anderen Apps umständlich erscheint.
Doch eine Garantie ist das nicht, das weiß Meta nur zu gut. Etwa von seiner Plattform Facebook: Die verliert seit längerem aktive Nutzer – etwa an das soziale Netzwerk TikTok. Wenn WhatsApp es mit den Werbeeinblendungen übertreibt und die Konkurrenz attraktive Funktionen oder strengeren Datenschutz anbietet, könnte das WhatsApp künftig Nutzer kosten.
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