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Gadowski investiert 100 Millionen Dollar in China-Flugtaxi „Für Luftstraßen braucht man nur Computercode und muss keine Bäume roden“

Quelle: Presse

Seriengründer Lukasz Gadowski will den Himmel erobern: Nach Volocopter und Archer investiert er nun auch noch in einen chinesischen Elektroflieger. Denn der kann einiges, worauf Europa noch wartet.

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Lukasz Gadowski glaubt an Flugtaxis. Und er tut einiges, damit aus der Vision Wirklichkeit wird: Der Co-Gründer des inzwischen Dax-notierten Lieferdienstes Delivery Hero und heutige Serieninvestor hat schon in die Flugtaxi-Start-ups Volocopter aus Deutschland und Archer aus den USA investiert.

Nun gibt er seine dritte Investition in dem Bereich bekannt: Mit seiner Technologie-Holding Team Global investiert Gadowski 100 Millionen Dollar in das chinesische Flugtaxi-Start-up Autoflight. „Wir wollen einen der globalen Marktführer in dieser neuen Kategorie der Mobilität bauen“, sagt er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Autoflight, gegründet 2016 in Shanghai, entwickelt gleich mehrere elektrische Senkrechtstarter, so genannte eVTOL. In Europa der weiteren Öffentlichkeit noch weithin unbekannt, hat das Start-up in China schon verschiedene Senkrechtstarter gebaut, darunter eine Lastendrohne, die 400 Kilogramm transportieren kann.

Mit Tempo 200 durch die Luft

Im September hat Autoflight auch einen elektrischen Senkrechtstarter für den Personentransport vorgestellt: Das Modell V1500M soll vier Passagiere bis 250 Kilometer weit und mit Tempo 200 durch die Luft befördern.

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    Das Gerät befindet sich noch in der Entwicklung, ein erster Testflug hat schon stattgefunden. Den Übergang vom Senkrechtstart in den Horizontalflug muss der Flieger noch in der Praxis zeigen. Doch mit seiner größten Lastendrohne habe Autoflight das Flugmanöver schon Tausende Male erfolgreich bewältigt, sagt Gadowski. 

    Im Sommer flog eine autonome Autoflight-Drohne von Shanghai 100 Kilometer weit zur Insel Zhoushan und brachte eine Kiste voller Fisch zurück – ein Manöver, wie es in Europa noch nicht stattgefunden hat.

    Gründer von Autoflight ist Tian Yu, der mit dem Unternehmen Yuneec schon einen der größten Anbieter für private Drohnen aufgebaut hat. Nach mehreren Treffen unter anderem in den USA und in Hongkong, sagt Gadowski, habe Yu ihn durch sein Know-how und Unternehmertum überzeugt. „Er weiß jedes technische Detail, kennt auch die Lieferketten in der Luftfahrtbranche sehr gut.“

    Auch an die Bäume gedacht

    Nun will Gadowski „den Traum wirklich werden lassen, nicht nur mit Airlinern zu fliegen, sondern auch auf kurzen Distanzen.“ Flugtaxis könnten Großstädte lebenswerter, effizienter und auch umweltfreundlicher machen. „Luftstraßen sind digital“, sagt Gadowski, „um sie zu bauen, braucht man einfach nur Computercode – und muss nicht etwa Bäume roden.“ In Massen unterwegs, seien Flugtaxis in Zukunft kaum noch teurer als eine Taxifahrt heute.

    Dazu müssten die Elektroflieger, das räumt auch Gadowski ein, mehrere Bedingungen erfüllen: „Sie müssen sicher sein, leise, kostengünstig und zuverlässig.“ Vor allem bei den letzten beiden Punkten könne sich Autoflight von der Konkurrenz absetzen: Das chinesische Start-up wolle viele Teile preiswert selbst entwickeln, statt auf teure Komponenten von Zulieferern zu setzen. Und es entwickle Technologien, um Flugtaxis auch bei schlechtem Wetter starten zu lassen, wenn bei anderen Fliegern schon die Flügel zu vereisen drohen.

    So groß wie die Autoindustrie

    Mit einer Reihe von Propellern, die den Jet senkrecht abheben lassen, und zwei weiteren, die ihn dann horizontal vorantreiben, entwickeln die Chinesen eine Technologie, für die es bisher noch keine Zulassung in Europa gibt.

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    In den nächsten Jahren will Autoflight sowohl in China als auch bei der Europäischen Luftfahrtbehörde EASA die Zertifizierung für ihren Personenflieger erhalten. Dazu soll auch ein Team in Süddeutschland aufgebaut werden, das sich um die Zulassung des Senkrechtstarters kümmert. Die Zahl von heute 300 Mitarbeitern will Autoflight in den nächsten zwölf Monaten verdoppeln.

    Weltweit arbeiten mehr als 150 Start-ups an elektrischen Flugtaxis. Zuletzt hatten mehrere davon, darunter auch Gadowskis Investment Archer aus den USA, Milliarden an der Börse eingesammelt. Marktbeobachter erwarten die ersten kommerziellen Flüge für das Jahr 2025.

    Gadowski zeigt sich überzeugt, dass die Technik von Autoflight im Vergleich zu anderen Konzepten zuverlässiger ist, bei denen die Flügel der Flieger selbst beim Start gekippt werden. In Zukunft, sagt der Serieninvestor, werde der Markt für Flugtaxis kontinuierlich wachsen und ein Geschäft werden, das jährlich Hunderte Milliarden Dollar einspiele – und eines Tages sogar auf Dimensionen ähnlich der Autoindustrie heranwachsen könne.

    Mehr zum Thema: Die Flugindustrie muss sich neu erfinden. Der Klimaschutz zwingt sie, heutige Technologien infrage zu stellen. Zugleich greifen Start-ups mit Ideen an, die lange ins Reich der Science-Fiction gehörten.

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